<^ioou^^. %kA^Uyu> ^-^ ^^^-^^^c^^ e^eP^-<^ Cut/iY. 0lfli^ H GRUNDZÜGE DEE ZOOLOGIE. ZUM WISSENSCHAFTLICHEN GEBRAUCHE VON DR CARL CLAUS, O. Ö. PROFESSOR DER ZOOLOGIE UND VERGL. ANATOMIE ; VORSTAND DES ZOOLOGISCHEN VERGL. ANATOMISCHEN INSTITUTS AN DER UNIVERSITÄT WIEN. DIRECTOR DER ZOOLOGISCHEN STATION IN TRIEST. VIERTE DURCHAUS UMGEARBEITETE UND VERBESSERTE AUFLAGE. ZWEITER BAND. MARBURG. N. G. ELWERT'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG. 1882. q,^^. ^ - 7 %^- Inhaltsverzeichniss. Specieller Theil, Seite Seite VI. Mollusca 1 c. Pterobranchia 104 1. Lamellibranchiata . , 5 2. Brachiopoda 104 a. Asiphonia 19 a. Ecardines 109 b. Siphoniata 22 b. Testicardines 109 2. Scaphopoda .... 25 Solenoconchae . 27 VIII. Tunicata .... 110 3. Gastropoda .... 27 1. Tethyodea .... 114 a. Prosobranchia 44 a. Copelatae 123 Placophora 45 b. Ascidiae simplices 124 Cyclobranchia . 47 c. Ascidiae compositae . 125 Aspidobranchia 47 d. Ascidiae salpaeformes 126 Ctenobranchia . 48 2. Thaliacea . . . ■ . 128 b. Heteropoda . 55 a. Desmoiuyaria 133 c. Pulmonata 58 b. Cyolomyaria . 133 Basommatophora 62 Stylomraatophora . 62 IX. Vertebrata .... 134 d. Opisthobranchia . 64 1. Pisces 151 Tectibranchia . 65 a. Leptocardii . 179 Dermatobranchia . 66 b. Cyclostomi 183 4. Pteropoda .... 68 Hyperoartia . 188 a. Thecosomata .... 70 Hyperotreta . 189 b. Gymnosomata 71 c. Chondropterygii . 190 5. Cephalopoda .... 71 Holocephali . 196 a. Tetrabranchiata . 84 Plagiostomi . 197 6. Dibranchiata .... 86 Squalides . . . . 197 Octopida 86 Rajides . . . . 200 Decapida 87 d. Ganoidei . . . . 202 Acanthodides 205 Vn. Molluscoidea .... 89 Placodermata 205 1. Bryozoa 90 Chondrostei . . . . 206 a. Entopi'octa . . , . 99 Pycnodontides 207 *b. Ectoprocta .... 99 Crossopterygii 208 Gymnolaemata . 100 Euganoides . . . . 208 Phylactolaemata . 103 Amiades 209 IV Inhaltsverzeichniss. Seite Seite e. Teleostei .' . . . 210 Crocodilia . . , . 309 Lophobranchii 213 c. Chelonia , 311 Plectognathi 215 4. Aves 318 Scleroderini . 215 a. Natatores 349 Physostomi . 216 b. Grallatores 355 Anacanthini . 226 c. Gallinaeei 362 Acanthopteri 228 d. Colunibinae 366 f. Dipnoi .. 239 e. Scansores 368 Aiuphibia 243 f. Passeres . 372 Apoda 254 g. Raptatores 882 Candata 255 h. Cursores . 385 Ichthyoidea 258 5. Manimalia . 388 Salamandrina 259 a. Aplacentalia 408 Batrachia 262 Monotremata . 408 Aglossa 267 Marsupialia 410 Oxydactylia 267 b. Placentalia . 416 Discodactylia . 270 Adeciduata 416 Reptilia 270 Edentata 416 a. Plagiotremata 281 Cetacea . 419 Ophidia 282 Perissodactyla 424 Opoderodonta 286 Artiodactyla 428 Colubriformia 287 Deciduata 438 Proteroglypha 291 Proboscidea . 438 Solenoglypha 292 Rodentia • 440 Saurii . 293 Insectivora 448 Annulata . 298 Pinnipedia 451 Verniilingiiia 298 Carnivora 454 Crassilinguia 299 Chiroptera 460 Brevilinguia 302 Prosimiae 464 Fissilinguia 304 Primates . 467 h. Hydrosauria . 307 Der Mensch 472 Enaliosauria • 308 Marburg. Univfrsilals-Buclidruikei(i (R. FrieilrichJ. VI. Typus. Mollusca'), Weichthiere. Seitlich symmetrische Thiere ohne Metamer enhildung und ohne locomotives Shelet, mit hauchständigem Fuss, meist von einer einfachen oder zweihlappigen Kalkschale bedecJct, mit Gehirn, Schlundring und suboesophagealen Ganglien. Seit Guvier begreift man als MoUusl^en unter Ausschluss der Girripedien eine Reihe verschiedenartiger Thiergruppen , welche noch von Linne mit den Würmern vereinigt wurden. Seitdem in neuerer Zeit die Organisation und Ent- wicklung näher erforscht worden ist, erscheint für einige dieser Gruppen durch die nahe Verwandtschaft der Larvenzustände in der That eine nähere Be- ziehung zu den Anneliden dargethan. Aehnlich wie aber die Schalenbildung der Girripedien nur eine äussere Aehnlichkeit mit den Musclielthieren zu begründen im Stande war , so hat es sich nun auch für die zweischaligen Brachiopoden gezeigt, dass dieselben nach Bau und Entwicklung keine directe Beziehung zu jenen gestatten und nicht wahre zweiklappige Muschelthiere sind, vielmehr in engerer Verwandtschaft mit den Bryozoen mit diesen als Molluscoideen zu trennen sind. Ferner dürften die sog. Mantelthiere oder Tunikaten ihrer ab- weichenden Organisation und Entwicklung nach zu separiren und als besonderer Typus zwischen Mollusken und Vertebraten zu stellen sein. Der Körper der Mollusken , von denen wir also nicht nur die Bryozoen, sondern auch die Brachiopoden und Tunicaten ausschliessen , ist stets unge- gliedert, ohne Metamerenbildung nnd ohne gegliederte Anhänge. Von einer weichen, schleimigen Haut bedeckt, entbehrt er sowohl eines Innern als äussern Bewegungsskeletes und erscheint daher besonders für den Aufenthalt im Wasser geeignet. Nur zum kleinern Theile sind die Weichthiere Landbewohner und in diesem Falle stets von beschränkter langsamer Locomotion, während die im Wasser lebenden Formen unter den weit günstigeren Bevvegungsbedin- gungen dieses Mediums sogar zu einer raschen Schwimmbewegung befähigt sein können. 1) G. Cuvier, Memoires pour servir a l'histoire et a l'anatoraie des Mollusques. Paris 1817. R. Leuckart, Ueber die Morphologie und die Verwandtschaftsverhältnisse der wirbellosen Thiere. Braunschweig 1848. Th.Huxley, On the Morphology of the ce- phalous Mollusca as illustrated by the Anatomy of certain Heteropoda and Pteropoda etc. Philos. Transactions 1853. C. Gegenbaur, Grundriss der vergl. Anatomie, k2. Auflage. Leipzig 1878. Claus, Zoologie, i. Auflage. Tom. II. 1 [ 2 Mollnsca. Allgemeiner Körperban. Eine grosse Bedeutiujg füi die freie Ortsveränderung, deren übrigens manche vollständig entbehren , besitzt der Hauinmslielschlauch vornehmlich an seiner untern, die ßauchfläche vorstellenden Seite, an welcher sich derselbe zu einem mehr oder minder vortretenden höchst mannichfach geformten Bewegungs- organe, dem sog. Fuss , ausbildet. An demselben lassen sich zuweilen mehrere aufeinanderfolgende Abschnitte (Propodium, Mesopodium , Metapodiam) unterscheiden , zu denen noch rechts und links ein paariges Epipodium hinzukommen kann. Oberhalb des Fusses erhebt sich am Rumpf sehr all- gemein eine schildförmige Verdickung der Haut, der Mantel, dessen Ränder bei vergeschrittener Ausbildung als Duplicaturen der Haut mehr und mehr selbst- ständig hervorwachsen und den Körper theilweise oder vollständig bedecken. Die Oberfläche dieser Hauptduplicatur erzeugt sehr oft durch Absonderung von kalkhaltigen und pigmentreichen Secreten mannichfach geformte und ver- schieden gefärbte Schalen, welche als schützende Gehäuse den weichen Körper in sich aufnehmen. Der auf diese Art mit Fuss und Mantel versehene con- tractile Rumpf trägt noch sehr allgemein in der Nähe des vorderen Körper- endes zu beiden Seiten der Mundöffnung zwei lappenförmige Anhänge, die Mundlappen (im Larvenleben als mächtige Segel entwickelt), und erscheint als ein die Eingeweide bergender muskulöser Sack, an dem sich bei weiterer Ausbil- dung eine Differenzirung verschiedener Abschnitte geltend macht. Bei den höhern , sog. kopftragenden Weichthieren setzt sich der vordere Theil des Körpers mit den Mundsegeln, dem Eingange in den Verdauungskanal, den Gentraltheilen des Nervensystems und den Sinnesorganen mehr oder minder scharf als Kopf ab. Der nachfolgende, die Hauptmasse des Leibes bildende Rumpf erfährt in seinem die Eingeweide umschliessenden hintern Ab- schnitt sehr häutig eine spiralige Drehung, durch welche die seitliche Symmetrie schon äusserlich eine merkliche Störung erleidet, kann aber auch eine abge- flachte oder cylindrische Form mit strenger Symmetrie bewahren. Das den Rumpf umschliessende Gehäuse erscheint in dieser Hauptgruppe einfach teller- förmig oder spiralig gewunden oder bleibt als ein mehr flaches Schalenrudiment unter der Rückenhaut verborgen. In einer Glasse der kopftragenden Mollusken, bei den Cepjhalopoden, entspringt am Kopfe in der Umgebung der Mundöffnung ein Kreis von Armen, welche sowohl zur Schwimm- und Kriechbewegung als zum Ergreifen der Nahrung verwendet werden. Dieselben wurden von R. Leuckart auf Modificationen der Segellappen zurückgeführt, von anderen For- schern vielleicht mit mehr Recht Fühlern verglichen. Ein trichterförmig durch- brochener Zapfen , welcher die Auswurfstoffe und das Athemwasser aus der geräumigen Mundhöhle ausspritzt und dabei zugleich zum Schwimmen dient, entpricht den verwachsenen Epipodiallappen, welche bei den Fteropoden ge- sondert bleiben und Flügeln ähnlich die Locomotion im Wasser vermitteln. In der Glasse der Gastropoden entspringen am Kopfe Fühler und Mundlappen, der bauchständige Fuss entwickelt sich in der Regel zu einer umfangreichen söhligen Fläche, seltener zu einem segelartig sagittal gestellten Lappen (Uetero- poden). Ausnahmsweise fällt der Fuss als selbständiger Theil vollständig aus. In einer andern Glasse bei den Äcephalen oder LamelUhranchiaten, tritt der Kopf nicht als selbständiger Abschnitt auf, und der seitlich comprimirte Leib trägt zwei Nervensystem. Sinnesorgane. 3 grosse seitliche Mantellappen, welche ebensoviele, auf der Rückenfläche mittelst eines Schlossbandes vereinigte Schalenklappen absondern. Eben so mannichfach wie die äussere Gestalt und der Körperbau wechselt die innere Organisation, welche eine Reihe vom Niedern zum Höhern auf- steigender Entwicklungsstufen darbietet. Wie die äussere Form, so erleidet auch der innere Bau häufig auffallende Störungen der bilateral symmetrischen Anordnung. Das Nervensystem ^) erscheint trotz bedeutender Variationen auf das der Anneliden zurückführbar. Man unterscheidet allgemein ein oberes , auf dem Schlünde liegendes (nur ausnahmsweise in einen Ganglienbelag der Gommissur aufgelöstes) Doppelganglion als Gehirn oder Cerebralgamjlion mit den Sinnes- nerven und einen aus mehrfachen Fasersträngen gebildeten Schlundring , von welchen ursprünglich zwei Paare von Nervenstämmen ausgehn. Das obere Paar entspricht den (primären) Pallialnerven , deren Zweige die Seitentheile des Leibes und den Mantel versorgen , das untere den Pedalnerven , welche durch Quercommissuren unter einander verbunden , die Muskeln des Fusses innerviren. Dieses in einfachster Form bei Chiton nachgewiesene Verfahren hat grosse Aehnlichkeit mit dem der Gephyreen-ähnlichen Gattungen Neonienia und Chuetoderma. Auf einer vorgeschrittenem Stufe finden sich am Ursprung der Pedalnervenstämme zwei mächtige Anschwellungen, die Fedalganglien^ welche den zusammengezogenen Ganglien des Bauchmarks der Gliederthiere an die Seite gestellt wurden. Stets zeigen dann aber die Pallialnerven bereits ein (von den ursprünglichen) abweichendos Verhalten und werden daher als secundäre (Ihering) unterschieden. Dazu kommt als eine dritte den Würmern fremde Gangliengruppe , die der Visceralgamjlien , deren Verhalten sich von der Verschmelzung mit den Cerebral- und Pedalganglien bis zur Auflösung in mehrere Gangliengruppen überaus mannichfach gestaltet. Die- selben sind mit dem Gehirn durch eine längere oder kürzere Gommissur ver- bunden und entsenden Nervengeflechte an Herz, Kiemen und Geschlechtsorgane. Man betrachtete daher dieses dritte Ganglienpaar als Aequivalent des Sgmpa- ihicus , jedoch mit Unrecht, da von demselben auch Nerven zur Haut und Muskulatur entsendet werden. Kleine (Buccalganglien) über und unter dem Schlünde gelagerte Ganglien, welche Nerven zum Schlünde und Darm entsen- den, dürften mit grösserm Rechte als Sympathicus zu betrachten sein. Als Tastorgane fungiren bei den höher entwickelten Mollusken in der Um- gebung des Mundes zwei oder vier Lappen , die bereits genannten Segel oder Mundlappen, zu denen bei den Acephalen nicht selten Tentakeln am Mantel- rande, bei den üephalophoren oft zwei oder vier einziehbare Fühler am Kopfe hinzukommen. Die Augen haben fast durchweg einen complicirten Bau mit Linse , h'is , Chorioidea und Retina und liegen in der Regel paarig am Kopfe , selten wie bei einigen Lamdlibranchiaten in grosser Zahl am Mantel- rande. Auch Gehörorgane sind weit verbreitet und zwar als geschlossene Ge- 1) Ausser den zahlreichen Abhandlungen von Lacaze-Duthiers vergl. besonders H. V. Ihering, Vergleichende Anatomie des Nervensystems und Pliylogenie der Mol- lusken. Leipzig 1877. 1* 4 Mollnscii. Verdauungscanal. Herz. Athmungsorgane. hörblasen mit Flimmerhaaren an der Innenwand, meist in doppelter Zahl dem Fussganglion oder dem Gehirne angelagert, stets jedoch vom letzt ein aus innervirt. Der Verdauuvgscarial ist überall durch den Besitz selbständiger Wan- dungen von dem Leibesraum gesondert, beginnt mit der medianen Mundöffnung und endet mit dem oft aus der Mittellinie herausgerückten seitlichen After. Am Darme treten überall mindestens die drei als Munddarm, Mitteldarm und End- darm unterschiedenen Abtheilungen als deutlich begrenzte Abschnitte auf, von denen sich der verdauende Mitteldarm allgemein durch den Besitz einer sehr umfangreichen Leber auszeichnet. In den Munddarm münden Speicheldrüsen ein; häufig ist der vorderste Abschnitt desselben mit einem Reib- beziehungs- w^eise Fangapparat bewaffnet { Odontoplioren ) , welcher den Lamellibran- chiaten durchaus fehlt. Nieren sind überall vorhanden und häufig paarig symmetrisch in beiden Körperhälften, oft aber auch — vornehmlich bei asym- metrisch gestaltetem Körperbau — an einer Seite verkümmert (7^rt/e^Za, Iluliotis), beziehungsweise ganz hinweggefallen {Gastropoäen). Es sind in der Regel Canäle , deren weites Lumen mit Theilen der Leibeshöhle (Pericardialsinus) communicirt und mit einer seitlichen Oeffnung nach aussen mündet. Möglicher- weise ist die Molluskenniere dem Segmentalorgane des Anneliden homolog, zumal die innere trichterförmige Mündung häufig mit Wimpern besetzt ist, und in vielen — wie es scheint ursprünglichen Verhältnissen näher stehenden — Fällen eine Beziehung zur Ausführung des Geschlechtsprodukte besteht. Ueberall findet sich dorsalwärts im hintern Körpertheil ein gedrungenes Herz , von dessen Ventrikel aus das Blut in arteriellen Gefässen nach den Or- ganen hinströmmt. Das Herz ist stets ein arterielles und nimmt in seinem un- paaren oder paarigen Vorhof das aus den Athmungsorganen ausströmende arterielle Blut auf. Vollkommen geschlossen möchte das Gefässsystem in keinem Falle sein, indem auch da, wo Arterien und Venen durch Gapillaren verbunden sind, (freilich von einem Endotel ausgekleidete) Blutsinus und endotelfreie Lacunen der Leibeshöhle in den Gefässverlauf eingeschoben sind. Dazu kommen sehr allgemein noch Oeffnungen, welche die Einfuhr von Wasser in die Lacunensysteme ermöglichen. Ueberall dient die gesammte äussere Fläche zur Respiration, daneben aber sind besondere Athmungsorgane als Kiemen , seltener als Lungen vorhanden. Die Kiemen treten als flimmernde Ausstülpungen der Körperfläche, meist in einer Mantelhöhle zwischen Mantel und Fuss, bald in Form verästelter und verzweigter Anhänge, bald in Form breiter Lamellen {Lamellibranchiaten) auf. Die Lunge dagegen erscheint ein mit Luft gefüllter Mantelraum , dessen Innenwand durch complicirte Faltenbildungen eine grosse Oberfläche für die respirirenden Blutge- fässe darbietet, und communicirt durch eine Oeffnung mit dem äussern Medium. Somit ist Lungen und Kiemenhöhle morphologisch nicht verschieden. Die Fortpflanzung erfolgt durchweg auf geschlechtlichem Wege. Im All- gemeinen wiegt der Hermaphroditisnnis vor, indessen sind nicht nur zahlreiche marine Gastropoden , sondern auch die meisten Lamellibranchiaten und alle Cephalopoden getrennten Geschlechtes, Die Entwicklung des Embryo's wird meist durch eine inaequale, seltener {Cephalopoden) discoidale Dotterfurchung eingeleitet. Die ausschlüpfenden Entwicklung. 1. Classe Lamellibranchiata. 5 Jungen durchlaufen im erstem Falle meist eine complicirte Metamorphose und erhalten oberhalb des Mundes eine von Wimpern umsäumte Hautausbrei- lung, welche anfangs durch einen praeoralen Wimperkranz vorbereitet, später als sog. Velum symmetrisch in mehrere Lappen zerfällt und als Bewegungsorgan fungirt. Nach Form, Wimperbekleidung des Velum's und Organisation gestatten viele Molluskenlarven einen nähern Vergleich mit der Loven'schen Wurmlarve {Trociiosphaera oder Trocliophora). Wie diese besitzen sie auch einen gekrümmten Darm mit bauchständigem Mund und After und eine Art Scheitelplatte, aus welcher die Anlage des Nervencentrums, der Fühler und Augen hervorgeht. Dagegen unterscheiden sie sich in ihrer weitern Entwicklung abgesehn von der mächtigen Ausbildung des oft gelappten Velum's durch das Vorwachsen der Fuss- anlage zwischen Mund und After, sowie durch das Auftreten einer dorsalen Ec- todermverdickung (sog. Schalendrüse), von welcher die Anlage der Schale ausgeht. Bei weitem der grösste Theil der Mollusken ist auf das Leben im Wasser, besonders im Meere angewiesen , nur wenige leben auf dem Lande , suchen dann aber stets feuchte Aufenthaltsorte auf. Zahlreiche petrificirte Reste {Leit- muscheln) haben sich aus der Vorzeit erhalten. I. Classe. Lame IUI) ranclii ata'), Musclielt liiere. Welchthiere ohne gesonderten Kopf, mit zweilappigcm Mantel und rechter und linlcer, durch ein rücJcenständiges Ligament verbundener Schalen- hlappe, mit doppelten Kiemenhlüttern, meist getrennten Geschlechts. Die Lamellibranchiaten wurden früher, nach dem Vorgang Lamarck's mit den Brachiopoden, denen sie in ihrer äusseren Körperform ähnlich sehen, in einer gemeinsamen Classe als Muschelthiere oder Conchiferen zusammengestellt. Wie diese entbehren sie eines Kopfes und besitzen einen umfangreichen meist in zwei Lappen gespaltenen Mantel, sowie eine zweiklappige Schale, hidessen sind die Abweichungen beider Thiergruppen, sowohl in der allgemeinen Gestal- tung als in der inneren Organisation so wesentlich, dass ein näherer Verband derselben unmöglich aufrecht erhalten werden kann. Der meist streng symmetrische Körper der Lamellibranchiaten erscheint bei bedeutender Streckung seitlich comprimirt und von zwei seitlichen Mantel- lappen umlagert, welche an der Rückenfläche festgeheftet, in der Regel eine rechte und linke Schalenklappe absondern. Zu den Seiten der Mundöffnung finden sich zwei Paare blatt- oder tentakelförmiger Mundsegel. An derBauch- 1) G. Cuvier, l'histoire et Fanatomie des Mollusques. Paris. 1817. L. H. Bojanus, üeber die Athem- und Kreislaufswerkzeuge der zweischaligen Muscheln. Isis. 1817. 1820. 1827. W. B. Carpenter, Artikel: Shell, in Todd's Cyclopaedia of Anatoniy and Physio- logy. Vol. IV. 1848. S. Loven, K. Vet. Akad. Handlgr. Stockholm. 1848, übers, ina Arch. für Naturg. 1849. Lacaze-Duthier s, Ann. sc. nat. 1854— lötJl. Keber, Bei- träge zur Anatomie und Physiologie der Weichthiere. Königsberg. 1851. H. und A. Adams, The genora of the recent Mollusca. London. 1853 — 58. L. Reeve, Concho- logia iconica. London. 1846—1858. S. Hanley, An illustrated and descriptive Cata- logue of recent Bivalve Shells etc. London, 1856. 6 Lamellibranchiaten. Körpergestalt. fläche erhebt sich ein umfangreicher meist beilförmiger Fuss, imd überall treten in der Mantelfurche zwischen Mantel und Fuss zwei Paare, selten nur ein Paar blattförmiger Kiemen hervor. Die beiden Mantellappen, welche den Körper vom Rücken aus (den Decken eines Buches vergleichbar) zwischen sich nehmen, zeigen fast überall, auch da, wo die verdickten Ränder vollständig in ihrer ganzen Länge frei bleiben, an ihrem hintern Ende jederseits zwei auf einander folgende Aus- schnitte, welche von zahlreichen Papillen oder Fädchen umsäumt , beim Zu- sammenlegen der Mantelhälften zwei hinter einander folgende Spaltöffnungen bilden. Der obere dem Rücken zugekehrte Schlitz, welcher übrigens auch mit dem untern verschmolzen sein kann, fungirt als Kloakenöffnung, der untere als Einfuhr- oder Kiemenöffnung. Durch diesen gelangt das Wasser unter dem Einfluss eigenthümlicher Wimpereinrichtungen der Innern Mantelfläche und der Kiemen bei etwas klaffender Schale in den Mantel - und Athemraum , um- spühlt die Kiemen und führt kleine Nahrungskörper nach den Mundsegeln zur Mundöffnung; die obere oder Kloakenöffnung schafft das Wasser nebst den Auswurfsstoffen des Leibes, insbesondere denen des Darmkanals aus dem Mantel- raum nach Aussen. Nicht überall bleiben die Randsäume beider Mantel- lappen in ihrer ganzen Länge frei, sehr häufig beginnt vielmehr vom hintern Ende aus eine Verschmelzung, welche allmählig in immer grösserer Ausdeh- nung nach vorn vorschreitet. In Folge dieser Verschmelzung sondert sich zunächst eine einfache, Kloaken- und Athemschlitz in sich fassende hintere Oeffnung von dem nach vorn in seiner ganzen Länge geöffneten Mantelschlitz , oder es kommen auch Kloaken- und Athemöffnung durch eine Querbrücke zur Sonde- rung. Aber auch der lange vordere Mantclschlitz , welchen man wegen seiner Beziehung zum Durchtritt des Fusses »Fussschlits« genannt hat, verkürzt sich in Folge fortschreitender Verwachsung der Mantelränder allmählig so sehr, dass der gleichzeitig verkümmerte Fuss kaum mehr hervortreten kann, und es nähert sich die Mantelbildung einer sackartigen Umhüllung, für deren Ein- und Ausgang wie bei den Äscidien zwei Oeffnungen neben einander frei geblieben sind. Je weiter sich nun der Mantel nach vorn zu schliesst, um so mehr schreitet eine eigenthümliche Verlängerung der hintern Mantelgegend um Kloaken- und Athemöffnung vor, welche die Entstehung von zwei contractilen, frei hervortretenden Röhren , Siphoveii , veranlasst. Nicht selten erlangen diese Siphonen einen solchen Umfang, dass sie überhaupt nicht mehr zwischen die am Hinterrande klaffenden Schalen zurückgezogen werden können. Ge- wöhnlich ist der untere oder Kiemensipho der längere; zuweilen verwachsen auch beide Siphonen an itirer Basis selbst bis zur Mitte oder gar bis an die Spitze , doch bleiben dann die beiden in den Mantelraum ein- und ausführen- den Kanäle, ebenso wie ihre beiden von Tentakeln umstellten Endöffnungen von einander getrennt. Endlich können die theilweise verwachsenen Siphonen mit dem eigenthümlich gestreckten, von der verkümmerten Schale unbedeckten Hinterleib einen wurmförmigen Körper bilden, an welchem der schalentragende Vorderleib Kopf-ähnlich aufsitzt (Tercdo, Schiffsbohrwurm). Hinsichtlich seiner Structur besteht der Mantel wie die äussere Haut des Muschelthieres überhaupt aus einein von Muskelfasern reich durchsetzten Binde- Mantel. Schalenklappen. 7 gewebe und einer äussern zelligen schleimigen Oberhaut. Dieselbe erweist sich auf der äussern Fläche aus Cylinderzellen, auf der Innenfläche des Mantels dagegen aus einem Flimmer -Epitelium gebildet. Pigmente kommen in den Zellen der Oberhaut besonders reich an dem contractilen, sehr häufig gefalteten, oder auch Papillen und Tentakeln tragenden Mantelsaum vor. Der binde- gewebigen Unterhaut ist die Muskulatur einlagert, welche an mehreren Stellen dichte Faserziige, beziehungsweise mächtige Muskelmassen bildet. Unter den letztern sind ausser den Retractoren des Fusses die beiden Adductoren der Schalenklappen, der vordere und hintere Schalenschliesser hervorzuheben, deren Zusammenziehung dem Schalenligamente entgegen wirkt. Nach Ihering scheinen beide, insbesondere aber der hintere Schalenschliesser zwei verschieden- artige Theile zu enthalten, eine aus mehr oder minder deutlich quer gestreiften Faserzellen gebildete muskulöse Portion, welche den raschen Schluss der Schale besorgt {Vecten) und eine mehr fibrilläre ligamentöse Portion, welche als Antagonist des Schalenligamentes fungirt. Auf seiner äussern Oberfläche sondert der Mantel eine feste Kalkschale ab , welche den beiden Mantellappen entsprechend , in zwei seitliche am Rücken zusammenhaftende Klappen zerfällt. Nur selten erscheinen beide Klap- pen vollkommen gleich , jedoch nennt man nur diejenigen Schalen ungleich- klappig, Avelche nach Grösse, Wölbung und Gestalt sich auffallend asymmetrisch und ihrer Lage nach als obere und untere erweisen. Die untere häufig aufge- wachsene Schale ist die grössere und am tiefsten gewölbte, die obere erscheint kleiner, flacher und deckelartig aufliegend (Ostrea). Meist schliessen die Ränder der zusammengeklappten Schalen fest aneinander, indessen giebt es auch Aus- nahmen, indem beide Schalen an verschiedenen Stellen zum Durchtritt des Fusses, des Byssus , der Siphonen mehr oder minder klaffen, zuweilen sogar weit aus- einander stehen können. Letzteres gilt insbesondere für diejenigen Muschelthiere, welche sich in Sand , in Holz oder in festes Gestein einbohren und theilweise mit wurmförmig gestrecktem Leib in einer kalkartigen Röhre {Tahicolac) ein- geschlossen sind. Hier kann sich die Schale durch eine weite vordere Aus- randung und ausgedehnte Abstutzung ihrer hintern Partie mehr und mehr bis auf ein reifförmiges Rudiment reduciren (Teredo), dagegen schliesst sich an das Hinterende derselben eine Kalkröhre an, die mit den Schalenrudimenten innig verwachsen und dieselben ganz in sich aufnehmen kann {Asi^crgiJliim). Die Verbindung beider Schalen erfolgt stets an der Rückenfläche und zwar in der Regel durch ein elastisches äusseres oder auch wohl verdecktes inneres Ligament , welches die Klappen zu öffnen bestrebt ist. Neben diesem ela- stischen Band betheiligt sich auch der obere Rand durch ineinandergreifende Zähne und Gruben beider Schalenhälften an der festen Verbindung der letztem. Derselbe bildet das Schloss {cardo) , dessen besondere Gestaltung systematisch höchst wichtig ist. Man unterscheidet demnach den Schlossrand mit dem Liga- mente von dem freien Rande der Schale, welcher in einen vordem, untern und hintern oder Siphonalrand zerfällt. Vorderrand und Hinterrand bestimmen sich im Allgemeinen leicht nach der Lage des Schlossbandes zu den zwei Wirbeln oder Buckeln (unibones, nates), welche als zwei hervorragende Spitzen über dem Rückenrande den Ausgangspunkt für das Wachsthum der beiden 8 Lamellibranchiaten. Mantelbucht. Structur der Schale. Schalenklappen bezeichnen und den Scheitel (apex) derselben bilden. Der meist oblonge Umkreis des Ligamentes , das Höfchen oder Schildchen (area) , findet sich hinter dem Scheitel und nimmt die obere hintere Seite der Schale ein. Andererseits liegt an der meist kürzeren Vorderseite wenigstens bei den Gleich- klappigen ein vertiefter Aufschnitt , das Mondchen (lumda) , an dessen Lage man alsbald den Vorderrand erkennt. Während die äussere Oberfläche der Schale sehr mannichfache Sculptur- verhältnisse zeigt und sehr häufig radiale oder concentrische Rippen und Furchen darbietet, ist die Innenfläche glatt und perlmutterglänzend. Bei näherer Betrachtung finden sich aber auch an der Innenfläche eigenthümliche Ver- tiefungen und Flecken, welche als Ausdruck von Muskeleindrücken für die Auffassung des Zusammenhanges zwischen Schale und Mantel und desshalb auch in systematischer Hinsicht wichtig erscheinen, Dem Unterrande ziemlich parallel verläuft ein schmaler Streifen, die sog. Mantellinie, welche da, wo sich eine Athemröhre findet, für diese letztere eine vor und aufwärts einspringende Bucht, die Mantclhucht , bildet. Dieselbe wird durch den Ansatz der Re- tractoren der Siphonen bedingt, während die Mantellinie den Ansatzstellen von Muskelfasern des Mantels ihre Entstehung verdankt. Sodann finden sich in der Regel zwei grosse rundliche Flecken , die Eindrücke des vordem und hintern Schliessmuskels , welche den Leib des Thieres quer von der einen zur andern Seite durchsetzen und sich an der Innenfläche der Schale befestigen. Während in der Regel bei den gleichklappigen Muscheln [Orthoconchae) beide Eindrücke wohl ausgebildet sind und an Grösse ziemlich gleichkommen , verkümmert der vordere Schalenschliesser bei den Ungleichklappigen {Pleuroconchev) bis zum vollständigen Schwunde , dagegen rückt der hintere nun um so umfangreichere Muskel weiter nach vorn bis in die Mitte der Schale hinein. Man hat diesen keineswegs scharfen und systematisch verwerthbaren Unterschied dazu benutzt, um die zahlreichen Familien in zwei Gruppen als Dirnyarier und ]\lo)iomyarier gegenüber zu stellen. Indessen wird die Zahl der Muskeleindrücke noch durch die Ansatzpuncte der Retractoren des Fusses vermehrt, von denen man ein vor- deres Paar und ein oder zwei hintere Paare unterscheidet. Die Eindrücke der er- steren liegen dicht hinter dem vordem, die derletzteren vor dem hintern Adductor. Hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung besteht die Schale aus kohlensaurem Kalk und einer organischen Grundsubstanz {ConchyoUn), welche meist eine geschichtete, blättrig lamellöse Textur darbietet. Zu diesen ge- schichteten Innern Lagen kommt häufig noch eine äussere mächtige Kalkschicht, welche aus grossen palisadenartig aneinandergereihten Schmelzprismen (Kalk- säckchen) zusammengesetzt, der Schmelzsubstanz des Zahns verglichen werden kann. Endlich folgt nicht selten an der äussern Oberfläche der Schale eine hornige Cuticula, die sog. Epidermis. Das Wachsthum der Schale erweist sich theils als eine Verdickung der Substanz, indem die ganze Oberfläche des Mantels neue concentrisch geschichtete Lagen absondert, theils als eine Grössenzunahme der Schalenfläche, welche durch schichtenweise angesetzte Neubildungen am freien Mantelrande erfolgt. Auf die letztere Art entsteht der äussere gefärbte und meist aus senkrechten Prismen zusammengesetzte Schalentheil nebst der hornigen Cuticula, während die concentrisch gefalteten farblosen Innern Perl- Perlen. Fuss. Nervensystem. 9 mutterlagen von der gesammten äussern Manteloberfläche gebildet werden. Diese verschiedenen Formen der Mantelsecretion geben auch bei den sog. Perl- muscheln {MeJeagrina, ünio margaritifer) zu der Entstehung von Perlen Ver- anlassung: indem fremde Körper, Sandkörnchen, thierische Parasiten oder deren Eier zwischen Schale und Mantel eindringen , bilden sie den Mittelpunkt für die Absonderung concentrischer Perlmutter- und Säulenschichten, je nach ihrer wechselnden Lage auf der äussern Mantelfläche oder am Mantelrande. Indessen scheint eben so häufig und bei Unio tnargarltifcr in der Mehrzahl der Fälle die Entstehung des Perlenkerns von dem Thiere selbst auszugehen, insbe- sondere von der Substanz der Epidermis. Als selbständiges Locomotionsorgan dient der an der Bauchseite hervor- stehende Fuss, der nur bei verhältnissmässig wenigen des Ortswechsels verlustig gegangenen Muschelthieren (Ostrea, Anomia) fehlt oder ganz rudimentär ge- worden ist. Form und Grösse dieses durch vordere und hintere Retractoren zurückziehbaren fleischigen Fortsatzes variirt übrigens nach der besonderen Art der Bewegung sehr mannichfach, auch kann derselbe zugleich die Function eines Spinnapparates übernehmen, indem er aus einer medianen Furche seiden- artige Fäden , das Secret der Byssusdrüse , hervortreten lässt , welche ZAir zeit- weiligen oder beständigen Anheftung des Thieres oder gar zu einer Art Nestbau {Crenella discors, Modiola vestita, Lima hians) verwendet werden. Am häu- figsten dient der Fuss zum Eingraben in den Sand und besitzt eine beilförmige oder fast halbkugelig abgestumpfte Gestalt, in anderen Fällen erweitert er sich durch seitliche Ausbreitung zu einer söhligen Kriechscheibe. Seltener gestaltet sich der Fuss bei bedeutender Grösse knieförmig und dient dann zum sprung- artigen Fortschnellon des Körpers im Wasser (Cardium). Solche beweglichere Formen scheinen im Stande zu sein, den Ortswechsel auf grössere Entfernungen hin zu unterhalten und selbst grössere Wanderungen vielleicht im Zusannuen- hang mit der Fortpflanzung zu unternehmen. Einige Muschelthiere besitzen einen linearen, keulen- oder walzenförmigen Fuss {Solen, Solenomya) und bewegen sich, indem sie den Fuss rasch einziehen und Wasser durch die Siphonen aus- spritzen. Wieder andere, wie die Pilgermuschel n(Pedew), schwimmen durch ab- wechselndes Auf- und Zuklappen der Schalen und sind sogar im Stande, sich von festen Gegenständen aus im Sprunge emporzuschnellen. Bei Cryptodon hat der Fuss eine lange tentakelartige Gestalt. Viele benutzen auch den Fuss zum Eingraben des Körpers im Schlamme, aus welchem dann nur die hintern Partie oder auch die Siphonen hervorragen , andere endlich bohren sich in Holz {Teredo) oder gar in festes kalkiges Gestein {Fholas, Lithodomus , Saxkava etc.) ein und be- nutzen dabei den kurzen abgestutzten Fuss zum Anstemmen des Leibes, den festen und oft fein bezähnten Schalenrand unter Drehbewegungen als Reibe. Diese Art der Einbohrung scheint nach Robertson für Fholas und nach Karting für Teredo Geltung zu haben. Das Nervensystem enthält die drei Ganglienpaare der Weichthiere in symmetrischer Anordnung. Da weder ein Kopfabschnitt zur Sonderung gelangt, noch die Sinnesorgane sich am vordem Körperende concontriren , so sind die Cerebralganglien verhältnissmässig wenig ausgebildet. Ihre Nerven ver- sorgen vorzugsweise die Umgebung des Mundes, die Segel, aber auch den Mantel, 10 Lamellibranchiaten. Nervensystem. Gehörblasen. Augen. in welchen oft zwei .starke Stämme eintreten. IJeheraW fehlen die Buccalganglien, welche bei den Gastropoden regelmässig vorhanden sind und die Schlundmasse innerviren. Häufig (ünio) weichen die beiden Hälften des Gehirns seitlich aus- einander und nähern sich dem unter dem Schlünde gelegenen, zuweilen weit nach vorn gerückten Fussganglion (Pecten), de.ssen Nerven sich an der Bauch- seite des Körpers im Fu.sse verbreiten. Am meisten entwickelt erscheint das dritte Ganglienpaar, das Eingeweide- oder Kitmengtwglion. Dasselbe steht mit dem Gehirne durch lange Gommissuren in Verbindung und liegt dem hintern Schliessmu.skel an. Die Nerven desselben versorgen die Kiemen, das Herz und die hinteren Muskelgruppen, sowie den Enddarm und den Mantel, an dessen Rande sie als starke Nerven mit dem vom Gehirn kommenden Nerven unter Bildung von Geflechten verschmelzen. Auch treten vom Kiemenganglion anselmliche Nerven zu den Siphonen aus, an deren Basis dieselben ein accessorisches Gang- lienpaar bilden. Von Sinnesorganen treten Gehörorgane, Augen- und Tastorgane auf. Die ersteren liegen überall als paarige Gehörblasen unterhalb des Schlundes dem Fus.sganglion an (während ihr Nerv im Gehirn seinen Ursprung nimnit) und zeiclmen sich meist durch' die mächtigen Wimperzcllen aus, welche in der Umgebung des Otolithen die Wandung auskleiden. Augen finden sich theils als einfache Pigmentflecken am Ende der Athemröhre {Soloi , Venus), theils auf einer weit höhern Stufe der Ausbildung am Mantelrande von Area, Pectun- culus, Tellina und insbesondere von Cardium, Pecten ^), Spotidylus, von denen die beiden erstem Gattungen eine sehr rasche Ortsbewegung haben. Bei Pecten und Spondylus sitzen dieselben als gestilte Knöpfchen von smaragd- grünem oder braunrothem Farbenglanze zwischen den Randtentakeln vertheilt. Sowohl der muskulöse Stil als das den Augenbulbus umschliessende Knöpfchen sind von einem pigmenthaltigen Cylinderepitel bedeckt, welches an der vordem Fläche des Knöpfchens niedriger wird und sein Pigment verliert. Hierdurch entsteht eine Art Pupille, durch welche das Licht in den Augenbulbus einfällt. Der von einem schmalen bindegewebigen Saum umkleidete Bulbus wird durch ein Querseptum in 2 Abschnitte gesondert, von denen der vordere eine kuglige aus Zellen zusammengesetzte Linse, der hintere den complicirten Licht-perci- pirenden Apparat enthält. Dieser besteht aus 5 Schichten, einer vorderen Lage spindelförh liger Nervenzellen, einer zweiten hintern Schicht mehr cylindrischer Nervenzellen, welche seitlich eigenthümliche Wülste bildet, einer scharf begrenzten Stäbchenschicht, einem silberglänzenden Tapetum und einer einfachen Lage braunrother Pigmentzellen , dem Pigmentstratum. Die Stäb- chenscliicht liegt demnach wie im Vertebratenauge nach aussen gewendet. Merkwürdiger Weise spaltet sich der Opticus in zwei Stämme, von denen der grössere vordere den Bulbus vor dem Septum durchsetzt , der kleinere in zahl- reiche Bündel sich spaltet, welche den Augengrund becherförmig umfassen und gesondert rings in das Auge einstrahlen. Die Fasern des vordem Nerven 1) Vergl. A. Krohn, Ueber augenähnliche Organe. Archiv für Anatomie und Physiologie. 1810. V. Hensen, Ueber das Auge einiger Lamellibranchiaten. Zeitschr. für wiss. Zool. Tom. XV. 1865. Tastorgane. Darmcanal. Kreislauf. 11 breiten sich an der Vorderfläche des Tapetums nach allen Seiten aus , durch- setzen dasselbe und scheinen lediglich in die vordere Schicht der spindelförmigen Zellen überzugehen , während die Fasern des hintern Nerven plexusartig ver- bunden , in die mehr cylinderische Nervenzellen der zweiten Schicht eintreten. Zur Tastempfindung mögen die beiden Paare von Mundlappen oder Segel vorzüglich geeignet sein ; daneben aber fungiren auch die Ränder der Athem- öffnungen mit ihren Papillen und Girren , sowie die oft sehr zahlreichen und in mehreren Reihen geordneten Tentakeln am Mantelsaume z. B. bei Lima und Fecten als Tastwerkzeuge. Auch da wo solche nicht auftreten, wird der Mantel mit seinem reichen Nervennetz am Rande Sitz eines feineren Gefühls sein- Wahrscheinlich sind die hier verbreiteten haartragenden Zellen (Pinselzellen) das die Tastempfindung vermittelnde Nervenepitel. Die Verdauungsorgane der Lamellibranchiaten beginnen mit der von zwei Lippen begrenzten Mundöflfnung. Ober- und Unterlippe erscheinen gewöhn- lich jederseits in einen zuweilen wiederum gefallteten Mundlappen ausgezogen, können aber auch in ihrem Verlaufe gefranzt sein {Fecten) und enden am entgegengesetzten Körpertheile mit dem After. Dem Munde schliesst sich eine kurze Speiseröhre an, in welche durch den Wimperbesatz der Mundsegel kleine mit dem Wasser in der Mantelhöhle aufgenommene NahrungsstofTe eingeleitet werden. Kauwerkzeuge , wie wir sie in Gestalt von Kiefern und einer Zunge bei den Cephalophoren finden, fehlen bei dieser Art der Ernährung vollständig. Die kurze Speiseröhre erweitert sich in einen kugligen Magen, an dessen Pylorus- theil meist ein verschliessbarer Blindsack anhängt, hi vielen Fällen findet man noch entweder in der eben erwähnten blindsackartigen Ausstülpung des Magens oder in Darmkanale ein stabförmiges durchsichtiges Gebilde, welches unter dem Namen Krystailstil bekannt, als ein periodisch sich erneuerndes gallertiges Ausscheidungsproduct des Darmepitels aufgefasst wird. Der eigentliche Darm erreicht überall eine ansehnliche Länge und erstreckt sich unter mehrfachen Windungen von Leber und Geschlechtsdrüsen umlagert in den Fuss hinein, steigt dann hinter dem Magen bis zum Rücken empor und mündet nach Durchsetzung der Herzkammer auf einer frei in den Mantelraum hineinragenden Papille aus. Möglicherweise hat derselbe lediglich die Bedeutung eines ela- stischen Darmpfropfes, durch welchen der Durchgang des Darminhalts verzögert wird {Krulienherg). Der Kreislauf) wird wie bei allen Mollusken durch ein arterielles Herz unterhalten , welches von einem Pericardium umschlossen, in der Mittel- linie des Rückens etwas vor dem hintern Schliessmuskel liegt und merkwürdiger Weise von dem Darmkanal durchbohrt wird. Das Blut tritt durch zwei seitliche Vorhöfe in das Herz ein. Auffallend ist die Duplicität des Herzens bei Area, deren paarige Aorten aber wieder zu einer vordem und einer hintern Arterie zu- sammentreten. Die Verästelungen dieser beiden Gefässstämme führen das Blut in ein complicirtes System von Lacunen im Mantel und in den Zwischenräumen der Eingeweide. Dieses mit der Leibeshöhle zusammenfallende System von 1) Vergl. C. Langer, üeber das Gefässsystem der Teichmuschel. Denkschriften der Wiener Akademie 1855 und 1856. 12 Lamellibranchiaten. Herz. AthmunorsorKane o^ Bluträumen vertritt sowohl die Gapillargefässe als die feineren Venennetze, ob- wohl es neuerdings von mehreren Forschern (Langer, v. Hessling, Keber) für ein Gapillar- und Venensystem in Anspruch genommen wurde. Auch früher war schon bereits von Guvier, M ecke lein geschlossenes Blutgefäss- system der Mollusken behauptet worden, welches jedoch M i 1 n e E d w a r d s durch wichtige Gründe bekämpfte, so dass fast säramtliche neuere Beobachter von dem Vorhandensein wandungsloser Lacunen und Parenchymlücken überzeugt wurden. Von grössern venösen Bluträumen sind vor Allem ein mittlerer un- paarer Sinus, in welchen das Lacunensystem des Fusses einführt und zwei seitliche Venensinus an der Basis der Kiemen hervorzuheben. Von diesen letztern strömt das Blut, nachdem dasselbe der Hauptmasse nach von jenem mittleren Sinus aus durch ein Netz von Kanälen die Wandung der Bojanus- schen Organe wie durch eine Art Pfortaderkreislauf durchsetzt hat , in die Kiemen ein , um von da als arterielles Blut in die Vorhöfe des Herzens zurück- zukehren. Oeffnungen am Fusse (oder auch am Mantel) führen beträchtliche Mengen von Wasser in den Körper ein, das sich dem Blute zumischt. Früher hat man aus diesem Grunde den Muschelthieren ein besonderes Wassergefässsystem zugeschrieben , das sich jedoch auf Schwellnetze des Fusses reducirt , welche als ein Theil des Systemes der Blutlacunen durch Wasseraufnahme eine plötz- liche Anschwellung des Körpers bewirken, aber ebenso rasch auch durch Aus- spritzen des Wassers eine Abschwellung wieder herbeiführen können [Cydas, Cardinw, Anodonta etc.) Als Athnmngsorgane ') treten überall Kiemen auf, in der Regel als zwei Paare von blattförmigen Kiemen (LameUibranchiateu) , welche hinter dem Mundlappen entspringen und längs der Seiten des Rumpfes nach hinten ver- laufen. Jede Kieme besteht aus zwei (einer medialen und lateralen) Lamellen, die an der Basis zur Bildung eines Kiemenganges auseinander weichen und am freien Rande in einander übergehen. Auf ihrer Oberfläche tragen die Kiemenblätter ebenso wie ihre interlamellären Wasserräume zum Unterhalten einer continuir- lichen Wasserströmung ein Wimperepitel. Gewöhnlich ist die äussere dem Mantel anliegende Kieme beträchtlich kleiner, zuweilen fällt dieselbe vollkommen hinweg, und es reducirt sich die Zahl der Kiemen auf ein einziges Paar, welches dann stets den beiden Innern oder medialen Kiemen entspricht. Die einfachste Form der Kiemen, die auch der Entwicklung nach die embryonale (Lacaze- Duthiers) ist, wird durch eine Reihe neben einander entspringender Fortsätze, beziehungsweise fadenförmiger Blättchen hergestellt , welche isolirt oder doch nur lose durch Gewebsbrücken verbunden sind. Indem sich die fadenförmigen Blättchen der medialen Kieme medialwärts, der äussere lateralwärts um- 1) Vergl. ausser Bojanus, van der Hoeven, v. Rengarfcen, Langer, v. Hess- ling besonders Alder nnd Alb. Hancock, On the branchial curreuts in Pholas and Mya. Ann. Mag. Nat. Eist. 1851, ferner Ebend. 1852 und 1853. T. Williams, On the Mecha- nism of Aquatic Respiration in Invertebrate Animals. Ibid. 1854. Lacaze-Duthiers , Memoire sur le developpenient des branchies des Mollusques ace'phales etc. Ann. seien, nat. Ser. IV. Tom. IV. I85ü. C. Posner, Ueber den Bau der Najadenkieme. Arch. f. niikrosk. Anat. Tom. XL 1875 u. XIII. 1877. R. Bonnet, Der Bau und die Circulation der Acephalenkieme. Morph. Jahrb. Tom. 1 IL 1877. R. H. Peck, Gills of Lamellibranch. Mollusca. Quaterl. Journ. of Micr. Science vol. XVII. 1877. Bau der Kiemenblätter. 13 schlagen , bilden sie zwei Sehenkel , welche im Verein mit den gleichwerthigen parallel liegenden Schenkeln der übrigen Kiemenfäden die Grundlage zmn medialen und lateralen Blatte jeder Kieme herstellen und den interlamellären Raum umschliessen , weicher durcb gegitterte zwischen benachbarten Fäden bleibende Spalten ausmündet. Einfache Fadenkiemen der Art finden sich bei Ai-ca, Mytüus und der asymmetrischen Änomia. Complicirter ist die Form der durchbrochenen Blatthieme , welche sich nicht nur durch die festere Ver- einigung der in einer Fläche gelegenen Kiemenfäden zu einer Kiemenlamelle, sondern durch die Ausbildung von Gefässnetzen auszeichnet. Diese wird durch Aushöhlung sowohl der Querbrücken zwischen den Kiemenfäden als dei- Septen ermöglicht , welche quer zwischen den beiden Blättern der Kieme ausgespannt den interlamellären Raum in eine Anzahl von Fächern sondern. {Unio, Ano- donta). Am häufigsten aber sind die FaltenMenien , deren Lamellen durch regelmässige Querfaltungen eine ausserordentlich vergrösserte Oberfiäche und entsprechend reiche Gefässverästelung gewinnen. ( Venus, Cardium, Pinna etc.) Hier bleiben die Kiemenleisten nicht in gleicher Ebene, sondern kommen (im Querschnitt) auf eine wellenförmige Curve zu liegen. Die im Wellenthal meist oberhalb eines Septums gelegenen Leisten erfahren eine Verstärkung und Neu- bildung, bis sich schliesslich das Kiemenblatt durch vollkommene Spaltung seiner in den Wellenthälern ausgespannten Septen in zahlreiche nur an der Basis zusammenhängende Fäden auflöst (Pecten, Spondylus). Als Stütze dienen den einzelnen die Blutcanälchen bergenden Kiemenfäden strukturlose Stäbchen, welche als verdickter glasheller Saum der den Gefässraum umgrenzenden Bindesubstanz enstanden sein möchten. Das oberflächliche Wimperepitel erscheint übrigens keineswegs voll- kommen gleichmässig, wird vielmehr an manchen Stellen durch wimpernlose Zellen ersetzt und an wieder anderen durch Gruppen mächtiger Wimperzellen mit längern Cilien verstärkt. Die dicht stehenden feineren Gilien unterhalten einen constanten Wasserstrom durch die Kiemen, während die Wimpern des freien Randes, häufig eine Art Rinne bekleidend, einen Strom zur Mundöffnung hin zu leiten scheinen. Die an der Kiemenbasis (Ursprungsstelle) gelegenen Kie- mengänge führen das Wasser in den partiell abschliessbaren Kloakenraum der Mantelhöhle. Hinter dem Fusse sind die medialen Lamellen der Innern Kiemen meist mit einander verwachsen, so dass ein Septum entsteht, durch welches eine untere oder infiabranchiale Mantelkammer von einer obern suprabranchialen abgeschlossen wird. Den Kiemengängen parallel verlaufen am hisertionsrande die Blutgefässe und zwar jederseits an der Kiemenscheidewand eine zuführende Vene, welche auch das Blut aus dem Bojanus'schen Organe aufnimmt und eine oder zwei (an der äussersten und innersten Lamelle) abführende Venen , welche das Blut in die Vorhöfe leiten. Am einfachsten gestaltet sich die Gefässervertheilung in den Fadenkiemen, in deren Fäden einfache Seitenschlingen von den zuführen- den Venen eintreten, um mit ihren Enden in die abführenden Gefässräume überzugehn. Complicirter aber verhalten sich die Gefässnetze in den Fächer- kiemen , indem auch in die Septen Gefässäste eintreten , aus denen das Blut in entsprechenden Nebenzweigen der Hauptvenen abfliesst. 14 Lamellibranchiaten Bojantissches Organ. Von Excretionsorganen ist in erster Linie das nach Bojanas') be- nannte Organ hervorzuheben, ein länglicher Drüsenschlauch, welcher unterhalb und zu den Seiten des Herzbeutels scheinbar in einer besondern sackförmigen Höhle eingebettet liegt, einer Höhle, die vorn mit der Höhle der anderen Seite communicirt und seitlich an der Basis des Fusses meist gesondert, zuweilen {Pinna, Äi ca) mit der Geschlechtsöffnung vereinigt, nach aussen mündet. Schon Cuvier kannte dasselbe und hielt es für eine Art Niere, während Bojanus das fragliche Organ für eine Lunge und die Oeffnung des Sackes für das Athemloch ausgab. Wahrscheinlich ist dieser Drüsenschlauch, welcher mit einer Oeffnung im Leibesraum , und zwar im Pericardialsinus beginnt , als eine schleifenförmige Drüse (Anneliden) zu beurtheilen. Nicht nur im Jugendalter, sondern selbst im ausgebildeten Thiere {uinodonta) sind an demselben Win- dungen erkennbar, wie dann auch die sackförmige Vorhöhle nichts als der aufliegende nach aussen mündende Schenkel des Drüsenschlauches zu betrach- ten ist. Die Wandung des Drüsenschlauchs erscheint besonders reich gefaltet und durch Verwachsung dieser Falten mit einem schwammigen Labyrinth von Neben- räumen erfüllt, welche mit einem theilweise bewimperten Epitel bekleidet sind, während die bindegewebige Grundlage der Falten das aus dem Venensinus ge- speiste Gefässnetz trägt. Die Substanz erscheint somit als ein gelblich- bräun- liches schwammiges Gewebe, in dessen Maschenräumen der Epitelialbelag die Ausscheidung besorgt, indem sich in seinen kugelig aufgetriebenen Zellen Kalk- haltige Goncremente ablagern. Poli glaubte in denselben das Baumaterial für die Schale zu erkennen und deutete daher die Drüse als Schalendrüse. Andere betrachteten diese Goncremente als Harnsäure haltig, indessen scheint bislang mit Sicherheit nur von Lacaze-Duthiers bei Lutraria solenoidcs das Vor- kommen von Harnsäure nachgewiesen zu sein. Neuerdings konnte Kruken - berg in den Concretionen aus demBojanusschen Organe von Pinna sqiiamosa einen überraschenden Reichthum von Mangan constatiren. Dass die äussere Oeffnung der Vorhöhle, wie man längere Zeit glaubte, Wasser einzuführen und durch die innere Oeffnung in den Pericardialsinus dem Blute beizumischen ver- mag, wird neuerdings von mehreren Seiten vielleicht mit Recht bestritten, zumal die Wasserzufuhr durch andere Einrichtungen am Fusse beziehungsweise Mantel ermöglicht wird. Die Lamellibranchiaten sind mit Ausnahme einiger wenigen Gattungen {Pandora, Cyclas, Clavagella, Pectcn, Ostrea) getrennten Geschlechtes; beiderlei Geschlechtsorgane ^) zeigen aber eine sehr gleichartige Form und Lage zwischen den Eingeweiden. Ovarien und Hoden stellen vielfach gelappte und traubige Drüsen mit rundlichen oder cylindrischen Blindsäckchen dar, welche paarig neben der Leber aufsteigen und die Windungen des Darms umlagernd, in die 1) Vergl. ausser Swammertlam, Poli 1. c. L. Bojanus, Sendschreiben an Herrn G. Cuvier. Iris. 1819. Lacaze-Duthiers, sur l'organ de Bojanus. Ann. Sciens. Nat. IV. Ser. 1855. Griesbach, Ueber den Bau des Bojanusschen Organes der Teich- niuschel. Archiv für Naturg. 1877. 2) Lacaze-Duthiers, Organes genitaux des Acephales Lamellibranches. Ann. scienc. nat. IV. Ser. Tom. 1854. Geschlechtsorgane. Fortpflanzung. 15 Basis des Fusses hineinrücken. Selten treten dieselben tbeilweise (Anomia) oder vollständig {Myt'ilus) in den Mantel über. Eier und Samen nehmen aus den Epitelialzellen der vollkommen übereinstimmend gebauten Geschlechts- drüsen ihren Ursprung und sind gewöhnlich schon dem unbewaffneten Auge an ihrer Färbung kenntlich , indem die Eier in Folge der Dotterfärbung roth, der Samen dagegen milchweiss bis gelblich erscheint. Die Ausführungsöffnungen der Genitaldrüsen liegen paarig zu den Seiten nahe an der Basis des Fusses und fallen entweder mit den beiden Oeffnungen des Bojanus'schen Organes zusammen {Area, Pinna, Mytilus) oder führen die Geschlechtsstoffe zunächst in den Innenraum dieses Organs selbst ein {Pecten, Lima, SpoiuhjUis) oder liegen dicht neben den Oeffnungen desselben {Unio, Anodonta, Pectunculus). Ganz ähnlich verhalten sich in Form, Lage und Ausmündung die Zwitterdrüsen, deren Samen- und Eier -bereitende Follikel entweder räumlich gesondert sind und dann bald in getrennten Mündungen {Pandora) , bald in einer gemein- samen Genitalöffnung {Pecten, Ciavagella Cyclas) nach aussen führen, oder dieselben Follikel fungiren abwechselnd bald als Hoden bald als Ovarien {Osirea, Cardium norivegicum). Bei der Auster soll nach Moebius die Reife des weib- lichen Geschlechts der männlichen vorausgehn. Bei den getrenntgeschlechtlichen Lamellibranchiaten können männliche und W( ibliche Thiere , wie dies für die Süsswasser- bewohnenden Unioniden gilt , eine verschiedene Schalenform besitzen , indem sich die Weibchen, deren äussere Kiemenblätter mit ihren fächerförmigen Innenräumen zur Aufnahme der Eier als Brutbehälter verwendet werden, durch weit gewölbtere Schalen aus- zeichnen. Indessen kommen auch unter den Flussmuscheln hermaphroditische Individuen sowohl bei Unio als bei Anodonta vor. Die Befruchtung konnnt wahrscheinlich in der Regel im Mantel- oder Kiemenraum des mütterlichen Körpers zu Stande, indem dieser durch die Alhemröhre das von dem männlichen Thiere entleerte Sperma einzieht und durch die Wimpern der Kiemenblätter den austretenden Eiern zuführt. Fast sämmtliche Lamellibranchiaten legen Eier ab; lebendig gebärende Arten gehören zu seltenen Ausnahmen. Fast überall bleiben die befruch- teten Eier eine Zeit lang zwischen den Schalen oder gelangen in die Kiemen- blätter und durchlaufen während dieses Aufenthaltes unter dem Schutze des Mutterleibes die Bildungs Vorgänge des Embryo's , welcher auf einer gewissen Entwickelungsstufe ins Freie gelangt. Vornehmlich tritt die Brutpflege bei den Süss Wasserbewohnern auf; bei den Unioniden gelangen die Eier massenweise (zunächst aus der ziemlich weit vorn gelegenen Geschlechtsöffnung in den Innern Kiemengang , von da aber in der Kloake durch die Flimmerströmung in umgekehrter Richtung getragen) in den grossen Längskanal der äussern Kiemenblätter und vertheilen sich von da in die Fächer , welche mächtig er- weitert in eigenthümliche Brutsäcke umgewandelt werden können. Bei Cyclas sitzen jederseits eine Anzahl von Bruttaschen an der Basis der Innern Kieme an, deren Zellenbekleidung zur Ernährung der Embryonen dient. Die Gattungen Unio und Anodonta entleeren ihre Fächer und Bruttaschen in der Art, dass der Inhalt als eine durch Schleim verbundene Masse von Eiern mit rotirenden 16 Laniellibranchiaten. Entwicklungr. o' Embryonen oder gar als zusammenhängende Eierschnur durch den grossen Längskanal austritt. Die Entwicklung ') erweist sich als eine mehr oder minder complicirte Metamorphose. Nach einer inaequalen, zuerst von S. Loven^) für mehrere ma- rine Muschelthiere (Modiolaria, Cardium) genau beschriebenen Dotterfurchung überwachsen die kleinen peripherischen Furchungszellen die grossen centralen Dotterkugeln und bilden somit einen zelligen, durch Wimperhaare langsam rotirenden Keim , an welchem zuert Wimpersegel mit Flagellum und diesem gegenüber die Schale, nachher ventralwärts die Fussanlage zur Sonderung ge- langt. Auch die Bildung des Mundes und Darmcanals tritt ziemlich gleichzeitig mit der Anlage von Mantel und Schale auf. Erst nachher differenziren sich Nervensystem und Gehörblassen und noch weit später Herz, Nieren und Kiemen. Der als Segel bezeichnete umfangreiche Wimperreif oder Wimperkragen ist nicht gelappt und erinnert an den Wimperkranz der Lovenschen Wurmlarve, mit welcher bei eingehender Vergleichung die Lamellibranchiatenlarve sehr nahe Beziehungen gemeinsam hat. Seit Loven wurde die Entwicklung der marinen Lamellibranchiaten wenig beachtet. Neuere genaue Beobachtungen liegen über Teredo^) vor. Auch hier beginnt die Furchung mit der Bildung einer grossen und kleinen Dotterkugel. Von jener sondern sich dann auch mehrere kleinere Kugeln, welche mit der zuerst entstandenen kleinen Dotterkugel die Ektodermzellen er- zeugen und die grosse nunmehr in zwei Hälften getheilte Dotterkugel (die En- todermanlage) nebst zwei zuvor abgetrennten, das Mesoderm erzeugenden Zellen umwachsen. Eine an der Schlussstelle der Keimblase entstehende Einstülpung bildet die Anlage des Munddarms, dessen blindes Ende mit dem aus den grossen Zellen hervorgehenden Entodermsäckchen (Mitteldarm) jn Zusammenhang tritt. Von den beiden ventralwärts hinter dem Munde gelegenen Mesodermzellen schnüren sich mehrere Paare von Zellen ab , welche zu Muskelzellen werden und die inzwischen vor dem Munde angelegte mit doppeltem Cilienring um- säumte Wimperscheibe , das Velum , bewegen. Inzwischen hat sich das Ectoderm am hintern Körperende, dem spätem Rücken , stark verdickt und 1) Vergl. besonders S. Loven, Bidrag tili Kiumedomen om Utvecklingen af Mol- lusca Acephala Lamellibranchiata. Stockliolm. 1858 ; in deutscher Uebersetzung, Beitrag zur Kenntuiss der Entwicklung der Mollusca Acephala Lamellibranchiata. Stockholm 187G. ferner ausserC.G.Carus, O.Schniidt. Zur Entwicklungsgeschichte der Najaden. Sitzungsb- d. Wien. Acad. 1856. F. A. Forel, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Najaden. "Würzburg. 1867. W. Flemming, Studien über Entwicklungsgeschtehte der Najaden. Sitzungsber. d. Wien. Acad. 1875. H. v. Hierin g, lieber die Entwicklungsgeschichte der Najaden. Sitzungsb. d. naturw. Gesellsch. Leipzig. 1874. C. Rabl, Ueber die Ent- wicklungsgeschichte der Malermuschel. Jen. naturw. Zeitschrift Tom. X. 1877. 2) Loven theilt in dieser reichhaltigen vortrefflichen Schrift die ersten genauen Beobachtungen über den Austritt der Ptichtungskörperchen und die Beziehvingen der- selben zu dem Keimbläschen des Eies sowie zur Lage der ersten Furchungskugeln mit. 3) Vergl. ausser Quatrefrages, Annales des sciences natur. 1848, 1849, 1850. B. Hatschek, Entwicklungsgeschichte von Teredo. Arbeiten des zool. vergl, anatom. Instituts zu Wien. III. Band. 1880. Auch vergl. Lacaze 1. c. (Mytilus.) Entwicklung von Teredo. 17 grubenförmig nach Art einer Drüse eingesenkt. Es ist die sog. Schalendrüse gebildet, deren Zellenvvand sich wiederum scheibenförmig ausbreitet und eine cuticuiare, median getheilte Decke, die Schalenklappen ausscheidet. An dem einen Haarschopf tragenden Scheitel des Velums , dessen Ränder hier nicht in Form von Lappen her vor wachsen, verdickt sich das Ectoderm und erzeugt als Scheitelplatte die paarige Anlage der Cerebral ganglien. Eine nahe am Hinterende der kleinen Larvenkörpers entstehende Ectodermeinstülpung be- zeichnet den mit dem Mitteldarm nunmehr zusammenwachsenden Afterdarm. Wie die Lovensche Wurmlarve besitzt die Schalen - tragende Teredo\arve unterhalb des doppelten präoralen Wimperkranzes, welcher das Velum mit der Scheitelplatte umsäumt, einen einfachen postoralen Cilienreif, sowie zwei aus Mesodermzellen entstandene Wimpercanäle (Urnierengänge). Das Pedalganglion nebst der Otolithenblase scheint sich durch ectodermale Verdickung unterhalb und ventralwärts vom Munde zu entwickeln , an einer Stelle , welche später durch kolbige Erhebung zum Fuss wird. Leider sind die weiteren Entwicklungsvor- gänge, welche die Anlage der Innern Organe und die allmählige Umwandlung der Larve betreffen , nicht genau verfolgt und überhaupt für kein marines Muschelthier ausreichend bekannt. Weit mehr erscheint die Metamorphose bei den Flussmuscheln reducirt unter denen die Entwicklung von Cydas ^) und Pisidium noch am wenigsten von den marinen Formen abweicht. Doch tritt hier das Velum bedeutend zurück, während der Fuss schon zu einer Zeit, in welcher die Schale auf dem Mantel- schilde (Schalendrüse) bemerkbar zu werden beginnt, eine ansehnliche Grösse besitzt. Die Kiemenlamellen entstehen im Gegensatz zu Mytilus als solide Platten, deren Zellen sich in Form von parallelen Säulen gruppiren. In mancher Hinsicht abweichend gestaltet sich die Embryonalentwicklung der Najaden, deren Eier in Bruträumen der äusseren Kieme aufgenommen werden. Auch hier erfährt der Dotter eine ungleichmässige Furchung, welche in ihrem gesammten Verlauf besonders genau bei Anodonta durch Flemming, bei Unio durch Rabl verfolgt wurde. Die Eier der Najaden liegen in dem Inter- lamellarraum der äusseren Kiemen durch schleimige Substanz zu kleineren und grösseren Schollen verbunden und enthalten in der Peripherie des Dotters eine spärliche von einer ^strukturlosen Eihülle umkleidete Eiweissschicht. An dem einen etwas erhobenen Pole der Eihaut liegt dieMikropyle. In der Nähe des ent- gegengesetzten Poles tritt nach der Befruchtung das Richtungskörperchen (in doppelter Zahl) aus, während die erste Furche in der Richtung beider Pole den Dotter freilich in zwei ungleiche Hälften theilt. Die kleinere Furchungszelle liefert lediglich ectodermales Zellenmaterial, während die viel grössere Furchungskugel neben Zellen des Ectoderms das ganze Material des Meso- und Entoderms liefert. Zuerst trennt sich von der grösseren Kugel eine kleine, dann (bei Anodonta gleichzeitig) theilt sich die kleine Kugel, sodass der Keim aus drei kleinen und einer grossen Dotterkugel besteht. Nach fortgesetzter Theilung der kleinen 1) F. Leydig, Ueber Cyclas cornea. Müllers Archiv. 1855. P. Stepanoff, Ent- wicklung von Cyclas. Arch. für Naturg. 18G5. Ray Lankester, On the development history of Mollusca (Pisidium). Philos. Transactions of the Roy. Sog. 1874. Claus, Zoologie. 4. Auflage. Tom. U, 2 18 Lamellibranchiaten. Entwickelung von Unio und Anodonta. Zellen, deren Zahl durch sich abtrennende Knospen der grossen Kugel vermehrt wird, kommt es zur Bildung eines ovalen relativ grosszelligen Embryonalkörpers mit einer Höhle, die an einem Pole durch die grosse vegetative Zelle geschlossen ist. Während die Zellen durch Theilung sich vermehren und demgemäss kleiner werden , theilt sich auch die vegetative Zelle in 2, 4, 6 und zahlreiche, relativ hohe dunkle Zellen, welche den dickern, aber abgeflachten Theil der Keimblase zusammensetzen. Zwei dieser Zellen, welche symmetrisch zur Medianebene liegen, bleiben grösser, werden überwachsen und rücken in den Leibesraum (Seg- mentationshöhle) , während sich der hohe abgeflachte Theil der Keimblasen- wand einstülpt und zur Anlage des Entodermsackes führt. Der Embryo ge- winnt demnach den Bau der sog. Gastrula, an deren Oeffnung innerhalb des Leibesraums die beiden das Mesoderm bildenden Zellen liegen. Dieselben theilen sich in rascher Folge und erzeugen eine Zellenlage , welche sich weiter nach dem entgengesetzten Ende ausbreitet und hier den quer ausgespannten Schliessmuskel der Schale hervorgehn lässt. Das Entodermsäckchen verschiebt sich gleichzeitig weiter nach vorn und löst sich nach Schluss der Oeffnung von seiner Verbindung mit dem Ectoderm ab , an welchem bald an der voidern Körperseite die bleibende Mundöffnung zum Durchbruch kommt, hizwischen ist an der Rückenseite die erste Anlage der Schale entstanden, welche als zartes homogenes Häutchen auftritt und sich bald in zwei seitliche Klappen sondert. Zuerst haben dieselben eine gerundete Form, die erst später in die dreiseitige übergeht und am freien Bauchrande in ein hakiges Spitzen- stück ausläuft. Dem Schalenligament gegenüber entsteht am Hinterende eine kleine Einstülpung des Ectoderms , welche in einer gewundenen Röhre fort- wächst und später als »Byssusdrüse« einen ßyssusfaden absondert. Eine in der Medianlinie der Bauchfläche auftretende Einbuchtung , welche allmählig höher bis zum Schliessmuskel hinaufrückt, führt zur Sonderung der beiden Mantellappen , an deren Rand je vier haartragende Sinneszellen bemerkbar werden. Zwei grubenförmige Ectodermwucherungen am Vorderrande haben möglicherweise eine Beziehung zur Entstehung des Nervensystems. Die so absonderlich gestaltete Larve [Glochidium), an welcher sowohl Velum- als Fussanlage unterdrückt erscheint, wird nunmehr aus dem Brutraum der Kieme ausgestossen und gelangt auf die Haut von Fischen, um hier nach Art eines Parasiten die weitere post embryonale Verwandlung zu durchlaufen und im Laufe von 2 bis 3 Monaten zur jungen Anodonta zu werden. Wahrscheinlich sind es die beiden Schalenhaken, welche von den kräftig klappenden Bewegungen des Schalenschliessers unterstützt , als Greiforgane zum Anklammern des Em- bryos an der Haut des im Schlamme wühlenden Fisches dienen, während zur dauernden Fixirung der Byssusfaden vielleicht einen ähnlichen Dienst wie der Stirnfaden der Siphonostomenlarve leistet. In Folge des von dem fremden Körper ausgeübten Reizes umwuchern denselben die anliegenden Hautzellen und umschliessen ihn bald in einer vollständigen Cyste. In dieser durch- 1) M. Braun, Die postembrynale Entwicklung des Süsswassermuschel. Jahrb. d. deutschen malakozol. Gesellsch. Tom. V. 1878. C. Schierholz, Zur Entwicklungsge- schichte der Teich- und Flussmuschel. Zeitsch. für wiss. Zool. Tom. XXXI. 1879. Asiphoniata. Ostreidae. 19 läuft die Larve eine Reihe von Veränderungen, indem an Stelle des primären hinfälligen Schliessmuskels ein vorderer und hinterer Schalenschliesser auftreten, MundlajDpen, Fuss, und Kiemen hervoiwachsen , der Darmkanal weiter fort- gebildet wird , die Byssusdrüse verschwindet , und die Embryonalschale unter Verlust des Klammerhakens in die bleibende übergeht. Etwa nach 2^2 Monat verlassen die jungen Muscheln die Cyste, um am Boden umherzukriechen. Bei weitem die meisten Muschelthiere leben frei im Meere , und zwar in verschiedenen Tiefen, grossentheils kriechend, seltener schwimmend und sprin- gend. Viele entbehren aber der Ortsbewegung , indem sie sich frühzeitig mittelst des Byssusgespinnstes des Fusses festsetzen oder mit einer Schalen- klappe auf Felsen und Gesteinen festwachsen. Im letztern Falle leben sie oft in grossen Gesellschaften auf Bänken von bedeutender Ausdehnung vereinigt (Austern) und bilden wegen ihres schmackhaften als Leckerbissen geschätzten Fleisches einen wichtigen Gegenstand des Erwerbes und des Handels. Andere wie die Bohrmuscheln erweisen sich schädlich durch Zerstörung von Schiffholz und Pfahl werk. Mit Rücksicht auf die vor weltliche Verbreitung der Lamelli- branchiaten und die vortreffliche Erhaltung ihrer petrificirten Schalen sind zahl- reiche Gattungen zur Bestimmung der Formationen als Leitmuscheln für den Palaeontologen von der grössten Bedeutung. Lamarck gründete seine Eintheilung auf die Zahl der Schliessmuskeln (^Monomyurle)- — Bimyarier). D'Orbigny legte grösseren Werth auf die Gestalt der Schalenklappen {Orthoconchae — Pleiiroconchde). Neuerdings hat man (Wood ward) *) das Vorhandensein oder Fehlen der Siphonen und der Siphonalbucht bei der Gruppirung der Familien in den Vordergrund gebracht. \. Asiphoniata. Mantel ohne Siphonen. Manteleindruck einfach. 1. Fam. Ostreidae, Austern. Schalen ungleich, von blättriger Textur, mit wenig entwickeltem , meist zahnlosem Schlosse , in der Regel mit nur einem grossen mittel- ständigen Schliessmuskel. Bei den echten Austern ist die gewölbtere linke Klappe an Steinen oder Felsen verkittet, während die obere rechte durch ein inneres Ligament befestigt, wie ein Deckel der untern Schale aufliegt. Der Mantel des Thieres ist voll- ständig gespalten und an seinem freien dicken Rande einfach oder dopj^elt gefranzt, dagegen verwachsen die Kiemenlamellen an ihrem äussern Rande theil weise miteinander. Der Fuss fehlt entweder vollständig oder bleibt rudimentär. Die Thiere sind durch- weg marin und siedeln sich meist colonienweise in den wärmern Meeren an, wo sie Bänke von bedeutender Ausdehnung bilden können {Austernbänke). Auch waren sie bereits in früheren Erdperioden, besonders im Jura und in der Kj-eide vertreten. Östren'^) L. Schale unregelmässig, mit der linken Klappe befestigt, von blättriger Struktur. Buckel der Unterklappe ganz oder wenig gebogen. 0. edulis L. , Auster, an den europäischen Küsten auf felsigem Meeresgrunde , umfasst wahrscheinlich eine Reihe nach dem Fundorte verschiedener Arten, da die Schalenform und Grösse der Thiere ausserordentlich abweicht. Nach Davaine soll die Auster gegen Ende des ersten 1) P. S. Woodward, A Manual of the Mollusca. II Edit. London. 1871. 2) Coste, Voyage d'exploration sur le littoral de la France et de ITtalie. Paris. 1861. C. Moebius, Ueber Austern- und Miesmuschelzucht. Berlin. 1870. Derselbe, Die Auster und die Austernwirthschaft. Berlin. 1877, 2* 20 fectinidae. Aviculidae. Jahres nur männliche GeschlechtsstofFe produciren und erst später vom dritten Jahre an weiblich werden und Brut erzeugen. Dagegen behauptet Moebius, dass sich das Sperma später ausbilde, nachdem die trächtigen Thiere ihre Eier entleert haben. Die Fortpflanzung fällt besonders in die Monate Juni und Juli, in welcher die Thiere trotz ihrer ungeheuren Fruchtbarkeit einer Schonung bedürfen. Man hat desshalb von Staats- wegen die Austernfischerei geregelt und sich vielfach bemüht, das Gedeihen der Austern- bänke zu befördern und künstliche Anlagen sowohl zur Züchtung der Austern als zur Erhaltung und Ernährung der Brut zu gründen. Schon die Römer beschäftigten sich mit Herstellung von Austern parks, die man in neuerer Zeit sehr wesentlich verbessern konnte. Sehr geschätzt sind die Austern von Ostende, von der Normandie und Bretagne, ebenso die der dänischen und schleswigschen Küste. 0. virginiana List., Nord- amerika. 0. crista galli Chemn., Indischer Ocean. 0. cristata Born., Adria. Nahe verwandte fossile Gattungen sind Gryphaea Lam. und Exogyra Sow. Anoviia^) L. Schale fast kreisförmig, mit der rechten flachen Klappe aufsitzend, diese für den Austritt eines zarten Byssus-Bandes durchbohrt. Oberklappe (linke) mit 4 distinkten Muskeleindrücken. Geschlechtsdrüse im rechtsseitigen Mantel, Herz nicht vom Mastdarm durchbohrt. Die jungen Anomien haben anfangs, wenn sie sich mittelst Byssus festsetzen, (nach Morse) vollkommen symmetrische Schalen, von denen dann die linke regelmässig fortwächst. In der rechten, auf der das Thier liegt, soll nur der Hinterrand mächtig zunehmen und allmählig das Byssussecret der Art umwachsen, dass das bekannte Loch entsteht. Indessen ist es mehr als zweifelhaft, ob das Kalkstückchen, mit welchem an der durchbohrten Schale das Thier festhaftet, auf Byssus zu beziehen ist. V. I he ring betrachtet dieses an der rechten Seite liegende Schüessstück als Produkt eines Faltenorganes, wie auch schon den Autoren bekannt war, dass der hintere Retractor sich an das Kalkstück anheftet. A. ephippium L. Placuna Sold. Schale frei, flach, scheibenförmig, fast gleichklappig. PL placenta L., PI. sella Lam., indisches Meer. Nahe verwandt sind Placunopsis M. L., Placenta Retz., Carolia Cantr. 2. Farn. Fectinidae, Kammmuscheln. Mit gleichklappigen oder ungleicliklappigen, dann aber ziemlich gleichseitigen Schalen, welche sich sowohl durch ihren geraden Schlossrand als durch fächerförmige Rippen und Leisten der äussern Fläche auszeichnen. Die freien und völlig ^gespaltenen Mantelränder tragen zahlreiche Tentakeln und oft auch smaragdgrüneAugen in grosser Zahl. Nur ein Schliessmuskel verbindet die Schalen. Kiemenfäden frei. Der kleine Fuss sondert oft Byssusfäden zur Befestigung ab. Einige sitzen auch mittelst ihrer gewölbten Schalenklappe fest [Spondylus), andere bewegen sich schwimmend durch rasches Oeffnen und Schliessen der Schalen {Peeten), Viele sind essbar und werden wegen des feinen Geschmackes ihres Fleisches höher noch als die Austern geschätzt. Peeten 0. F. Müll., Kammmuschel. Schale regulär, meist gerippt. Schlossrand mit ohrförmigen Fortsätzen. Rechte Schalenklappe stärker gewölbt. P. Jacobaeus L. P. maximus L. , P. varius L. , Mittelmeer. Pedum Brug. Hinnites Defr. Spondylus L. , Klappmuschel. Schalenklappen ungleich, mit Stacheln auf der Aussenfläche, oft geöhrt, die rechte Schale festsitzend, ebenso wie die linke mit 2 Zähnen. Sp. gaederopus L. , Sp. americanus Lam. Lima Brug. Schalenklappen gleich, ungleichseitig, klaffend, geöhrt. Schloss zahnlos. Thier mit langen Girren am Mantelrande, aber ohne Augen. L. sq^uamosa Lam. 3. Fam. Aviculidae {Avieulacea) , Ferlmuttermuscheln. Mit sehr schiefen meist ungleichklappigen Schalen von blättriger Textur und innerer Perlmutterlage, mit gerad- linigem, oft flügeiförmigem Schlossrande. Schloss vei'bindung wenig entwickelt, zahnlos 1) Ausser Steenstrup vergl. Lacaze-Duthiera, Memoire sur l'organisation de FAnomia. Ann. scienc. nat. 1854. H. v. Ihering, Ueber Anomia etc. Zeitschr. für wiss. Zool. Tom. XXX. Supplb. Mytili(!ae. Arcadae. 21 oder mit schwachen Zähnen. Ligament halbinnerlich. Sie besitzen bereits zwei Schliess- muskeln, von denen jedoch der vordere sehr klein ist und einen kaum merklichen Ein- druck an der Schale hinterlässt. Der Mantel völlig geschlitzt, der Fuss klein, By.'ssus absondernd. Avicula Brug. Bandgrübchen längs des Schlossrandes vorhanden. Schale ungleich- klappig mit 2 Schlosszähnen. Rechte Schale mit Byssusausschnitt. A. hirundo L., Golf von Tarent. A. macroptera Lam., in wärmern Meeren. Meleagrina Lam., Perlmuschel. Schalen ohne Schlosszähne, gleich stark gewölbt und ungeöhrt. M. margaritifera L., echte Perlmuschel, bewohnt besonders das indische und persische Meer, aber auch den mexicanischen Meerbusen und heftet sich mittelst des Byssus in der Tiefe an. Die als Perlen ') bekannten Erzeugnisse ihres Mantels geben zu der Perlfischerei Veranlassung, die besonders in China und im persischen Meer- busen mittelst Taucherglocken betrieben wird und einen sehr bedeutenden Erti-ag liefert. Auch verstehen es die Chinesen durch Verletzung des Thieres die Bedingungen zur Erzeugung von Perlen zu begünstigen. Die innere Schalenschicht kommt als Perlmutter in den Handel. Uebrigens werden auch wenngleich viel seltener von den nächstver- wandten Gattungen Perlen erzeugt. Malleus Lam. Schale fast gleichklappig, hammerförmig, im Jugendzustand Avicula- ähnlich , ohne Schlosszähnchen. M. vulgaris Lam. , Indischer Ocean. Verwandt sind Vulsella Lam., Perna Lam., Crenatula Lam. und die fossilen Gervilia, Inoceratnus Sow. 4. Fam. Mytilidae {Mytilacea), Miesmuscheln. Mit gleichklappigen, von starker Oberhaut überzogenen Schalen, schwach entwickeltem, meist zahnlosem Schloss und innerm Ligament, mit grossem hintern und kleinem vordeim Muskeleindruck. Der ge- furchte zungenförmige Fuss befestigt sich durch Byssusfäden. Mantel mehr oder minder frei bis auf eine kurze am Rande gefranzte Siphonalöftnung. Die meisten leben im Meere, einige im süssen Wasser. Pinna L. , Steckmuschel. Schale schief dreieckig, vorn spitz, hinten klaffend. Mantelränder noch vollkommen frei. P. squamosa Gm., Mittelmeer. Steckt mit ihrer Spitze im Schlamme oder im Sande und ist durch feine Byssusfäden mit der Umgebung befestigt. Der Byssus wird in Calabrien zu Gespinnsten verarbeitet. Mytilus L. Der Wirbel der Schale liegt an der Spitze. Mantel mit einfacher Siphonalöftnung. M. edulis L., essbare Miesmuschel der Noi-d- und Ostsee. Modiola Lam. Die Wirbel rücken ein wenig vom Vorderende ab. Schloss zahn- los. 31. tulipa Lam. Lithodomus Cuv. Schale schmal und lang, dattelförmig, nur in der Jugend durch Byssus befestigt; das Thier bohrt sich später in Steinen Gänge. L. dactylus Sow., im Mittelmeerc (Serapistempel von Pozsuoli). Dreyssena Van Ben. Mit Platten unterhalb des Wirbels zur Anheftung des Schliess- muskels und mit 2 Siphonalöffnungen. D. polymorpha Pall., hat sich über viele Fluss- gebiete in Deutschland allmählig verbreitet. 5. Fam. Arcadae (Arcacea), Archemuscheln. Mit dickwandigen , gleichklappigen Schalen, welche durch ein äusseres Ligament und ein sehr entwickeltes, aus zahlreichen in einander greifenden Zähnen zusammengesetztes Schloss verbunden sind. Ihre Ober- fläche wird von einer rauhen, oft haarigen Epidermis bekleidet. Die beiden Schalen- schliesser bilden zwei gleich grosse vordere und hintere Muskeleindrücke. Der Mantel des Thieres ist in seiner ganzen Länge gespalten, die Kiemen sind in freie Fäden auf- gelöst. Fuss umfongreich, aber verschieden gestaltet. Ai'ca L. Schlosszähne in gerader Reihe, ziemlich gleich gross. Schalen bauchig, quer verlängert, mit weit abstehenden über das Schloss hinausragenden Wirbeln, oft am untern Rande klaffend. A. Noae L., im Mittelmeer. A. tortuom L., im indischen Ocean. A. diluvii Lam., tertiär. 1) Vgl. C. Moebius, Die echten Perlen etc. Hamburg. 1857. 22 Trigoniadae. Unionidae. Siphoniata. Chamidae. Tridacnidae. Pectunculus Lam. Schlosszähne in gekrümmter Linie. Schale rundlich flach, nie- mals klaffend. Fvass mit doppelter Schneide ohne Byssusgrube. P. pilosus L. , im Mittelmeer. Cucullaea Lam. Schlosszähne in gerader Reihe, nach den Seiten grösser werdend. Hinterer Muskeleindruck von scharfer Leiste umzogen. C. auriculifera Lam., indischer Ocean. Viele fossile Arten. Hier schliessen sich die nahe verwandten Nueuliden an mit Nucula Lam., Isoarca Münst., Leda Schum. , Yoldia MöU. u. a. 6. Fam. Trigoniadae (Trigoniacea). Schalen gleichklappig, trigonal, geschlossen. Schlosszähne leistenförmig, oft quergestreift, Vförmig divergirend. Thier mit Schnellfuss. Trigonia Lam. [Lyriodon Sow.). Vier Schlosszähne in der linken, zwei in der rechten Klappe. Schale dick, concentrisch oder radiär gerippt. Tr. pectinata Lam. Die fossilen Myoplioria Br., Schizodus King. [Axiniis Sow.) kaum verschieden. 7. Fam. Unionidae {Najades')), Flussmuscheln. Mit länglichen, gleichklappigen aber ungleichseitigen Schalen, welche äusserlich von einer starken glutten meist braunen Oberhaut und innen mit einer Perlmutteriage überzogen sind. Der eine Muskeleindruck getheilt. Der Fuss zusammengedrückt, mit schneidender Längskante, sondert nur in der Jugend Byssusfäden ab. Mantelränder meist in ihrer ganzen Länge frei, Kiemen hinter dem Fuss verwachsen. Die Thiere leben in stehendem und fliessendem Wasser, bewegen sich langsam kriechend, graben sich aber gern mit ihrem stumpfen Vorder- körper im Sande und Schlamme ein. Die äussern Kiemenlamellen sind zugleich Brut- räume für die sich entwickelnden Eier. Atiodonta Lam. Dünnschalig ohne Zähne des Schlosses. A. cygnea Lam., in Teichen. A. anatina L., Entenmuschel, mehr in Flüssen und Bächen. TJnio L. Schalen dick, die eine besitzt unter dem äussern Bande zwei leisten- förmige Zähne, die andere nur einen Zahn, dazu kommt vorn ein einfacher oder doppelter Schlosszahn. U. pictorum L. , Malermuschel. U. tumidus Retz., JJ. batavus Lam. Margaritana Schum., Flussperlmuschel. Seitenzähne fehlen. 31. margaritifera Retz., in Gebirgsbächen Deutschlands, besonders in Baiern, Sachsen, Böhmen. Andere Arten in Nordamerika. Sie liefern die Flussperlen. II. Siphoniata. Mantelränder theilweise verwachsen, mit röhrenartig verlängerten Siphonen. 1. Fam. Chamidae {Chamacea), Gienmuscheln. Schalen ungleichklappig, dick, ungleichseitig, mit äusserm Ligament und stark entwickelten Schlosszähnen. Muskel- eindrücke gross , reticulirt. Mantellinie einfach. Der Mantelrand bis auf o Oeffnun^en, den Fussschlitz, Kloaken- und Athemschlitz, verwachen. Chama L. Schalen blättrig, fest gewachsen, mit einem dicken und schiefen ge- kerbten Schlosszahn und ungleichen spiralgekrümmten Wirbeln. Ch. Lazarus Lara. Diceras Lam. Wirbel spiralig aufgerollt. Oberfläche glatt. 2). arietana Lam., fossil im Jura. 2. Fam. Tridacnidae. Von den Chamiden vornehmlich durch die gleichklappige reguläre Schale unterschieden. Tridacna Brug. Schale trigonal , dick, gerippt , mit zackig ineinander greifenden Rändern. A^orderseite mit weiter Oeffnung zum Durchtritt des Byssus. Ein Schlosszahn jederseits. Hintere Seitenzähne 2 1 L T. gigas L., Riesenmuschel, Ind. Ocean. Hippopus Lam. unterscheidet sich durch den Mangel des Byssus und der entsprechenden Schalen- apertur. H. maculatus Lam., Ind. Ocean. Die Familien der fossilen Budisten oder Hippuriten mit den Gattungen Hippurites Lam., Caprina D'Orb., Sphaerulites Desm. , Badiolites Lam. u. a. G. wird gewöhnlich zwischen beide Familien gestellt. ' 1) Vergl. die Aufsätze von Siebold, Quatrefages, C. Vogt, 0. Schmidt; über Perlenbildung de Filippi, Küchenmeister, Pagenstecher, v. Hessling. Cardiidae. Lucinidae. Cycladidae. Cyprinidae. Veneridae. 23 3. Fam. Cardiidae (Cardiaceä), Herzrauscheln. Die gleichklappigen ziemlich dicken Schalen sind herzförmig und gewölbt, mit grossen eingekrümmten Wirbeln, äusserem Ligamente und stai'kem aus mehrfachen Zähnen gebildeten Schlosse. Schloss- zähne 2 jederseits, von hintern Seitenzähnen nur einer. Die verwachsenen Mantelränder lassen ausser den kurzen Siphonen einen Schlitz frei zum Durchtritt der kräftigen und knieförmig gekrümmten zur Schwimmbewegung dienenden Fusses. Cardium L. Schale bauchig herzförmig, gerippt. Manteleindruck ohne Bucht. C. editle L., in der Nordsee und im Mittelmeere, essbar. Hemicardium Cur. Schalen von vorn nach hinten comprimirt, vom Wirbel nach dem Rande gekielt. H. cardissa L. , Ostindien. Fossil: Conocardium Br. 4. Fam. Lucinidae {Lucinacea). Schale kreisförmig, frei, geschlossen, mit 1 oder 2 Schlosszähnen und einem zweiten ganz verkümmerten Seitenzahn. Mantellinie einfach. Mantel vorn offen, hinten mit ein oder zwei Siphonairöhren. Fuss verlängert, cylin- drisch oder wurmförmig. Lucina Brug. Schale kreisförmig, mit vorn eingebogenen Wirbeln. Ligament halbinnerlich. Thier mit langer contraktiler Analröhre. 2 Schlosszähne, 1 oder 2 Seiten- zähne. L. lactea Laiu., Mittelmeer. Nahe verwandt sind Cryptodon Turt. , Utigulina Daud. , Diplodonta Br. Corbis Cuv. Schale oval, bauchig, mit concentrischer;Sculptur. 2 Schloss- und 2 Seitenzähne. C. fimbriata L. 5. Fam. Cycladidae 'j. Schale gleichklappig , frei, bauchig aufgetrieben, mit äusserm Ligament und dicker horniger Epidermis. Mundlappen lanzetförmig. Fuss gross, zungenförmig. Mantel hinten verwachsen, mit zwei (selten einer) mehr oder minder vereinigten Siphonairöhren. Süsswasserbewohner. Cyclas Brug. Schale dünn, oval kuglig, mit kleinen Schlosszähnen. C. cornea Lam. Pisidium Pf. unterscheidet sich durch die vereinigten Siphonen. Cyrena Lam. Schale dick, bauchig, mit stark vorstehendem Ligament und 8 Haupt- schlosszähnen jederseits. Mantellinie leicht ausgebuchtet. Siphonen von der Basis an geschieden. C. zeylonica Lam. Corbicula Mühlf. 6. Fam. Cyprinidae. Schalen regelmässig, gleichklappig, oval gestreckt, ge- schlossen, mit dicker und starker Epidermis. Ligament meist äusserlich. Hauptschloss- zähne 1 bis 3 und gewöhnlich 1 hinterer Seitenzahn. Mantellinie einfach. Mantelränder gefranzt, hinten zur Bildung zweier Siphonal Öffnungen verwachsen. Fuss dick, zungen- förmig. Cyprina Lam. Schale rundlich oval bis herzförmig, dick, mit starker Epidermis und 3 ungleichen Schlosszähnen. Manteleindruck ohne Einbuchtung. C. islamlica Lam., Circe Schum., Aatarte Som. , Crassatella Lam. Cardita Brug. Isocardia Lam. Schalen kuglig herzförmig, mit stark vortretenden Wirbelspiralen. I. cor L., Mittelmeer. 7. Fam. Veneridae (Veneracea). Schale regulär rundlich bis oblong, mit äusserm kurzem Ligament, gewöhnlich mit 3 divergirenden Schlosszähnen an jeder Klappe. Mantellinie ausgebuchtet. Muskelimpressionen oval. Die Athemröhren von ungleicher Grösse, an der Basis vereint. Fuss zungenförmig comprimirt. Mundlappen triangulär, von massiger Grösse. Venus L. Schale eiförmig, mit gekerbten Rändern, mit 3 kräftigen Schlossziihnen ohne Seitenzähne. Mantelbucht kurz winklig. Mantelränder gefranzt. Siphonen kurz. F. paphia L. V. verrucosa L., Mittelmeer. Cytherea Lam. Ausser den 3 Schlosszähnen findet sich an der linken Klappe unter der Lunula ein Zahn, der in eine Vertiefung der rechten Klappe eingreift. C. Chione L., essbar, Mittelmeer. C. Dione L., Atl. Ücean. Artemis Poli, Lucinopsis Forb., Venerupis Lam. u. a. G. 1) Fr. Leydig, Anatomie und Entwicklung von Cyclas. Müller 's Archiv. 1835. 24 Mactridae. Telliuidae. Myidae. Gastrochaenidae. 8. Pam. Mactridae. Schalen trigonal, gleichklappig , geschlossen oder leicht klaffend, mit innerm, theilweise zugleich äussenu Ligament und dicker Epidermis. Zwei divergirende Schlosszähne. Mantelbucht kurz gerundet. Siphonairöhren vereint , mit gefranzten Oeffnungen. Kiemen nicht in den Branchialsipho verlängert. Mactra L. Schale bauchig. Vorderer Schlosszähn winklig gefaltet. 2 Seitenzähne an der rechten Schale. Das Thier lebt im Sand. M. stultorum L. , Mittelmeer. M. solida L., Gnathodon Gray, Lutraria Lam. 9. Farn. Tellinidae. Mit zwei sehr langen, vollständig getrennten Athemröhren, tentakeltragende m, weit geschlitztem Mantelrand, äusserm Ligamente und triangulärem, comprimirtem Fuss. Die langgestreckte Schale ist am vordem Rande länger als am hintern und klafft. Schlosszähne höchstens zwei, Seitenzähne zuweilen verkümmert. Tellina L. Schale länglich , vorn gerundet , am Hinterende leicht gefaltet. Zwei Schlosszähne jederseits. Seitenzahn deutlich. Ligament äusserlich, vorragend. T. baltica Gm., T. radiata L. Gastrana Schum., Capsula Schum. Fsammobia liSkm. Schale länglich oval, vorn und hinten etwas klaffend, ohne Seitenzahn. Ps. vespertina Gm., Mittelmeer. Sanguinolaria Lam. Semele Schum. Donax L. Schale trigonal, geschlossen, hintere Seite kürzer, mit sehr kurzem äussern Ligament. D. trunculus L. 10. Farn. Myidae , Klaö'muscheln. Der fast ganz geschlossene Mantel besitzt nur vorn einen Schlitz zum Durchtritt des kurzen oder walzenförmig gestreckten Fusses und bildet eine sehr lange fleischige gemeinsame Athemröhre. Die Muscheln klaffen an beiden Enden und besitzen ein schwaches Schloss oft mit zwei oder drei comprimirten Zähnen. Sie graben sich tief im Schlamme und Sande ein und sind meist Strand- bewohner. 1. Subf. Soleninae. Schalen lang und schmal, gleichklappig. Meist 2 bis 3 Schlosszähne. Ligament äusserlich. Fuss sehr mächtig, cylindrisch. Siphonen meist kurz und vereint. Solen L., Scheidemuschel. Schale sehr lang, mit fast geraden parallelen Rändern. S. vagina L., Messerscheide. S. ensis L. Solecurtus Blainv. Schale länglich. Siphonen lang und getrennt an den Enden, S. strigilatus L. Cultellus Schum. Solemya Lam. {Solenomga Menke). 2. Subf. Myinae. Schale dick , . hinten klaffend , von runzliger Epidermis über- zogen. Mantelbucht sehr gross. Siphonen vereinigt, retraktil. Mya L. , Klaffnmschel. Schalen lang, ungleichklappig. Die linke Schale mit Schlosszahn. M. truncata L. Corbula Brug. Thetys Sow. Panopaea Men. la Gr. Schale gleichklappig, oblong. Ein Schlosszahn an jeder Klappe. Fuss kurz und dick. P. glycimeris Gm. 2. Subfam. Anatininae. Schale dünn mit granulirter Oberfläche. Schlosszähne verkümmert, an jeder Schale ein löffeiförmiger Vorsprung zur Aufnahme des Ligaments. Siphonen lang, gefranzt. Anatina Lam. Schale oblong, bauchig, durchsichtig. Wirbel gespalten, Siphonen verwachsen. A. subrostrata Lam. , Ind. Ocean. Pandora Sol. Plioladomya Sow. Ceromya Ag. u. a. G. 11. Fam. Gastrochaenidae (Tubicolidae). Schalen gleichklappig, dünn, zahnlos, zuweilen in eine Kalkröhre eingefügt, welche durch Ausscheidung des Mantels entstanden, oft den Molluskentypus unkenntlich macht. Nur ein kleiner vorderer Schlitz bleibt am Mantel frei, der sich nach hinten in zwei verschmolzene Röhren mit endständigen Oeff- nungen verlängert. Gastrochaena Spengl. Kalkröhre vorn geschlossen, hinten offen und durch eine Längsscheidewand getheilt. G. clava L. Clavagella Lam. Die linke Schale an der Wand der Kalkröhre befestigt, die rechte frei. Fuss rudimentär. Cl. bacUlaris Desh. n. Classe. Scaphopoda. 25 Aspergillum Lam. Kalkröhre am Vorderencle verbreitert und von Oeffnungen sieb- artig durchbrochen, der Brause einer Gieskanne ähnlich. Mit dem Siebende steckt sie im Sande, am verengerten Hinterende ist sie für die Athemlöcher geöffnet. Ä. vagini- f einem Lam., Gieskannenmuschel, Rothes Meer. A. javamim Lam., Ind. Ocean. Hier schliessen sich die Saxicavidae an , deren Schalen der Kalkröhre entbehren^ Sie bohren im Felsen. Saxicava Bell. S. pholadis Lam. Petricola Lam. P. roccellaria Lam. 12. Fam. Pholadidae, Bohrmuscheln. Die beiderseits klaffenden Schalen ohne Schlosszähne und Ligament , aber mit accessorischen Kalkstücken , welche entweder an dem Schlosse (Pholas) oder an der Athemröhre (Teredo) anliegen. Der fast vollkommen geschlossene Mantel lässt nur eine kleine vordere Oeffnung für den Durchtritt des kurzen dicken stempelartigen Fusses und setzt sich in eine lange Röhre mit verwachsenen Siphonen fort. In den untern Siphonalcanal erstrecken sich die langen spitz auslaufenden Kiemen hinein. Die Thiere leben theils am Strande und graben sich im Schlamme und Sande ein, theils bohren sie in Holz und selbst festem Gestein, Kalkfelsen und Corallen Gänge, aus denen sie ihre verschmolzene Athemröhre hervorstrecken. Sie werden durch diese Lebensweise den Dämmen , Schiffen und Pfahlwerken verderblich. Pholas L. Die accessorischen Schalenstückchen liegen äusserlich am Schlosse. Ph. dactylus L. Mantel und Siphonen leuchten. Nach Panceri') soll das Licht von einer leuchtenden Materie des oberflächlichen Flimmerepitels herrühren. Ph. crassata L. Teredina Lam. Teredo L. , Bohrwurm. Die Schalen sind sehr klein , aber äusserst dick und fest, sie bedecken nur den vordersten Theil des Thieres, welches durch die lange hinten ge- spaltene Athemröhre eine wurmförmige gestreckte Gestalt gewinnt und accessorische Schalenstücke in Gestalt von zwei Kalkplättchen trägt. Das Thier bohrt unter Betheiligung der sehr festen Schalenränder Gänge im Holze, welche von kalkigen Röhren, dem Aus- scheidungsprodukt des wurmförmig verlängerten und geschlossenen Mantels ausgekleidet sind. Die Jungen entwickeln sich im Mantelraum, schwärmen dann als Larven frei umher und besitzen zwei den Körper vollständig umlagernde Schalenklappen. Teredo naoalis L. , Schiftsbohrwurm (CoUectivbezeichnung), war die Veranlassung zu dem bekannten Dammbruche in Holland am Anfang des vorigen Jahrhunderts. Septaria arenaria Lam., bohrt Gänge im Sande. II. Classe. Scaphopoda'), Scaphopoden. Getrenntgeschlechtliche Mollusken ohne yesonderten Kopf und ohne Augen, mit vorstrecJcbaren Cirren, mit Zunge und Kieferbewaffnung, dreüappigem Fusse und röhrenförmiger, an beiden Enden geöffneter Kalhschale. Erst die trefflichen Untersuchungen von Lacaze-Duthiers haben über diese Gruppe von Mollusken, welche man lange Zeit als Cirrobranchiaten den Gastropoden unterordnete , hinsichtlich des Baues und der Entwicklung Licht verbreitet und bewiesen , dass sie den Acephalen nahe stehen und den Ueber- 1) P. Panceri, Gli organi luminosi e la luce dei Pirosomi e delle Foladi. Napoli. 1872. 2) Lacaze-Duthiers, Histoire de l'organisation et du developpement du Dentale. Annales des sciences naturelles. IV. Ser. Tom. VI. VII und VIIL 18j6. 1857. M. Sars, Om Siphonodentalium vitreum etc. Christiania. 1801. Derselbe, Malacozoologiske Jagttagelser vid, Sölskab Forhandlinger for 1864. 26 Scaphopoden. Allgenipiiicr Körperbau. Entwicklung. gang jener zu den Gephalophoren vermitteln. Die Schale ist eine langgestreckte, etwas gekrümmte und nach oben verjüngte offene Röhre, in welcher der ähn- lich gestaltete Thierleibj durch paarige Muskeln an der Rückenseite dem dünnern untern Schalenrande angeheftet, verborgen liegt. Wie die Schalenröhre bleibt auch der sackförmige dieser anliegende Mantel an beiden Enden geöffnet und lässt aus der wulstförmig umrandeten Oeffnung das dreilappige Ende des halb- cylindrischen Fusses hervortreten. Ein Kopf kommt nicht zur Sonderung, da- gegen erhebt sich im Mantelraum ein becherförmiger Vorsprung, an dessen Spitze die von blattähnlichen Lippenanhängen umstellte Mundöffnung liegt. Als Mundbewaffnung ist sowohl (rechts und links) ein seitliches Kieferrudiment als eine mit 5 Plattenreihen besetzte Zunge vorhanden. Der Nahrungskanal zerfallt in Mundhöhle, Speiseröhre, Magen mit paariger gelappter Leber und in einen langen Darm, welcher nach mehrfachen, knäuelartig zusammengedrängten Windungen hinter dem Fusse in der Mitte des Mantelraumes ausmündet. Ein Herz wurde bislang nicht nachgewiesen. Zwei Mantelgefässe und complicirte wandungslose Räume der Leibeshöhle führen das Blut. Die Athmung geschieht durch die Mantelfläche und wohl auch durch die fadenförmigen Tentakeln, welche auf zwei median zusammenstossenden Wülsten [Ualsl-ragcn) hinter dem Mundvorsprung vor dem Fusse entspringen. Diese cirrenartig vorstreckbaren Tentakeln sind am Ende kolbig verdickt und dienen als Fangorgane. Die paarige Niere liegt in der Umgebung des Mastdarmes und mündet durch zwei Oeffnungen rechts und links vom After in den Mantelraum aus. Das Nerven- system besteht aus den bekannten drei Gangliengruppen , von denen das Fuss- ganglion zwei Gehörblasen trägt. Augen fehlen. Als Tastorgane sieht man die bewimperten cirrenähnlichen Tentakeln an. Die Scaphopoden sind getrennten Geschlechts. Ovarien und Hoden liegen als unpaare fingerförmig gelappte Drüsen hinter Leber und Darm und münden mittelst einfachen rechtsseitig gekrümmten Ausführungsgang mit der rechten Niere neben dem After aus. Eier und Samenfäden gelangen durch eine hintere Mantelöffnung am spitzen Endtheile der Röhre nach aussen. Ueber die Entwicklung ist bekannt geworden, dass die Eier eine inaequale an die Furchungsweise der Lamellibranchiaten anschliessende Dotterklüftung durchlaufen. Der Embryo gewinnt am Scheitel einen Wimperschopf und mehrere Wimperkränze, die sich allmählig reduciren , sodass ein mächtiger den Rand der Koptscheibe umsäumender Wimperkragen, das Velum, zurückbleibt. An der Dorsalseite der ausschwärmenden Larve bildet sich der Mantel nebst einer kleinen zweiklappigen Schale, deren Ränder mit fortschreitender Entwick- lung ebenso wie die des Mantels bis auf eine vordere und hintere Oeffnung verwachsen. Nachdem der Fuss und Mundzapfen nebst Girrenanlage gebildet sind, verlängert sich die Schale mehr, und mehr röhrenförmig, und das Thier sinkt zu Boden. Die Thiere leben mit der vordem Körperhälfte im Schlamme versenkt, vermögen aber auch mittelst des Fusses langsam umherzukriechen. Sie schaffen die Nahrung mit Hülfe der Tentakelcirren , vielleicht auch zugleich mittelst des Wasserstromes, welcher zur Athmung dient , herbei. Solenoconchae. — ITT. Classe. Gastropoda. 27 1. Ordnung. Solenoconchae, Röhrenschnecken. Mit den Charakteren der Classe. Farn. Dentalidae. Dentalium. L. , D. entalis L., D. elephantinum L. , Mittelmeer und Ind. Ocean. Siphonodentalium Sars. S. vitreum Sars. S. lofotense Sars. III. Classe. Gastropoda'), Bauchfüsser. Weichthiere mit mehr oder minder gesondertem Kopfe, mit Zunge und Zahnapparat, mit ungetheiltem Mantel, tvelcher ein einfach tellerförmiges oder spiralig geivundenes Gehäuse absondert. Der vordere Körpertheil ist mehr oder minder scharf gesondert und bildet den mit Sinnesorganen und Mundwerkzeugen versehenen Kopf. Derselbe trägt gewöhnlich zwei oder vier Fühler und zwei Augen, seltener an der Spitze, in der Regel an der Basis eines Fühlerpaares. Am Rumpfe erhebt sich der bauch- ständige muskulöse Fuss , dessen Form und Grösse mehrfache Veränderungen erleidet. Nur selten ist der Fuss völlig rückgebildet (PhglUrhoe) , in der Regel bildet derselbe eine langgestreckte söhlige Fläche, kann aber auch {Heteropoden) als senkrecht erhobene Flosse auftreten. Für die Gestaltung des Rumpfes er- scheint die Lage und Form des Mantels wichtig. Derselbe zerfällt niemals in zwei seitliche Lappen, sondern bildet eine einfache mehr oder minder umfang- reiche Duplicatur , deren freier meist verdickter Rand zuweilen in Lappen ver- längert oder in Fortsätze ausgezogen ist. Selten verkümmert der Mantel beim ausgebildeten Thiere vollständig. Die untere Fläche des Mantels begrenzt in der Regel als Decke eine auf die Rückenfläche und auch auf die Seiten des Rumpfes ausgedehnte Höhlung, welche das (ebenso wie bei den Lamellibran- chiaten zwischen Mantel und Fuss gelegene) Respirationsorgan in sich aufnimmt und durch einen Ausschnitt, Oeffnung oder röhrenartige Verlängerung am Mantelrand mit dem äussern Medium in Communication steht. Der Leibesraum entwickelt sich entweder einfach und gleichmässig oder führt zur Entstehung eines bruchsackartig hervortretenden Eingeweidesackes, der sich allmählig verjüngt und in der Regel spiralig aufrollt. 1) Martini und Chemnitz, Conchylien - Cabinet. 12 Bde. Herausgegeben von Küster. Nürnberg. 1837—1865. D'And. de Ferussac et G. P. Deshayes, Histoire naturelle generale et particuliere des Mollusques, terrestres et fluviatilis. Paris. 1819 — 1850. G. Br. Sowerby, Thesaurus conchyliorum or figures and de^criptions of Shells. London. 1832—1862. Lov. Reeve, Conchologia iconica etc. London. 1846 — 1862. Guoy et Gaimard, Voyage de la corvette l'Astrolabe. Mollusques. 1826 — 1834. H. und A. Adams, The Genera of the recent Mollusca. 3 Vols. Jjondon. 1858. W. Carpenter, On the microsc. Structure of Shells. Report. 13. 14. 17 Meeting Brit. Assoc. London. 1846. 1847. 1848. H. Troschel, Das Gebiss der Schnecken. Tom. L und II, 3 Lief. Berlin. 1856 — 1878. W. Keferstein, Bronn's Klassen und Ordnungen der Weichthiere. Tom. IIL 2. Abth. Leipzig. 1862 — 1866. Woodward, Manual of the Mollusca. 2 Ed. London. 1868. 28 Gastropoden. Sclineckengehäuse. Mantel und Eingeweidesack werden von der Schale bedeckt, welche meist als gewundenes Gehäuse die Form der Windungen des letztem wiederholt, beim Zurückziehen des Thieres aber auch Kopf und Fuss vollkommen in sich aufnehmen und bedecken kann. Das Gehäuse {testa) ist seiner Entstehung nach auch hier eine verkalkte Cuticularbildung, welche der Epidermis des Mantels aufliegt. In der Regel erscheint dasselbe als eine feste Kalkschale, welche a is einer Guticula, aus einer Kalkschicht und aus einer kalkhaltigen blättrig geschichteten Substanz besteht. Die Kalkschicht ist durch eine aus- geprägt krystallinische Beschaffenheit ausgezeichnet , während die Structur der Blätterschicht eine ähnliche Beschaffenheit wie die Perlmutterlage der Muschel- schale besitzt. Die Oberfläche ist keineswegs vollkommen glatt , sondern zeigt makroskopisch wie mikroskopisch überaus verschiedene Sculpturen und kann bei stärkerer Ausbildung der hornigen Guticula schuppenähnliche und haar- förmige Erhebungen besitzen. Zuweilen erscheint die Schale zart, hornig und biegsam, indem die schichtenweise abgelagerten organischen Substanzen minder reich vom Kalke imprägnirt sind {Aplysia). Seltener bleibt die Schale so klein, dass sie nur die Mantelhöhe mit dem Respirationsorgane bedeckt oder als zartes Plättchen in der Mantelhaut verborgen liegt {Limax, Fleiirobranchiaten), häufiger schon wird sie frühzeitig abgeworfen, so dass den Thieren im reifern Alter ein Gehäuse völlig abgeht (viele marine Nacktschnecken). Ebensowenig wie der Mantel ist das Absonderungsprodukt desselben, die Schale, in zwei seit- liche durch ein Schloss verbundene Hälften gespalten, wohl aber kann dieselbe in eine Anzahl von Stücken zerfallen , welche in der Längsaxe ähnlich den Schienen des Hautpanzers von Gliederthieren auf einander folgen. In diesem Fa.\\e {Placophoren , Chiton) gestattet die segmentirte Schale, die den Weich- gebilden des Körpers einen ähnlichen Schutz wie der Hautpanzer den Glieder- thieren gewährt, Bewegungen ihrer Segmente, und es können sich diese Schnecken in ähnlicher Weise nach der Bauchfläche zusammenkugeln, wie die Kugelasseln und Trilobiten. Von dieser Ausnahme abgesehen, bleibt die Schale einfach, und zwar erscheint sie entweder flach und napfförmig (Fatella) ohne Gewinde , oder aber in sehr verschiedener Weise spiral gewunden von einer flachen scheibenförmigen bis zu der langausgezogenen thurmförmig verlängerten Spiiale. Im erstem Falle entspricht dieselbe ihrer Form nach mehr der embryonalen Schalenanlage, welche als zarte mützenförmige Decke dem Mantel aufliegt. Mit dem Wachsthum des Thieres wächst die Schale an ihrem dem Mantelrande aufliegenden Saume weiter (Anwachsstreifen) und er- hält bei ungleichmässigem Wachsthum Spirahvindungen , deren Durchmesser allmählig und continuirlich sich vergrössert. Da das unsynmietrische Wachs- thum der Schale in dem einseitigen Wachsthum des Körpers seinen Grund hat, so begreift es sich, dass an der grössern Aussenlippe der Mündung die unpaaren Organe ausmünden (After, Geschlechtsöffnung). Man unterscheidet an der spiralig-gewundenen Schale den Scheitel oder die Spitze {A/jex) als den Theil, mit welchem die Bildung der Schale am Embryo begann und die Spirahvin- dungen ihren Anfang nahmen , ferner die Mündiuty {Apertiira) , welche dem Scheitel gegenüber liegt, in die jüngste und meist grösste Windung einführt und Schneckengehäüse. Schleim- und Pigmentdrüsen. 29 mit ihrem beim ausgewachsenen Thiere aufgewulsteten Lippen (Peristoma) dem Manteirande aufliegt. Die Windungen drehen sich rechts oder links ') um eine von der Spitze nach der Mündung gerichtete Achse, welche entweder in die solide Spindel {ColunieUa) , oder in einen hohlen Längscanal derselben hin- einfällt, dessen Mündung als Nabel ( Uniho) bezeichnet wird. Dieser Ganal kann, falls die Windungen von der Achse entfernt bleiben , zu einem hohlen fast kegelförmigen Raum mit weitem Nabel werden {Solarium). In der Regel legen sich die Windungen unmittelbar an einander und erzeugen Linien, Nähte, durch welche ihre Grenzen bezeichnet werden. Bleiben die Windungen aber getrennt {Scalaria pretiosa), so fallen natürlich die Nähte hinweg. Nach der Lage der Spindel unterscheidet man einen Spindelrand oder innere Lippe und einen Aussenrand oder äussere Lippe der Apertur. Die Aussenlippe erweist sich entweder ganzrandig {holostom) , oder durch eine Ausbuchtung unter- brochen , welche sich oft in einen kanalartig ausgehöhlten Fortsatz verlängert (siphonostom). Einbuchtung und Schnabel fortsatz bezeichnen die Lage für die Oeffnung der Athemhöhle, deren Sipho. Besonders wichtig für die Form- gestaltung der Schale erscheint die Lage und Anordnung der Windungen. Fallen dieselben ungefähr in eine Ebene, so wird das Gewinde scheibenförmig {Flanorbis) , laufen die Umgänge schief um die Achse wie an einer Wendel- treppe, so werden die Schalen walzenförmig {Fupa), conisch (Trochus), kreisei- förmig {Litloruiu) , kugelig {BoUum), thurmförmig {Turitella), spindelförmig {Fusus), ohrförmig [Haliotis) und umgewickelt {Conus, Cypraea). Bei vielen Schnecken kommt zum Gehäuse ein horniger oder kalkiger Deckel {Operculunt) hinzu , der meist am hintern Ende des Fusses aufsitzt und beim Zurückziehen des Thieres die Schalenöffnung völlig verschliesst. Viele Land- schnecken sondern im Gegensatz zu diesem persistenten und vom Fusse ge- tragenen geringelten oder spiralig gewundenen Deckel vor dem Eintritt des Winterschlafs einen Kalkdeckel ab, welcher im kommenden Frühling wieder abgestossen wird. 1) Um zu bestiuiaien, ob die Schale rechts oder links gewunden ist, hält man die Axe senkrecht mit dem Apex nach oben und mit der Apertur nach unten dem Beschauer zugekehrt. Liegt die letztere rechts von der durch die Ache gezogenen Sagittalebene, 80 bezeichnen wir die Schale als rechtsgewunden etc., im Gegensatz zu den Botanikern, welche diese Form der Spirale eine linksgewundene nennen. Listing bezeichnet diese Spirale als laeotrop oder Laradaspirale, wähi-end er die linksgewundene dexiotrop oder Deltaspirale nennt. Denkt man sich in der rechtsgewundenen Spirale von der Spitze der Windungen abwärts herabsteigend, so behält man unter beständiger Rechtsdrehung die Axe zur rechten , bei der linken umgekehrt zur linken Seite. Mit andern Worten, man dreht sich im erstem Falle rechts-, im letztern linksseitig der Drehung der Linie entsprechend, von welcher man zur Ableitung der Spirale und zur Erklärung ihrer Ent- stehung auszugehen hat. Dieselbe Richtung der Drehung aber ist auch für die Bildung und das fortschreitende Wachsthura der Schale an der Apertur massgebend, indem sie dem Wachsthum der Spirale entspricht. Rechtsgewuudene Schalen werden an der rechten Seite getragen mit der Spitze nach hinten und rechts gewendet. Auch liegen bei den Schnecken mit rechts gewundenen Schalen Athemlocb, After und Geschlechts- öffnung rechtsseitig. 30 Gastropoden. Haut. Nervensystem. Die äussere weiche schleimige Körperhaut ') besteht aus einem oberfläch- lichen, in grösserer oder geringerer Verbreitung Wimperhaare tragenden Cylinderepitel und einer bindegewebsreichen Unterhaut, von welcher die Haut- muskulatur nicht zu trennen ist. Als Einlagerungen der Haut sind einzellige Schleimdrüsen, sodann Kalk- und Pigmentdrüsen hervorzuheben , welche be- sonders am Mantelrande in grösserer Menge angehäuft, durch den Kalkgehalt ihres Secretes zum Wachsthum sowie zur eigenthümlichen Färbung der Schale beitragen. Die überaus verbreiteten Schleimdrüsen liegen nicht überall in gleicher Menge gehäuft und rücken bei ihrer Grösse in die Tiefe der Unterhaut, hl ihrem hihalt sondern sie oft eigenthümlich geformte an die Nesselkapseln der Coclenteraten erinnernde Körperchen oder an Byssus erinnernde Fadenge- bilde ab. Uebrigens treten auch bei vielen Nacktschnecken wahre Nesselkapsel- zellen in der Haut auf. Die Schale wird ganz nach Art einer Guticularbildung durch das Epitel abgesondert und erstarrt, indem die der organischen Grundlage beigemengten Kalksalze eine feste und krystaliinische Beschaffenheit annehmen. Die oberste Schicht der Schale bleibt freilich oft als zarte dünnhäutige sog. Epidermis unverkalkt, während sich ihre hinenfläche bald mehr bald weniger durch Perlmutterschichten, welche die Manteloberfläche absondert, verdickt. Die Verbindung des Thieres mit der Schale wird vorzugsweise durch einen eigen- thümlichen Muskel bedingt, welcher wegen seiner Lage an der Goiumella Spindelmuskel heisst. Dieser Muskel entspringt am Rücken des Fusses, bildet eine kräftige Verdickung an der Wand des Eingeweidesackes und setzt sich am Anfang der letzten Windung an der Spindel fest. Das Nervensystem *) zeigt vielfache Beziehungen zu dem der Lamelli- branchiaten, indem zunächst dieselben drei Gangliengruppen, die Cerebral- Fuss- und Visceralganglien , nach der Länge der Gommissuren bald näher bald entfernter gelegen , wiederkehren. Selten wird die Concentration eine so grosse, dass eine gemeinsame auf die obere Seite des Schlundes gerückte Gang- lienmasse entsteht , an der man die drei Gangliengruppen schwer und nur mit Hülfe der austretenden Nerven von einander abgrenzen kann. Dieses am voll- kommensten bei Tcthys ausgeprägte Verhalten wird nicht etwa als ursprüng- liches , sondern als ein durchaus secnndäres Verhältniss anzusehen sein, welches keine Anhaltspunkte zu phylogenetischen Schlüssen gestattet. Die Gerebralganglien , zuweilen nach den Seiten der Speiseröhre auseinander gerückt , senden Nerven zu den Lippen , der Mundmasse , den Fühlern und Augen , das Fussganglienpaar an der untern Fläche der Speiseröhre zu den Muskeln des Fusses , während die Visceralganglien den Mantel, Herz, Kiemen und Geschlechtsorgane versorgen. Selten sind die Anschwellungen des Gere- bralganglions wenig ausgeprägt und die Ganglienzellen desselben mehr gleich- massig über die supraösophageale Gommissur vertheilt. Häufiger bilden sich mehrere Paare von Anschwellungen aus. Ueberall bildet ein vom 1) Vergl. Fr. Leydig, Die Hautdecke und Schale der Gastropoden etc. Archiv für Naturgesch. Tom. 42. 1876. 2) Lacaze-Duthiers, Du Systeme nerveux des mollusques gasteropodes pulmones aquatiques. Arch. de zool. exp. et gen. par H. de Lacaze-Duthiers. Tome. I. 1872. Vgl. ferner H. v. Iliering 1. c. Nervensystem niul Sinnesorgane. 31 Gehirn abtretender Nerv meist zur Seite des Schlundes ein Biiccalgannlion. Beide Buccalganglien sind durch eine mehr oder minder breite Gommissur ver- bunden und versorgen mit ihren austretenden Nerven die Mundmtisseund Schlund- wandung. Im besonderen Verhalten bieten einerseits die Opisthobranchien und Fulinonatcn, andererseits die Frosobranchien und lleteropoden nähere Beziehungen. Bei den ersteren liegen die Ganglien in der Umgebung des Schlundes meist dicht zusammengedrängt, sodass eine doppelter Schlundring gebildet wird, von denen der eine die Verbindung mit den Fussganglion , der andere mit dem hinter diesem gelegenen Eingeweideganglion vermittelt. Bei den Frosobranchien und Heteropoden tritt jederseits ein gesondertes Neben- ganglion, das Conimissuralganylion auf, von welchem das Commissurensystem der drei Ganglienpaare ausgeht. Wahrscheinlich handelt es sich um einen separaten Theil der Visceralganglienmasse, aus welcher noch mehrere gewöhn- lich paarige Ganglien (Pallialganglien , Parietalganglien) gesondert, in den Ver- lauf der langen Visceral-Gomniissur eingeschoben sein können. Durch bedeutende Streckung der Pedalganglien, verbunden mit einer Trennung ihrer Quercommissur in mehrere hinter einander gelegene Faserzüge kann die Form eines doppelten strickleiterförmigen Ganglienstranges entstehen, welcher an die Bauchganglien- kette der Anneliden und Arthropoden Qvmneri{Zeiigobranchien). Natürlich ist mit dieser Aehnlichkeit keineswegs die Homologie beider Nervenstränge und die Metamerenbildung im Nervensystem der Gastopoden bewiesen (sodass auch von dieser Seite aus J h er ings Unterscheidung von Artrocochliden und Flatycochliden völlig in der Luft schwebt). Innerhalb des Frosobranchien macht sich in der Lage der Viscero-Gommissuralschlinge mit ihren eingelagerten Ganglien und austretenden Nerven ein auffallender und genetisch keineswegs genügend auf- geklärter Unterschied geltend. Bei den einen {Ghiastoneuren) erscheint die Schlinge in der Art gekreuzt , dass die Faserbrücke vom rechten Gommissural- ganglion über den Darm nach links verläuft und unter Bildung eines »Supraintestinalganglions« von diesem aus einen Nerven entsendet, welcher die linke Seite versorgt. Die vom linken Gommissuralganglion abgehende Gommissur läuft unter dem Darm nach rechts und lässt aus ihrem kleinen »Subintestinalganglion« den die rechte Seite versorgenden Nerven austreten. Bei der grössten Mehrzahl der Frosobranchien {Orthoneuren) sowie bei den Hetero- poden fällt diese Kreuzung hinweg, und die vom jedem Intestinalganglion aus- tretenden Nerven versorgen die zugehörige Seite. Phylogenetisch hat jedoch dieser Gegensatz keineswegs die Bedeutung, die ihm von H. v. Ihering beigelegt wurde, da auf Grund desselben natürliche Gruppen, wie d\e Ehipidoglossen (Trochiden-Neriiinen etc.), welche nicht nur in der Bildung des Gebisses, sondern in Besonderheiten des Herzens übereinstimmen, künstlich gespalten würden. Von den Sinnesorganen haben die Augen und Gehörblasen eine grosse Verbreitung. Die Äugen 0, welche nur bei Chiton fehlen , liegen in dop- 1) V. Hensen, Ueber das Auge einiger Ceplialophoren. Zeitschr. für wiss. Zoo- logie. Tom. XV. 1865. Derselbe, Ueber den Bau des Schneckenauges etc. Archiv für niikr. Anat. II. 1866. H. Simmroth, Ueber die Sinneswerkzeuge unserer einheimischen Weichthiere. Ebend. Tom. XXVI. 1876. Vergl. ferner Ley dig, Keferstein, Babuchin u.a. 32 Gastropoden. Auge. Gehörblase. pelter Zahl am Kopf, meist an der Spitze von Stielen, welche aber in der Regel mit den Fühlern verschmelzen. Häufig sind sie an die Fühlerbasis, seltener auf die Spitze der Fühler gerückt. Seinem Baue nach erscheint das Gastropoden- auge als eine Modification des unicornealen Auges der Anneliden und Arthro- poden. Als Cornea fungirt die äussere durchsichtige Hautbekleidung mit ihrem oberflächlichen Epitel und subepitelialen Bindegewebsstratum {Pelluclda). Eine scharf abgegrenzte Sclera findet sich nur an dem hochentwickelten Auge der Heteropoden durch eine glashelle Kapsel repräsentirt , welche durch be- sondere Muskeln bewegt werden kann. Die bindegewebe Unterhaut, in welcher der mehr oder minder kugelige Augenbulbus eingelagert ist, lässt die Sonderung eines festen Augengerüstes überflüssig erscheinen. Somit bildet die zarte Ausbreitung der Nervenscheide des Opticus die äussere Begrenzung des Augen- bulbus, dessen Inneres von einer festen kugelig gewölbten Linse und einem (schon Swammerdam bekannten) freilich oft (Pt drische , nach vorn verengerte, bei Nautilus allerdings an der untern Seite ge- spaltene Röhre, welche mit ihrer breiten Basis in der Mantelhöhle beginnt und von hier sowohl das durch die Mantelspalte eingedrungene Athemwasser als mit diesem die Excremente und Geschlechtsstoffe nach aussen entfernt. Gleich- zeitig dient derselbe im Verein mit der kräftigen Musculatur des Mantels als Locomotionsorgan; indem der Inhalt des Mantelraums durch die Gontraction des Mantels — bei dem festen zuweilen durch Knorpelleisten unterstützten An- schluss des Mantelrandes an die Basis des Trichters — aus der Trichteröffnung stossweise entleert wird, schiesst das Thier in Folge des Rückstosses nach rück- wärts im Wasser fort. Viele Gephalopoden (Oc^o^tfZen) bleiben vollkommen nackt, andere (Deca- piden) bergen ein inneres Schalenrudiment, verhältnissmässig wenige (Argonauta, Nautilus) besitzen eine äussere spiralgewundene Schale. Die innere Schale liegt in einer besondern Rückentasche des Mantels und stellt sich in der Regel als flache federförmige oder lanzetförmige Platte dar, entweder aus einer bieg- samen Hornsubstanz {Conchyolin) , oder aus einer spongiösen von Kalksalzen erfüllten schräggeschichteten Masse gebildet {Os sepiae). Die äussere Kalk- schale ist nur ausnahmsweise dünn und einfach kahnförmig (Argonauta) , in der Regel spiralgewunden und durch Querscheidewände In eine Anzahl hinter- einander liegender Kammern getheilt , von denen nur die vordere grösste dem Thiere zur Wohnung dient. Die übrigen continuirlich sich verjüngenden Kammern sind mit Luft erfüllt, bleiben aber durch eine die Scheidewände durchsetzende centrale Röhre {Sipho) , welche ein Fortsatz des Thierkörpers durchzieht , mit diesem in Verbindung. Seltener liegen die Kammern kegel- förmig aufgewunden ( Turrilites ) , häufiger geradlinig hintereinander gereiht, in der Regel in einer Ebene eingerollt, bald mit sich berührenden Windungen {Nautilus, Ammonites), bald mit freien, in ihrem Verlaufe zuweilen geradge- streckten Windungen. Unter den lebenden Formen besitzt die Gattung Spirula ein nach Art eines Posthörnchens gebogenes Gehäuse , das jedoch bereits vom Mantel umschlossen liegt und den Uebergang zu jenen im Rücken verborgenen Schalen bietet. In ähnlicher Art sind die Schalen des fossilen Belemniten als Verbindungsglieder zwischen den äussern gekammerten Gehäusen und den Innern Schalenrudimenten von Sepia, Ommastrephes etc. aufzufassen. Dort besteht die kegelförmige Schale aus einem gekammerten Siphohaltigen Abschnitt, Fhragmaconus, und aus Verdickungsschichten, welche theils an der Spitze des erstem einen mächtigen soliden Fortsatz {Rostrum) bilden, theils an der Basis desselben eine Verlängerung der vordersten Kammer- wand, das sog. Hornblatt (Proostracuni) erzeugen. Auch die Belemnitenschalen waren von den Mantelfalten des Thieres umhüllt, welche wahrscheinlich wie bei Spirula einen geschlossenen Sack darstellten, von dessen kalkhaltigen Ausscheidungen die neu hinzukommenden als Rostrum und Proostracum unter- schiedenen Theile erzeugt wurden. Indem diese letztern auf Kosten des mehr und mehr zurücktretenden , der ursprünglich äussern gekammerten Schale ent- sprechenden Phragmoconus an Ausdehnung gewannen, wurden die Zwischen- glieder bis zu den Rückenschulpen der lebenden Decapiden durchlaufen, von denen einzelne Oegopsiden - Gattungen wie Loligopsis , Onychoteuthis , Oni- 74 Cephalopoden. Farbenwechsel der Haut. Kopfskelet. mastrephes noch einen Phraf/moconusresi nachweisen lassen. Die das Schalen- rudiment bergende Rückentasche der Tintenfische ist also eine secundäre durch Verwachsung von ursprünglich freien Mantelfalten entstandene Bildung, die demnach nicht etwa als Aequivalent der embryonalen sog. Schalendrüse be- trachtet werden kann. Die glatte, schlüpfrige Haut der Cephalopoden besteht aus einer oberfläch- lichen Epidermis , die sich fast überall auf ein (an den Tentakeln und Augen von Nautilus, Fiimmerhaare tragendes) Pflasterepitel zurückführen lässt, und einer bindegewebigen Muskeln enthaltenden Cutis, in welcher die merkwür- digen , das bekannte Farbenspiel der Haut bedingten Chromatophoren einge- bettet liegen. Dieselben sind (je aus einer Zelle hervorgegangene) Pigmenthaufen, an deren starker aus Zellen zusammengesetzten Wand sich zahlreiche Muskel- fasern strahlenförmig befestigen. Contrahiren sich die letztern , so bildet die Wand sternförmige*) Ausläufer, in die sich der Farbstoff nach zahlreichen Richtungen peripherisch vertheilt. Diesem Zustande entspricht die Bräunung der Haut und das Farbenspiel, welches in raschem Wechsel von blauen, rothen, gelben und dunkeln Farben abläuft. Bei der Expansion der Muskeln zieht sich die Zelle wieder zu ihrer ursprünglich kugligen Form zusammen, der Farbstoff concentrirt sich auf einen verhältnissmässig geringen Raum, und die Haut ent- färbt sich. Die Thätigkeit der Chromatophoren steht unter dem Einfluss des Nervensystems, in welchem von Klemensievicz ein besonderes Innervations- centrum für den Farbenwechsel (am Stile des Ganglion opticum) nachgewiesen wurde. Reizung dieses Centrums ruft auf der entsprechenden Seite augen- blicklichen Farben Wechsel hervor. Die Lage desselben am Ganglion opticum spricht dafür , dass durch den Gesichtssinn reflektorisch die Ghromatophoren- nerven erregt werden. Indessen kommen auch für die Erregung derselben, wie Kruken berg gezeigt hat, peripherische Ganglienzellen der Haut in Betracht. Zu den Chromatophoren kommt eine tiefer liegende Schicht kleiner glänzender Flitterchen, deren Interferenzfarben die Haut ihren eigenthümlichen Schiller und Silberglanz verdankt. Die Höhe der Organisationsstufe bekunden die Cephalopoden auch durch den Besitz eines iuncrn KnorijelsJcelctSy welches wenigstens der Gewebsform nach dem Skelete der Wirbelthiere verglichen werden kann und sowohl zur Stütze der Muskulatur als zum Schutze des Nervencentrums und der Sinnes- organe dient. Ueberall unterscheidet man als den wichtigsten Theil desselben den Kopfknorpel, einen in der Regel geschlossenen Knorpeliing, durch welchen der Oesophagus hindurchtritt. Der mittlere Aljschnitt desselben umschliesst die Gehirnganglien nebst Schlundring und Gehörorgan, während die ansehn- lichen Seitenlheile den flachgewölbten Boden zur Augenhöhle bilden. Dazu kommen noch, besonders häufig bei den iJecapidcn , Augendeckknorpel , ein sog, Armknorpel und Rückenknorpel, verschiedene Schliessknorpel (zum 1) Vergl. R. Wagner, Brücke, H. Müller, sowie die neuern Abhandlungen von R. Klemensievicz, Beiträge zur Kenntniss des Farbcnwechsels der Cephalopoden. Sitzungsb. der Acad. Wien. 1873. Krukenberg, Vergleichend physiologische Studien an den Küsten der Adria. Heidelberg. 1880. Nervencentra der Dibranchiaten und Nautilus. 75 Verschlusse der Mantelhöhle) und endlich Flossenknorpel als Träger der Flossen. Das Nervensystem ') lässt sich mit dem der Gastropoden auf gleichen Typus zurückführen , zeichnet sich aber durch die Concentration und Grösse seiner Ganglien aus. Auch hier treffen wir dieselben drei Gangliengruppen an und zwar zu einer vom Oesophagus durchsetzten Ganglienmasse zusammen- gedrängt, welche mehr oder minder vollständig vom Kopfknorpel um- schlossen wird. Sehr dicht sind die Gentralmassen am Schlundring der Dibran- chiaten zusammengedrängt, an dem man einen kleinen dorsalen und grössern subpharyngealen Abschnitt unterscheidet, welche beide durch zwei Commissuren verbunden sind. Vom obern Ende der hintern stärkern Gommissur, sowie vom untern Seitenrande der suprapharyngealen Portion entspringt jeder - seits der starke Sehnerv, welcher alsbald zu dem grossen Ganglion opticum anschwillt. Auf dem Stil desselben liegt ein kleines Ganglion, dessen Nerv nach der äussern, hinter dem Auge gelegenen Geruchsgrube läuft. Ein oberes und unteres Buccalganglion mit dem Gehirn sowie untereinander verbunden, versorgen die Mundmasse mit Nerven. An der supra - pharyn- gealen Portion der Ganglienmasse unterscheidet man einen mittlem stark vorspringenden Knoten als Cerebellum (Scheitellappen) und mehrere paarige Anschwellungen, die als vordere, mittlere und hintere bezeichnet werden. Die sehr umfangreiche subpharyngeale Portion wird aus drei hintereinander liegenden paarigen Abschnitten gebildet, von denen der kleinere vordere die starken Nerven zu den Armen abgibt. Die mittlere Abtheilung {ganfßioyi, peäale) entsendet die Trichternerven und die Gehörnerven, ihre Abzweigung von der hintern wird durch eine Oeffnung bezeichnet, welche den Arteriae pedales zum Duichtritt dient. Der dritte Abschnitt {ganglion viscerale) gibt seitwärts die starken Mantelnerven ab, welche jederseits in ein grosses Ganglion {G. stcllatum) anschwellen, und entsendet mehr medial wärts die starken Visceral nerven. Diese geben Nerven an den Tintenbeutel und Mast- darm ab und spalten sich später in je zwei Aeste , von denen Kiemen , Herz, Niere, Geschlechtsapparat und ein Theil des Gefässsystems unter Bildung kleiner Ganglien (Kiemenganglion , Hohlvenenganglion) versorgt werden. Der grösste Theil des Darmcanals eben sowie die Leber erhält die Nerven von dem am Magen anliegenden Ganglion gastricum , zu welchem paarige Nerven von dem untern Buccalganglion verlaufen. An allen Ganglien zeigen sich die Ganglien- zellen peripherisch und bilden einen grauen oberflächlichen Rindenbelag der Markmasse. Bei den Tetrabranchiaten {Nautilus) sind die Ganglien der grossentheils freiliegenden Ganglienmasse strangförmig ausgezogen. Die supraösophageale 1) Ausser den Schriften von A. Hancock, Owen, Stieda und z. a. vergl. vornehmlich: J. Cheron, Recherches pour servir a l'histoire de Systeme nerveux des Cephalopodes dibranchiaux. Ann. scienc. nat. 5 Ser. Tom. V. 1866. Ph. Owsj annikow lind A. Kowalevsky, Ueber das Centralnervensystem und das Gehörorgan der Cepha- lopoden. Mem. de l'Ac. Imp. St. Petersbourg. 1867. Ferner H. v. I bering 1. c. M. J. Dietl, Untersuchungen über die Organisation des Gehirns wirbelloser Thiere. 1. Abth. (Cephalopoden , Tethys). Sitzungsb. k. Akad. der Wissenschaften. Wien. 1878. 76 Cephalopoden. Sinnesorgane. Augen. Ganglienportion erscheint in Form eines Querstrangs , welcher rechts und links die Optici und Olfactorii , am Vorderrand eine Anzahl Labialnerven entsendet. Unterhalb der Augennerven entspringen der vordere und hintere Schlundring, von denen jener die Pedalganglien umfasst und den Trichternerv sowie die Tentakelnerven abgibt. Die Ganglien des hintern Schlundrings entsprechen den Visceralganglien und entsenden Nerven zu dem Mantel und Eingeweiden. Zwei die Hohlvene begleitende Nervenstämme versorgen die Kiemen sowie das Gefässsystem und schwellen am Ende je in ein Ganglion an, von welchem die Nerven des Geschlechtsapparats entspringen. Ein dritter Schlundring ist der sympathische, dessen Nerven vom Vorderrande des Gerebralstranges austreten und an der Mundmasse zwei seitliche Pharyngealganglien und ebensoviel medialwärts gelegene durch eine Gommissur verbundene Buccalganglien bilden. Die letztern entsenden je einen an der Speiseröhre verlaufenden Nerven, welcher zu dem auch hier vorhandenen Ganglion gastri- cum tritt. Unter den Sinnesorganen nehmen die beiden grossen Augen an den Seiten des Kopfes durch ihre hohe, an die Augen der Wirbelthiere erinnernde Organisation die erste Stelle ein. Jeder Augenbulbus liegt in einer theilweise vom Kopfknorpel umgrenzten Orbita und wird von einer festen Kapsel um- schlossen, welche sich vorn in einen dünnen und durchscheinenden, die Stelle der Cornea vertretenden Ueberzug fortsetzt. Dieser kann jedoch ganz fehlen oder auch unter einer lidartigen Hautfalte von einem Loche durchbrochen sein, durch welches das Wasser in einen um die vordere Fläche des Bulbus in verschiedenem Umfang ausgedehnten Raum gelangt. Seinem Baue nach be- sitzt das Gephalopodenauge sehr ähnliche Theile wie das Wirbelthierauge, während freilich die Sclera und Cornea durch die Augenkapsel vertreten sind. Die Bulbuswand, welche der hmenfläche der Kapsel anliegt, ohne an derselben befestigt zu sein , besteht aus einer Innern Knorpelplatte und aus einer äussern gefässreichen Pigmenthaut. Diese setzt sich wiederum aus zwei silberglänzen- den Schichten zusammen (Argentea externa und interna) , zwischen welchen Längsmuskelfasern verlaufen. Vorn wird die Bulbuswand durch eine Linse geschlossen , an deren Rand ein wulstartiger Vorsprung der Innern bindege- webigen Bulbuswand nach Art eines Ciliarkörpers eingreift, während eine freie ringförmige Verlängerung vornehmlich der Pigmenthaut (aber auch durch eine zarte innere Knorpelplatte gestützt) als h'is mit länglicher oder kreisförmiger Pupille über die Vorderfläche der Linse hinausragt. Diese Linse hat wie die der Fische eine kugelige in der Richtung der Augenachse etwas verlängerte Gestalt und erscheint aus zwei verschieden gewölbten aus Cuticularschichten gebildeten Hälften zusammengesetzt , welche mit ebenen Flächen an einander liegen. Die vordere Hälfte ist flach, während die hoch gewölbte hintere Hälfte weit in die Augenkammer hineinragt. Diese wird von dem überaus durch- sichtigen flüssigen Glaskörper erfüllt, welchem die innere Schicht der Netzhaut mit der Ht/aloidea dicht anliegt. Der im Hintergrunde der Orbita-ähnlichen Augen- kapsel eintretende Sehnerv schwillt ausserhalb der knorpligen Bulbuswand zu einem mächtigen Sehganglion an, aus welchem die Nervenfasern zur Bildung einer mächtigen Retina in den Augenbulbus eintreten. Die Retina, ihrem Gehörorgan. Geruchsorgan. Verdauungsorgane. 77 feinem Baue nach (V. Mensen) aus 7 Schichten zusammengesetzt, zeigt zwei durch ein Pigmentstratum getrennte Lagen , eine äussere, welche vornehmlich Ganglienzellen und Nervengeflechte enthält (nach Schöbt') nervenreiche Ghorioidea mit Wundernetz) und einen Innern mit der prismatischen Stäbchen- schicht und der den flüssigen Glaskörper umgebenden Hyaloidea. Die innere Lage der Stäbchenschicht dürfte neben der so abweichenden Gestaltung der Augenkapsel als wesentlichste Abweichung vom Wirbelthierauge hervorzu- heben sein. Bei Nautilus fehlen auffallenderweise Cornea und Linse, so dass der Bulbus als ein von Seewasser erfüllter Becher mit kleiner OefPnung zum Eintritt der Lichtstrahlen erscheint. Bei allen Gephalopoden hat man als Gehörorgane ein Paar rundliche von Epitel (Crista acustica) bekleidete Säckchen mit Otolithen gefunden. Dieselben liegen im Kopf knorpel und zwar bei den Dibranchiaten in besondern Höhlungen desselben, dem sogenannten knorpligen Labyrinthe und erhalten von der Basis des pedalen Stranges ihre kurzen im Gehirne wurzelnden Gehörnerven. Die Gehörblasen entstehen als oberflächliche Gruben, deren Oeffnungen sich verengern und allmählig in enge Ganäle ausziehn (Recessus vestibuli). Diese persistiren als bewimperte Divertikel der Gehörblasen, welche sich inedianwärts bis zur unmittelbaren Berührung nähern. Auch kommt ganz allgemein ein Geruchsorgan vor in Form von zwei hinter den Augen liegenden Gruben oder flachen Papillen, deren Oberfläche mit Flimmerhaaren bekleidet ist. Zwischen den bewimperten Stützzellen liegen die Fortsätze des tiefern Nervenepitels. Der Geruchsnerv entspringt auf einem kleinen Ganglion am Pedunculus des Sehganglions. Auch der Geschmackssinn scheint am Eingang der Mundhöhle entwickelt. Als Sitz des Tastsinnes möchte die gesammte Haut, sowie besonders die Oberfläche der Arme und Tentakeln in Betracht kommen. Die Verdauungsorgane beginnen im Centrum der Arme mit der von einer ringförmigen Hautfalte wie von einer Lippe umgebenen Mundöffnung. Die kräftige Mundmasse schliesst sich namentlich in der Bildung der Zunge den Gastropoden an, indessen treten die Kiefer weit mächtiger und zwar als hornige Ober- und Unterkiefer in der Gestalt eines umgekehrten Papageienschnabels hervor. Die insbesondere an die Heteropodenzunge erinnernde Radula trägt in jedem Gliede eine zahnartige Mittelplatte und jederseits drei lange, zum Ein- ziehen der Nahrung geschickte Haken, zu denen auch noch flache zahnlose Platten hinzutreten können. Der Oesophagus nimmt in der Regel zwei Paare von Speicheldrüsen auf und bleibt entweder eine einfache dünne Röhre oder bildet (Octopiden) vor dem Uebergang in den Magen eine kropfartige Erweite- rung. Der aufgetriebene meist in einen Blindsack ausgezogene Magen hat kräftige muskulöse Wandungen und eine innere in Längsfalten und selbst in Zotten erhobene Cuticularbekleidung. Neben der Uebergangsstelle in den Darm , selten in einiger Entfernung vom Magen entspringt ein umfangreicher, 1) J. Schöbl, Ueber die Blutgefä.sse des Auges der Cephalopoden. Archiv für mikrosk. Anatomie. Tom. XV. 1878. 78 Cephalopoden. Respirationsorgane. Gefässsystem. dünnhäutiger, zuweilen spiralgewundener Blindsack, in welchen die beiden Ausfühiungsgänge der mächtigen am Oesophagus befestigten Leber, mit ge- meinsamer Oeffnung einmünden. Einen Haufen gelblicher Drüsenläppchen, welche am obern Theil dieser Gallengänge aufsitzen, deutet man als Bauch- speicheldrüse (FanJcreas). In seinem weitern Verlaufe zeigt der Darm meist nur geringe Biegungen und mündet stets in der Mittellinie der Mantelhöhle aus. Am After springen meist zwei oder mehr Klappen vor. Als liespirationsoryane finden sich am Eingeweidesack rechts und links in der Mantelhöhle entweder zwei (Dibranchiaten) oder Yiev{Tttrab)anchiuten) gefiederte Kiemen, deren Oberfläche von einem beständig erneueten Wasser- strome umspühlt wird. Das Athemwasser dringt durch die Mantelspalte zu den Seiten des Trichtei's in die Athemhöhle ein , fliesst nach hinten an den Kiemen vorbei und wird durch den Trichter ausgespritzt, während der Mantel- rand durch zwei von Knorpeln gestützte Saugnäpfe der Trichterbasis ge- schlossen ist. Das Gefässsystem ^) zeigt wohl die höchste Entwicklung unter allen wirbel- losen Thieren, indem die Arterien und Venen durch ein überaus reiches Gapillar- system mit einander in Verbindung stehen, indessen sind es insbesondere venöse Bahnen, welche den Charakter von Blutsinus bewahren. Bereits früher und in neuester Zeit von Fredericq^) wurde im Gegensatz zu Krohn, nach welchem die Venensinus und peritonealen Räume communiciren , behauptet, dass das Gefässsystem vollkommen geschlossen sei. Das Blut enthält bei Octopus einen dem Haemoglobin entsprechenden kupferhaltigen Körper (f laemo- cyanin), welcher die bläuliche Färbung bedingt. Das ansehnliche muskulöse Herz liegt im hintern Theile des Eingeweidesacks, der Spitze des Körpers mehr oder minder genähert und nimmt seitlich ebensoviele Kiemenvenen auf, als Kiemen vorhanden sind. Insofern die aufgetriebenen Enden der Kiemenvenen contractu sind , könnten sie als Vorhöfe bezeichnet werden. Nach vorn ent- sendet die Kammer eine grosse Aorta {Aorta cephulica)^ welche in ihrem Ver- laufe starke Aeste an den Mantel, Darmkanal und Trichter abgibt und sich im Kopfe in Gefässstämme für die Augen , Lippen und Arme auflöst. Ausserdem tritt aus dem Herzen eine hintere Eingeweidearterie {Aorta abdominalis) zu den untern Partieen des Darmes sowie eine Genitalarterie aus. Die in allen Organen reich entwickelten Gapillarnetze gehen theils in Blutsinus theils in Venen über, welche sich in einer grossen , abwärts neben der Aorta verlaufenden Hohlvene sammeln. Diese spaltet sich gabelförmig in zwei (oder vier Nautilus) das Blut zu den Kiemen führende Stämme, die zuführenden Kiemenvenen (sog. Kiemenarterien), deren Wandung vor ihrem Eintritt in die Kiemen einen kräf- tigen contractilen Mnskelbelag erhält und {Nautilus ausgenommen) regelmässig pulsirende Kiemenherseu bildet. Von den Kiemen aus führen die bereits er- wähnten Kiemenvenen das Blut den Vorhöfen des Herzens zu. Uebrigens pulsiren 1) Vergl. Milne Edwards, Circulation du sang chez les Mollusqnes Cephalopodes. Lebens sur la Physiologie et l'Anatomie comparee etc. Tom. III. 1858. 2) L. Fredericq, Sur l'organisation et la physiologie du poulpe. Bullet, de l'Acad. roy. de Belgique. Tom. 46. Nr. 11. 1878. Harnorgane. Tintenbeutel. 79. auch andere Venen z. B. die der Arme, deren Wandung sich selbständig con- trahirt und wieder ausdehnt, sowie die zuführenden Kiemenvenen mit ihren als Nieren fungirenden Anhängen. Ueberall finden sich in den Seiten des Abdomens dünnhäutige weite Säcke *), welche die Harnorgane enthalten und mittelst 2 Papillen in den Mantelraum münden. Jene sind schwammig -traubige Anhänge an beiden Schenkeln der Hohlvenen , der sog. Kiemenarterien sowie einmünf lender Neben venen und tragen an ihrer äussern Fläche eine Zellbekleidung , welche gelblich- violette Harnsäure -haltige Kugeln und Krystalle absondert. Die Harnsäcke, bei den Octopidcii rechts und links asymmetrisch gestaltet, bei den Decapidoi jedoch median zu einem gemeinsamen mehr symmetrisch entwickelten Harnsacke ver- einigt, sind ihrer Bedeutung nach Bauchfelltaschen, in deren Lumen die als Gefäss- ausstülpungen sich erweisenden Nierenanhänge der Venen flottiren. Bei Nautilus sind entsprechend der grössern Kiemenzahl vier Excretionssäcke vorhanden, nicht weit von den Oeffnungen derselben aber kommt noch jederseits an der Basis der kleinen Kieme eine Spalte vor, durch welche das Wasser direkt in denPericar- dialraum aufgenommen zu werden scheint. Die Pericardialhöhle von Nautilus, welche noch den grössten Theil der vier in das Herz mündenden Kiemenvenen enthält, steht nach Vrolik mit der Bauchfelltasche in Verbindung, welche den Magen und die Geschlechtsdrüsen umschliesst. Bei den Decupicien, welclie sich unter den Dibranchiaten am nächsten diesen Verhältnissen der Tetrahramhiaten anschlies.sen , sind Pericardialhöhle und Eingeweidetasche zu einer Visceroperi- cardialhöhle vereinigt , welche durch ein transversales Septum in zwei com- municirende Abtheilungen unvollständig gesondert werden. Auch hier finden sich zwei seitliche Ausführungsöffnungen des Visceropericardialraumes wieder, doch münden dieselben nicht in die Kiemenhöhle, sondern in den Harnsack ein (vielleicht erst secundär durch Vermittlung der Papillen hierher verlegt Ommasfrephes). Am weitesten entfernen sich von den wohl ursprünglichen Zuständen der Tetrabranchiaten die Octopiden. deren Leibeshöhle als ein grosser venöser Sinus zu betrachten ist und in direkter Verbindung mit dem rechten Schenkel der Hohlvene steht. (Auch bei Nautilus besteht eine solche Verbindung durch zahlreiche Oeffnungen in der Gefässwand mit der Leibes- höhle). Als Tiieil der Leibeshöhle hat sich ein engeres Ganalsystem entwickelt, welches von Krohn als Wassergefässsystem bezeichnet, jederseits aus einem flaschenförmigen Gang, der den Anhang des Kiemenherzen enthält und seitlicli in den Harnsack einmündet und aus einem Canal besteht, welcher jenen Gang mit der Kapsel der Geschlechtsdrüse verbindet. Ein sehr verbreitetes Excretio7isorf/an ist der sog. Tintenbeutel, ein birn- förmiger Sack, dessen stilförmiger Ausführungsgang mit dem After nach aussen mündet und eine intensive schwarze Flüssigkeit entleert, welche den Leib des 1) A. Krohn, Ueber das wasserführende System einiger Cephalopoden. MüUer's Archiv. 1839. E. Harless, Ueber die Nieren von Sepia etc. Archiv für Naturg. 1847. W. J. Vigelius, Ueber das Excretionssystem der Cephalopoden. Niederländ. Archiv für Zoologie. Tom. V. 1880, sowie J. Brock 1. c. 80 Cephalopoden. Geschlechtsorgane. Thieres wie in eine schwarze Wolke einhüllen und so vor Nachstellungen grösserer Seethiere schützen kann. Die Cephalopoden sind getrennten Geschlechts. Männchen und Weibchen zeigen schon äusserlich sowohl nach ihrer gesammten Körperform als besonders nach der Bildung gewisser Arme mehr oder minder hervortretende Geschlechts- differenzen. Ueberall ist im männlichen Geschlechte nach der Entdeckung von Steenstrup*) ein bestimmter Arm als Hülfsorgan der Begattung umgestaltet, hectocotylisirt Am auffallendsten aber unterscheiden sich Männchen und Weibchen der Argonauta, indem das Männchen nur eine geringe Grösse erreicht und sowohl der Schale als der Verbreiterung der Rückenarme, welche das weibliche Geschlecht characterisirt , entbehrt. Beim Weibchen ^) liegt das unpaare traubige Ovarium in einer Bauchfell- tasche, der sog. Eierstockkapsel , in welche die aus der Wand des Ovariums sich loslösenden Eier hineinfallen. Diese Tasche communicirt durch sog. Wassercanäle mit beiden Nierensäcken und somit indirect mit dem See- wasser. Das Ovarium gewinnt den Anschein einer traubigen Drüse da- durch, dass sich von dem peripherischen Epithel desselben auf dem Wege der Ausstülpung blasige Follikel (dem Graf f sehen Follikel ähnlich) mit Epithelialumkleidung und centralem Ei erheben, aus denen später die reifen Eier (Faltungen der Granulosa, Ausscheidung des Nahrungsdotters und Ghorion mit Mikropyle) in die peritoneale Kapsel gelangen. Diese führt in einen bald doppelten {Octopiden), bald auch unpaaren (meist linken) in die Mantelhöhle ausmündenden Eileiter, welcher in seinem Ver- laufe eine rundliche Eiweissdrüse aufnimmt und nun an seinem Endab- schnitte drüsige Wandungen besitzen kann (Decapiden). Dazu kommen noch bei den Decapiden und Nautilus die sog. Nidamentaldrüsen , zwei grosse aus zahlreichen Blättern zusammengesetzte Drüsenmassen, welche in der Nähe der Geschlechtsöffnung ausmünden und einen Kittstoff zur Umhüllung und Verbindung der Eier secerniren. Die Eier werden nämlich entweder einzeln ( Argonauta , Octopus ) oder in grösserer Zahl ( Sepia ) von langgestilten Eikapseln umhüllt und diese untereinander zu traubigen Massen, sog. See- trauben, verbunden, an fremden Gegenständen des Meeres angeklebt. In andern Fällen ( Loligo, Scpiola) liegen sie in gallertigen Schläuchen gehäuft. Der männliche Geschlechtsapparat zeigt im Allgemeinen sehr ähnliche Verhältnisse als der weibliche. Auch hier findet sich eine unpaare Zeugungs- drüse, ein aus langen cylindrischen Schläuchen gebildeter Hoden mit einer äussern Kapsel, einer Art Bauchfelltasche, in deren Raum der Sammelgang 1) J. Steenstrup, Hectocotylusdannelsen hos Octopodslaegterne Argonauta og Tremoctopas etc. Kön. Dansk. Vid. Selsk. Skrifter. 1856. Uebersetzt im Archiv für Naturg. Tom. XXII. 1856, ferner C. Claus, Ebend. 1858. 2) Ueber den Bau der Geschlechtsorgane vgl. ausser Swammerdam, T. Needham, G. Cuvier, Legons d'anatomie comparee. Tom. V. Paris. 1805. Derselbe, Memoires pour servir a l'hist. et a l'anat. des MoUusques. Paris. 1817. R. Owen, Description of some new and rare Cephalopoda. Proc. zool. soc. vol. IL London. 1841. Derselbe, Art. Cephalopoda. Todd's Cyclopaedia etc. voL I. London. 1836. J. Brock, Die Geschlechts- organe der Cephalopoden. Zeitschr. für vfiss. Zoologie. Tom. XXXII. Spermatophoren. 81 der Hodenschläuche einmündet. An der linken Seite dieser Tasche , welche bei den Octopiden wie die entsprechende des Ovariums durch einen Wassercanal mit jedem Harnsack in Verbindung steht, entspringt der lange dicht zusammen- gedrängte und verpackte Ausführungsgang , der somit in keiner directen Ver- bindung mit den Hoden steht. Man unterscheidet an demselben einen engen vielfach gewundenen Samenleiter, einen erweiterten drüsigen Abschnitt, die sog. Samenblase, im weitern Verlaufe des Ausführungsganges eine Prostatadrüse mit Nebensack und einen geräumigen Spermatophorensack , die Needhain'sche Tasche , welche durch eine linksseitige Papille {Decapiden) oder langen Penis {Octopiden) in die Mantelhöhle ausmündet. In diesem complicirt gebauten Ausführungsapparat entstehen wurmförmige Schläuche, welche sich zur Brunstzeit in der Needham'schen Tasche in grösserer Zahl anhäufen. Von ihrem Entdecker Redi für Würmer gehalten, wurden sie zuerst von Needham in ihrer wahren Bedeutung erkannt und als SpermatopJioren^) von höchst complicirtem Baue nachgewiesen. Es sind cylindrische Körper mit starker mehrfacher Hülle, von verhältnissmässig bedeutender Grösse (bis 10 mm. lang), deren hinterer Abschnitt als Samensach mit Sperma angefüllt ist, während der vordere , mit einer Art Stempel und elastischem Band versehen , zur Her- stellung eines elastischen Pfropfens dient , welcher den aufgequollenen Samen- schlauch plötzlich hervorschnellen lässt und dessen Entleerung bewirkt. Nach Aristoteles findet eine Begattung beider Geschlechter statt, indem sich die Thiere mit den Saugnäpfen ihrer ausgespreitzten Arme an einander heften und die Oeffnungen beider Trichter aufeinander legen. Während dieses Vorgangs dürften die Spermatophoren durch Vermittlung des eigenthümlich umgebildeten hectocotylisirten Armes in die Mantelhöhle und in die Geschlechtsöffnung des Weibchens übertragen werden. Bei einigen wenigen Gephalopoden {Tremoc- topiis viülaceus , Philonexis Carenae und Argonauta argo) wird übrigens der männliche Hectocotylusarm zu einem vollständigen Begattungsapparat, der sich mit Spermatophoren füllt, vom männlichen Körper trennt , eine Zeit lang selbstständig bewegt und in der Mantelhöhle des Weibchens den Sam.en über- trägt. Die Eigenthümlichkeiten dieses freien mit grossen Saugnäpfen und einem langen peitschenförmigen Faden versehenen Armes, welcher in zahlreichen Ganglien selbständige Nervencentren besitzt, sind in der That so auffallend, dass sie zu mannigfachen Täuschungen Veranlassung geben konnten. Während die ersten Beobachter wie Delle Ghiaje und Guvier den Hectocotylusarm als Eingeweidewurm beschrieben — der letztere Forscher unter dem Namen Hectocotylus octopodis — , hielt Kölliker den Hectocotylus von Tremoctopiis violaceus für das männliche Thier und glaubte in demselben Darm , Leibes- höhle, Herz und Geschlechtsapparat unterscheiden zu können. Erst durch die Beobachtungen von Verany und de Filippi wurde es wahrscheinlich, dass Dujardin's Ansicht, der Hectocotylus stelle einen losgerissenen Gephalopoden- arm dar, die richtige sei, bis H. Müller durch die Entdeckung der kleinen 1) Milne Edwards, Sur les spermatophores des Cephalopodes. Annales des scienc. nat. 1842. Verany et Vogt, Memoire sur les Hectocotylus et les mäles de quelques cephalopodes. Ebend. 1852. Claus, Zoologie, i. Auflage. Tom. II. 6 82 Cephalopoden. Embryonale Entwicklung. ArgonaiUamännchen den Beweis liefern konnte, dass sich in der That ein be- stimmter und 7Avar hier der dritte linksseitige Arm in den Hectocotylus ver- wandelt. R. Leuckart wies die Oeffnung an der Rückenseite des Hectocotylus von Philonexi>; nach , durch welche die Ueberführung der Spermatophoren in in den an der Spitze des Endfadens ausmündenden Armraum geschieht. Bei Tremoctopus und Fhilonexis ist es der dritte Arm der rechten Seite, welcher sich zum Hectocotylus umgestaltet; stets bildet sich derselbe in einer birn- förmigen Blase aus, welche an Stelle des betreffenden Armes dem Kopfe an- hängt. Nach Steenstrup's Entdeckung besitzen auch die übrigen männ- lichen Cephalopoden einen umgebildeten »hectocotylisirten Arm« , der freilich niemals zur Trennung gelangt. Bei den Octopiden ist fast überall der dritte Arm der rechten Seite hectocotylisirt und an seiner Spitze mit einer löffeiförmig ausgehöhlten Platte versehen. Sepia und Loligo, sowie Sepioteuthis zeigen den vierten linken Arm verändert und die rudimentären Saugnäpfe durch quergestellte Papillen verbunden. Das grosse an Nahrungsdotter reiche Ei wird von einer Dotterhaut und einem äussern Chorion umschlossen , dessen oberer Pol von einem trichter- förmigen Mikropyle durchbrochen ist. Die Entwicklung ^) des Embryos , deren Kenntniss wir vorzugsweise den Untersuchungen Köllik er' s, Ussow's und B obre tzky 's verdanken, wird eingeleitet durch eine partielle (discoidale) Furchung , welche an dem spitzen Eipole mit der Anlage von Furchungssegmenten beginnt, aus denen sich die Furchungskugeln sondern. Zuerst theilen zwei, dann vier Furchen den Bildungs- dotter in gleiche Segmente. Später im Stadium der 8. Theilung sind zwei benachbarte Segmente beträchtlich schmäler, und der Keim erscheint bereits bilateral. Von diesen Segmenten sondern sich dann im Gentrum Furchungs- kugeln und zwar zuerst vier, dann rasch eine grössere Zahl, sodass nach wieder- holter Theilung der Segmente die Furchung allmählig nach der Peripherie vor- schreitet. Aehnlich wie beim Vogelei bildet der gefurchte Theil des Dotters (Bildungsdotter) eine Keimscheibe, die sich mit ihrem weitern Wachsthum von dem grossem untern Theil des Dotters, der in den Dottersack aufgenommen wird, mehr und mehr erhebt. Nach Beendigung der Furchung besteht die Keimscheibe aus einer einfachen Schicht kubischer Zellen. An der Peripherie verdickt sich dieselbe jedoch alsbald und gewinnt hier eine tiefere Zellenlage, welche sich allmählig nach dem Gentrum hin ausbreitet und nach Bobretzky das Mesoderm erzeugt. Von dieser zweiten Zellenlage aus entwickelt sich eine Schicht platter Zellen in der Umgebung des Nahrungsdotters, ebenso soll sich später von demselben das Entoderm sondern, welches das Epitel des Mitteldarms mit seinen Anhangsdrüsen, sowie das Epitel des Tintenbeutels liefert. Mund- und 1) Ausser A. Kölliker 1. c. vergl. E. Metschnikoff, Le developpement des Sepioles. Geneve. 1807. M. Ussow, Beobachtungen über die Entwicklung der Cephalo- poden (russisch). Moskau. 1870. Grenacher, Zur Entwicklungsgeschichte der Cephalo- poden. Zeitschr. für wiss. Zool. Tom. XXIV. 1874. R. Lankester, Observations on the development of the Cephalopoda. Quat. Journ. of Micr. Science. 1875. N. Bobretzky, Untersuchungen über die Entwicklung der Cephalopoden. Nachrichten der K. Russ. Gas, der Freunde der Naturkenntniss etc. XXIV. Moskau. Embryonale Entwicklung. Lebensweise. 83 Enddarm bilden sich durch 2 Einstülpungen des äussern Blattes, die zwischen die innere Zellenschicht des mittlem Keimblattes (Darmfaserblatt) hinein- wachsen und deren grubenförmiger Anfang Mund und After bezeichnen. Merk- würdigerweise sollen alle centralen und peripherischen Ganglienknoten aus einer Verdickung des Mesoderms und zwar der oberen Zellenschicht desselben hervorgehen, welche vornehmlich die Hautmuskulalur liefert. Inzwischen ent- stehen an dem Embryo mehrfache wulstförmige Erhabenheiten , zuerst in der Mitte des Keimes ein flacher Wulst, welcher eine Vertiefung umgibt und diese durch Ueberwachsung schliesst. Es ist der Mantel , zu dessen Seiten die An- lagen der Äugen und die beiden Trichterlappen, sodann zwischen Trichter und Mantel 6\e: Kiemen hervortreten. Ebenfalls seitlich aber ausserhalb der Trichter- hälften erheben sich die Anlagen des Kopfes als zwei Paare länglicher Lappen, von denen der äussere vordere die Augen trägt , während am äussern Rande des Keimes rundliche Papillen die entstehenden Arme bezeichnen. Mit dem weiteren Wachsthum dieses durchaus bilateral symmetrischen Embryonalkörpers prägt sich die Gestalt des Gephalopoden immer deutlicher aus, der Mantel er- hebt sich mehr und mehr, überwächst kragenartig Kiemen, Trichterhälften und After. Die Trichterhälften verschmelzen zur Bildung des Trichters an der Bauchfläche , die Kopflappen treten zwischen Mund und Mantel mit einander in Verbindung und schnüren sich an ihrer untern Fläche schärfer von dem Dotter ab, welcher mit seltenen Ausnahmen (Grenacher's Gephalopod) als äusserer Dottersack zur Sonderung kommt und unterhalb des Mundes mit dem im hmern der Leibeshöhle eingeschlossenen Dotter (Innern Dottersack) commu- nicirt. Die Thatsache von dem Vorhandensein eines kopfständigen Dottersackes war schon dem grossen Forscher des Alterthums bekannt; (nach Aristoteles entsteht die junge Sepie, indem sie mit dem Kopfe an dem Dotter hängt, ähn- lich wie der Vogel mit dem Bauche am Dotter befestigt ist). Je mehr nun der Embryo wächst und sich in der Formgestaltung dem ausgebildeten Thiere nähert , um so mehr breitet sich der innere Dottersack auf Kosten des äussern in den Partien der Leibeshöhle aus , der äussere Dottersack schwindet an Um- fang mehr und mehr und Avird zuletzt noch vor der Geburt des Jungen ganz in den Körper aufgenommen. Alle Gephalopoden sind Meeresbewohner , die sich theils an den Küsten, theils auf hoher See vorzugsweise in den wärmern Meeren zeigen. Der Aus- bildung des Nervensystems und Sinnesorgane entsprechend zeigen dieselben eine relativ hohe Stufe psychischer Entwicklung. In der Gefangenschaft lernen sie ihren Wärter unterscheiden, und geben unverkennbare Proben von Intellect und Kunsttrieben (Bau von zweckmässigen Verstecken). Sie ernähren sich als muthige und behende Raubthiere vom Fleische anderer Seebevvohner , fallen aber selbst wieder grösseren Vögeln und Fischen, sowie vornehmlich Cetaceen zur Beute. Einige erreichen die bedeutende Länge von zehn Fuss und darüber. Im britischen Museum wird ein Gephalopodenarm von etwa 30 Fuss Länge aufbewahrt und im Museum zu Kopenhagen findet sich ein Stück Arm von Armsdicke mit Thaler - grossen Saugnäpfen. Ebenso kennt man Mundmassen von Gephalopoden , welche die Grösse eines Kindskopfs besitzen. 84 I. Ordnung. Tetrabranchiata. Viele Gephalopoden dienen zur Nahrung des Menschen , andere erweisen sich nützlich durch den Farbstoff des Tinten-Beutels (Sepia) und durcli die Rücken- schale (Os sepiae). Besonders reich ist die fossile Gephalopoden fauna. Von der ältesten silurischen Periode an kommen Tintenfische in allen Formationen als wichtige Gharacterversteinerungen {Belemniten, Ätmnoniten) vor. 1. Ordnung: Tetrabranchiata^), vierkiemige Oephalopoden. Gephalopoden mit vier Kiemen in der Mantelhöhle und zahlreichen su- rücJcmehbaren Tentakeln am Kopfe, mit gespaltenem Trichter und vielUamm- riger Schale. \n dem anatomischen Baue zeigen die Tetrabranchiaten , die freilich nur durch eine einzige lebende Gattung {Nautilus) repräsentirt werden, dafür aber eine um so zahlreichere Vertretung in der Vorwelt besitzen, auffallende Eigen- thüralichkeiten. Der Kopfknorpel bildet anstatt eines geschlossenen Fiinges zwei hufeisenförmige Schenkel, denen die Gentraltheile des Nervensystems auf- Megen. Die Augen sind gestilt, entbehren der Linse und überhaupt aller brechenden Medien. Sehr eigenthümlich verhält sich die Kopfbewaffnung, indem an Stelle der Arme eine grosse Menge von fadenförmigen Tentakeln die Mundöffnung umstellen. Bei Nautilus unterscheidet man auf jeder Seite des Körpers 19 äussere Tentakeln, von denen die rückenständigen Paare eine Art Sohle oder Kopfkappe bilden , welche die Mündung der Schale verschliessen kann; dazu kommen jederseits zwei am Auge stehende sog. Augententakeln und 12 innere Tentakeln, von denen sich die vier ventralen linksseitigen beim Männchen zu einem als Spadix bekannten, dem hectocotylisirten Arme analogen Gebilde umwandeln. Beim Weibchen finden sich endlich noch an jeder Seite 14 bis 15 bauchständige Lippententakel. Die weiblichen Geschlechtsorgane besitzen nur einen und zwar rechtsseitigen Eileiter, sowie eine Nidamentaldrüse. Der Trichter bildet ein zusammengerolltes Blatt mit freien unverwachsenen Rändern. Ein Tintenbeutel fehlt. Die Kiemen sind in vierfacher Zahl vorhanden , ebenso die Kiemengefässe und die Nieren- säcke. Kiemenherzen fehlen. Die dicke äussere Schale der Tetrabranchiaten ist in ihrem hintern Theile durch Querscheidewände in zahlreiche mit Luft ge- füllte Kammern getheilt, welche von einem Sipho durchbohrt werden, und besteht aus einer äussern häufig gefärbten Kalkschicht und einer Innern Perl- mutterlage. Die ähnliche Beschaffenheit zahlreicher fossiler Schalen lässt auf 1) R. Owen, Memoire on the Pearly Nautilus, publ. by the Direction ofthe Royal College of surgeons. London. 1832. Derselbe, Art. Cephalopoda 1. c. 1836. M. A. Valenciennes, Rccherches sur le Nautile flambe. Archiv du Museum d'hist. nat. Tom. II. 1841. W. Vrolik, Over het ont leed kundig samenstel van den Nautilus Pompilius. Tijdskrift etc. van het Koninkl. Nederl. Instituut etc. Tom. II. 1849. Macdonald, On the anatomy of Nautilus umbilicatus etc. Philos. Transact. of the Roy Soc. of London. 1855. J. v. d. Hoeven, Bijdragen tot de Ontleedkundige Kennis aangaande Nautilus Pompilius. Amsterdam. 1856. W. Keferstein in Bronn's, Klassen und Ordnungen des Thierreichs. Dritter Band: Cephalopoda. 1865. Vergl. die Abhand- lungen von D'Orbigny, L. v. Buch, Münster u. a. über fossile Gephalopoden. Ammonitidae. Nautilidae. 85 eine ähnliche Organisation ihrer unbekannten Bewohner schliessen. Besonders wichtig für die weitere Eintheilung der fossilen Telrabranchiaten ist die Lage und Beschaffenheit des Sipho's und die Gestalt sowie die Verwachsungslinie der Septa. Diese zeigen nämlich in der Nähe ihrer Ränder eine complicirte Form und erzeugen durch dieselben in der äussern Schale die sog. Lobenlinien, deren nach hinten gewandte Ausbiegungen als Loben bezeichnet werden, während umgekehrt die nach vorn gerichteten Erhebungen Sättel heissen. Nach dem Vorgange L. v. Buch's pflegt man die äussere convexe Seite der Spiraischalen als Rückenfläche aufzufassen und demgemäss die entsprechenden Theile der Loben etc. zu bezeichnen , obwohl bei Nautilus gerade der Trichter dieser äussern convexen Seite anliegt, dieselbe also umgekehrt als Bauchseite aufzufassen wäre. Nach der Lage des Sipho's unterscheidet man eine Siphonal- seite von einer antisiphonalen, von denen dieerstere nach Sa e man der Bauch- seite entsprechen soll. Dieses morphologische Verhältniss ist jedoch keineswegs erwiesen , vielmehr ist nicht einzusehen , wesshalb der Sipho nicht ebenso gut über die Mitte hin nach der entgegengesetzten Seite rücken könnte. Die wenigen noch lebenden Arten der Gattung Nautilus gehören dem indischen Meere und stillen Ocean an. 1. Farn. Ammonitidae. Die Scheidewände an den Seiten vielfach gebogen, stets mit Lobus an der Aussenseite, in der Mitte meist nach vorn convex. Sipho an der Aussenseite. Enthält nur fossile Formen. Goniatites De Haan. Schale in einer Ebene gewunden , mit verschiedenen Um- gängen. Lobenlinie stets mit Siphonallobus, meist auch mit ungezackten seitlichen Loben. Septa nach vorn convex. Sind die ältesten Ammoniten. G. rctrorsus v. Buch. Ceratites De Haan. Unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass die Loben ge- zähnt, die Sättel glatt sind; vornehmlich im Trias und in der Kreide vertreten. C. vo- dosus Bosc, Characterversteinerung des Muschelkalks. Baculites Lam., Toxoceras D'Orb., Hamites Park. u. a. G. Ammonites Breyn. Loben und Sättel vielfach gezähnt, treten zuerst im untern Lias auf und sterben in der Kreide aus. A. capricornits v. Schi. Die in der Wohnkammer vieler Ammoniten gefundene und als Aptijchus bezeich- nete Bildung ist nach Kefer stein wahrscheinlich nichts als ein Stützorgan der Nida- mentaldrüsen, während der einschalige sog. Anaptyclius möglicherweise den Deckelstücken der Goniatiden entsprechend eine Absonderung der Kopfkappe darstellt. 2. Fam. Nautilidae. Die Scheidewände der Kammern sind einfach gebogen und nach den vordem Kammern zu concav. Nahtlinie einfach mit wenig grossen welligen Biegungen oder einem seitlichen Lobus. Siphonaltuten nach hinten gerichtet. Der Sipho ist in der Kegel central, die Schalenmündung einfach. Orthoceraf! Breyn. Schale gerade. Nahtlinie einfach, ohne alle Biegungen. Sipho ziemlich central. 0. regularis v. Schi., Kalkgeschiebe der norddeutschen Ebene. 0. {Ormoceras) Bayfieldi Stock., fossil. Gomphoceras Münst., Phragmoceras Brod., Lituites Breyn. und viele andere Gattungen fossiler Orthoceratiden. Nautilus L. Schale spiralig in einer Eb ne aufgerollt mit sich berührenden und umfassenden Windungen, Loben und Sättel an den Biegungen der Septa unterscheidbar. Thier mit der Bauchseite nach der convexen äussern Schalenfläche gelegen. N. pompilius L., Indischer Ocean., N. umbilicatus Lam., ebendaselbst. N. bidorsatns v. Schi., Muschelkalk. Clymenia Münst. Schale scheibenförmig. Septa mit starkem oft winkligem Seiten- lobus, mit sattelartiger Vorwölbung an der äussern Seite. Sipho ganz nach der Innen- seite (Columellarseite) gerückt mit kurzen nach hinten stehenden Tuten. Cl. Sedgiviki v. Schi. 86 2. Ordnung. Dibranchiata. 1. Unterordnung. Octopida. 2. Ordnung: DibrancMata '), zweikiemige Oeph.alopodeii. Cephalopoden mit zwei Kiemen in der Mantelhöhle, acht Saugna2^f- oder Haken-tragenden Armen, vollständigetn Trichter und Tintenbeutel, zu denen noch 2 lange einziehbare Tentaheln hinzuhommen Jcönnen. Die Dibranchiaten besitzen in der Umgebung des Mundes acht mit Saug- näpfen oder Haken bewaffnete Arme, zu denen noch bei den Decapiden zwei lange Tentakeln zwischen den Armen des dritten und vierten Paares (ursprünglich wahrscheinlich 2 Arme Xiphoteuthis) hinzukommen. Der Kopfknorpel bildet einen vollständig geschlossenen, die Centraltheile des Nervensystems in sich aufnehmenden Ring, dessen flach gehöhlte Seitentheile den sitzenden Augen zur Stütze dienen. Im Mantelraum finden sich nur zwei angewachsene Kiemen, deren Zahl die der Kiemengefässe und Nieren entspricht. Der Trichter ist stets geschlossen, ein Tintenbeutel wird selten vermisst. Die nackte Körperhaut bietet durch den Besitz von Ghromatophoren einen mannichfachen Wechsel ihrer Färbung. Häufig findet sich noch eine vielfach gekammerte Sipho- haltige Spiralschale {Spirula), die von Mantelfalten umschlossen in einem Mantelsack liegt. Dieselbe führt durch verschiedene (fossile) Zwischenglieder wie Spiridirostra, Xiphoteuthis, Belemnites zu den kalkigen oder hornigen Schulpen der Tintenfische über. Bei fast sämmtlichen Octopiden fällt dieses innere Schalenrudiment vollständig weg, und nur bei Ärgonauta tritt im weiblichen Geschlecht eine dünnwandige einfache Spiralschale wahrscheinlich als eine ganz secundäre Bildung auf. Die Thiere leben meist schwimmend auf hoher See, einige kriechen auf dem Grunde und halten sich mehr an den Küsten auf. Beide Unterordnungen der Dibranchiaten waren schon im Jura vertreten. Wahrscheinlich besassen die Stammformen eine gekammerte Schale, dem Phrasrmoconus der Belemniten ähnlich. *o' 1. Unterordnung: Octopida. Die langen Tentakeln fehlen. Die 8 Arme tragen sitzende Saugnäpfe ohne Hornring und sind an ihrer Basis durch eine Haut verbunden. Augen verhältniss- mässig klein mit sphincterartigem Lide. Der kurze rundliche Körper entbehrt der Innern Schulpe und meistens auch der Flossenanhänge. Mantel ohne knorpligen Schliessapparat , dorsalwärts durch ein breites Nackenband an den Kopf befestigt. Trichter ohne Klappe, Eileiter paarig, mit Ausnahme von Cirrhoteiithis, wo der rechte Eileiter fehlt. 1. Fam. Cirrhoteuthidae. Die Arme sind bis zur Spitze durch eine schirmartige Segelhaut verbunden, an dcrem Rand sie nur als kleine Girren hervorragen. Innerer Schalenrest vorhanden. Ohne Spur von Mantelschliesser. Obere Speicheldrüsen fehlen. Cirrhoteuthis Eschr. Trichter mit dem Mantel eigenthüuilich verwachsen. Nur der linksseitige Eileiter persistirt. Ein inneres Schalenrudiment (?) vorhanden. C. MiÜleri Eschr., Grönland. 2. Fam. Philonexidae. Mantel mit Schliessapparat. Die oberen Arme am meisten entwickelt und oft weit hinauf durch eine Haut verbunden. Mehrere Wasserfloren am 1) Hauptwerke: Ferussac et d'Orbigny 1. c, sodann Verany 1. c. 2. Unterordnung. Decapida. 87 Kopfe. Der dritte Arm der rechten oder linken {Argonauta) Seite löst sich beim Männchen als wahrer Hectocotylus. Schwimmen vortrefflich. Philonexis D'Orb. {Parasira Steenst.). Arme ohne grosse Schwimmhaut, der Hecto- cotylus entwickelt sich in einem gestilten Sacke, entbehrt der Hautfranzen. Ph. Carenae Ver. Ph.catenulatiis Fer. sollte nach Steenstrup das Weibchen sein (?), Mittelmeer. Tretnoctopus Dell. Ch. Die vier obern Arme durch grosse Schwimmhaut ver- bunden. Der Hectocotylus besitzt seitliche Zotten. Tr. violaceus Dell. Ch. Argonauta L. Radula sehr reducirt. Das kleine Männchen bildet den linken Arm des dritten Paares zum Hectocotylus aus und entbehrt der Schale. Das grosse Weibchen mit flossenartigen Verbreiterungen der Rückenarme, trägt eine kahnf Jrmige dünne Schale, um deren Seitenfläche dasselbe die Armflossen ausbreitet. A. argo L., Mittelmeer. A. tuberculata Lam., Indischer Ocean. 8. Fam. Octopodidae. Mantel durch einen medianen Muskel am Eingeweidesack angeheftet. Arme mit kurzen Saugnäpfen. Ein Arm des dritten Paares wird hectocotylisirt Am Kopfe fehlen die sog. Wasserporen. Bewegen sich kriechend und leben an der Küste. Octopus Lam. Arme lang, an der Basis durch einen Hautsaura verbunden, mit 2 Reihen von Saugnäpfen. 0. vulgaris Lam., Mittelmeer. Eledone Leach. Arme mit nur einer Reihe von Saugnäpfen. E. moschata Lam., Mittelmeer und Adria. 2. Unterordnung : Decapida. Ausser den 8 Armen finden sich zwischen dem dritten und vierten (ven- tralen) Armpaare tentakelartige lange Fangarme , die nur bei Vcramja rück- gebildet sind. Die Saugnäpfe der Arme sind gestilt und mit Hornringen ver- sehen. Die Augen entbehren der sphincterartigen Lider. Der Mantel trägt 2 seitliche Flossen und am Mantelrande einen ausgebildeten Schliessapparat. Sie besitzen meist einen unpaaren Eileiter {Ommaslrephes sagittatus jedoch paarige) und eine innere Schale. Die Schale liegt in einer geschlossenen Tasche des Mantels und besteht entweder aus einer chitinartigen Substanz {Conchyolin) oder ist eine mehr oder minder spongiöse, beziehungsweise feste Kalkschale. 1. Fam. Belemnitidae. Schale gerade oder gebogen, mit Phragmoconus, Proo- stracum und meist auch Rostrum. Enthält nur fossile Reste, deren Organisation wahr- scheinlich vieles mit den Oegopsiden gemeinsam hatte. Belemnites Lister. Schale gerade, mit kurzem kegelförmigen Phragmoconus und ventralem Sipho. Thier mit Kiefern , Tintenbeutel und 2 Hakenreihen der Arme. B. digitalis Voltz., oberer Lias. Belemnitella D'Orb. Scheide des sog. Rostrum's an der Bauchseite gespalten, an der Rückenseite mit Crista. B. mucronata v. Schi. Xiphoteuthis Huxl. u. a. G. 2. Fam. Oegopsidae. Augenkapsel vorn weit geöffnet, sodass die vorn freiliegende Linse vom Wasser bespült wird. Nidamentaldrüsen finden sich nur bei Ommaslrephes sagittatus. Die Weibchen besitzen meist zwei Eileiter. Harnöffnungen einfach schlitz- förmig, nicht auf Papillen. Leben meist auf offener See. Ommastrephes D'Orb. Körper lang. Augen mit ovaler Corneaöffnung. Arme kurz mit 2 Reihen von Saugnäpfen. Fangarme kurz, nicht retraktil, am Ende mit 4 Reihen von Saugnäpfen. Trichter mit Befestiger und Klappe. Nidamentaldrüsen vorhanden. 0. todarus D'Orb., Mittelmeer. 0. sagittatus D'Orb. Enoploteuthis D'Orb. Körper lang, mit dreieckigen die ganze Seitenlange be- setzenden Flossen. Arme mit einer Reihe Haken. Fangarme mit Haken ohne Haftapparat an der Basis. Obere Speicheldrüsen rudimentär. E. Owenii Ver., Mittelmeer. 88 Myopsidae. Spirulidae. Veranya Krohn. Flossen sehr umfangreich. Die beiden Tentakeln sind am aus- gebildeten Ihiere verschwunden. Onyclioteuthis Licht. {Onychoteuthidae). Körper lang, cylindrisch, am Hinterende mit dreieckigen sich berührenden Flossen. Arme mit 2 Reihen von Saugnäpfen, deren Hornringe nicht gezähnt sind. Fangarme dick, am Ende mit 2 Reihen starker Haken bewaffnet. Trichter kurz. 0. Liehtensteini Fer., Mittelmeer. 0. Banksii Leach. Onychia Les. , Gonatus Gray, Loligopsis Lam. {Loligopsidae). Körper durchscheinend, sehr lang, am spitzen Hinterende mit grossen Flossen. Kopf klein, mit grossen Augen. Die kurzen Arme mit 2 Reihen gestilter Saugnäpfe. Fangarrae lang, nicht retraktil. Trichter ohne Klappe. Nur ein Eileiter vorhanden. L. Veranyi Fer., Mittelmeer. Chiroteuthis D'Orb., Histio- teiithis D'Orb. Thysanoteuthis Trosch. , Th. rhombus Trosch. , Sicilien. Dosidicus Eschrichtii Steenstr. Cranchia Leach. (Cranchiadae). Körper kurz, mit 2 kleinen rundlichen Flossen am Ende. Kopf sehr klein, viel schmäler, der Körper mit grossen Augen. Arme kurz, mit 2 Reihen von Saugnäpfen. Fangarme lang. Trichter lang, am Kopfe nicht befestigt, ohne Klappe. Cr. scabra Leach., Atl. Ocean. 3. Farn. Myopsidae. Decapiden mit geschlossener Cornea und verdeckter Linse, mit innerer meist horniger Rückenschul pe. Harnöffuungen auf Papillen. Nebenmagen (Spiraldarm) nicht spiralig eingerollt. Die Weibchen besitzen zwei Nidamentaldrüsen, aber nur einen Eileiter, der mit Ausnahme von Bossia linksseitig liegt. Bossia Owen. Mantel am Nacken nicht mit dem Kopfe verwachsen. Der dritte linke Arm hectocotylisirt. B. maerosoma Fer., D'Orb., Mittelmeer. Sepiola Rondelet. (Sepiolidae). Körper kurz, hinten abgerundet, mit rundlichen vom hintern Rückentheil entspringenden Flossen. Fangarme völlig retraktil. Arme mit 2 Reihen langgestilter kugliger Saugnäpfe. S. vulgaris Grant. , Mittelnieer. Sepioteuthis Blainv. Von Loligo hauptsächlich dadurch verschieden, dass die schmalen Flossen die ganze Länge des Mantels einnehmen. Harnöffnung schlitzförmig, nicht auf Papillen. S. Blainvilleana Fer. D'Orb., Ind. Meer. Leptoteuthis Meyer u. a. fossile Gattungen. Loligo Lam. (Loligidae). Körper länglich, am zugespitzten Hinterende mit 2 drei- eckigen Flossen. Fangarme nur theilweise i-etraktil, am Ende mit 4 oder mehr Saug- napfreihen. Arme mit 2 Reihen sitzender Saugnäpfe. Vierter Arm der linken Seite an der Spitze hectokotylisirt. Innere Schale hornig, so lang wie der Rücken, federförmig. L. vulgaris Lam. Loliolus Steenstr. Sepia L. (Sepiadae). Körper oval, mit langen am Hinterende getrennten Seiten- flossen. Schulpe kalkig, üeber dem Auge eine lidartige Falte. Fangarme lang, ganz zurückziehbar. Der vierte Arm der linken Seite beim Männchen hektocotylisirt. S. offi- cinalis L., S. biserialis Ver., Sepie, Europ. Meere. Belosepia Voltz., fossil. 4. Farn. Spirulidae. Das Weibchen mit rechtsseitigem Eileiter und zwei Nida- mentaldrüsen. Die Schale nähert sich am meisten noch den Schalenbildungen der Tetrabranchiaten und bildet ein Posthorn-ähnliches Spiralgehäuse, dessen Windungen sich nicht berühren, mit Luftkammern und ventralem Sipho. Rostrum und Proostracum fehlen. Augen mit ganz geschlossener sog. Cornea. Spirula Lam. Arme des Thieres mit 6 Reihen kleiner Saugnäpfe. Mantel am Hinterende gespalten, die Schale frei lassend. Sp. Peronii Lam., Südsee. VII. Typus. Molluscoidea. 89 VII. Typus. Molluscoidea, Molliiscoideen. Festsitzende Bilateralthiere ohne Metamer enhildun g , mit bewimpertem Tentahelapparat , von einem cystenfönnigen oder sweiMappiyein Gehäuse um- schlossen , mit schlinyenförmif/ gebogenem Darmcanal und suboesophagealem Ganglion. Die beiden als Molluscoideen vereinigten Thiergruppen , die Bryozoen und Brachiopoden, wurden früher allgemein zu den Mollusken gestellt, zu denen insbesondere die letztern mehrfache Beziehungen bieten. Seitdem in neuerer Zeit die Entwicklungsgeschichte beider Gruppen näher bekannt wurde, jst nicht nur wahrscheinlich geworden, dass dieselben ihrer Abstammung nach mit den Anneliden gemeinsame Wurzel haben, sondern dass sie dem ähnlichen Baue ihrer Jugendzustände entsprechend, trotz bedeutender Abweichungen im ausgebildeten Zustand, enger verwandt sind. Falls sich diese Verwandtschaft der stets solitären Brachiopoden und der fast ausnahmlos stockbildenden Bryosoen, deren Larven schon Knospen zu neuen hidividuen in sich bergen, als begründet ergeben sollte , so würden die Spiralarme jener dem Tentakel- kranz der Bryozoen entsprechen und das Ganglion der letztern dem sub- oesophagealen Ganglion der Brachiopoden homolog sein. Wenn wir die Bryozoenlarve , die freilich nach Form und Gestaltung bedeutende Modificationen bieten kann, nach dem Typus der Loven 'sehen Larve orientiren, so würde der Gilienwulst einen mächtig entwickelten aboralen Abschnitt von einem flachen , beziehungsweise eingezogenen oralen Theil ab- grenzen. Das Endstück des aboralen Abschnitts repräsentirt in vielen Fällen einen von Haaren umstellten Wulst (Kittdrüse bei den Entoprocten) , welcher der Lage nach dem Scheitel der Wurmlarve mit der Scheitelplatte zu ver- gleichen wäre. An der oralen Seite des Cilienwulstes entwickelt sich später der Tentakelapparat, während sich der aborale Theil des Wulstes zu einer mantelartigen Duplicatur (Cyclostomen) ausbilden kann. Bei Flustrella und Membranipora scheidet dies Larvenintegument eine zweiklappige Chitin- schale ab. Die bewimperte Brachiopodenlarve scheint wesentlichere Abweichungen von der Wurmlarve {Trochosphaera) zu bieten, indess würde die Region des Cilienwulstes eine grössere Ausdehnung erlangen und der aborale Abschnitt bestimmter in Mittelstück und Endstück abgetheilt sein. Auch der orale Ab- schnitt würde umfangreicher sein , schirmartig hervortreten oder selbst wieder in zwei segmentähnliche {Thecidium) Stücke zerfallen können, von denen das terminale 4 Pigmentflecke gewinnt. Nach Anheftung des aboralen Scheitel- stücks schlägt sich der zweitheilige am Anfang des Mittelabschnitts erzeugte Mantel oralwärts um und scheidet 2 Chitinschalen aus, während am einge- zogenen und rückgebildeten oralen Abschnitt im Umkreis des Mundes sym- metrisch Tentakeln gebildet werden. Dieser übrigens auch noch als schwär- mende Larve (Lingula) auftretende Zustand würde das vom zweiklappigen Ectocyst umschlossene Bryozoenstadium des Brachiopoden sein. 90 I, Classe. Bryozoa. Die grosse Verschiedenheit in der ausgebildeten Organisationsstufe der kleinen einfachen Bryozoen und der relativ grossen höher organisirten Brachio- poden kann kein entscheidendes Gegenargument sein. Dass dort lediglich der Leibesraum das Blut führt, hier Herz und Gefässe vorhanden sind, bedingt keine fundamentale Abweichung (Cyclops — Galanella; Cypris — Gypridina). Zudem finden sich in beiden Gruppen Reste von zwei Segmentalorganen, welche wohl der sog. Kopfniere der Würmer entsprechen dürften. Auch die grössere Complication des Nervensystems bei den Brachiopoden dürfte eine nur secundäre Bedeutung haben, insofern die kleinen Ganglien des Schlundrings sowie die hintern Ganghen als spätere Bildungen aufzufassen wären. Dazu kommt endlich die wichtige Thatsache, dass der Bryozoenleib nicht direkt aus dem Organismus der Larve, sondern aus einer Knospe desselben hervorgegangen ist. Immerhin hat die versuchte Zurückführung bislang nur den Werth einer Hypothese, über deren Berechtigung spätere Untersuchungen entscheiden werden. I. Classe. Bryozoa = Polyzoa, Moosthierckn. Kleine meist zu Stöckchen vereinigte Molliiscoideen mit heivimpertem Tentakelkranz , mit schling enförmig gekrümmtem Darmcanal und einfachem Ganglion. Nach Körperform, Aufenthalt und Lebensweise schliessen sich die Bryozoen den als Sertularinen und Gampanularinen bekannten Polypenstöckchen an, so dass man beide Thiergruppen lange Zeit mit einander vereinigen konnte. Die genauere Erforschung der Organisation , der Nachweis gesonderter Darm- wandungen mit Mund und After, sodann eines Ganglions und von dem- selben ausgehender Nerven Hess später die Trennung der Bryozoen von den Coelenieraten unabweislich erscheinen. Indess hat man sich bislang über die systematische Stellung der Moosthierchen noch keineswegs einigen können. Einige Forscher, wie R. Leuckart, C. Gegen bau r u. a. bringen dieselben zu den Würmern, andere wie Milne Edwards, Steenstrup, van Beneden, Hancock und Allman glaubten in der morphologischen Aehnlichkeit mit den Tunicaten entscheidende Anhaltspunkte zu finden , um die Moosthierchen den 1) J. V. Thompson, Zoological Researches und Illustrations. 1830. (Menioir V. On Polyzoa etc.). Dumortier et P. J. van Beneden, Histoire naturelle des Polypes composes d'eau douce. Mem. Acad. Roy. Belg. Bruxelles. Tom. XVI. 1843 und 1850. Busk, Catalogue of marine Polyzoa in the collection of the Brit. Museum. London. 1852—1854. Allman, Monograph of the Fresh- water Polyzoa. London. 1857. F. A. Smitt, Kritisk Förteckning öfver Skandinaviens Hafs-Bryozoer. Ofvers. Königl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1865, 1866, 1867. H. Nitsche, Beiträge zur Keuntniss der Bryozoen. Zeitschr. für wiss. Zool. 1869, 1871 und 75. E. Claparede, Beiträge zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der Seebryozoen. Zeitschr. für wiss. Zoologie. Tom. XXI. 1871. J. Barrois, Recherches sur I'embryologie des Bryozoaires. Lille. 1877. B. Hatschek, Erabryonalentwicklung und Knospung der Pedicellina echinata. Zeitschr. für wissensch. Zool. Tom. XXVIIL 1877. Hincks, History of the british marine Polyzoa. London. 1880. lategument. Ectocyst. 9* Mollusken unterzuordnen. AI Im an glaubt sogar an dem jungen Polypid von Bhubdopleura ^) das Aequivalent eines Mantels in Gestalt zweier Lappen an der Aussenseite der Tentakeln, die er als die Segel betrachtet, erkannt zu haben. Die nahe Verwandtschaft mit den Brachiopoden haben zuerst vornehmlich Hyatt und Morse betont. Der Name Bryozoen bezieht sich auf das moosähnliche dendritische Aus- sehn der Stöckchen, zu denen die mikroskopisch kleinen Einzelthiere in ein- facher aber äusserst gesetzmässiger Weise vereinigt sind. Indessen können die Bryozoenstöckchen auch blattförmige, selbst massige, polypenähnliche Formen darstellen, oder als rindenartige Krusten fremde Gegenstände überziehen. Nur ausnahmsweise bleiben die Individuen solitär, wie die Arten der auf Capitella, auf Spongien und Phascolosomen schmarotzenden Loxosoma , deren Knospen sich ablösen. In der Regel besitzen die Stöckchen eine hornige oder pergament- artige, häufig auch kalkige, seltener gallertige Beschaffenheit, je nach der Natur der Gehäuse , welche durch Erhärtung der Cuticula in der Umgebung der Einzelthiere entstanden sind. Jedes Einzelthier ^) ( Zooecium ) ist von einem sehr regelmässig und symmetrisch gestalteten Gehäuse, Ectocyst, umgeben, dessen Oeffnung das Hervorstrecken des weichhäutigen Vorderleibes mit dem Tentakelkranz gestattet. Die mannichfache Gestalt der Gehäuse, sowie die einem reichen Wechsel unterworfene Art ihrer Verbindung bedingt eine über- raschend grosse Mannichfaltigkeit in der Form der aus ihnen zusammengesetzten Colonien. Meistens sind die Gehäuse scheinbar völlig von einander abge- schlossen, rücksichtlich ihrer Verbindung bald schief oder senkrecht aufgerichtet, bald wagrecht hingestreckt, bald in einer Ebene nebenpinander ausgebreitet, bald reihenweise unter Bildung von Ramificationen an einander geordnet. Auch können sich dieselben auf besondern modificirten Individuen, den Stamm- gliedern, erheben. In Wahrheit stehen jedoch die Zellen untereinander meist in Communication, indem sie entweder wie bei den meisten Süss wasserformen unmittelbar in einander übergehen, oder wie bei den marinen Stelmatopoden durch trichterförmige Oeffnungen ihrer Wandung an den sog. Rosetten platten communiciren. Die Mündungen sind entweder nach einer oder nach zwei gegenüberstehenden Seiten gewendet oder dieselben liegen radiär im Umkreis einer gemeinsamen Achse in zahlreichen Strahlen. Der äussern chitinisirten und häufig inkrustirten zur Cyste gewordenen Guticularschicht liegt die weich- häutige Körperwandung als Endocyst mehr oder minder dicht an. Dieselbe besteht aus einer äussern Zellenlage (Matrix des Ectocysts) und einem Netzwerk sich kreuzender, einer homogenen Membran anliegender Muskelfasern (äussere Ringfaser-, innere Längsfaserschicht), an deren innerer, die Leibeshöhle begren- zender Fläche wenigstens bei den Süsswasserbryozoen ein zartes Innenepithel mit reichem Besatz von Flimmerhaaren aufsitzt. An der Oeffnung der Cyste 1) Alhnan, Quaterly Journ. of niikr. Sc. 1870. Vgl. auch M. Sars, On some remarkable forms of animal life from the great deeps of the Norwegian coast. Christiania. 1872. 2) Man hat für dasselbe die unglückliche Bezeichnung Zooecium gewählt, an- knüpfend an die Vorstellung, dans dasselbe — ähnlich wie der Cysticercus aus Blase und Scolei — aus zwei Individuen, dem Cystid und Polypid, zusammengesetzt sei. 92 Bryozoen. Verdauungsorgane. stülpt sich das weichliäutige Endocyst nach Innen zurück und bildet von da an das ausschliessliche Integument des Vorderleibes , dessen Basaltheil (Dupli- catur) bei den meisten Süss wasserformen durch die hintern sog. Parietovaginal- muskeln (abgelöste Längsmuskeln) zurückgehalten, dauernd eingestülpt bleibt. Dagegen kann die Hauptmasse des Vorderleibes mit dem Tentakelkranz an der Spitze (Tentakelscheide) durch besondere die Leibeshöhle durchsetzende Muskeln eingezogen und wiederum hervorgestülpt werden. Die Tentakeln, die entweder (Lophopoden) auf einer hufeisenförmigen nach der Analseite offenen Scheibe (Lophopl/or) oder im Kreise {Stehnatopoden) angeordnet sind, stellen hohle, äusserlich bewimperte, mit Längsmuskeln versehene Ausstülpungen der Leibes- wand dar, deren Hohlraum mit der Leibeshöhle communicirt und sich von dieser aus mit Blut füllt. Sie dienen daher sowohl zum Herbeistrudeln von Nahrungsstoffen als zur Vermittlung der Respiration. Die Verdauungsorgane liegen in dem durch die Leibeswandung gebildeten Sacke frei suspendirt und sind an dem hitegument nur an der Mimd- und Afteröffnung, sowie durch den sog. Funiculus und durch Muskelgruppen be- festigt. Mit Unrecht hat man den von der Cyste umschlossenen Leib sammt Tentakelapparat auf Grund seiner Entstehungsweise als besonderes Individuum betrachtet und dem Gehäuse oder Cystid gegenüber als Polypid unterschieden (beide zusammen als Folypocystid {Zooeciimi) bezeichnet). In der Mitte der kreis- oder hufeisenförmigen Scheibe, (\ev Munds clieihe, liegt die Mundöffnung, oft von einem beweglichen Epiglottis-ähnlichen Deckel {Fhylactolaemata Allm.) überragt. Dieselbe führt in einen mit selbstständigen Wandungen versehenen schlingen förmig umgebogenen Nahrungscanal , an welchem man eine lang- gestreckte, bewimperte, oft zu einem muskulösen Pharynx erweiterte Speise- röhre, einen sehr geräumigen , blindsackartig verlängerten und am Ende des Blindsackes durch einen Strang, Funiculus, an der Leibeswand befestigten Magendarm und einen verengerten nach vorn zurücklaufenden Enddarm unter- scheidet. Am Magendarm findet sich ein bräunlich gefärbter Zellenbelag, welcher die Stelle einer Leber zu vertreten scheint. Der Enddarm führt in der Nähe der Mundscheibe aber meist ausserhalb derselben durch die rückenständige After- öffnung nach aussen {Ectoprocta). Nur bei wenigen einfacher gebauten Formen wie Loxosomu und Pedicellina, die man desshalb als Entoprocta bezeichnet und als Ordnung trennt, liegt der After innerhalb des Tentakelkranzes. Her^ und Gefässsystem fehlen. Die Blutflüssigkeit erfüllt den gesammten Itmenraum der Leibeshöhle und wird sowohl durch die Gilien der Leibeswand als durch die Gon- tractioncn der Muskeln umherbewegt. Diese lassen sich im Wesentlichen auf drei Gruppen zurückführen. Die erste Gruppe umfasst die grossen Retractoren ') des Polypids (Darmtractus nebst Tentakelkrone), welche bilateral symmetrisch an den Seiten der Leibeswandung entspringen, theil weise die Länge des Leibesraums durchsetzen und vorn am Schlünde sich anheften. Die zweite Gruppe, die sog. Parietovaginal-Muskeln , besteht aus einer grössern Zahl kurzer Muskelbänder, welche den basalen, nicht selten bleibend eingestülpten Theil des Vorderkörpers 1) Von Reichert {Zoobotnjon pellucidus, Abb. der ßerl. Acad.) ebenso wie die Masse der Endocyste , als protozootische Substanz gedeutet ! ! Respiration. Nervensystem. 93 befestigen. Endlich sind als dritte Gruppe die sog. Parietal-Muskeln zu unter- scheiden; dieselben haben den beschriebenen Verlauf in der Leibeswand, die Muskelbänder der circularen Schicht bilden oft kleine Abschnitte von Reifen, deren Gontraction einen Druck zur Austreibung des Vorderkörpers veranlassen mag. Bei den marinen Ectoprocten wird der Funicidus oft durch eine Zellen- platte vertreten (Funicularplatte, Nitsche), von welcher Faserzüge theils an die Haut, theils an zwei seitliche von Spindelzellen umlagerte Stränge hinziehn. Zur Respiration dürfte sowohl die gesammte Oberfläche des ausgestülpten Vorderleibes, als besonders die Tentakelkrone dienen, welche man (Van Beneden) morphologisch als dem Kiemensacke der Ascidien entsprechend gedeutet hat. Dagegen sind in einzelnen Fällen Reste eines den Wassergefässen der Würmer entsprechenden Excretionsapparates beobachtet worden. Vielleicht ist in diesem Sinne der bei Alcyonidium (Farre) und Membranipora (Smitt) beobachtete flimmernde Schlauch zu deuten, welcher sich zwischen Mund und After öffnet. Sicherer dürfte der helle Ganal, welcher jederseits im Körper der Pedicellinen und deren Larve (Hatschek), sowie bei Loxosoma (Joliet) beob- achtet wurde, ein Wassergefässcanal (Kopfniere) sein. Das Nervensystem besteht aus einem oberhalb des Schlundes zwischen Mund und After gelegenen Ganglion (nach Hyatt^) symmetrisch aus 2 Gan- glien gebildet ?), welches bei den Lophopoden in der Höhle des Lophophors ein- geschlossen liegt und durch einen zarten Schlundring (?) am Oesophagus befestigt, zahlreiche Nerven nach den Tentakeln und nach dem Oesophagus entsendet. Das beobachtete System von Fasersträngen, welches bei Serialaria und anderen Ectoprocten die Einzelthiere verbindet und von Fr. Müller'^) als Golonial- nervensystem gedeutet wurde , dürfte mit den oben erwähnten Fasei-zügen der Funicularplatte und den Seitensträngen identisch sein. Besondere Sinnesorgane sind nicht bekannt geworden, möglicherweise dienen jedoch unbewegliche Haare zwischen den Wimpern der Fühler und des sog. Fühlerknopfes der Avicularien zur Tastempfindung. Uebrigens sind keineswegs überall sämmtliche hidividuen eines Stockes gleichmässig gebaut und zu gleichen Leistungen befähigt. Die marinen Stelma- topoden bieten uns vielmehr Beispiele eines sehr ausgeprägten Polymorphismus. Die bereits für Serialaria erwähnten Stengelglieder (Stammglieder) stellen eine solche abweichende hidividuenform vor; dieselben besitzen abgesehen von ihrer bedeutenden Grösse eine sehr vereinfachte Organisirung und dienen zur Her- stellung der ramificirten Unterlage für die Nährthiere. Ausser diesen Stamm- gliedern gibt es hier und da Wurzelglieder, welche als ranken- oder stolonen- artige Fortsätze zur Befestigung dienen. Besonders verbreitet aber sind eigen- thümliche individuelle Anhänge mariner Bryozoenstöcke, deren Bedeutung sich auf die Herbeischaffung der Nahrung zu beziehen scheint, die sog. Avicularien und Vihracularien. Die Avicularien oder Vogelköpfchen, wie man sie nach der Aehnlichkeit ihrer Form genannt hat, sind zweiarmige Zangen, welche den 1) Hyatt, Proceed Essex Inst. vol. IV. 2) Fr. Müller, Das Kolonialnervensystem der Moosthiere etc. Archiv für Natur- geschichte. 1860. 94 Bryozoen. Avicularien. Vibracula. Fortpflanzung. Zooecien in der Nähe ihrer Oeffnungen ansitzen und sich zeitweilig öffnen und sehliessen. Sie können kleine Organismen, z. B. Würmer schnappen, bis zum Abstei'ben festhalten und die zerfallenen organischen Reste der durch die Tentakel- Wimpern veranlassten Strömung übergeben. Ein mit Tastborsten besetzter Knopf des Aviculariums könnte möglicherweise morphologisch als Aequivalent eines Polypiden gedeutet werden. Die Vibracula stellen ganz ähn- liche Köpfchen dar, welche anstatt des Zangenarmes einen sehr langen äusserst beweglichen Borstenfaden tragen. Endlich wird eine besondere Individuenform als Oviselle (Ooecium) unterschieden. Dieselbe erhebt sich oft heim- oder kuppeiförmig und wird von einem Eie ausgefüllt, welches von der Körperhöhle aus aufgenommen wurde. Alle diese verschiedenen Zellen haben mit Rücksicht auf die gleichartige Entstehung die gleiche morphologische Bedeutung als hi- dividuen, ähnlich wie die vielgestaltigen Anhänge der Siphonophoren. Merkwürdiger Weise erfahren oft die Polypids ohne Beeinträchtigung der Zooecien eine Rückbildung und liefern durch Zerfall braune Körper ^) , die Smitt irrthümlich für Keimkapseln ausgegeben hat. Dieselben bestehen aus zahlreichen braungelben Kugeln und werden von einem Fasernetz umschlossen. Die Neubildung des Polypiden erfolgt von der Wandung aus durch eine nor- male Knospung am Endocyst , doch werden die Reste des braunen Körpers in den Magenblindsack während dessen Entstehung mit aufgenommen und als Nahrungsdotter verwendet. Die Fortpflanzung der Bryozoen erfolgt theils geschlechtlich , theils un- geschlechtlich, im letztern Falle entweder durch die den Gemmulae der Spon- gillen vergleichbaren Keime, Statohlasten , oder auf dem Wege der Knospung. Männliche und weibliche Geschlechtsorgane reduciren sich auf Gruppen von Samenzellen und von Eiern, welche meist in demselben Thiere nebeneinander enstehen, selten auf verschiedene Individuen gesondert sind. Die Ovarien (von einer Haut umschlossene Eizellenhaufen) liegen der Innenfläche der vordem Körperwand an, während bei den marinen Ectoprocten oft neben der Mündungs- area die Hoden mit ihren Samenkapseln entweder an dem obern Theile des vom Magengrunde entspringenden Bandes, des Funiculus, oder nahe der Insertionsstelle desselben ihren Ursprung nehmen. Zuweilen treten die Ovarien schon frühzeitig in der jungen Knospe auf (Tendra, Bugula). Beiderlei Geschlechtsprodukte gelangen in die Leibeshöhle, wo die Befruchtung erfolgt. Vom Leibesraume aus gelangt das befruchtete Ei entweder in eine innere Knospe der Leibeswand {Alcyonella) oder wie bei marinen Bryozoen in ein äusserlich ansitzendes Ooecium. Bei den Entoprocten durchläuft das Ei in einer Art Bruthöhle, welche in das Vestibulum (eingezogene Mundscheibe) einmündet, die Embryonalentwicklung bis zum Ausschwärmen der Larve. Die Entwicklungsgeschichte des Eies ist am genauesten durch Ha tschek bei PediceUina bekannt geworden. Die Furchung verläuft in der Bruthöhle 1) Vergl. ausser Smitt, Claparede und Nitsche 1. c: Repiachoff, Zur Ent- wicklungsgeschichte der Tendra zostericola. Zeitschr. für wiss. Zool. Tom. XXV, sowie Zur Naturgeschichte der chilostomen Seebryozoen. Ebend. Tom. XXVI. 1876. W. Rein- hard, Charkow 1875 (russisch). L. Joliet, Contributions a l'histoire natui*. des Bryo- zoaires des cotes de France. Archiv zool. experim. Tom. VI. Metamorphose. Marine Larven. 9S^ nicht ganz aequal, indem sich frühzeitig die animalen Kugeln am Pole der Richtungskörperchen durch geringere Grösse auszeichnen. Während der Bildung der Blastosphaera bleibt eine kleine Furchungshöhle zurück, in welche sich der vegetative Theil der Zellen wand allmählig einstülpt, somit entsteht auf dem Wege der Invagination eine Gastrula. Der Gastrulamund verengert sich vor seinem vollen Schluss zu einem schmalen medianen Spalt, an dessen hinterm Ende zwei grössere relativ indifferente Zellen (ähnlich wie am Embryo der Mollusken und Anneliden) vorspringen, allmählig aber von dem Ectoderm überwuchert, zwischen jenes und die Entodermschicht der Gastralhöhle zu liegen kommen. Dieselben repräsentiren die Anlage des Mesoderms , welches die Musculatur und die beiden Excretionscanälchen liefert. Nach Verschluss des Gastrulamundes verdickt sich das Ectoderm an der entsprechenden (ven- tralen) Stelle und bildet die scheibenförmige Anlage des spätem Vestibulums. An demselben bildet sich durch Einstülpung zuerst Mund und Oesophagus , in welchen sich die Bewimperung fortsetzt , später After und Enddarm. Beide, Oesophagus und Afterdarm, verbinden sich mit dem Entodermsäckchen, welches sich in Magen und Darm gliedert. Zwischen Mund und After beginnt ein Zapfen vorzuwachsen, welcher ein Wimperbüschel gewinnt und auch beim ausgebildeten Thiere (Aequivalent des Epistomes) persistirt. Am gegenüber- liegenden bei der Bewegung nach vorn gerichteten aboralen Ende tritt auch eine Ectodermverdickung auf, welche sich einstülpt und zapfenförmig vortreten kann. Dieses Organ wird von einem Kreise steifer Haare umsäumt; später bildet sich am verdickten Rand des Vestibulums ein Kreis langer Wimper- haare, den man mit dem Wimperkranz der Loven 'sehen Larve vergleichen könnte. Endlich tritt noch an der vordem Seite des Rückens ein zelliges Organ auf, welches als Auswuchs des Entodermsacks entstanden, sich mit Elementen des Mesoderms umgibt. Dasselbe entspricht wahrscheinlich dem Innern Theile einer Knospe zur Bildung eines neuen Individuums. Ueber die Festsetzung der Larve und ihrer Fortbildung zur Pedicellina fehlen bislang ausreichende Beob- achtungen, doch dürfte nach Barrois die Rückbildung des Darmapparates, wie solche bei andern Bryozoenlarven festgestellt wurde, auch hier wahrschein- lich sein. Aehnlich wie die Pedicellinalarve verhält sich die Larve von Loxosoma, doch trägt dieselbe zwei knospenförmige Organe. Bei den marinen chilostomen Bryozoen gelangen die befruchteten Eier nach Huxley und Nitsche in besondere an der Mündung der Zooecien an- gebrachte Eierzellen, Ooecien oder Ovisellen, welche aus einer helmförmigen Kapsel und einem blasenähnlichen Deckel bestehn. In diesem Behälter durch- läuft das Ei die Furchung und entwickelt sich zu einem bewimperten Embryo, welcher als contraktile Larve ausschwärmt und frei im Meere umherschwimmt. Die Furchung ist eine nahezu aequale. Meist gehen zwei meridionale Furchen der ersten Aequatorialfurche voraus. Dann folgt ein Stadium mit 16 , später mit 32 Furchungskugeln , von denen die vier obern der oralen Hälfte durch Grösse ausgezeichnet , die Ectodermanlage bilden sollen. Die Larve wird eine Gastrula, welche Wimpern gewinnt und an der aboralen Hälfte einen Cilien- kranz erhält. Beim Ausschwärmen besitzt die Larve im Allgemeinen eine pfirsichförmige, freilich oft mehr oder minder abgeflachte Leibesgestalt, ist von 96 Bryozoen. Bau der Larven. Cyphonautes. einem Gilienwulst umsäumt und trägt oberhalb einer tiefen Kerbe einen Büschel längerer Geisseihaare, sowie am aboralen Körperende einen breiten einziehbaren Fortsatz, dessen Rand mit einem Kranze von unbeweglichen Borsten besetzt ist. Auch können braune und rothe Pigmentflecken in bestimmter Zahl und in symmetrischer Lage am Körper vorkommen, lieber den Innern Bau dieser Larven ist man trotz der ausgedehnten Arbeiten von Barrois nicht genügend orientirt, doch scheint überall eine Darmanlage vorhanden zu sein. Die Homo- logie mit der EnLoproctenlarve dürfte trotz bedeutender Abweichungen in der Formgestaltung nicht abzuweisen sein; immerhin bleibt die Zurückführung noch mit Schwierigkeiten veibunden. Wahrscheinlich entspricht der einzieh- bare Sauggruben-artige Fortsatz der sog. Kittdrüse der Loxosomalarve, die Grube nebst Geisselbüschel dem als Knospenanlage bei Pedicellina gedeuteten Entodermsäckchen. Abweichend verhalten sich die Larven der Cydostomen, deren durch Invagination entstandene Gastrula eine aequatoriaie wulstförmige Anschwellung gewinnt, welche gegen die aborale Körperhälfte wuchert und von Cilien bekleidet jene mantelähnlich umgibt. Durch die Mantelbildung gewinnt die Larve eine grosse Aehnlichkeit mit den Larven der Brachiopodcn. Nach der jüngsten Publication von Barrois ^) soll übrigens den Ectoprocten- larven ein Darmcanal ganz fehlen und durch eine die Leibeshöhle erfüllende Dottermasse ersetzt sein. Dagegen soll die orale Fläche dem Rest eines Mantels entsprechen (Brachiopodenlarve), mit welchem die Festheftung erfolgt. Während derselben wirft die Larve die Wimpern ab und gestaltet sich unter Rückbildung ihrer früheren Organisation zu einem von einer peripherischen Zellenlage um- schlossenen Plasmahäufchen um. Dieses formt sich zu einem bräunlichen Körnerhaufen, der gewissermassen als Nahrungsdotter verwendet wird, während aus einer Einstülpung der Wand die Anlage des Darmtraktus (wahrscheinlich entodermale Primärknospe) und der Tentakelkrone hervorgeht. Das primäre Zooecium entsteht somit (in derselben Weise wie jedes andere Zooecium) als eine Knospe (Generationswechsel). Dasselbe treibt bald durch Sprossung neue Zooecien , es bilden sich Avicularien und schliesslich , aber freilich erst nach dem Untergang der altern Zooecien , auch Wurzelfäden , welche durch Aus- breitung auf der Unterlage zur Befestigung des Stockes wesentlich beitragen. Neuerdings wurde von A. Schneider dargethan, dass der in allen Meeren verbreitete Cyphonautes , über dessen Deutung sehr verschiedene Ansichten ausgesprochen waren, die Larve Yon Memhranipora püosa ist. Der Körper dieser merkwürdigen Larve hat die Gestalt einer seitlich comprimirten Glocke, deren Höhle den Vorhof zur Mundöffnung repräsentirt. Aussen von zwei Schalenklappen bedeckt , die sich längs des einen Randes (Schlossrandes) ver- binden, läuft derselbe vorn an der Spitze der Glocke in einen freiliegenden mit Cilien besetzten Knopf aus, welcher dem aboralen Zapfen der Entoproctenlarve entspricht. Der im Grunde der Vorhofshöhle gelegene Mund, nach welchen ein Wimperbesatz der Vorhofshöhle die Nahrungstheilchen hinleitet, führt in einen Darmcanal, dessen Afteröffnung im Vorhof mündet. In den Vorhof ragt 1) J. Barrois, Memoire sur la metamorphose des Bryozoaires. Aniiales des scienc. nat. VI. Ser. Tom. IX. Metamtirpliose. Eiitwickluug des Embryos. 97 ein kegelförmiges Organ hinein, welches einen mit längern Wimperhaaren besetzten zungen förmigen Fortsatz vortreten lässt und wahrscheinlich der ento- dermalen Knospenanlage entspricht. Während seiner weitern Entwicklung setzt sich der Larvenleib mit Hülfe des kegelförmigen Zapfens fest und bildet sich zu einem flach viereckigen Körper um, den die aufgeklappten und im Schlossrande gespaltenen Schalen schildförmig bedecken. Darm und Wimper- apparat werden ri^ickgebildet, der Leibesinhalt stellt eine scheinbar strukturlose körnige Masse dar, in der man einen undeutlich abgegrenzten ovalen Haufen unterscheidet. Schliesslich verwandelt sich der Körper innerhalb der beiden verschobenen Schalenklappen in eine gleichmässige zellige Scheibe mit zarter doppelt conturirter Wandung. Die Zellscheibe, anfangs quer oval, streckt sich jetzt bedeutend in die Länge und verändert ihre Dimensionen in umgekehrter Richtung, die Wandung verkalkt bis auf einen ovalen Raum am Vorder- ende und wird zur Bryozoenzelle, während sich aus dem Zellhaufen des hihalts der Darmtractus und der Tentakelkranz nebst Tentakelscheide differenzirt. Nach 48 Stunden ist aus dem Ct/phouautes eine Memhranipora pilusa geworden, welche nach Verlust der Larvenschale ihre Tentakel vorstreckt und bereits, noch ehe sie fertig ausgebildet ist, an vier Punkten Knospen zu treiben beginnt. Nach Metschnikoff, der ebenfalls die Metamorphose einer üyphouantesiovm. beobachtete, soll Tentakelscheide nebst Darm von der unverändert gebliebenen Hautschicht gebildet werden , während die Eingeweide der Larve zu Grunde gehen. Die Entwicklung *) ist bei den Phylactolaemen eine dem Generations- wechsel nahe stehende Metamorphose. Bei Alcyonella wird nach Metschni- koff das Ei bald nach seiner Lösung von einer Knospe an der hinenseite des Endocystes umwachsen (inneres Ooecium), um später als Larve durch dieselbe nach aussen durchzubrechen. Der Dotter gestaltet sich nach Durchlaufen des Furch ungsprocesses zu einem bewimperten Embryo, welcher einen Innern Hohlraum und an dem vordem Pole eine mit jenem communicirende Oeffnung enthält, hidem sich die innere Wandung des Hohlraumes abhebt und in ihrer hintern Partie durch die vordere Oeffnung hervorstülpt, entsteht eine zapfen- förmige, am Mündungsrande wie von einem Kragen umgebene Horvorragung, an welcher sich bald eine innere Knospe zeigt und zu dem Folypid mit Dai-ni- und Tentakelanlage heranbildet. Bei Alcyonella entsteht frühzeitig neben der ersten noch eine zweite Knospe, die sich in ganz übereinstinunender Weise zu einem zweiten Polypiden differenzirt , so dass der noch von der Eiliülle um- schlossene bewimperte Embryo gewissermassen schon ein Thierstöckchen mit zwei hidividuen repi-äsentirt. In andern Fällen (Flumutdla) bleibt jedoch der Embi-yo einfach und verlässt mit nur einem Keime versehen die Eihüllen, um eine Zeitlang mittelst der Wimperbekleidung frei im Wasser umherzu- 1) Vei-gl. ausser Allaian, Nitsche, Metschuikot'f, B. Hätschele 1. c: J. Barrois, Du developpement des Bryozoaires Chilostomes. Paris. 1878. W. Kepiachoff, Ueber die ersten embryonalen Entwicklungsvorgänge bei Tendra zostericola. Zeitschr. für wiss. Zoologie. Tom. XXX. Supplb. 1878. Claus, Zoologie. 1. Aullago. Tum. II. ■ 7 98 Bryozoen. Statoblasten. Fortpflanzung. Lebensweise. schwärmen. Später fallen die Wimpern des Sprösslings ab, derselbe heftet sich fest und wird unter fortschreitender Neubildung von Knospen zu dem sich rasch vergrössernden Thierstöckchen. Als Statoblasten bezeichnet All man eigenthümliche Fortpflanzungskörper, welche früher als liartschalige Wintereier gedeutet waren, von jenem Forscher aber als abfallende, einer Befruchtung entbehrende Keime erkannt wurden. Dieselben treten nur bei den Süsswasserbryozoen auf und entstehen als Zellen- haufen an dem strangförmigen Funiculus vornehmlich gegen Ende des Sommers, besitzen meist eine linsenähnliche, beiderseits flachgewölbte Gestalt und werden von zwei uhrglasförmigen harten Ghitinschalen bedeckt, deren Peripherie häufig mit einem flachen aus Luft-haltigcn Zellräumen bestehenden Ringe (Schwimm- ring) eingefasst, zuweilen auch (Cristatella) mit einen Kranz von hervorstehenden Stacheln besetzt ist. Die Statoblasten entwickeln aus ihrem Inhalte, nachdem sie den Winter überdauert, einfache unbewimperte Thierchen , welche bei ihrem Ausschlüpfen bereits alle Theile des Mutterthieres besitzen, sich sogleich bleibend befestigen und durch Knospung zu neuen Colonien auswachsen. Eine grosse Rolle spielt die Fortpflanzung durch äussere Knospen, welche in dauernder Verbindung bleiben. Die Knospung beginnt schon frühzeitig, kann sogar mit der Ausbildung des Embryos zusammenfallen und gibt zu der Entstehung der Stöckchen Veranlassung. Selten führt die Abschnürung einer Golonie durch Theilstücke zur Vermehrung der Thierstöckchen (Cristatella, LopJiojms). Ueber die Art wie die Knospen entstehen, besteht keineswegs überall vollkommene Klarheit. Wenn dieselben auch von der Endocystwand oder deren Fortsetzung am Stock erfolgt, so werden sich doch noch Entoderm- elemente betheiligen , welche wie bei Pedicellina ihrem Ursprung nach wahr- scheinlich auf das Entoderm des Larvenkörpers zurückzuführen sind. Schon die Entstehung des ersten Thieres nach Festsetzung der Larve dürfte eine ento- dermale Knospenanlage voraussetzen. Die Bryozoen leben grösstentheils im Meere und nur in verhältnissmässig geringer Zahl im süssen Wasser. Sie siedeln sich auf den verschiedensten Körpern an und überziehen sowohl Steine, Muschelschalen, Gorallen, Tange, als die Stengel und Blätter von Süsswasserpflanzen. Nur einige Süss- wasserformen , der Gattung Cristatella zugehörig, besitzen als Golonie eine freie Ortsveränderung. Hier sind die eines festen Ektocysts entbehrenden Einzelthiere in drei länglich gestreckten, concentrischen Reihen auf einer ge- meinsamen contractilen Fussscheibe angeordnet , welche über Pflanzenstengel und feste Gegenstände im Wasser fortkriecht. Wenige Bryozoen wie Terebri- pora und Spathipora bohren in Muschelschalen. Auch in der Vorvvelt waren die Bryozoen überall verbreitet , wie die zahlreichen von der Jurassischen For- mation an zunehmenden Ueberreste beweisen. I. Untere lasse. Entoijrocta. 2. Unterclasse. Ectoprocta. 99 1. Unterclasse. JEntoj^rocta ^). Bryozocn ohne Tentalcelscheide, mit primärer Leibeshöhle und innerhalb des einrollbaren Tentahclhranzes ausmündendem After. Die Entoprocten repräsentiren nach Körperbau und Stockbildung ein- fachere primitivere Verhältnisse, da sie die Organisation der Bryozoenlarve im Wesentlichen beibehalten. Während es bei denselben gar nicht zur Bil- dung einer Darmfaserschicht kommt und die primäre Leibeshöhle persistirt, er- scheint der Tentakelapparat seiner Entstehung nach unmittelbar auf den Flimmerkranz der Larve zurückführbar. Die Tentakeln sind nicht retraktil, sondern nur einrollbar. Die Tentakelscheide fehlt. Mund und After münden innerhalb des Tentakelkranzes in eine Art Atrium. Neben demselben kann eine die Embryonen aufnehmende Bruttasche vorhanden sein {Fedicellina). in welche die paarigen Hoden und Ovarien münden. Auch ist ein paariger wimpernder Wassergefässcanal vorhanden. Die Knospen entstehen an der oesophagealen Seite des Thieres, beziehungsweise des frühzeitig von demselben abgeliobenen Stolo-Endes {Fedicellina). An ihrer Bildung betheiligt sich eine Entodermknospe. 1. Fam. Pedicellinidae. Stock eben mit Stolonen, auf denen sich in einer Reihe die langgestilten Individuen erheben. Fedicellina Sars. P. mutans Dal. F. gracilis Sars. P. echinata Sars., Norwegen, Adria und Mittelmeer. 2. Fam. Loxosomidae. Langgestilte Einzelthiere ohne Scheidewand zwischen Köpfchen und Stil, mit Kittdrüse am Stilende. Die Knospen entstehen in 2 Reihen, fallen nach Bildung eines Stiles ab und setzen sich mit der Kittdrüse fest. Loxnsoma Kef. L. Keferstcinii Clap. Mit 20 Tentakeln ohne Kittdrüse des Fusses im ausgebildeten Zustand, auf Zoobothryum, Neapel. L. cochlcar 0. S. Mit 8 Tentakeln und wohl entwickelter Kittdrüse, auf Hornspougien. L. plun^cuJosomatum C. Vogt. Mit 12 bis 18 Tentakeln und sehr langem Stil, ohne Kittdrüse im ausgebildeten Zustand. Loxosoma singulare Kef. Mit 10 Tentakeln, auf Capitella. L. nea-politanum Kow. Mit 10 Tentakeln und Kittdrüse. Nach Nitsche dürfte die amerikanische Süsswasserbryozoen-Gattung Urnatella zu den Entoprocten gehören. 2. Unterclasse. Ectoprocta, Bryozoen mit Teniakelscheide , Darmfascrhlalt und ausserhalb des retractilen TentaJcelJcreises mündendem After. Umfasst die bei weitem grösste Zahl der Bryozoen, auf deren complicir- teren Bau in der vorausgegangenen Darstellung besonders Bezug genommen 1) Ausser Nitsche, Keferstein vergl. Kowalevsky, Beiträge zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte des Loxosoma neapolitanum. Mem. Acad. St. Petersbourg. Tom. X. 18G6. 0. Schmidt, Die Gattung Loxosoma. Archiv für mikr. Anatomie. Tom. XII. 187Ö. C. Vogt, Sur le Loxosome des Fhascolosomes. Archiv de Zool. experim. et gener. Tom. V. 187G. Sälen sky, Etudes sur les Bryozoaires entoproctes. Anu. Söienc. natur. öer. VI. Tom. V. 1877. B. Hatschek, Embryonalentwicklung und Knospung der Fedicellina echinata. Zeitschr. für wiss. Zool. Tora. XX VIII. 1S77. 100 1. Ordnung. Gymnolaemata. wurde. Stets mündet der After ausserhalb des Tentakelkreises, welche entweder im geschlossenen Kreise oder auf zweiarmigen hufeisenförmigen Trägern angeordnet sind. 1. Ordnung: O-ymnolaemata ^) (Stelmatopoda.) Grossentheils marine Bryosoen mit scheibenförmigem Tcntalcelträger, in geschlossenem Kreise angeordneten Tentakeln und unbedecktem Mund. Die Gymnolaemen entbehren durchweg des Epiglottis-ähnlichen Epistoms und besitzen einen geschlossenen Kreis von minder zahlreichen Tentakeln, welche einer runden Mundscheibe entspringen. Bei manchen Formen, wie bei Alcyonidium gelatinosum , Membrauipora pilosa wurde ein flaschenförmiger flimmernder Canal (Farre, Smitt) in der Leibeshöhle beobachtet, der neben den Tentakeln ausmündet und als Wassergefässcanal vielleicht den Schlei fen- canälen der Gliederwürmer entspricht. Statoblasten kommen nur selten vor (z. B. bei der Süss wasserform Fcdudicella), dagegen denselben entsprechende innere Knospen , die eine ungeschlechtliche Vermehrung einleiten. Aus den Eiern gehen bewimperte Larven hervor. Die Stöckchen sind meistens polymorph , oft aus Wurzel- und Stammzellen mit Vibracula und Avicularien zusammengesetzt. Die Ektocysten besitzen einen ausserordentlichen Wechsel der Form und Verbindungsweise und sind bald hornig fest, bald kalkig in- krustirt , seltener gelatinös. L Unterordnung. Cyclostomata. Die endsländigen runden Zellmündungen entbehren der beweglichen An- hänge. Die meisten Gattungen und Arten sind fossil , viele leben aber noch in den hochnordischen Meeren. a. Radicellata = Articulata- Stöckchen aufrecht, gegliedert, mit fadenförmigen Anhängen. 1. Farn. Crisiadae. Die Stöckchen verästeln sich und enthalten kalkige Zooecien, welche auf eine oder zwei Reihen vertheilt sind. Die Zooecien bauchig erweitert. Crisia Lamx. C. cornuta Lam. Zooecien einreihig, Mitteluieer und Nordsee. C. denti- culata Lam. C. eburnea Lin. Zooecien in 2 Reihen. Ebendaselbst. b. Incrustata r= Inarticulata. Stöckchen kalkig, ohne Gliederung und ohne faden- förmige Anhänge. 2. Fam. Diastoporidae. Die Stöckchen sind in Form einer Kruste ausgebreitet mit zerstreuten Zooecien. Diastoiiora Lamx,, D. repens Wood., Nordische Meere. D. Simplex Busk. D. patina Lam., auf Seepflanzen im arktischen Aleere. 1). maeandrina "Wood. {Mesenteripora Blainv.), Grönland. 3. Fam. Tubuliporidae. Die Zooecien stehen in zusammenhängenden Reihen. Idmonea Lamx. Das Stöckchen aufrecht nach Art eines verzweigten Stammes. I. at- lantica Forbes, Arktisches Meer. I. serpens L. , an der "Westküste Skandinaviens. Thalangella Gray. Die Stöckchen kriechend, flächenhaft entwickelt. Ph. palmata "Wood., 1) Ausser Thompson, Busk, Smitt 1. c. u. a. vergl. C. Heller, Die Bryozoen des adriat. Meeres. "Verh. zool. bot. Gesellsch. "Wien. Tom. XVII. 1867, sowie die Werke über fossile Bryozoen von D'Orbigny, Hagenow, J. Haime, Reuss und R ömer. 2. Unterordnung. Ctenostomata. 3. Unterordnung. Chilostoraata. 101 Arktisches Meer. Ph. ßmbria Lam., Ph. flabcllaris Fabr., beide in weniger bedeutenden Tiefen des arktischen und der nordischen Meere. Tubulipora lobulata Hass. Hornera Lamx. H. violacea Sars. H. lichenoides L. , Nordische Meere. 4. Farn. Lichenoporidae. Die Randknospung erfolgt im Kreis , aus dessen Cen- trum die ZooQcien ausstrahlen. Discoporella Gray. D. vcrrucaria L., Arktisches Meer. 5. Fam. Frondiporidae. Die Zooecien bündelweise vereinigt oder auf zusammen- gesetzte Reihen vertheilt. Die Knospung erfolgt seitlich. Frondipora Blainv. F. reti- culata Lin., Kamtschatka. 6. Fam. Corymboporidae. Unterscheiden sich von den Frondiporiden durch die im Kreise erfolgende Randknospung. Corymbopora Mich. Die Zooecien bündelweise ver- einigt. C. fungiformis Smitt., Scandinavien. Coronopora Gray. Die Zooecien sind auf zusammengesetzte Reihen vertheilt. C. tnincata Jameson , Bergen. Defrancia Bronn. Der Stamm einfach, nach Art eines Bechers ausgehölt und ausgebreitet, i). lucernaria Sars, Spitzbergen. 2. Unterordnung. Ctenostomata. Die endständigen Zellmündungen werden beim Einstülpen der Tentakel- seheide von leistenartigen V'orsprüngen oder Borsten derselben geschlossen. Stammzellen und Wurzelfasern kommen häufig vor. 1. Fam. Alcyonidiidae. Zooecien unter sich zu fleischigen oder niembranösen Stöckchen von unregelmässiger Form vereint. Alci/onidium Lamx. {Halodactylus Farre). Aeussere Oberfläche der in eine gela- tinöse Masse eingeschlossenen Zooecien nackt. A. mytili Dal. A. hirsutum Flening. A. gelatinosum L. , Nordische Meere, u. a. A. Cycloiim Hass. Die äussere Oberfläche der Zooecien mit Papillen oder Borsten besetzt. A. papillosum Hass. Flustrella hispi- dum Fabr. 2. Fam. Vesicularidae. Die Zooecien erheben sich als freie Schläuche auf dem verzweigten, kriechenden oder aufgerichteten Stöckchen. Vesicularia Thomps. ( Valkeria Flemng.) Die ovalen langgestreckten Zooecien sessil. Die Thiere mit 10 — 16 Tentakeln. V. spinosa L. F. uva L. V. cuscuta, Ostsee und nordische Meere. Fairella Ehbg. Die Zooecien gestilt. Die Thiere mit 10 — 16 Tentakeln. F. familiaris Gros. F. pedi- cellata Aid., Norwegen. Ainathialja.m. Avenella Dal. Die cylindrisch linearen Zooecien sessil. Die Thiere mit 18 — 20 Tentakeln. V. fusca Dal. Serialaria Coiitinhii Fr. Müll. Boicerbaiikia Farre. 3. Fam. Paludicellidae. Süss wasserformen mit röhrigen einander ansitzenden Zoöcien. P. Ehrenbergii Van. Ben. 3. Unterordnung. Chilostomata. Die Mündungen der hornigen oder kalkigen Zellen sind durch eine deckel- artig vorspringende Lippe, beziehungsweise einen Ringmuskel des Lippenrandes verschliessbar. Mündungsarea in grossem Umfang häutig. Avicularien, Vibracula und Ovicellen werden oft angetroffen. a. Cellularina. Die Zooecien von horniger oder hornig kalkiger Beschaffenheit sind trichterförmig, ihr unterer Theil conisch oder röhrenförmig. 1. Fam. Aeteidae. Die röhrenförmigen Zooecien mit apicaler Mündung und seit- licher Mündungsarea. Tentakelscheide mit Borstenring. Aetea Lamx. Zooecien kalkig, aufrecht stehend, mit membranöser Area an' einer Seite. Ooecien fehlen. A. truncata Landsb., Britannien, Norwegen. A. anguina L., Adria bis Norwegen. 2. Fam. Eacratiidae. Die Zooecien einreihig oder zweireihig, Rücken an Rücken gewendet, mit seitlicher elliptischer oder ovaler Mündung. Stöckchen verästelt. Avi- 102 Flustrina. Escharina. cularien, Vibracula fehlen. Eucratea Lamx. Zooecien in einer Reihe gestellt, unbewaffnet. Stamm kriechend oder schlaff erhoben. Ooecien terminal. Borstenring an der Tentakel- scheide. E. chclata L. , Nördliche Meere. E. (Alysidium) Lafontii Aud. , Adria. Scruparia clavata Hincks. Brettia pellucida Dysd. , Grossbritanien. GemeUaria Sars. Zooecien zweireihig mit dem Rückentheil verwachsen, unbewaffnet. G. loricata Lin., Europäische und Arktische Meere. 3. Farn. Cellulariidae. Dichotomisch verweigte Stöckchen, deren Zooecien in zwei oder mehreren Reihen stehen. Meist sind sessile Avicularien und Vibracula vorhanden, Cellularia Pallas. Zooecien an der Dorsalseite perforirt. Nur gelegentlich ein Avicu- larium an den Internodialzellen vorhanden. C. I'eachii Busk. Bei Menipea Lam. sind seitliche Avicularien vorhanden. M. terrata Ell. Sol. Von Belgien bis Spitzbergen. Scriipocellaria Van Ben. Zahlreiche rhombische Zooecien in jedem Internodium. Mit seitHchen Avicularien und dorsalen Vibracula. Sc. scruposa L. , Nordsee, Mittelmeer und Adria. Sc. scabra Van. Ben. Sc. (Canda) reptans Lin., Nordische Meere bis Adria. Sc. scr»/;ea Busk , Adria. Ca fterea Lamx. Zooecien zwei- bis vierreihig, mit Avicularien und Vibracula, letztere gross und in 2 Reihen. Stamm ungegliedert. C. Elliiiii Flenn g., Nördl. und Arktische Meere. 4. Farn. Bicellariidae. Die Zooecien conisch oder vierseitig , gebogen , ihre seit- liche Mündungsfläche elliptisch und schräg zur Medianebene der Achse gestellt. Avi- cularien gestilt. BiceUaria Blainv. Mündung aufwärts gerichtet. Vibracula fehlen. B. ciliata L. als Ueberzug auf Fucoideen und Sertularinen , an den Küsten Frank- reichs, Belgiens und Englands. B. Alderi Busk. Bugula Oken. Mündung sehr gross. B. aviculaiia L. , in den europ. Meeren bis Spitzbergen verbreitet. B. neritina L., Adria. B. flahellata Busk., Adria. Beania Johnst. B. mirahilis lohnst., England. 5. Farn. Cellariidae. Die Zooecien setzen aufrechte dichotomisch verästelte Colonien zusammen. Zooecien rhombisch oder Gseitig, verkalkt. Cellaria Lamx. {Salicnr7iaria Johnst.). C. horealis Busk., Grönland uud Spitzbergen. C. fifititlosa L. , Mittelmeer, Adria. C {Tubi cellaria) cereoides Sol. EH., Adria. b. Flustrina. Zooecien quadratisch mit ebener Aussenfläche, flach ausgebreitet. 1. Fam. Flustridae. Zooecien rechteckig oder zungonförmig , die der lebenden Arten häutig zu einer breiten incrustirenden Fläclie vereinigt. Flustra L. FL mcm- branacea L. , Nördl. atl. Ocean. Fl. securifrons Fall., Mittelmeer und Atl. Ocean. Fl. papyrea Fall., Ebenda. Fl. foliacea L., Adria bis Norwegen. Fl. truncafa L., p]benda. 2. Fam. Membraniporidae. Zooecien mehr verkalkt, zu einer incrustirenden Colonie vereinigt. Membranipora Blainv. Vordere Zellwand häutig. M. lineataL., Nördl. atl. Ocean bis zum Eismeer. M. nitida Johnst. , England. 31. pilosa L. , Adria, Mittelmeer und atl. Ocean u. a. A. Lepralia Johnst. Vordere Zellwand kalkig. L. pertusa Esp. , Adria. L. pallasinna Moll., Nördl. Meere. c. Escharina. Zooecien meist verkalkt, quadratisch oder halboval, mit seitlicher Oeffnung. L Fam. Eschariporidae. L>ie Oeffnung der rhombischen bis cylindrischen Zooecien halbkreisförmig, die Vorderseite gespalten oder durch einen medianen Perus durch- brochen. Escharipora D'Orb. Vorderseite der Zooecien gespalten oder durch poröse Quer- furchen gestreift. E.ficidaris Johnst., Nördliche Meere. E. ainiidafaVahw, Scandinavien. 2. Fam. Myriozoidie. Zooecien zuerst flach vierseitig oder weniger convex, dann rhombisch oder oval , zuletzt cylindrisch mit concav gekrümmtem in der Mitte avisge- buchteten unteren Rand der Mündung. Escharella D'Orb. E. porifera Smitt, Arktisches Meer. Myriozonm Don. M. crustaceum Smitt, Arktisches Meer. 3. Fam. Escharidae. Die primitive Mündung der Zooecien halbelliptisch oder halbkreisförmig oder rund , die secundäre nach dem untern Rand für das eingefügte Avicularium verschmälert. Porella Gray. F. laevis Flemng., Norwegen. Eschara Ray. E. verrucosa Busk., Arktisches Meer. E. lichenoides Lam., Adria. ' E. cervicornis Fall., Norwegen bis Grönland, Adria. Escharoides M.Edw. E. rosacea Bnsk., Arktisches Meer. 2. Ordnung. Phylactolaemata. 103 4. Farn. Discoporidae. Zooecien rhombisch oder oval mit halbelliptischer oder halbkreisförmiger Oelfnung, deren ünterrand einen stachelförmigen Fortsatz bildet. Discopora Smitt. D. scutulata Busk. , Grönland und SjJitzbergen. D. coccinea Abildg., Nördl. Meere. d. Celleporina. Zooecien verkalkt, rhombisch oder oval mit endständiger Mündung. 1. Farn. Celleporidae. Colonie lamellär unregelmässig kriechend oder rundlich, zweigbildend und aufrecht. Gellepora Fabr. Avicularium median und schräg an dem Unterrande der Mündung befestigt. G. pumicosa Lin., Adria und Nord-Meere. G. scabra Fabr., Arktisches Meer. C. ramulosa Lin., Nördl. Meere bis Spitzbergen. Cdleporaria Lanix. Ohne medianes Avicularium an der Mündung des Zoöciums. G. Hassallii Johnst., Nördl. Meere. 2. Farn. Reteporidae. Die oval-cylindrischen Zooecien zu einem retikulirten Stock vereinigt. Retepora Laui. B. cellulosa L., Mittelmeer bis Arktisches Meer. 2. Ordnung: Phylactolaemata ^) (Lophopoda). Süssiv^a//t.v^s) entsteht. Die Anordnung der Hauptvenenstämme schliesst sich bei den Fisclien am nächsten den embryonalen Verhältnissen an. Entsprechend den vier sog. Gardinalvenen führen zwei vordere und zwei hintere Vertebralvenen (Jugular- venen und Gardinalvenen) das venöse Blut zurück, indem sie sich juderseits zu einem in den Vorhof des Herzens eintretenden Querkanal [Ductus üuvieri) vereinigen. Durch Einschiebung eines doppelten Pfortadersystems gestaltet sich jedoch der Lauf des zurückkehrenden venösen Blutes complicirter. Durch Auflösung der Caudalvene, die nur bei den Gyclostomen und Selachiern direkt in die hintere Gardinalvene übergeht , entwickelt sich der Pfortaderkreislauf für die Niere, aus welcher das Blut dann ebenfalls in die Gardinalvenen gelangt. Zum Pfortaderkreislauf der Leber dagegen wird das Venenblut des Darmes verwendet und in der VV^eise nach dem Herzen geführt, dass eine einfache oder mehrfache, der hintern Hohlvene entsprechende Vene zwischen den beiden Ductus Cnvieri in den Vorhof eintritt. Derartige Gapillarsysleme müssen natürlich die Fortbewegung des Blutes bedeutend hindern , und so erklärt sich denn auch das Auftreten von sog. Nebenherzen an der Gaudalvene des Aales {Anguilla, Muraenophis) und an der Pfortader von Myxiiie. Von den sog. Gefässdrüsen fehlt die Milz nur Äntphioxus. Die Thyreoidea findet sich sehr verbreitet am obern Ende der aufsteigenden Aorta und wird wahrscheinlich durch die Hypobranchialrinne von Amphioxus vorbereitet. Auch die Thymus ist meist gefunden worden. Die Harnorgane der Fische sind paarige Nieren. In der Regel erstrecken sich dieselben längs des Rückgrates vom Kopf bis zum Ende der Leibeshöhle und entsenden zwei Flarnleiter, die sich zu einer gemeinsamen Urethra meist unter Bildung einer Harnblase vereinigen, hidessen können auch im Verlaufe der Harnleiter blasenartige Erweiterungen auftreten {Sciachicr). Ueberall aber liegen Harnblase und Urethra hinter dem Darmkanal. Der letztere mündet bei den meisten Knochenfischen mit der Geschlechtsöffnung gemeinsam oder auf einer besondern Papille hinter der Geschlechtsöffnung. Bei den Plugiostomcn und Dipnocrn dagegen kommt es zur Bildung einer Kloake, indem bei den 174 Fische. Geschlechtsorgane. erstem Urethra nebst Geschlechtsausführungsgängen in den erweiterten End- abschnitt des Darmrohres hinter dem Rectum einmünden, während bei den Bipnoern die getrennten Harnleiter seitlich in diesen Abschnitt eintreten. Mit Ausnahme einiger hermaphroditischer Arten von Serraniis, Chryso- phrys u. a. (und selten beobachteter Karpfenzwitter) sind die Fische getrennten Geschlechtes, nicht selten mit geringern oder bedeutendem (Macropodus) Geschlechtsunterschieden. Bei Gohitis taenia sind die Brustflossen, bei Tinea die Bauch flössen der Männchen weit umfangreicher, ihr zweiter Knochenstrahl erscheint auffallend verdickt; bei den Plagiostomen tragen die Bauchflossen der Männchen Knorpelanhänge als Begattungsorgane. Männliche und weibliche Zeugungsorgane verhalten sich jedoch nach Lage und Gestalt oft so übereinstim- mend, dass die Untersuchung ihres Inhaltes zur Bestimmung des Geschlechtes er- forderlich ist, zumal da häufig auch äussere Geschlechtsunterschiede hinwegfallen. Die Ovarien erweisen sich als paarige (bei den Myxinoiden sowie bei den Haien und verschiedenen Knochenfischen wie Perca, Blennius, Cobitis unpaare) band- artige Säcke , welche unterhalb der Nieren zu den Seiten des Darmes und der Leber liegen. Die Eier entstehen an der innern quergefalteten Ovarialwandung in geschlossenen Follikeln ^), in denen sie bei den Teleostiern eine dicke Eikapsel (mit Poren und Mikropyle) erhalten und gelangen in den innern sich füllenden Hohlraum der zur Fortpflanzungszeit mächtig anschwellenden Säcke. Dagegen besitzen die mit Ausnahme der Cyclostomen überall paarigen Hoden eine aus Querkanälchen oder blasigen Räumen zusammengesetzte Struktur. Im ein- fachsten Falle entbehren Hoden und Ovarien besonderer Ausführungsgänge, es gelangen dann die Geschlechtsstoffe nach Dehiscenz der Drüsenwand in den Leibesraum und von hier wie bei den Cyclostomen, weiblichen Aalen und Lachsen durch einen hinter dem After befindlichen Genitalporus nach aussen. Weit häufiger treten indessen Ausführungsgänge hinzu, sei es wie bei Knochen- fischen als unmittelbare Fortsetzungen der Geschlechtsdrüsen, sei es wie bei den Ganoiden, weiblichen Plagiostomen und Dipnoern als selbständige, mit trichterförmiger Oeffnung frei beginnende Kanäle (Mülle r'sche Gänge). Bei den Knochenfischen vereinigen sich sowohl die beiden Eileiter als Samenleiter zu einem unpaaren Gang , der sich zwischen After und Mündung der Urethra auf der Urogenitalpapille nach aussen öffnet. Dagegen kommt es bei den Plagiostomen und Dipnoern zu einer gemeinsamen Kloakenbildung. Aeussere accessorische Begattungsorgane finden sich nur bei den männlichen Plagio- stomen als lange gefurchte Knorpelanhänge der Bauchflossen. Bei weitem die meisten Fische pflanzen sich durch Eier fort, die sie als Laich an geeigneten Orten ins Wasser absetzen, nur wenige Teleostier, wie z. B. Anahleps, Zoarces, die Cyprinodontcn u. a. sowie ein grosser Theil der Haie gebären lebendige Junge. Im letztem Falle durchlaufen die Eier im Innern des Ovariums oder häufiger in einem erweiterten als Uterus fungirenden Abschnitt der Eileiter die embryonale Entwicklung, zuweilen unter Verhält- nissen, welche an die Ernährung der Säugethierembryonen erinnern (Dotter- sackplacenta einiger Haie, CarcJiarias und Mustelus laevis). 1) Vergl. W. His, Untersuchungen über das Ei und die Eientwicklung bei Knochen- fischen. Leipzig. 1873. Fortpflanzung. Wanderung. 175 In der Regel erfolgt die Fortpflanzung nur einmal im Jahre und zwar zu einer bestimmten, jedoch nach den einzelnen Familien verschiedenen Jahres- zeit, am häufigsten im Frühjahr, seltener im Sommer, ausnahmsweise wie bei vielen Salmoniden im Winter. Nicht selten treten zur Laichzeit auffallende Veränderungen auf, sowohl in Gestalt und Färbung des Leibes, als auch in der gesammtcn Lebensweise, hisbesondere erhalten die Männchen eine lebhaftere Färbung (Hochzeitskleid) und eigenthümliche Hautvvucherungen , die sie vor den Weibchen kenntlich machen. Die männlichen Individuen der meisten Karpfenarten bedecken sich mit einem merkwürdigen Hautausschlag, der aus warzenförmigen Wucherungen der Epidermis besteht und Veranlassung zu besondern Bezeichnungen gegeben hat; die Männchen der Salmoniden er- halten auf dem Hinterrücken und wohl auch auf der Unterseite des Schwanzes eine förmliche Hautschwarte , durch welche die Schuppenbildung mehr oder minder unkenntlich wird. Auch die Weibchen {Corcgonus) können zur Laich- zeit eigenthümliche Auszeichnungen darbieten, wie z. B. die weiblichen Bitter- linge {Rhodeus amarus) zu dieser Zeit (Leydig) eine lange Legeröhre (zum Ablegen der Eier in die Kiemenfächer von Anodonta) besitzen, die nachher zu einer kurzen Papille einschrumpft. Wichtiger noch sind die Veränderungen in Aufenthalt und Lebensweise. Beise Geschlechter sammeln sich in grössern Schaaren , verlassen die Tiefe der Gewässer und suchen seichte Brutplätze in der Nähe der Flussufer oder am Meeresstrande auf (Häringe); einige unter- nehmen ausgedehntere Wanderungen, durchstreifen in grossen Zügen weite Strecken an den Küsten des Meeres (T/iwißsche) oder steigen aus dem Meere in die Flussmündungen ein und ziehen mit Ueberwindung grosser Hindernisse (Salmsprünge) stromaufwärts bis in die kleinern Nebenflüsse (ZacAse, Mdi fische, Störe etc.), wo sie an geschützten und nahrungsreichen Orten ihre Eier ablegen. Umgekehrt wandern die Aale zur Fortpflanzungszeit aus den Flüssen in das Meer, aus welchen im nächsten Frühjahr die Aalbrut zu Milliarden in die Mün- dungen der süssen Gewässer eintritt und stromaufwärts zieht. Die Art und Weise , wie sich beide Geschlechter zur Befruchtung der Eier begegnen , ist keineswegs überall dieselbe. Im Allgemeinen gilt der Ausfall einer wahren Begattung und die Befruchtung des abgesetzten Laiches als Regel. Die Männchen ergiessen ihren Samen über die austretenden oder auch schon abgelegten Eier nicht selten unter Verhältnissen , welche die vorausgehende Einwirkung eines gegenseitigen Geschlechtsreizes unzweifelhaft erscheinen lassen. Bei einigen Knochenfischen hat man nämlich beobachtet, dass beide Geschlechter zur Brunstzeit die Bauchseiten gegeneinanderkehren und ihre Geschlechtsöffnungen reiben, bis die Zeugungsstoffe gleichzeitig austreten und mit einander in Contact gelangen. Die Thatsache der äussern Befruchtung des Fischeies hat zu der Möghchkeit der künstlichen Befruchtung geführt und zu dem wichtigen an vielen Orten mit grossem Erfolge geübten Erwerbszweige der Piscicultur Veranlassung gegeben. Indessen findet bei den lebendig gebärenden Fischen, sowie bei den Rochen, Chimaeren und Hundshaien, welche sehr grosse von einer hornigen Schale umschlossene Eier legen, eine wahre Begattung und innere Befruchtung des Eies statt. Besondere Thätigkeiten der Brutpflege werden fast stets ver- misst. Die meisten Fische begnügen sich damit, ihren Laich an seichten, 176 Fische. Brutpflege. Nestbau. Enibryoualeiitwickluug. geschützten und pflanzenreichen Orten, meist in der Nähe des Ufers abzusetzen, einige wählen Gruben und Höhhmgen aus , ohne sich weiter um das Schicksal der Eier zu kümmern. Nur in wenigen Ausnahmsfällen zeigen merkwürdiger Weise die Männchen einiger Arten eine selbst mit Kunsttrieben verbundene Brutpfl(>ge. Vor allen sind die Männchen der Büschelkienier {Sy»gna(hus, Hi/Jitoc(i)n/)iis) zu erwähnen, welche die abgelegten Eier in einer Art Bruttasche aufnehmen und bis zum Ausschlüpfen der Embryonen mit sich herumtragen. Ein anderes Beispiel bieten die in Bächen lebenden Groppen oder Kaulköpfe {Cüttiis (/i'blo), deren Männchen während der Laichzeit Löcher zwischen Steinen aufsuciiL'U, den hier abgesetzten Laich aufgenommener Weibchen wochenlang beschützen und muthig vertheidigen. Auch die Männchen der schwarzen See- grundel {Gobiiis niycr) bauen nach Moebius ein Nest und bewachen in demselben die Brut. Am merkwürdigsten aber ist das Fortpflanzungsgeschäft des männlichen Slichlings {Gusterosteus), welcher nach den Mittheilungen hervorragender Beobachter (Goste, v. Siebold) in dem sandigen Grunde der Gewässer aus Wurzelfasern und Blättern ein Nest baut und nicht nur die in demselben abgesetzten Eier am Eingang bewacht, sondern später auch die ausgeschlüpften unbehülflichen Jungen eine Zeit lang zurück- hält, hl einzelnen Fällen wie bei der Ghromidengattung Geophagus und den Siluroideengattungen Bug ms und Arius .soll das Männchen die Eier in einem taschenförmigen Anhang der Mundhöhle tragen. Als eigenthümliche Erschei- nung verdient das Vorkommen von sterilen in ihrer äusseren Erscheinung ab- w^eichend gestalteten hidividuen {Gyprinoiden, Salmoniden), .sowie das Auftreten von Bastarden (z. B. die liyhriden Karpfen, Karauschen) hervorgehoben zu werden. Die Scfiwebforelle {Sabno Schiefer mülleri) ist die sterile Form der Grundforelle [Fario Marsilii). Die Emhryo)iaJentwiclilany ') der Fische unterscheidet sich von der Ent- wicklung der höliern Wirbelthiere hauptsächlich dadurch, dass die Bildung von Amnion und Allantois unterbleibt. Sowohl die kleinern mit Mikropyle ver- sehenen Eier der Knochenfische als die grossen oft von einer harten Hornschale umhüllten Eier der Plagiostomen enthalten eine reiche Menge Nahrungsdotter und durchlaufen eine discoidale Furchung. Bei den Knochenfischen ist der Bildungsdotter eine flache der Mikropyle zugewendete Protoplasmascheibe^ welche dem von einer zähern Bindenschicht umgebenen flüssigen Nahrungs- dotter aufliegt. Nur die Eier von Amphioxus und der Cyclostomen durchlaufen eine totale Dotterfurchung. Von dem bei Beginn der Furchung auftretenden Keimhügel aus erhebt sich, den Dotter allmählig überwachsend , die Keimhaut mit dem Primitivstreifen und der Rückenfurche des Embryo's. Während sich 1) C. E. V. Baer, Untersuchungen über die Entwicklungsgeschichte der Fische. C. Vogt, Embryologie des Salmones. Neufchatel. 1852. Lereboullet, Recherches d'embryologie couiparee sur le developpeinent du Broche, de la Perche et de l'Ecrevisse. 1862. Oellacher, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Knochenfische. Zeitschr. für wissensch. Zoologie. Tom. XII. 1872, sowie Tom. XIII. 1873. Balfour, On the deve- lopment of the elasmobranch Fishes. Quat. Journ. of niicrosc. science. L5hdon. 1874. W. His, 1. c. Derselbe, Untersuchungen über die Bildung des Knochenfisclienibryo (Salmen). Archiv für Anatomie und Entwicklungsgeschichte. Tom. II. 1878. Ernährung. Lebensweise. 177 die letztere durch Verwachsung ihrer beiden Seitenwülste zu einer Röhre (Anlage des Medullarrohres) schliesst, tritt unterhalb dieses vorn erweiterten und noch geöffneten Rohres die Chorda clorsalis auf. Die Enibryonalanlage hebt sich nun während ihrer allmähligen Differenzirung mehr und mehr vom Dotter ab, welcher als Dottersack meist in ganzer Breite der Bauch- wand aufsitzt. Seltener steht derselbe durch einen kurzen Stil {Blenmus vivi- parus, Cottus (johio, Synguathus), häufiger durch einen langen Strang (alle Flu'/iostomm) mit dem Darm in Verbindung, im letztern Falle kann sogar der Dottersack (Carcharlas , Mustelns laevis) Zöttchen auf seiner Oberfläche ent- wickeln, welche in entsprechende Vertiefungen der Uteruswand eingreifen und eine wahre Dottersackplacenta zur Ernährung desFoetus darstellen. Auch ist den Embryonen der Rochen und Haie der Besitz von provisorischen äussern Kiemen- fäden eigenthümlich, die in den äussern Kiemenanhängen der Batrachierlarven ihre Homologa haben , indessen schon lange vor der Geburt verloren gehen. Im Allgemeinen verlassen die jungen Fische ziemlich frühzeitig die Eihüllen, mit mehr oder minder deutlichen Resten des bereits vollständig in die Leibes- wandung aufgenommenen aber bruchsackartig vortretenden Dottersackes, Obwohl die Körperform der ausgeschlüpften Jungen von der des ausgebildeten Fisches wesentlich abweicht, fehlt doch eine Wletamorphose mit Ausnahme einiger Knochenfische , der Gyclostomen [Petronnjson] und Leptocardier. Bei weitem die meisten Fische leben von thierischer Nahrung, theils wie die Haie und grössern Teleostier von andern Fischen , theils von kleinen See- und Wasserthieren , insbesondere von Krebsen und Mollusken. Einige nähren sich indessen auch omnivor und andere wie manche Karpfen fast aus- schliesslich von Pflanzen. Die Raubfische erjagen meist ihre Beute und ver- schlingen dieselbe ohne vorherige Zerkleinerung. Wenige wie die Rochen zertrümmern mit ihren Mahlzähnen die Schalen von Mollusken und Krebsen, und auch die Pflanzenfresser bedienen sich ihrer untern Schlundzähne zum Kaugeschäfte. Zuweilen finden sich jedoch noch besondere Hülfsorgane und Waffen , die zum Erwerbe der Nahrung und wohl auch zugleich zur Verthei- digung benutzt werden. Zahlreiche Raubfische von weniger andauernder und rascher Schwimmbewegung sind darauf angewiesen, in der Tiefe der Gewässer auf Beute zu lauern; diese tragen nicht selten lange wurmförmige Fäden in der Nähe des Rachens, durch deren Spiel kleinere Fische getäuscht und heran- gelockt werden. Einige ostindische Süsswasserfische mit schnabelartig ver- längerter Schnauze, wie Toxotea, Chelmon bedienen sich dieser letztern, um einen Wasserstrahl auf hisecten zu spritzen und dieselben von Pflanzen ins Wasser zu schiessen. Die electrischen Fische betäuben ihre Beute durch electrische Schläge , benutzen die letztem aber auch als Schutzmittel zur Ver- theidigung. Schutzwaffen haben besonders bei den Meerfischen eine weite Verbreitung und sind durch den Besitz der Stachelflossen oder besonderer grösserer Knochenstacheln am Rücken und Schwänze (Rochen) sowie durch stachelförmige Fortsätze des Kiemendeckelapparates oder durch die Bepanzerung des gesammten Körpers (Igelfisch) gegeben. Der bei weitem grössere Theil der Fische lebt in der See, und zwar nimmt die Zahl der Gattungen und Arten in den wärmeren Meeren beträchtlich zu^ Claus, Zoologie, i. Auflage. Tom. II. 12 178 Fische. Kletternde und fliegende Fische. Fossile Rfste. Eintheiliing. Uebrigens erscheint der Aufenthalt im süssen oder salzigen Wasser keineswegs für alle Fälle ein exclusiver. Einige Gruppen wie die Plagiostomen sind allerdings fast durchweg auf das Meer, andere wie die Familien der Cypri- noiden und Esoeiden auf die süssen Gewässer beschränkt, indessen gibt es auch Fische, welche periodisch namentlich zur Laichzeit in ihrem Aufenthalte wechseln. Einige Fische leben in unterirdischen Gewässern und sind wie die Höhlenbewohner blind {Amhlyopsis spelaeus). Ausserhalb des Wassers sind nur wenige Fische längere Zeit im Stande zu leben, im Allgemeinen sterben die Fische im Trocknen um so rascher ab, je weiter ihre Kiemenspalte ist. Fische mit sehr enger Kiemenspalte wie die Aale besitzen ausserhalb des Wassers eine ungewöhnliche Lebenszähigkeit, jedoch scheint die vielfach geglaubte Angabe, dass die Aale freiwillig das Wasser verlassen, nicht erwiesen. Dagegen hat Hancock für eine Doras-Kvi gezeigt, dass bisweilen grosse Schaaren derselben über den Erdboden hin aus einem Gewässer in das andere wandern. Am längsten aber vermögen, von den Dipnoern abgesehen, einige ostindische Süsswasserfische , deren labyrinthförmig ausgehöhlte obere Schlundknochen ein vielzelliges Wasser-Reservoir darstellen, im Trocknen zu leben. Nach Daldorff und John soll einer dieser Labyrinthfische, Änahas scandens, mittelst der Stacheln des Kiemendeckels an Palmen emporklettern. Gibt es somit Kletterer unter den Fischen, so fehlen andererseits auch fliegende Fische keineswegs. Es ist bekannt, dass viele Fische sich in kleinen Luftsprüngen über die Oberfläche des Wassers erheben, um den Nachstellungen der sie ver- folgenden Raubfische zu entgehen. Einige marine Formen wie Exocoetiis und Dadylopterus vermögen sich mittelst ihrer mächtig entwickelten flügel- artigen Brustflossen wohl auf 20 Fuss hin in der Luft schwebend zu tragen. Wenige Fische leben parasitisch wie Myxine, welche sich an anderen Fischen ansaugt und selbst in den Leibesraum derselben einbohrt; Einige Ophidinen kommen in der Leibeshöhle von Echinodermen vor {Fierasfer in Holothurien). Auch in den Genitalhöhlen von Acalephen werden kleinere Fische als Gomen- salisten angetroffen {TracJmrus). Durch das ausgedehnte Vorkommen fossiler Fischreste in allen geologischen Perioden erhalten die Fische für die Erkenntniss der Entwicklungsgeschichte des Thierlebens auf der Erde eine hohe Bedeutung. \n Palaeozoischen For- mationen bilden höchst absonderliche Fischgestalten wie die der Cephalasindeu {Cephalaspis, Üoccosteus, Fterichthys) die ältesten Repräsentanten der Wirbel- thiere. Von hier an finden sich bis zur Kreide fast ausschliesslich Knorpel- fische und Ganoiden , unter denen Formen mit persistenter Chorda und knorpligem Schädel vorwiegen. Erst im Jura treten Ganoiden mit ausgebil- deterem knöchernen Skelet, runden Schuppen und äusserlich homocerker Schwanzflosse, ebenso auch die ersten Knochenfische auf. Von der Kreide an nehmen die Knochenfische in den jüngeren Formationen an Reichthum und Mannichfaltigkeit der Formen um so mehr zu, je mehr man sich der lebenden Fauna nähert. Aristoteles unterschied zuerst Knorpelfische und Grätenfische. Artedi theilte die letztern in Branchiostegi, Acanthopterygii und Malacopterygii ein, während Linne an Stelle der beiden letztern Gruppen auf Grund der Flossen- 1. Subclasse. Leptocardn. 179 Stellungen die Ordnungen der Äpodes, Jugulares, Thoracica nnA Abdominales aufstellte. Cuvier unterschied die 5 Ordnungen: Chondropferygii, Malacop- ieryfßi, Acanthopterygil, PI ectognathi und Lophohraiichii. L. Agassiz, der den drei ersten Hauptabtheilungen im Grunde nur neue Namen gab (Placoiden, Gycloiden, Ctenoiden) führte dann eine neue Ordnung als Ganoiden oder Schmelzschupper ein , in welcher er nicht nur die beiden letzten Ordnungen Cuvier 's zusammenfasste, sondern auch einen Theil der Chondropterygier und Malacopterygier aufnahm. Joh. Müller verbesserte auf Grund vergleichend anatomischer Forschungen die Classification der Fische wesentlich und löste die Knorpelfische in die Abtheilungen der Leptocardn, Cyclostomi und Selachii auf, die er als Unterclassen unterschied. Als solche betrachtete er ferner die Ganoiden (nach Entfernung der Flectognathen und Lopliohrancliier) , die Teleostei oder Knochenfische — PlectognatJien, Lophohranchier, Malacopterygii, (Physostomi), Anacanfhini, Acanthopteri , Pharyngogiiathi — und die Biimoi. Letztere hat man neuerdings (Gill, Günther u. a.) mit den Ganoiden vereinigen wollen. Trotz zahlreicher neuerer Classificationsversuche ^), die vornehmlich aus der Schwierigkeit , Ganoiden und Teleostier unter Berück- sichtigung der fossilen Formen scharf abzugrenzen, entsprungen sind, erscheint die Grundlage des Müller 'sehen Systems im Wesentlichen befestigt. 1. Subclasse. Leptocardii^) (Aerania), MöhrenJier^en. Von lanz eiförmig er Körper gestalt, ohne paarige Flossen, mit persistenter Chorda tind einfachein MeduUarrohr , mit piulsirenden Gefässstämmen und farblosem Blute. Obwohl nur eine einzige Thiergattung, Amjihioxus, den Inhalt dieser Ab- theilung bildet, so erscheint die Aufstellung derselben doch durch die tiefe Organisationsstufe dieser Thierform gerechtfertigt. Wurde doch die europäische Art von ihrem ersten Beobachter Pallas für eine Nacktschnecke gehalten und als Limax lanceolatus beschrieben, wie denn auch neuerdings wiederum die 1) Vergl. die Schriften von Gill, Lütken, Günther u. a. Letzterer hat neuer- dings auch die Selachier mit den Ganoiden und Dipnoern als Subclasse der Palaeichthyes zusammengezogen. 2) 0. G. Costa, Storia del Branchiostoma lubricum. Frammenti di Anat. comp. Fase. I. 1843. Napoli. J. Müller, Ueber den Bau und die Lebenserscheinungen des Branchiostoma lubricum (Amphioxus lanceolatus). Abhandl. der Berl. Acad. 1842. Kowalevski, Entwicklungsgeschichte von Amphioxus lanceolatus. St. Petei'sburg. 1867. Derselbe, Weitere Studien über die Entwicklungsgeschichte des Amphioxus lanceolatus. Archiv für mikrosk. Anatomie. Tom. XIIL W. Müller, Jenaische Zeitschrift Tom. VI, sodann das Urogenitalsystem des Amphioxus. Ebend. Tom. IX. 1875. Stieda, Studien über den Amphioxus lanceolatus. Mem. de l'Acad. St. Petersbourg. VII. Serie. Tom. XIX. 1873. W.Rolph, Untersuchungen über den Bau des Amphioxus lanceolatus. Morpholog. Jahrbuch. Tom. IL 1876. P. Langerhans, Zur Anatomie des Amphioxus lanceolatus. Archiv für mikrosk. Anatomie. Tom. XII. A. Schneider, Beiträge zur Anatomie u. Entwicklungs- geschichte der Wirbelthiere. 1879. 12* 180 Leptocardier. Allgemeiner Körperbau. verfehlte Ansicht laut werden konnte, dass Amphioxus gar nicht den Vertebralen zugehöre. Der lanzetförmige Leib von Amphioxus erreicht ungefähr die Länge von zwei Zoll, erscheint nach beiden Enden verschmälert und mit einem dorsalen und analen, aber strahlenlosen Flossenkamm besetzt, welcher sich continuirlich in die lanzetförmig erhöhte Schwanzflosse fortsetzt. Der Leib wird in seiner ganzen Länge an Stelle der Wirbelsäule von einem gallertig knorpligen Stabe, der Rückensaite, durchsetzt, welche vorn und hinten verschmälert mit abgerundeter Spitze endet. Oberhalb der eigenthümlich gestalteten, in regelmässige Quer- scheiben (dorsalwärts wie ventral war ts in ein reticuläres Gewebe) differenziiten Chorda verläuft das Rückenmark, ohne in seiner vordem Partie als Gehirn wesentlich umgestaltet zu sein. Auch fehlt in der Umgebung dieses vordem Ab- schnittes eine dem Schädel entsprechende Knorpelkapsel, die durch Fortsetzung der skeletogenen Rückenmarksscheide vertreten wird. Das Rückenmark entsen- det seine Spinalnerven an beiden Seiten nicht symmetrisch, sondern wie zuerst Owsiannikow^) zeigte, auf beiden Seiten insofern ungleich, als die der einen um ein halbes Segment gegen die der andern verschoben sind. Die sensibeln Nerven verlaufen in den Muskelscheidewänden, während die von jenen gelrennt bleibenden ganz kurzen motorischen Nerven sofort nach ihrem Durchtritt durch die Rückenmarksscheide an die Muskeln treten. Nur die beiden vordem als spinalartige Hirnnerven zu deutenden Nervenpaare entspringen symmetrisch und vertheilen sich unter Verzweigungen in der Haut des vordem Körpertheiles. Dazu kommt ein linksseitiger hinter dem ersten Nervenpaare austretender Bulbus Olfactorius, der zur Riechgrube tritt. Betrachten wir die letztere — und zu einer gegentheiligen Deutung liegt kein zwingender Grund vor — als Aequi- valent des Geruchsorgans der Cyclostomen , so würde der vordere mit er- weiterter Höhle versehene Abschnitt des Medullarrohrs nicht nur dem Nach- liirn und Hinterhirn entsprechen, sondern auch in nuce die Elemente zur Entwicklung des Vorderhirns und demgemäss wohl auch des Mittel- und Zwischenhirns enthalten. Ein gesondertes sympathisches Nervensystem fehlt ; seine Elemente dürften noch in den dorsalen Wurzeln der Spinalnerven ein- geschlossen sein. Von Sinnesorganen findet sich ein sog. Augenfleck am Vorder- ende des Nervencentrums in dem Zellbelag der Hirnhöhle eingelagert, welcher mit den paarigen Augen der übrigen Wirbelthiere nicht verglichen werden kann und nicht einmal für Licht empfänglich ist. Die unpaare R.iechgrube liegt stets linksseitig. Gehörblasen fehlen. Die quergestreifte Rumpfmuskulatur ist aus fibrillären Platten gebildet und in Metameren geordnet. Man hat diese als Myocommata oder Myomeren bezeichnet. Nach A. Schneider sind stets 62 solche durch Ligamente getrennte Abschnitte vorhanden, und soll der ab- dominale Porus am 34., der After am 5L Ligament liegen. Die Mundöffnung liegt bauchständig nicht weit vom vordem Körperpole entfernt. Dieselbe ist eine längliche von einem hufeisenförmigen und geglie- 1) Owsiannikow, Ueber das Centralnervensystem des Ampbioxus. Memoires de l'Acad. St. Petersbourg. Tom. XIT. 1868. Balfoiir, On tlie spinal nerves of Amphioxus. Journal of anatomy and phjsiology. vol. X. 1876. Respiration. Gefässsystem. 181 derten, wirapernde Girren tragenden Knorpel gestützte Spalte, noch durchaus ohne Kiefer. Die Mundhöhle führt in einen sehr langen, geräumigen Schlund- sack, welcher zugleich Athemhöhle ist und die Respiration besorgt. Am Ein- gang desselben liegen zwei Schlundsegel und jederseits drei fingerförmige vor- springende Wimperwülste. Die Innenfläche dieses dem Kiemensacke der Ascidien vergleichbaren Schlund- und Athemraumes ist mit lebhaft schwin- genden Wimpern besetzt, welche die Einfuhr von Wasser und Nahrungsstoffen vermitteln, während die Wandung seitlich durch zahlreiche schräg verlaufende Kiemenstäbchen gestützt wird, an welchen Blutgefässe verlaufen. Zwischen denselben bleiben Spaltöffnungen frei zum Abfliessen des Wassers in einen oberflächlichen, erst secundär durch Ueberwachsung einer Hautduplicatur erzeugten, durch den Porus abdominalis ausmündenden Raum. Dieser ent- spricht, wie zuerst Kowalevski nachwies, der unterhalb des Kiemendeckels ausgebreiteten Kiemenhöhlo der Teleostier und der Porus deren äusserer Spalte. Vom Porus abdominalis erstrecken sich bis zum Mund zwei seitliche eine Rinne bildende Hautfalten, welche je einen Ganalartigen Lymphraum enthalten. An der Ventralseite des Kiemensackes verläuft durch hervorragende Schleim- hautfalten begrenzt und von zwei Längsleisten gestützt eine Flimmerrinne ganz ähnlich wie die Hypobranchialrinne am Kiemensacke der Ascidien. hidessen finden sich vornehmlich im mittlem Abschnitte des Kiemensackes noch eigen- thümliche, wahrscheinlich den Geschmacksbechern der Fisclie entsprechende, Sinnesorgane vertheilt. Am hintern Ende, im Grunde dieses Schlund- oder Kiemensackes beginnt das Darmrohr, welches sich in gerader Richtung bis zum Schwänze fortsetzt und durch einen etwas seitlich gelegenen After ausmündet. Dasselbe sondert sich in zwei Abschnitte, von denen der vordere einen Blindsack bildet. Dieser als Leber betrachtete Blindsack verläuft an einer Körperseite und reicht in der Region der Peribranchialhöhle weit nach vorn. Das Gefässsystem entbehrt eines Herzens , an dessen Stelle die grössern Hauptgefässstämme pulsiren. Die Anordnung der Gefässe gestattet einen Vergleich mit dem Gefässapparat von Wirbellosen (Gliederwürmern) und ent- spricht zugleich m einfachster Form dem Typus der Vertebräten. Nach Joh. Müller entsendet ein unterhalb des Athemsackes verlaufender Längsstamm, die Kiemenarterie , zahlreiche an ihrem Ursprünge contractile Gefässe zu der Kiemenwand. Das vorderste Paar der letzteren bildet einen hinter dem Munde gelegenen contractilen Gefässbogen, dessen Hälften sich unterhalb der Chorda zum Anfang der auch die nachfolgenden Arterien aufnehmenden Aorta ver- einigen. Das venöse aus den Organen zurückfliessende Blut tritt in ein ober- halb des Leberblindsacks gelegenes Gefäss ein, welches zu dem subbranchialen Längsstamm wird. Das aus dem Darmkanal strömende Blut sammelt sich in einem Gefäss, das sich an dem Leberblindsack in feine Verzweigungen auflöst. Ein zweites contractiles Blutgefäss (Hohlvene) nimmt das Blut aus jenen Ver- zweigungen wieder auf und führt es dem subbranchialen Längsstamm zu. Neuerdings hat A. Schneider die Kenntniss vom Gefässsystem des Amphioxus wesentlich gefördert, indem er ein reich ausgebreitetes System von Lymphgefässen und Lymphräumen nachwies, welche in jenes einmünden. 182 Leptocardier. GescWeclitsorgane. Harnorgaiie. Embryonalentwicklung. Die letztem finden sich unterhalb der Peritonealbekleidung , sind in gallertige Bindesubstanz eingebettet und von einem Endothel ausgekleidet. Das Venen- blut strömt nach Schneider in die grossen Lymph räume ein und durch diese in das Lymphherz zurück, welches in die Kiemenarterie einmünden soll. Die Geschlechtsorgane reduciren sich in beiden Geschlechtern auf sehr ähnlich gestaltete in regelmässigen Anschwellungen aufgetriebenen Hoden und Ovarien, welche in der verlängerten Leibeshöhle rechts und links in ganzer Länge derPeribranchialhöhle über diese hin sich erstrecken. Amphioxus kann bei sehr verschiedener Grösse geschlechtsreif sein. Die Geschlechtsprodukte sollen in die Kiemenhöhle gelangen und durch den Porus entleert werden {Quatre- fages), was nur nach vorausgegangener Dehiscenz des umgebenden ectoder- malen Kiemenhöhlenepitels, sowie der peritonealen Zellenlage möglich erscheint. Nach Kowalevski werden die Geschlechtsprodukte durch den Mund aus- geworfen, vielleicht durch die ventrale Rinne vom Porus aus oralwärts geleitet. Als Nieren hat man neuerdings eigenthümliche Einfaltungen gedeutet, welche das in Längswülsten vorspringende Kiemenhöhlenepitel eine kurze Strecke vor der Einmündung des Leberschlauches auf der Unterseite der Ge- schlechtsorgane bildet. Die dem Harn entsprechenden Absonderungsprodukte würden dann aus den Spalten der Drüsenrinnen in die Kiemenhöhle gelangen. Wahrscheinlich ist diese Deutung jedoch eine unrichtige. Ebenso wenig ist die Natur der von Joh. Müller beschriebenen Körperchen als Harnorgane bewiesen. Nach Kowalevski erfährt der Dotter der ausgeworfenen Eier eine totale Furchung. Die Furchungszellen gruppiren sich in der Peripherie einer Furchungshöhle als Wand einer Hohlkugel. An der einen Seite verflacht sich die Wandung und beginnt eine Einstülpung, die immer tiefer greift, so dass die Furchungshöhle von den zwei an einander gedrängten Zellenblättern der Wandung mehr und mehr verdrängt wird. Der so gebildete fast halbkuglige Embryo besteht somit aus zwei Keimblättern (dem äussern und innern Blatte) und einem mit weiter Oeffnung beginnenden Gentralraum , der Anlage der primären Darmhöhle. Indem sich die Gastrula-Oelfnung immer mehr ver- engert, erhält die Halbkugel allmählig die Form einer etwas in die Länge gestreckten Hohlkugel , deren Oberfläche Flimmercilien erhält. Nun beginnt der Embryo in der Eihaut zu rotiren, durchbricht dieselbe und schwimmt frei im Wasser umher. Die in das Larvenleben fallenden Veränderungen werden durch eine bedeutende Verlängerung des Leibes eingeleitet, der eine Abflachung der Rückenseite parallel geht. Nachdem die Gastrulaöffnung auf das hintere Ende dieser Seite emporgerückt ist , erheben sich die Ränder der Rückenplatte zur Bildung der Rückenfurche, in deren Hinterende jene Oeff- nung zu liegen kommt. Die Schliessung der Rückenfurche beginnt im Umkreis des Gastrulanmndes durch Verwachsen der Ränder und schreitet dann allmählig nach vorn vor. Es entsteht auf diese Weise wie bei den Ascidien die Anlage des Nervenrohres. Das primitive Darmrohr und das darüber liegende Nervenrohr gehen somit anfangs am Hinterende un- mittelbar in einander über. Erst später mit der Bildung der Schwanzflosse 2. Subclasse. Cyclostomi. 183 und des Afters kommt es zu einer Sonderung beider Röhren. Die sich in- zwischen bildende Chorda dorsalis stammt ebenso wie die Urwirbelplättchen aus dem Entodermsack, an deren Dorsalseite durch doppelte Einfaltung ähnlich wie bei Sagitta und den Brachiopoden ausser einem Mitteltheil zwei seitliche Abschnitte zur Sonderung gelangen. Der erstere liefert die Chorda , die seit- lichen Abschnitte das Material der Urwirbelplättchen. Die weitere Entwick- lung ist durch auffallende Asymmetrie (für Mund, vordere Kiemenspalte, After, Riechorgan, Auge), sowie eine eigenthümliche Metamorphose des anfangs frei liegenden Kiemenapparates bezeichnet, der nachher durch eine Hautduplicatur überwuchert wird. Die einzige Gattung der Leptocardier ist Amphioxus Yarrel {Branchiostoma Costa) mit einer einzigen an sandigen Küstenstellen der Nordsee, des Mittelmeeres und Süd- amerika 's verbreiteten Art A. lanceolatus Yarrel, Lanzetfisch. Die als A. Belcheri Gray. Ind. Meer, A. elongatus Sundev. beschriebenen Formen gehören wahrscheinlich zu der- selben Art. 2. Subclasse. Cyclostomi^) (Marsipohranchi)^ Rundniäuler, Wurmförmige Fische ohne Brust- und Bauchflossen , mit hnorpligem Skelet und persistirender Chorda , mit oder 7 Paaren von heutelförmigen Kiemen, mit unpaarer Nase und mit kreisförmigem hief erlosen Saugmund. Der Körper dieser Knorpelfische hat eine runde cylindrische Gestalt, besitzt eine glatte schuppenlose, zuweilen lebhaft gefärbte von Porenreihen durchsetzte Haut. Die Epidermis besteht aus einem geschichteten Epitel mit Porensaum der oberflächlichen Zellenlage. In demselben finden sich eigenthümliche keulenförmige '^l Drüsenzellen, welche zwei Kerne enthalten, unter stilförmiger Verlängerung ihres untern Endes emporrücken und schliesslich ausgestossen werden sollen. Ausserdem liegen in der Epidermis granulirte Zellen und besonders reich am Kopf Sinneszellen zerstreut, welche stilförmig ausgezogen sind und als Geschmackszellen gedeutet werden (ohne von Stützzellen umgeben in Knospen zu liegen). Paarige Flossen fehlen vollständig , dagegen kann das System der unpaaren , verticalen Flossen über 1) H. Rathke, Bemerkungen über den innern Bau der Pricke. Danzig. 1826, so- wie über den Bau des Querders. Halle. 1827. Joh. Müller, Vergleichende Anatomie der Myxinoiden. Berlin. 1835 — 43. Aug. Müller, Vorläufiger Bericht über die Ent- wicklung der Neunaugen. MüUer's Archiv. 1856. Max Schnitze, Die Entwicklungs- geschichte von Petromyzon Planeri. Haarlem. 1856. P. Langerhans, Untersuchungen über Petromyzon Planeri. Freiburg. 1873. W. Müller, lieber das Urogenitalsystem des Amphioxus und der Cyclostomen. Jen. Zeitschr. für Naturw. Tom. IX. 1875. Paul Fürbringer, Untersuchungen zur vergl. Anatomie der Muskulatur des Kopfskelets der Cyclostomen. Ebendas. 1875. Th. Huxley, On the Classification of the animal Kingdom. Quaterl. Journ. of anatomie and physiologie. Tom. XV. 1876. 2) Vergl. ausser Kölliker u. A.: A. Pöttinger, Recherches sur la structure de l'epiderme des cyclostomes etc. Bull. Acad. Roy. belg. Bruxelles. 2 Ser. Tom. 61. 1876. 184 Cyclostoraen. Skelet. Gehirn. die ganze Rücken- und Schwanzlänge entwickelt und durch knorplige Strahlen gestützt sein. Das Skelet erscheint erst in seiner wesentlichen Grundlage vorgezeichnet und auf eine knorplige Anlage der Wirbelsäule und des Schädels beschränkt. Als Anlage des Achsenskelets tritt eine persistente Rückensaite auf, deren äussere Scheide bereits durch knorplige Einlagerungen eine Gliederung erleidet, indem wenigstens bei den Petromyzonten an der obern das Rückenmark umgebenden Röhre in dem skeletbildenden Gewebe paarige Knorpelleisten als Rudimente der obern Wirbelbogen auftreten. Auch die Anlagen der untern Wirbelbogen finden sich als zwei seitliche vom untern Theile der Ghordascheide absteigende Längsstreifen, welche in der Schwanzgegend einen Canal zur Aufnahme der Arteria und Vena caudalis herstellen. Am vordem Theile der Chorda ist es bereits zur Bildung einer das Gehirn umschliessenden Schädelkapsel gekommen, indem hier die äussere Scheide (skeletbildende Gewebe) zu einer knochenharten Schädelbasis erstarrt, deren aufsteigende Fortsätze sich mehr oder minder vollständig»' zu einem knorpligen Schädelgewölbe schliessen. Nach A. Schneider') sollen vier obere Bögen die Schädelkapsel zusammen- setzen , wie aus den an die Seitenwände sich ansetzenden Muskelligamenten geschlossen wird , indessen ist es wahrscheinlich , dass eine grössere Zahl von oberen Bogen anzunehmen ist. In den jüngsten Ammocoetes-stadien fallen (Wiedersheim) 8 bis 9 Myomeren auf die Scbädelwand (vom Nasensack bis zur hintersten Hypoglossuswurzel) und nach der Zahl der spinalartigen Hirn- nerven zu schliessen , würden auf den Ammocoeteskopf 1 1 Segmente oder Neuromeren kommen. Seitlich fügt sich der Schädelbasis rechts und links eine Knorpelblase an , welche das Gehörorgan umgibt , an der vordem Fläche dagegen folgt eine häutige oder knorplige Nasenkapsel. An Stelle des Visceral- skeletes finden sich knorplige den Gaumen und Schlund umgebende Leisten, verschiedene Lippenknorpel und ein complicirteres Gerüst von Knorpelstäben, welche in der Umgebung der Kiemensäcke den sog. Brustkorb bilden und zum Theil an der Wirbelsäule sich anheften. Die Rundmäuler besitzen bereits ein kleines noch wenig differenzirtes Gehirn mit den Hauptsinnesnerven und einer reducirten Zahl selbständig ent- springender Hirnnerven. Wie aus den Untersuchungen von Wiedersheim ^J hervorgeht, stellt das Nachhirn {Medulla ohlonfjata) bei Ammocoetes im Ver- gleich zu den Theilen des Mittelhirns und Vorderhirns den überwiegenden Hirntheil vor. Vorder- und Mittelhim dürften erst (vergl. Amphioxus) im Zu- sammenhang mit den Hauptsinnesorganen alssecundär erworben zu betrachten sein. Die Lohi olfactorii überwiegen im Vergleich zu den Hemisphären an Umfang beträchtlich. Die Region des dritten Ventrikels ist von dem Mittelhirn ziemlich abgegrenzt. Der Hypoglossus (von Schneider mit Unrecht als die motorische Wurzel des Vagus betrachtet) , lässt sich ebenso wie der Vagus in dorsale und 1) A. Schneider, Beiträge zur vergl. Anatomie und Entwicklungsgeschichte der Wirbelthiere. Berlin. 1879. 2) R. Wiedersheim, Morphologische Studien. 1. Das Gehirn von Ammocoetes etc. Jena. 1880. Augen Geruchs- und Geschmacksorgan. 185 ebensoviel ventrale Wurzeln auflösen. Fasst man dann den Acusticus Facialis, den Trigeminus mit den 3 Nerven der Augenmuskeln als sensible und motorische Wurzeln von spinalartigen Hirnnerven zusammen , so würde man zahlreiche spinalartige Nervenpaare am Nacbhirn erhalten (11 Paare, wenn man mit Wiedersheim den Oculomotorius und Trochlearis als besondere Nerven trennt und dem Vagus wie Hypoglossus je 4 Wurzeln zuschreibt. Die ven- tralen Aeste des Vagus vereinigen sich zu einem Strang, welcher Kiemen- muskeln und Herz versorgt und in ganzer Länge Ganglienzellen eingebettet enthält. Die seitlichen Theile der Spinahierven treten bei Fetromyzon mit den motorischen nicht zusammen. Die gleichnamigen Wurzeln entspringen rechts und links symmetrisch , aber mit den ungleichnamigen um die halbe Länge des Abstands benachbarter Ursprünge alternirend '). Stets sind zwei Augen vorhanden, doch können dieselben unter der Haut verborgen bleiben. Das Auge von Myxine entbehrt der Muskeln, der h-is und Linse, während ein Glaskörper vorhanden ist. Das Geruchsorgan ist ein un- paarer Sack und beginnt mit einer medianen Oeffnung zwischen den Augen. Bei den Myxinoiden besitzt das Nasenrohr auch eine hintere Oeff- nung , welche den Gaumen durchbohrt und durch eine Klappenvorrichtung geschlossen werden kann. Diese auch bei den Dipnoern wiederkehrende Gommunikation der Nasen- und Mundhöhle dient hier zur Einführung des Wassers in die Kiemensäcke, da die Mundöffnung beim Festsaugen für den Durchgang des Wassers verschlossen bleibt. Das Gehörorgan liegt zu den Seiten des Schädels in einer Knorpelkapsel und reducirt sich auf ein einfaches häutiges Labyrinth , welches das Vestibulum und ein oder zwei Bogengänge enthält. Die von fleischigen Lippen und oft von Bartfäden umgebene Mundöffnung ist kreisförmig, wenngleich sich die Lippen zu einer medianen Längsspalte zu- sammenlegen können. Dieselbe führt in eine trichterförmig verengte Mund- höhle , welche der Kiefer vollständig entbehrt , indessen sowohl am weichen Gaumen als am Boden mit verschiedenen Hornzähnen bewaffnet ist. Bei Ammocoetes findet sich vorn in der Mundhöhle ein Tentakelkranz, dahinter in dem als Rachenhöhle unterschiedenen Abschnitt eine zweitheilige muskulöse Schleimhautfalte, das Mundsegel. Im Grunde der Mundhöhle liegt die bei Ammocoetes noch fehlende Zunge, die ihre Function als Geschmacksorgan ein- büsst, dagegen durch stempelartige Bewegungen zum Festsaugen dient. Der aus der Mundhöhle hervorgehende Schlund communicirt entweder direkt oder durch einen gemeinsamen mittleren Gang mit den Kiemenräumen {Petro- myzon). Am Boden des Schlundes verläuft Avährend des Larvenzustandes {Ammococtes{ovm) eine mediane winipernde Rinne, die Hypobranchialrinne, welche später im Zusammenhang mit der mächtigen Entwicklung der Zungen- muskeln zugleich mit dem Gaumensegel rückgebildet wird. Ein kleiner Theil aber persislirt und entwickelt sich zur Schilddrüse {Thyreoidea)^ welche sich l) Vergl. ausser Joh. Müller 1. c. : S. Freud, Ueber den Ursprung der hintern Nervenwurzeln im Rückenmark von Ammocoetes etc., sowie über Spinalganglien und Rückenmark von Petromyzon. Sitzungsber. der K. Acad. Wien. 1877 und 1878. 186 Cyclostomen, Kiemen. Herz. Harnorgane. bei Petromyzon unterhalb der langen Zungenmuskeln vom zweiten bis vierten Kiemensack erstreckt und aus zahlreichen geschlossenen braungelb tingirte n Follikeln besteht. Der Darmkanal verläuft in gerader Richtung zum After und grenzt sich durch eine engere klappenartig vorspringende Stelle in Magen und Darm ab. Eine Leber ist überall wohl entwickelt. Merkwürdigerweise geht der Magen der Anunococtesform während der Umwandlung in Petromyzon zu Grunde, während sich der Schlund mit den Kiemenbeuteln sackförmig schliesst, und sich vom Darm aus eine neue in die Rachenhöhle einmündende Oesophagealröhre entwickelt. Der Darm enthält eine schwach spiralige Leiste, welche nur dem als Enddarm zu unterscheidenden Terminalstück fehlt. Die Kiemen liegen zu den Seiten des Schlundes in 6 oder 7 Paaren von Kiemen- beuteln festgewachsen. Diese öffnen sich durch äussere Kiemengänge in eben so viel getrennten Athemlöchern nach ausen. Bei Myxine hingegen ist jeder- seits nahe am Bauche nur eine Oeffnung vorhanden , zu welcher sich die aussein Kiemengänge vereinigen. Nach innen communiciren die Säcke mit dem Schlund , aber von Ammocoetes abgesehen niemals direct durch einfache Oeffnungen, sondern entweder durch innere Kiemengänge {Myxine) oder wie bei Fetromyzon durch einen gemeinsamen unter der neugebildeten Speiseröhre verlaufenden Gang, in welchen die Kiemenbeutel eintreten. Derselbe ist der frühere Schlund der Ammocoetesform. Diese Gestaltung der Kiemen im Verein mit der Muskelumkleidung (Constrictoren) des Knorpelgerüstes der Säcke, durch welche diese verengert werden können , bedingt die eigenthümliche Zu- leitung und Abführung des Wasserstromes. Das Wasser strömt von aussen durch die äussern Kiemenöffnungen oder bei Myxine durch den Nasengang ein und fliesst, wenn die Constrictoren wirken, entweder — und dies scheint das normale Verhalten zu sein — auf demselben Wege ab {Petromyzon) oder in den Oesophagus und aus diesem durch einen besondern unpaaren Kanal der linken Seite nach aussen. Das Hers liegt unler und hinter dem Kiemenkorb. Auch einzelne Gefäss- stämme können pulsiren, so wenigstens bei Myxine die Pfortader. Der Aorten- bulbus entbehrt des Muskelbelages und enthält nur zwei Klappen. Eine Schwimmhlase fehlt. Harn- und Geschlechtsorgane zeigen einen verhältnissmässig einfachen Bau. Die Nieren scheinen bei Myxine in ihre Elemente aufgelöst, indem die Harnkanälchen mit ihren Malpighischen Körperchen isolirt bleiben und je in einem Segmente in die als Harnleiter fungirenden Urnierengänge eintreten, welche bei Myxine mit dem Porus genitalis ausmünden. Bei Petromyzon treten dieselben rechts und links in den Darm. Am obern Ende der lang- gestreckten Ureteren liegen in der Herzgegend die von Job. Müller als Nebennieren bezeichneten Körper. In der That aber gehören dieselben zur Niere und repräsentiren als Vorniere deren zuerst entstandenen vordersten Abschnitt. Der schmale von ihnen ausgehende Gang, das Vorderende des Urnierengangs , führt in eine mit geschichteten Concrementen versehene Er- weiterung; erst dann folgen die einmündenden Harncanälchen der Urniere. Die Ganälchen der Vorniere bestehen (bei Myxine) aus wenigen tubulösen Drüsen- gängen, welche frei mit trichterförmiger Oeffnung im Pericardialraum beginnen. Geschlechtsorgane. Eitwicklung. 187 Die gleiche Vorniere findet sich bei den Petromyzonlarven , die Canälchen derselben beginnen mit Wimpertrichtern am Peritonäum und münden in das obere Ende des Urnierengangs aus. Jede der beiden Vornieren enthält nur einen einzigen Glomerulus und ist schon zu einer Zeit vorhanden, in welcher die Harncanälchen der Urniere noch gänzlich fehlen. Nach Entwicklung der Urniere erfährt die Vorniere eine Rückbildung, während später die Urniere von Petromyzon durch Auftreten eines neuen hintern Abschnitts an Umfang bedeutend zunimmt. Kurz vor der Verwandlung in Petromyzon rücken die Urnierengänge zur Bildung eines gemeinsamen Ganais zusammen, der zuge- hörige Theil des Enddarms schnürt sich als Sinus urogenitalis ab und gewinnt eine besondere Mündung. Die Geschlechtsdrüsen sind in beiden Geschlechtern unpaar, liegen bei Myxine rechtsseitig, bei Petromyzon in der Mittellinie und entbehren stets der Ausführungsgänge. Eier und Samenfäden gelangen zur Brunstzeit durch Dehiscenz der Drüsenwand in den Leibesraum und von da durch den hinter dem After befindlichen Forus genitalis in das Wasser. Die Befruchtung des Eies, neuerdings bei Petromyzon besonders von Calberla verfolgt, geschieht durch ein einziges Zoosperm , welches durch einen kleinen Micropylen-Ganal der dicken von Poren durchsetzten Eihaut eintritt und in einem eigenthüm- lichen Protoplasmastreifen (Leitband) in den Dotter geleitet wird. Die Dotter- furchung ist eine inaequale und verläuft ähnlich wie am Ei der Batrachier. Die kleinern Dotterkugeln, Theilprodukte der obern Eihälfte, furchen sich rascher und beginnen die grössern zu umwachsen. Die Dotterhöhle oder primäre Keimhöhle gehört fast ganz der obern Hälfte an. Nach völliger Ueber- wachsung bleibt eine kleine Grube (der Rusconische After), welche in die von grossen Furchungszellen bekleidete Höhle führt. Ein bedeutender Theil der grossen Furchungskugeln wird später als Nahrungsmaterial verbraucht. Während die primäre Keimhöhle durch Anlegung des grosszelhgen Entoderms an das (aus den oberflächlichen kleinen Furchungszellen entstandene) Ecto- derm zum Verschwinden gebracht wird, bildet sich vom Rusconischen After aus ein Spaltraum zur secundären Keimhöhle aus. An dem nunmehr birn- förmig gewordenen Embryo gewinnt auf der etwas abgeflachten Rückenseite, deren Ende durch den Blastoporus (Rusconischer After) bezeichnet wird, die mediane Medullarrinne , welche jenen noch mit umfasst, so dass nach dem Schlüsse derselben zum Medullarrohr, dieses mit der primitiven Darmhöhle communicirt. Wie das primäre Ectoderm frühzeitig in zwei Zellenschichten zerfällt, sondert sich auch die Wand der Rückenrinne und somit des Medullar- rohrs in eine innere das Epitel des Gentralcanals erzeugende Lage und eine äussere die Nervensubstanz liefernde Scliicht gesondert. Das Mesoderm ent- steht nach Galberla als Theil des primären Entoderms und wird schon beim 1) Vergl. ausser M. Schultze 1. c. : Calberla, Der Befruchtungsvorgang am Ei von Petromyzon Planeri. Zeitschr. für wiss. Zool. Tom. XXX. Derselbe, Zur Ent- wicklung des MeduUarrohrs und der Chorda dorsalis der Teleostier iind der Petromy- zonten. Morph. Jahrbuch. Tom. IIl. W. B. Scott, Vorläufige Mittheilung über die Entwicklungsgeschichte der Petromyzon ten. Zool. Anzeiger. 1880. No. 63 und 64. 188 1. Ordnung. Hyperoartia. Auftreten der Rückenfurche ein mehrschichtiges, während die unter demselben liegende secundäre Entodermlage einschichtig bleibt. Die Zellen der medianen Ghordaanlage, welche die Decke der secundären Keimhöhle darstellen, sind Elemente des primären Entoderins , und werden an ihrer der Keimhöhle zu- gewendeten Seite vom secundären Entoderm umwachsen. Die Kiemenbeutel entstehen als Ausstülpungen der Pharyngealwand und zwar treten, was schon Huxley beobachtete, 8 Paare Kiemenspalten auf, von denen das erste wieder obliterirt. Der bleibende After ist eine Neubildung und entspricht nicht, wie M. Schnitze und Galberla glaubten, dem Biastoporus. Die Mundhöhle wird durch Einsenkung von der ektodermalen Fläche aus gebildet. Von den aus dem Mesoderm gebildeten Urwirbeln liegt der vorderste dicht hinter dem Gehörbläschen. Die Petromyzonten durchlaufen eine Metamorphose, die schon vor zwei Jahrhunderten dem Strassburger Fischer L. Baldner bekannt war, aber erst neuerdings von A.Müller wieder entdeckt wurde. Die jungen als Ämniocoetes beschriebenen Larven sind blind und zahnlos, besitzen einen kleinen von einer kufeisenförmigen Oberlippe umsäumten Mund und eine tiefe Seitenrinne, w^elche die kleinen Kiemenöffnungen verbindet. Die Umge- staltung in Petromyzon erfolgt spät, aber verläuft überaus rasch. Die Gyclostomen leben zum Theil im Meere und steigen dann zur Laich- zeit, zuweilen vom Lachs oder Maifisch getragen, in die Flüsse, auf deren Boden sie in Gruben ihre Eier absetzen. Andere sind Flussfische und von geringerer Grösse. Sie hängen sich an Steine, todte und selbst lebende Fischen fest, welche letztere sie auf diesem Wege zu tödten vermögen , nähren sich aber auch von kleinen Wasserthieren (Euglenen, Daphniden). Ihr normaler Aufent- halt ist im schlammigen Sand, in den sie sich einwühlen. Die Gattung Myxine schmarotzt ausschliesslich an andern Fischen, gelangt selbst in deren Leibes- höhle und liefert ein Beispiel eines entoparasitischen Wirbelthieres. 1. Ordnung. Hyperoartia, ISTeainaiigeii. Leih walzenförmig, nach dem Rücken etwas comprimirt, mit wohl aus- gebildeter Rückoiflosse. Nasengang blind geschlossen. Mit 7 äussern Kiemenspalten an jeder Seite des Halses und einem gemein- .samen Kiemengang (Schlundsack), welcher vorn in den Oesophagus mündet. Die Nasenhöhle endet mit einem blind geschlos.senen Sack. Die runde Mund- öffnung entbehrt der Bartfäden, besitzt dagegen fleischige Lippen, die sich zu einer Längsspalte zasammenlegen können. Die trichterförmige Mundhöhle wird durch einen Lippenknorpel gestützt und trägt zwischen zahlreichen kleinen Hornzähnen in der Mitte grössere Zähne, unter denen besonders ein zwei- sjjitziger Oberkieferzahn und eine halbmondförmig gebogene mehrspitzige Unterkiefer-Zahn platte bemerkbar sind. Das Ausathmen und Einathmen des Wassers in die Kiemen geschieht durch die äussern Oeffnungen unter dem Einflüsse lebhafter Bewegungen der Gonstrictoren und des knorpligen Kiemen- gerüstes. Der Rücken des wurmförmigen Leibes trägt 2 Flossen , von denen die hintere unmittelbar an die Schwanzflosse sich anschliesst. Der Darm ist 2. Ordnung. Hyperotreta. 189 mit einer Spiralklappe versehen. Die Neunaugen durchlaufen eine complicirte Metamorphose, welche vornehmlich für das kleine Flussneunauge nülier bekannt geworden ist. Die Jungen dieser Art wurden früher für eine eigne Gattung gehalten und als Amniocoetes hranchialis, Querder, im Systeme aufgenommen. Dieselben sind in dieser Larvenform schmutziggelb gefärbt, blind (mit kleinem unter der Haut versteckten Auge) , zahnlos und mit einer halbkreisförmigen Oberlippe versehen. Die unpaaren Flossensäume erscheinen continuirlich. Die kleinen halbmondförmigen Kiemenlöcher liegen in einer tiefen Längsfurche- Das Skelet zeigt eine weit einfachere Bildung, und es fehlt noch die Urogenital- spalte, hl diesem Zustande lebt die Larve in lehmigem Schlamme, durch- läuft ihre Metamorphose während der Monate August bis Januar und wird endlich geschlechtsreif. Nach überstandener Laichzeit, welche in den April fällt, gehen die Fluss-Neunaugen mit völlig erschöpften Geschlechtswerkzeugen zu Grunde, so dass man in den folgenden Monaten nur Querder findet. Fain. Petromyzontidae, Neunaugen. Fetromyzon Dum. P. marinus h., Lamprete von 2 Fuss Länge , steigt mit den Maifischen in der Laichzeit des Frühjahrs in die Flüsse. P. fjuciatilis L. , Flussneunauge, von 12 — 15 Zoll Länge, bevt^ohnt ebenfalls die Europäischen Meere, steigt weit höher in die Flüsse und deren kleinere Seitenflü.-\' schmal, Zähne an der pigmentlosen Seite viel mehr entwickelt. Augen in der Regel auf der rechten Seite. Die Rückenflosse beginnt über dem Auge. Zähne massig gross in einfacher oder doppelter Reihe. Vomer und Gaumen- bein zahnlos. PI. platessa L., Scholle, Goldbutt. Fl. psetidoflesiis Gottsche, Fl. micro- cephalus Donov. , Fl. limanda L., Kliesche, Fl. cynoglossus L. , Fl. flesus L., Flunder • 1) J. Jap. Sm. Steenstrup, Om Skjaev heden hos Flynderne etc. Kjöbenhavn. 1864. Schiödte, On the development of the position of the eyes in Pleuronectidae. Ann. and Mag. nat. bist. 4 Ser. vol. 1. 1868. A. W. Malm, Bidrag tili kännedom of Pleuronectoidernes utveckling etc. Kongl. Svenska Vetensk. Akad. Handl. Tom. VH. 18G8, 15* 228 5. Ordnung. Acantbopteri. (steigt in die Flüsse), sämnitlich an den nordeur. Küsten. Parophrys Gir., Ehombosolea Gntli. u. a. G. Solea Cuv. Mundspalte weit. Nur an der pigmentlosen Seite Reihen von Hechel- zilhnchen. Augen an der rechten Seite, das obere vor dem untern. Die Rückenflosse begannt an der Schnauze und fliesst nicht mit der Schwanzflosse zusammen, Vomer und Gaumenbein zahnlos. Schuppen sehr klein, ctenoid. S. vulgaris Quens. , Zunge, Nordsee und Adria. S. Kleinii Risso, Mittelmeer u. z. a. A. Bei Aesopia Kp. und Synaptura Kp. fliessen die Flossenkämme zusammen. Plagusia Cuv. Augen an der linken Seite. Brustflossen fehlen. Lippen mit Ten- takeln. Seitenlinie doppelt oder dreifach. PI. marmorata Bleek. , Ostindien. Ammo- pleurops Gnth. Seitenlinie einfach. A. lacteus Bonap. , Mittelmeer und Adria. 4. Farn. Scomberesocidae. Marine Weichflosser mit cycloider Beschuppung und einer Reihe von gekielten Schuppen jederseits am Bauch, ohne Magenblindsack und Pförtneranhänge. Untere Schlundknochen verwachsen. Schwimmblase einfach ohne Luftgang. Mundspalte vom Zwischenkiefer und Oberkiefer begrenzt. Die Rückenflosse steht weit nach hinten der Afterflosse gegenüber. Pseudobranshien drüsig und verdeckt. Häufig verlängern sich die stark bezahnten Kiefer schnabelartig. Die Brustflossen ent- wickeln sich zuweilen zu bedeutender Grösse und werden wie Flügel benutzt, um den Körper weit über die Meeres-Überfläche hin fortzuschnellen. Betone Cuv., Hornhecht. Beide Kiefer zu einer gestreckten Schnauze verlängert, mit einer Reihe langer conischer Zähne. B. acus Rond., Mittelmeer. B. vulgaris Flem., Nordküste Europas. Scomberesox Lac. Unterscheidet sich durch den Besitz von Flösschen hinter Rücken- und Afterflosse. Sc. sauriis Walb., Atl. Küsten Europa's und Afrikas. Hemiramphus Cuv. Nur der Unterkiefer verlängert. Zwischenkiefer kurz, eine trianguläre Platte bildend. H. vittatus Val. , Westküste Afrika's. Aramphus Gnth. Exocoetus Art. Kiefer kurz, mit kleinen Zähnen. Brustflossen sehr lang, zu Flugorganen vergrössert. E. evolans L., E. exiliens L. , Europ. Meere u. z. a. A. 5. Ordnung. Acaiitlioj)teri. Hartstrahler meist von ctenoiden Schuppen heldcidet, mit hrustständiyen, selten hehl- oder bauchsiündigen Bauchflossen, ohne Luftgang an der geschlos- senen Schivimmhlase. 1. Gruppe. Pharyngognathi. Mit verwachsenen unteren Schlundknochen. L Fam. Chromidae {Chromides), Chromiden. Langgestreckte Flussfische mit ctenoiden Schuppen, ohne Pseudobranchien. Rückenflosse mit wohl entwickeltem Stachel- theil. Untere Schlundknochen triangulär, mit medianer Sutur. Bauchflossen brust- ständig, mit 1 Stachel und 5 weichen Strahlen. Magen mit Blindsack. Pförtneranhänge fehlen. 4 Kiemen. Seitenlinie unterbrochen. Chromis Cuv. Kiemendeckel beschuppt. 3 Stacheln in der Afterflosse. Compresse gekerbte Zähne in einer Reihe, dahinter Reihen unausgebildeter Zähne. Ch. niloticiis Hassq., Bulti. üicJila Cuv. Barsch-ähnlich, mit Hechelzähnen in den Kiefern. Rücken- und After- flosse beschuppt, letztere mit 3 Stacheln. C. ocellaris Bl. Sehn. Crenicichla Heck, u. z. a. G. Hier schliessen sich die Gerriäen an, die früher, bevor man ihre Verschmelzung der untern Schlundknochen kannte, zu den Pristip omatiden gestellt wurden. Gerres Cuv. G. longirostris Rapp. , Cap. 2. Fam. Pomacentridae. Chaetodon-ühnliche Seefische von hoher kurzer Körper- forra mit Ctenoidschuppen ohne fleischige Li])pen, mit Pseudobranchien. Die hintere Labridae. Halconoti. Percidae. 229 ßlättchenreihe der vierten Kierae verkümmert. Bezahnung schwach. Eine Rückenflosse. Afterflosse mit 2 oder 3 Stacheln. Bauchflosse brustständig. Seitenlinie unterbrochen, Amphiprion Bl. Sehn. Kiemendeckelstücke und Praeorbitalknochen gezähnelt, Zähne conisch in einfacher Reihe. A. bifasciatus Bl. , Neu-Guinea. Dascyllus Cuv. Nur der Vordeckel und zuweilen die Praeorbitalknochen gezähnelt. Zähne hechultörmig. D. aruanus L. , Ostküste Afrika's bis Polynesien. Pomacentrus Guv. Yal. Nur der Vordcckel und die Praeorbitalknochen gezähnelt. Zähne compress in einfacher Reihe. P. fasciatus Bl. , Ostindien. Heliastcs Cuv. Val. Kein Deckelstück gezähnelt. Zähne conisch. H. chromis L., Madeira. 3. Fam. Labridae, Lippfische. Lebhaft gefärbte gestreckte Seefische mit Pseudo- branchien, cycloiden Schuppen und aufgew nisteten fleischigen Lippen. Das enge Maul vermag seine Lippen mehr oder minder weit vorzustrecken, indem stilförmige Fortsätze des Zwischenkiefers in einer Rinne der Nasenbeine auf- und abgleiten. Die hintere Blattreihe der vierten Kieme fehlt, ebenso die entsprechende letzte Kiemenspalte. Eine lange Rückenflosse mit wohl entwickeltem Stacheltheil. Bauchflosse brustständig mit einem Stachel und 5 weichen Strahlen, Während die Kiefer mit starken oft verwach- senen Zähnen bewaffnet sind, bleibt der Gaumen zahnlos, dagegen tragen die Schlund- knochen breite Mahlzähne. Labnis Art. {Labrinae). Rückenflosse vielstrahlig, Afterflosse mit 3 Stachelstrahlen, Conische Kieferzähne in einfacher Reihe. Wangen und Kiemendeckel beschuppt. Seiten- linie nicht unterbrochen. L. maculatus Bl. , Europ. Küste. L. ttirdus L. , L. merula L., Mittelmeer. Grenilabrus Cuv. Cr. pavo Brunn., Mittelmeer. Ctenolabrus Cuv. Val. Vornehmlich dadurch verschieden, dass hinter den conischen Zähnen Reihen kleiner Hechelzähne stehen. Ct. rupestris L., Europ. Küste. Acantho- labrus Cuv. Val., Centrolabrus Cuv. Val. u. a. G. Julis Cuv. Val. (Julidinae). Körper langgestreckt. Rückenflosse mit minder langem Stachelstrahle ntheil und nur 8 Stacheln. Schnauze massig gestreckt. Kopf ganz nackt. Keine hinteren Fangzähne. J. pavo Hassq., Mittelmeer, üoris Lac, PscudojuUs Bleek., Cheilio Lac, Anampses Cuv. u. z. a. G. Scariis Forsk., Papageifisch (Scarinae). Die Zähne in beiden Kiefern zu breiten schneidenden Platten verschmolzen. Pharyngealzähne pflasterförmig. Wange nur mit einer Reihe von Schuppen. Sc. crctensis Aldr., Mittelmeer. Fseudoscarus Bleek. u. a. G. 4. Fam. Halconoti -i^ Embiotocidae. Mit cycloiden Schuppen und 4 vollstän- digen Kiemen, mit Schuppenscheide, in welche die Rückenflosse eingelegt werden kann, lebendig gebärend. Gehören der Westküste Californiens an. Ditrcma'&chlQg. 7—11 Rückenstacheln. Stachelstrahltheil der Rückenflosse weniger entwickelt. D. Jacksonii Ag. Hystcrocarpus Gibb. Rückenflosse mit IG — 18 Stachelstrahlen. H. Traskii Gibb. 2, Gruppe. Acanthopteri s. str. Schlundknochen nicht verwachsen. 1. Fam. Percidae '), Barsche. Brustflosser von länglicher Körperform, mit Ctenoid- schuppen, gezähneltera oder bedorntem Rand des Kiemendeckels oder Vordeckels, mit Hechel- oder Borstenzähnen am Zwischenkiefer, Unterkiefer, Vomer und Gaumenbein. Sie besitzen meist 6 oder 7 Kiemenhautstrahlen und eine oder zwei ansehnliche Rücken- flossen. Bauchflossen brustständig mit einem Stachel und 5 Strahlen. Magen mit Blind- sack. Pförtneranhänge meist in geringer Zahl. Raubfische des Meeres und der Flüsse Perca Art. (Percinae). Mit zwei Rückenflossen, von denen die erste 13 bis 14 1) J. Canestrini, Zur Systematik der Pereiden. Verb, der zool. bot. Gesells. in Wien. 1860. Klunzinger, Synopsis der Fische des rothen Meeres, Ebend. 1870. 230 Gasterosteidae. Berycidae. Stachelstrahlen enthält, mit gezähntem Vordecke!, imbeschupptem , mit einem Dorne versehenem Kiemendeckel und mit Borstenzähnen. Afterflosse mit 2 Stacheln. Sieben Kiemenhautstrahlen. Pseudobranchien vorhanden. P. fluviatüis Rond., Flussbarsch, ein gefrässiger Raubfisch, der namentlich auf die kleinen Cyprinoiden Jagd macht. Er hält sich meist 2 — 3 Fuss unter der Oberfläche des Wassers auf, kommt aber auch in sehr grosser Tiefe vor, wie z. B. aus dem Bodensee beim Kilchfang Bai'sche mit hervor- gestülptem Magen heraufgezogen werden. P. flavescens Mitch. , vereinigte Staaten. Lahrax Cuv. Erste Rückenflosse mit 9 , Afterflosse meist mit 3 Stachelstrahlen. Praeoperculum mit Zähnen am untern Rand. L. lupus Cuv. {Perca lahrax L.), See- barsch, Mittelmeer. Lates Cuv., Psammoperca Richards., Percalabrax Temm. Schleg. Acerina CnY. Eine Rückenflosse mit 18 bis 19, Afterflosse mit 2 Strahlen. Kiemen- deckel bedornt. Keine Zähne am Gaumenbein. Grosse Gruben am Kopfe. A. cerniia L., Kaulbarsch, Flussfisch. A. Schräitzer Cuv. Percarina Nordm. Zwei Rückenflossen, die erste mit 10 Stachelstrahlen. After- flosse mit 2 Stachelstrahlen. Operculum mit einem Dorn. Keine Zähne am Gaumenbein. Gruben am Kopf sehr entwickelt. P. Demidoffi Nordm. , Dniester. Lucioperca Cuv. Zwei Rückenflossen, die erste mit 12 bis 14 Stachelstrahlen. Afterflosse mit 2 Stachelstrahlen. Starke Zähne an der Aussenseite der Reihen von Hechelzähnchen. Zähne am Gaumenbein. L. sandra Cuv., Flussfisch des östl. Europa. Aspro Cuv. Körper gestreckt, fast cylindrisch. Mund an der Unterseite der Schnauze gelegen. Alle Zähne hecheiförmig. Zwei Rückenflossen. Afterflosse mit einem Strahl. Kiemendeckel bedornt. A. vulgaris Cuv. , Streber , Donau. Serranus Cuv. (Serraninae). Nur eine Rückenflosse meist mit 9 oder 11 Strahlen. Afterflosse mit 3 Strahlen. Kiemendeckel mit 2 oder 3 Spitzen. Vordeckel gezähnelt. Unter den feinen dicht stehenden Zähnen finden sich an beiden Kiefern einige starke Fangzähne. Gaumenbein bezahnt. Schuppen klein. Hermaphroditisch. S. scriba L., Mittelmeer bis Südküste von England. Plectropoma Cuv., Aprion Cuv. Val., Mesoprion Cuv. u. V. a. G. Priacanthiis Cuv. Val. [Priacanthinae). Statt 7 nur 6 Kiemenhautstrahlen. Eine Rückenflosse, diese mit 10, die Afterflosse mit 3 Stachelstrahlen. Zähne hecheiförmig, auch am Gaumenbein. Kleine Ctenoidschuppen. Am Winkel des gezähnten Präoper- culum ein gezähnelter Stachel. Pr. macrophthalmus Cuv. Val , Madeira. Pr. boops Forsk., Küste von Mozambique. Apogon Lac. (Apogoninae). Zwei Rückenflossen, von denen die erste 6 oder 7 Stachelstrahlen enthält. Afterflosse mit 2 Strahlen. Zähne hecheiförmig, auch am Gaumenbein. Schuppen gross, hinfällig, A. imberbis Willgb. (Bcx mullorum), Mittel- nieer. Ambassis Cuv., Apogonichthys Bleck. Dules Cuv. Val. Nur 6 Kiemenhautstrahlen. Eine Rückenflosse mit 10 Stachel- strahlen. Afterflosse mit 3 Strahlen. Zähne hecheiförmig, auch am Gaumenbein. Schuppen von massiger Grösse, fein gezähnelt. D. rupestris Lac. 2. Fam. Gasterosteidae, Stichlinge. Körper langgestreckt, comprimirt, ohne Be- waffnung der Opercularknochen, aber mit isolirten Stacheln vor der Rückenflosse. Hechel- zähne in den Kiefern und an den Kiemenbogen. Infraorbitalbogen mit dem Praeoper- culum artikulirend. Schuppenplatten längs den Seiten des Körpers. Bauchflossen mit einem starken Stachel. Gasterosteiis Art. G. aculeatiis L. , Stichling, bekannt durch den Nestbau und die Brutpflege. Cr. spinachia L. , Seestichling. 3. Fam. Berycidae. Körper gestreckt, oft mehr erhoben und coraiiriinirt, mit grossen seitlichen Augen, von starken Ctenoidschujipen bekleidet. Hecheiförmige Zähne in beiden Kinnladen und meist auch aui Gaumenbein. Meist 8 Kiemenhautstrahlen. Kiemendeckel bewaffnet. Seefische. Beryx Cuv. Eine Rückenflosse. Zähne am Gaumen und auch am Vomer. Keine Barteln. 8 Kiemenhautsti-ahlen. Schwanzflosse tief gefurcht. B. decadactylus Cuv. Val., Madeira. Pristfpomatidae. Mullidae. Sparidae. 231 Holocentrum Art. Zwei Rückenflossen. Operculum mit 2 Spitzen, ein grosser Stachel am Winkel des Praeoperculura. Auge gross. H. rubrum Forsk., Ind. Archipel. JS. longipenne Cuv. Val., Brasilianische Küste. Myripristis Cuv. , Bhynehichthys Cuv. Val., Monocentris Bloch. 4. Fam. Pristipomatidae. Körper gestreckt und coraprimirt mit feingezähnten Schuppen bedeckt. Seitenlinie an der Schwanzflosse unterbrochen. Nur eine Rücken- flosse ist vorhanden, deren Stacheltheil etwa so lang ist als der weiche Theil derselben. Barteln fehlen, h bis 7 Kiemenhautstrahlen. Hechelzahne meist in den Kiefern. Keine oder nur hinfällige Zähne am Vomer. Pristipoma Cuv. Afterflosse mit 3 Stachel strahlen. Schwimmblase einfach. Vor- deckel gesägt. 7 Kiemenhautstrahlen. Eine Grube am Kiemenwinkel. Hechelzähne in den Kiefern. Pr. hasta Bl. , rothes Meer, ind. Ocean bis Australien. Haemuloti Cuv., Conodon Cuv. Val. u. a. G. Therapon Cuv. Afterflosse mit 3 Stachelstrahlen. Schwimmblase in eine vordere nnd hintere Abtheilung eingeschnürt. Zähne hechelföruiig, conisch. 6 Kiemenhaut- strahlen. Rückenflosse mit 12 Stachelstrahlen. Th. theraps Cuv. Val., Ostindien. Th. servus Bl., rothes Meer bis Australien. Helotes Cuv. Dentex Cuv. Afterflosse mit 3 Stachelstrahlen. Schwimmblase einfach. Eine zu- .sammenhängende Rückenflosse. Meist kräftige Fangzähne in beiden Kinnladen. 6 Kiemen- hautstrahlen. Praeoperculum ungezähnelt, mit mehr als 3 Reihen von Schuppen. Oper- culum ohne vorstehende Dornen. D. vulgaris Cuv. Val. (Sparus dentex L.), Mittelmeer. Maena Cnv. Mund sehr protraktil. Stachelstrahlen der Flossenkämme sehr schwach. Die Rückenflosse unbeschuppt. Kleine Zähne am Vomer. G Kiemenhautstrahlen. M. vulgaris Cuv. Val., Mittelmeer. Smaris Cuv. Vornehmlich durch den Mangel der Vomerzähne und die weniger comprimirte Körpei'form unterschieden. Sm. vulgaris Cnv. Val., Sm. gracilis Bonojp., Mittelmeer. Caesio Cuv., Peritaprion Bleek. u. z. a. G. 5. Fam. Mullidae , Meerbarben. Körper langgestreckt , wenig comprimirt , mit grossen Schuppen, deren Rand glatt oder sehr fein gezähnelt ist. Mund vorn an der Schnauze nicht vorstreckbar. Zwei lange Bartfäden am Zungenbein. Vier Kiemenhaut- strahlen. Bezahnung schwach, nicht immer vollständig. Zwei weit getrennte Rücken- flossen. Bauühflossen mit einem Stachel und -5 Strahlen. Nur wenige Arten kommen aus dem Meere in die Flüsse. Mullus L. Zähne im Unterkiefer, am Vomer und Gaumenbein. Oberkinnlade zahnlos. M. barbatus L., Mittelmeer. Mulloides Bleek. (Keine Zähne am Gaumenbein, dagegen in mehreren Reihen in den Kiefern). M. flavolineatus Lac, vom rothen Meer bis nach China. Upeneus Cuv. Val. Zilhne fehlen am Gaumenbein und stehen an den Kiefern in nur einer Reihe. U. barberinus Lac, rothes und indisches Meer. U. maculatus Bl., atl. Küste des tropischen Amerika. Upenoides Bleek. Zähne in beiden Kinnladen am Vomer und Gaumenbein. U. vittatus Forsk., ind. Meer. Upeneichthys Bleek. 0. Fam. Sparidae, Meerbrassen. Mit ziemlich hohem, meist von .sehr feingezäh- nelten Ctenoidschuppen liekleidetem Leib, unbewaffneten Deckelstücken und sehr ver- schiedener am Gaumen und Vomer meist fehlender Bezahnung. 5, 6 oder 7 Kiemen- hautstrahlen. Nur eine Rückenflosse, deren Stachelstrahlen - tragender Abschnitt dem weichen an Länge ziemlich gleich kommt. Afterflosse mit 3 Stachelstrahlen. Bauch- flossen brustständig mit 1 Stachel und .5 Strahlen. Pseudobranchien gut entwickelt. Schwimmblase hinten oft getheilt. Cantliarns Cuv. {Cantharinae). Mahlzähne fehlen. Zähne hecheiförmig, die äussern grösser und lanzetförmig. 6 Kiemenhautstrahlen. 10 bis 11 Stachelstrahlen der Rücken- flosse. C. vulgaris Cuv. Val., Mittelmeer. Boops Cuv. Nur eine Reihe von schneidenden Zähnen in den Kiefern. B. vul- 232 Cirrhitidae. Squamipennes. garis Cuv. Val. {Spanis\boops Tj.), Adria und Mittelmeer. Oblata Gwv., Oblata melanura L. Crenidens Cuv. Val., HaplodaeUjlus Cuv. Val. u. z. a. G. Sargus Cuv. (Sargmae). Mit schneidenden meisselförmigen Vorderzähnen und rundlichen Mahlzähnen in den Seiten der Kiefer, mit denen sie Schalthiere zertrümmern. S.annularis L., Adria. S. Salviani Cnv., S. Rondeletü Cuv. Val., Mittelmeer. Bei Charax Risso stehen die Mahlzähne nur in einer Reihe. Ch. puntazzo L., Mittelmeer und Adria. Pagrus Cuv. (Pagrinae). Mit conischen Zähnen und mit Mahlzähnen an den Seiten der Kiefer. Diese stehen im Oberkiefer in zwei Reihen. P. vulgaris Cuv. Val. {Sparus pagrus L.), Mittelmeer. Bei Pagellus Cuv. Val. stehen vorn nur sichelförmige Zähne. P. erythrinus L. Dagegen finden sich bei Chrysophrgs Cuv. in der Oberkinnlade drei und mehr Reihen von Molarzähnen. Ch. aurata L., Adria und Mittelmeer. Sphaerodon Rüpp., Lethrinus Cuv. Pimelepterus Cuv. (Pimelepterinae) . Mit einer Reihe von Schneidezähnen in jedem Kiefer und Zähnen am Vomer und Gaumenbein. Vordeckel meist gezähnelt. P. Boscii Lac. , Atl. Ocean. 7. Fam. Cirrhitidae. Fleischfressende Seefische mit stark comprimirtem , von cycloiden Schuppen bedecktem Körper. Meist 6, selten 5 oder 3 Kiemenhautstrahlen. Hecheiförmige Zähne in den Kiefern, zuweilen noch Fangzähne zwischen denselben. Stachelstrahlentheil und weicher Theil der Rückenflosse ziemlich gleich entwickelt. Afterflosse mit 3 Stachelstrahlen. Die untern Strahlen der Brustflosse einfach und stark aus der Haut hervorstehend. Die brustständigen Bauchflossen mit einem Stachel und 5 Strahlen. Cirrhites Comm. Mit Zähnen am Vomer, aber nicht am Gaumenbein. Zwischen den Hechelzähnen auch Fangzähne. 10 Dorsalstacheln. 6 Kiemenhautstrahlen. Der Vor- deckel gezähnelt. Schwimmblase fehlt. C. ForsteriBl., Südsee. Bei Cirrhitichthijs Bleek. sitzen auch Zähne am Gaumenbein. Chüodactylus Cuv. Mit Hechelzähnen in beiden Kiefern , aber nicht am Vomer und Gaumenbein. Rückenflosse mit 17—19 Stachclstrahlen. Der Vordeckel ganzrandig. Schwimmblase gelappt. Meist ragt ein Bruststrahl an Länge bedeutend hervor. Ch. carponemus Park., Süd- Australien. Ch. fasciatus Lac, Cap. Nematodactylus Richards. Latris Richards. Afterflosse verlängert. Rückenflosse mit 17 Stachelstrahlen. Hechelzähne in beiden Kinnladen. L. ciliaris Forst., Neuseeland. 8. Fam. Squamipennes, Schuppenflosser. Meist lebhaft gefärbte Seefische mit hohem stark comprimirten Leib, der selbst bis über die lange Rücken- und Afterflosse hin mit kleinen Schuppen bekleidet ist. Afterflosse mit 3 oder 4 Stachelstrahlen. 6 oder 7 Kiemenhautstrahlen. Der kleine Kopf zuweilen schnauzenförmig vorlängert, meist mit kleiner Mundspalte und Reihen von Borstenzähnchen in beiden Kiefern, seltener am Gaumen. Pseudobranchien wohl entwickelt. Die brustständigen Bauchflossen mit einem Stachel und 5 weichen Strahlen. Meist fleischfressende Fische der tropischen Meere Indiens. Chaetodon Cuv. , Klippfisch. (Chaetodontidae). Vomer- und Gaumenzähne fehlen. Schnauze kurz oder massig lang. Vordeckel ohne Dorn. Rückenflosse ohne Einschnitt, mit wohl entwickeltem Stacheltheil. Kein Stachel besonders verlängert. 6 Kiemen- hautstrahlen. Ch. striatKs L. , Atl. Küste Südamerikas. Ch. fasciatus Forsk. , rothes Meer u. z. a. A. Bei Chclmon Cuv. ist die Schnauze stark verlängert. Gh. rostratus L., Schnabelfisch, Ostindien. Heniochus Cuv. Val. Holacanthus Lac. Vordeckel mit einem kräftigen Stachel. Rückenflosse mit 12 — 15 Stachelstrahlen. H. annularis Bl., Ostindien. Bei Pomacanihus Lac. sind nur 8—10 Stachelstrahlen in der Rückenflosse. H. paru Bl. Scatophagus Cuv. Val. (Afterflosse mit 4 Stachelstrahlen). .Sc. argus Cuv. Val., Indisch. Ocean. Ephippus Cuv. Schnauze kurz. Rückenflosse zwischen dem Stacheltheil und dem weichen Theil tief ausgerandet. Der erstere mit 9 (S) Stachelstrahlen und nicht mit Schuppen bedeckt. Vordeckel ohne Dorn. Eph. faber Bl., Texas. Drepane Cuv. Triglidae. Traohinidae. Sciaenidae. 233 Scorpis Cuv. ( Scorpidinae). Zähne am Gaumen. Rückenflosse die Mitte des Rückens einnehmend, mit 9 bis 10 Stachelstrahlen, von denen der vordere am längsten ist. Sc. georgianus Cuv. Val. , Australien. Toxotes Cnv. (Toxotinae), Spritzfisch. Zähne am Gaumen. Rückenflosse die hintere Hälfte des Rückens einnehmend , n)it 5 Stachelstrahlen. T. jaculator Fall. , Ostindien, spritzt Wasser auf Insekten. 9. Farn. Triglidae, Panzerwangen. Fische von langgestreckter, wenig compresser Körperform, mit grossem oft seltsam gestalteten bedornten und bestachelten Kopfe, an welchem die breiten Suborbitalknochen mit dem stachligen Vordeckel zu einer die Wangengegend schützenden Knochendecke verwachsen sind. Augen mehr oder minder auf- wärts gerichtet. Zwei getrennte Rückenflossen oder nur 2 distinkte Theile einer ein- zigen. Brustflossen oft gross, zuweilen von Körperlänge, auch wohl mit einigen geson- derten als Tastorgane dienenden Strahlen. Bauchflossen brustständig, oft mit weniger als 5 weichen Strahlen. 5 — 7 Kiemenhautstrahlen. Pseudobranchien vorhanden. Schwimm- blase meist vorhanden. Raubfische des Meeres. Scorpaena Art. {Scorpaeninae), Drachenkopf. Körper mit Schuppen bedeckt. Kopf gross, leicht comprimirt, mit Stacheln bewaffnet, am Hinterhaupt mit nackter Grube. Nur eine Rückenflosse mit 11 Stachelstrahlen. 7 Kiemenhautstrahlen. Sc. porcus L., Sc. scrofa L., Mittelmeer und Adria. Sebastes Cuv. Val. Hinterhaupt ohne Grube. Rückenflosse mit 12 bis 13 Stachel- strahlen. S. norvegicus 0. Fr. Müll. {Perca marina L.), S. viviparus Kröy., Ark. Meer. Pterois Cuv., Apistus Cuv. Val. u. a. G. Cottus Art. (Cottinae). Die Stachelstrahlenpartie der Rückenflosse weniger entwickelt als die langgestreckte hintere und als die Afterflosse. Kopf breit, etwas flach gedrückt. Körper unbeschuppt. Borstenzähne avif Kiefern und Vomer. Keine Zähne am Gaumenbein. C. gohio L., Kaulkopf, ein kleiner Fisch in klaren Bächen und Flüssen, der sich gern unter Steinen verbirgt und durch das Aufblähen des Kiemendeckels vertheidigt, bekannt durch die Brutpflege des Männchens, als Köder beim Angelftiug benutzt. C. scorpius L., See- scorpion u. v. a. A. Scorpaenichthys Gir., Blepsias Cuv. Val. u. z. a. G. Trigla Art., Knurrhahn. Kopf fast vierseitig, oben und an den Seiten gepanzert. Körper mit sehr kleinen Schu^ipen bekleidet. 3 freie fadenförmige Strahlen der Brust- flosse. Heclielförmige Zähne am Vomer und in den Kiefern. Tr. gunardus L. , Tr. lyra L. , Adria und Mittelmeer. Tr. hirundo Bl., Westküste Europas und Mittelmeer. Peristcdion Lac, Gabelfisch. Körper vollständig gepanzert. Kopf fast vierseitig, mit gabelförmigem Fortsatz der Schnauze. 2 Brustflossenanhänge. Zähne fehlen. P. cataphractum Cuv. Val., Canal und Mittelmeer. Dactylopterns Lac. Brustflossen zu Flugorganen verlängert. 2 Rückenflossen. Zähnchen in den Kiefern , nicht am Gaumen. D. volitans L. , Mittelmeer und Ocean. Agonus Bl. u. z. a. G. 10. Film. Traohinidae. Körper verlängert, niedrig, mit 1 oder 2 Rückenflossen, deren Stachelstrahlentheil kürzer und viel weniger entwickelt ist als der weiche. Der Infraorbitalring articulirt nicht mit dem Vordeckel. Afterflosse lang. Bauchflosse meist kehlständig. Hecheiförmige Zähne. Uranoscopns L., Sternseher. Augen auf der Oberfläche des Kopfes. 2 Rückenflossen. Schuppen sehr klein. [/".sca&erL., Adria undMitteliueer. Agnus(^\\\. Val, schui)penlosu.a.G. Trachinus Art. Augen melir seitlich. Seitenlinie continuirlich. 2 Rückenflossen. Zähne am Gaumenbein. Tr. draco L. , Tr. radiatns Cuv. Val. , Adria und Mittelmeer. Europ. Küste u. a. G. Bei Percin Bl. ist nur eine Rückenflosse vorhanden. Sillago Cuv. u. a. G. 11. Fam. Sciaenidae, Umberfische. Brustflosser, mit langgestreckteai , massig compressem, von Ctenoidschuppen bedecktem Leib, mit 2 Rückenflossen und kammförmigen Pseudobranchien. Die weichstrahlige Rückenflosse mehr entwickelt als die mit Stachel- strahlen versehene. Afterflosse mit 2 Stacheln. Die Kiefer tragen spitze, ungleich 234 Trichiuridae. Scomberidae. grosse Zähne, die am Gaumen stets fehlen. Auch sind die an einander stossenden und theilweise selbst verwachsenen untern Schlundknochen mit Zähnen besetzt. Die Deckel- stücke setzen sich in Zähne \md Stacheln fort und werden von den Schuppen bedeckt. 7 Kiemenhautstrahlen. Das mächtig entwickelte System der Kopfkanäle bedingt nicht selten blasenartige Auftreibungen der entsprechenden Kopfknochen. Die Schwimmblase ist mit zahlreichen fingerförmigen Blindsäckchen besetzt, fehlt jedoch zuweilen. Meist Meer fische, welche oft eine bedeutende Grösse erreichen. Pogonias Cuv. Am Unterkiefer mehrere Barteln. Schlundzähne pflasterförmig. Schnauze convex mit überstehender Oberkinnlade. Erste Rückenflosse mit 10 starken Dornen. P. chromis L., Nordamer. Küste. Micropogon Cuv. Val. Pharyngealzähne konisch spitz. M. unclulatus L. Umbrina Cuv. Nur eine kurze Bartel unter der Kiefersymphyse. Die erste Rückenflosse mit 9 oder 10 biegsamen Stacheln. U. cirrhosa L., Adria nnd Mittelmeer. Corvina Cuv. Ohne Barteln. Schnauze convex mit vorstehender Oberkinnlade. Starke Fangzähne fehlen. Der zweite Stachel der Afterflosse sehr kräftig. C. nigra Salv., Adria und Mittelmeer. Sciaena Art. Obere Kinnlade vorstehend. Grosse Fangzähne fehlen. Stacheln der Afterflosse schwach. Sc. aqnila Risse, Adria und Mittelmeer. OtoUthus Cuv. Die Unterkinnlade länger. Meist grosse conische Fangzähne. Schwimmblase mit 2 verlängerten hornförmigen Fortsätzen. 0. üarolinensis Cuv. Val. Larimus Cuv. Val. Eques Bl. u. a. G. Hier schliessen sich die Polynemiden an, ausgezeichnet durch fadenförmige ge- gliederte Strahlen unter der Brustflosse. Pohjnemus L. , P. paradiseus L. , Ostindien. Pentanemus Art., P. quinquarius L. , Westküste Afrikas, ferner die Sphyraeniden mit kleinen Cycloidschuppen , bauchständigen Bauchflossen und 2 weit entfernten Brust- flossen. Üphyraena Art., Sp. vulgaris Cuv. Val., Mittelmeer und Ocean. 12. Fam. Trichiuridae. Langgestreckte comprimirte Seefische mit nackter oder klein beschuppter Haut, weiter Mundspalte und einigen starken Zähnen in den Kiefern oder aiu Gaumen. Die Afterflosse und Rückenflosse ist sehr lang. Bauchflossen zu- weilen rudimentär oder fehlen ganz. Trichiurus L. Körper sehr lang, bandförmig. Schwanz fadenförmig verlängert. Aftei'flosse durch feine Stachelstrahlen vertreten. Kiefer mit starken Zähnen, auch Zähne am Gaumenbein, aber nicht am Voiner. Tr. lepturus L. , Atlant. Ocean. Lepidopus Gouan. Schwanzflosse wohl entwickelt. Schuppen fehlen. Bauchflossen auf kleine Schuppen reducirt. L. caudatus Euphr. , arggreus Cuv., Mittelmeer. Thyr- sites Cuv. Val. u. a. (i. 12. Fam. Scomberidae, Makrelen. Von langgestreckter, mehr oder minder com- presser, zuweilen sehr hoher Körpergestalt, mit silberglänzender Haut, bald nackt, bald mit kleinen Schuppen, stellenweise auch, namentlich an der Seitenlinie, mit gekielten Knochenplatten bekleidet, meist mit halbmondförmig ausgeschnittener Schwanzflosse. Der Stachelstrahlentheil der Rückenflosse weniger entwickelt als der weiche und oft von diesem getrennt. Der Kiemendeckelapparat ist glatt, ohne Stacheln und Zähne und schliesst sehr fest. Häufig entbehren die hintern gegliederten und getheilten Strahlen in der Rücken- und Afterflosse der Hautverbindung und bilden von einander getrennte zahlreiche kleine Flösschen, sog. falsche Flossen. Die Bauchflossen stehen meist an der Brust, zuweilen auch an der Kehle und fehlen nur selten. Sie sind fast sämmtlich Seefische und zum Theil, namentlich die langgestreckten com pressen Formen mit spitzer Schnauze und tief ausgeschnittener Schwanzflosse, vortrefl'liche Schwimmer, die im Frühjahr in grossen Schaaren weite Meeresstrecken durchziehen und— zumal wegen des schmackhaften Fleisches — einen wichtigen Gegenstand der Fischfanges bilden, so die Makrelen in der Nordsee und im Canal, die Thunfische an den Küsten des Mittel- meeres. Viele zeichnen sich durch ihre allerdings leicht vergängliche Farbenpracht aus und sind kräftig bezahnte RauVjfische. Gobiidae. 235 Scomber Art. (Scombrinae). Körper mit kleinen Schuppen bedeckt, mit zwei er- habenen Hautleisten an den Seiten des Schwanzes, mit zwei Rückenflossen und 5 oder 6 falschen Flossen auf und unter dem Schwanz. Sc. scoinbrus L., Makrele, Sc. colias L., Nordsee, Mittelmeer und Adria. Thynnus Cuv. Val. Mit Schuppenpanzer in der Brustgegend und (3 bis 9 falschen Flossen auf und unter dem Schwanz , dessen Seite jederseits gekielt ist. Mit Vomer- und Gaumenbeinzahnen. Th. vulgaris Cuv. Val., Thunfisch. Erreicht eine Länge von 1.5 Fuss. Im Mittelmeer. Th. pelamys L. , Adria und Mitteimer. Pelamys Cuv. Val. (Keine Zähne am Vomer). P. sarda Bl., Adria und Mittelmeer. P. thunnina Cuv. Val. Auxis vulgaris Cuv. Val. Cybium Cuv. Körper nackt oder mit rudimentären Flossen. Meist 7 und mehr Flösschen hinter Rücken- und Afterflosse. Zähne stark. Hechelzähne am Gaumenbein und Vomer. Schwanz jederseits gekielt. C. guttaium Bl., Ostindien. Nancrates Raf. Körper langgestreckt, wenig comprimirt. Flösschen fehlen. Die erste Rückenflosse auf wenige freie Stacheln reducirt. Schwanz jederseits gekielt. N. ductor L., Pilot, Mittelmeer. Ecliineis Art. Die erste Rückenflosse zu einer Haftscheibe umgestaltet. Flösschen fehlen. E. naucrates L., Schitfshalter, in zahlreichen Varietäten weit verbreitet. Nomeus Cuv. (Nomeinae). Stachelstrahlentheil der Rückenflosse am stärksten ent- wickelt. Körper langgestreckt comprimirt, mit kleinen Cycloidschuppen und enger Mundspalte. Bauchflosse lang, in eine Spalte am Abdomen einschlagbar. N. Gronovii Lac. Zeus Art. (Cyttinae). Körper stark comprimirt und sehr hoch, mit 2 distinkten Abtheilungen der Rückenflosse, die stachelstrahlige weniger entwickelt. Mundspalte weit. Knochenplatten längs der Basis der Rücken- und Afterflosse. Z. faber L., Häringskönig oder Sonnenfisch, Adria und Mittelmeer. Cyttus Gnth. C. australis Richards. Stromaleus Art. (Stromateinae). Körper mit sehr kleinen Schuppen und einer einzigen langen Rückenflosse, welche distinkter Abtheilungen entbehrt. Zahn-Fortsätze im Oesophagus. Bauchflossen fehlen im ausgebildeten Zustand. St. microchirus Cuv. Val. St. fiatola L., Adria und Mittelmeer. Centrolophus Lac. Coryphaena Art. Körper gestreckt. Zähne im Oesophagus fehlen. Keine distinkte Rücken- und Afterstacheln. Schwanzflosse tief gefurcht, nicht abgesetzt. G. hipp ums L., Mittelmeer. Luvarus Cuv. = Ausonia Risso. L. imperialis Raf., Adria, sehr selten. Brama Risso. Rückenflosse mit 3 oder 4 , Afterflosse mit 2 oder 3 Stachel- strahlen. Bauchflossen brustständig, mit einem Stachel und 5 Strahlen. Br. Baji BL, Eiirop. Küsten bis Australien. Diajia Risso, Pteraclis Gronov. Caranx Cuv. Val. (Caranginac). Körper mit nur 24 (10 -\- 11) Wirbeln. Rücken- unp Afterflos.se von ziemlich gleicher Ausdehnung. 2 freie Stacheln vor der Afterflosse. Seitenlinie mit gekielten Platten bedeckt. G. trachurus L., Stocker, Euröp. Küste. C* dentex Bl., Adria und Mittelmeer. G. Eottleri L., rothes Meer. Micropteryx Ag., Geriola Cuv. Lichia Cuv. Die erste Rückenflosse durch Stacheln vertreten. Keine Flösschen. Pseudobranchien fehlen. L. amia L. , Adria und Mittelnieer. Gapros Lac. Zwei Rückenflossen, die erste mit 9 Stachelstrahlen. Afterflosse mit o Stacheln. Mund sehr vorstreckbar. Schuppen klein, st.tchlig. G. aper L., Adria und Mittelmcer. Equula Cuv. u. z. a. G Xiphias Art. {Xiphiadae) , Schwertfisch. Keine oder nur i'udimentäre Zähne, Körper langgestreckt. Oberkinnlade (Intermaxillaria , Vomer, Ethmoideum) stark ver- längert, schwertförmig. 2 Dorsalflossen. Keine Flösschen. Bauchflosse fehlt. X. gla- dius L., Adria, Mittelmepr, Ocean. Tetraptc Raf. T. helone Raf, Mittelmeer. 13. Fam. Gobiidae , Meergrundeln. Langgestreckte niedrige Fische mit meist dünnen, biegsamen, seltener sehr festen Stacheln in der vordem kleinern Rückenflosse und kehl- oder brustständigen Bauchflossen, die entweder getrennt sind, dann aber ein- ander sehr nahe stehen oder mehr oder minder vollständig zu einer Scheibe oder einem 236 Discoboli. ßlenniidae. Trichter verwachsen. Die Haut ist bald nackt, bald mit grossen Schuppen bedeckt. Zähne meist klein , zuweilen grössere Fangzähne. Kiemenöft'nung eng. Blindanhänge des Darines fehlen meist, ebenso die Schwimmblase. In der Nähe des Afters steht eine Papille hervor. Die Männchen unterscheiden sich oft durch den Besitz einer langen Genitalpapille, durch die höhere Rückenflosse und lebhaftere Färbung. Fleischfresser, die meist in der Nähe der Küsten, auch im Süsswasser leben. Gobius Art. (Gobiinae), Meergrundel. Bauchflossen zu einer Scheibe vereinigt, über und hinter den Brustflossen 2 getrennte Rückenflossen. Körper beschuppt. Zähne conisch, die der Oberkinnlade in mehreren Reihen. Die Männchen einiger Arten bekannt durch den Nestbau und die Brutpflege. G. jozo L. , G. capito Cuv. Val. , G. guadri maciilatiis Cuv. Val. G. nüjer Rond., deutsche Küsten, Adria und Mittelmeer. G. flu- viatilis Fall., in den Flüssen Italiens und des südw. Russlands. Mehr als 20ü Arten bekannt. Gobiosoma Gir. , Gobiodon Bleek. u. a. G. Periophthalmiis Bl. Sehn. Körper mit Ctenoidschüppchen bedeckt. Bauchflossen mehr oder minder vereint. Augen stark vorragend , sehr nahe aneinander stehend, mit wohl entwickeltem Augenlide. 2 Rückenflossen. Conische vertical stehende Zähne in beiden Kinnladen. P. Koelreuteri Fall., rothes Meer bis Australien. Amblyodus Cuv. Val. [Amblijodinae). Körper nackt oder mit kleinen Schuppen. Beide Rückenflossen vereinigt. Kopf vierseitig uiit aufwärts gerichteter Mundspalte und prominirendem Unterkiefer. Zähne in einer Reihe, die vorderen sehr stark. A. coeculus Bl. Sehn., Süsswasserfisch von China und Bengalen. Calliomjmus L. {Calliomjminae). Zwei getrennte Rückenflossen, von denen die vordere in eine lange Fahne •ausläuft. Beide Baiichflossen von einander getrennt. Vor- deckel bewaff'net. Kiemenspalte eng. C. lyra L., Ocean und Mittelmeer. C. belennus Risso, Adria und Mittelmeer. Vulsiis Cuv Val. 15. Farn. Discoboli, Scheibenbäuche, unterscheiden sich von den Grundein vor- nehmlich dadurch, dass sie nur o und 'ji Kieme besitzen. Auch sind die Bauchflossen zu einer runden Scheibe umgebildet, die von einem Hautsaum umrandet ist. Ci/clopterus Art. Körper dick, ziemlich hoch mit Hauttuberkeln. 2 Rückenflossen. C. lumpus L. , Seehase, Nordküste Europas. Liparis Art. Mit nur einer Rückenflosse. L. vulgaris Flera. , Mittelmeer. Hier schliessen sich die Gobiesocidcn an, deren Bauchflossen getrennt sind, aber eine Haft- scheibe umschliessen. Lepadogaster Cuv. Mit freiem Vorderrand des hintern Abschnitts der Haftscheibe. L. Gouanii Lac, Adria. L. acutus Can. , Adria und Mittelmeer. Gobiesox Cuv. u. a. G. 16. Fam. Blenniidae, Schleimfische. Körper langgestreckt, mehr oder minder cylindrisch, mit glatter schleimiger , zuweilen schuppenloser Haut und sehr langer den ganzen Rücken einnehmender Rückenflosse, die auch in 2 oder 3 Flossen abgetheilt sein kann. Afterflosse lang. Die meist kehlständigen Bauchflossen rudimentär, nur mit 2 bis o Strahlen , oder fehlen ganz. Dagegen sind die Brustflossen meist gross und frei beweglich. Pseudobranchien fast stets vorhanden. Die Schwimmblase fehlt meist. Die Männchen einiger Arten besitzen eine ausgebildete Genitalpapille, welche eine wahre Begattung möglich macht. Vorwiegend Seefische. Annarhichas Art. Körper von rudimentären Schuppen bedeckt, mit weiter Rachen- spalte , konischen Vorderzähnen und rundlichen Mahlzähnen in den Seiten der Kiefer und am Gaumen. Ohne Bauchflosse, mit gesonderter Schwanzflosse. A. lupus L. , See- wolf, Küsten des nördl. Europa und Amerika. Blennius Art. Körper nackt mit kurzer Schnauze und weiter Kiemenspalte , ohne Molarzähne. Kiefer mit einer einzigen Reihe unbeweglicher Zähne und meist einem gekrümmten Zahn hinter denselben. Rückenflosse continuirlich. Bl. cagnota Cuv. kommt auch in Landseen und Flüssen (Etsch) vor. Bl. gattorugine L. , Mittelmeer. Bl. tenta- cularis Brunn., Mittelmeer. Bl. ocellaris L. , Bl. pavo Cuv. Val., Europ. Küsten. Bl. basiliscus Cuv. Val. Tripterygion nasus Risso , Mittelmeer. Taenioideae. TeutLidae. Mugilidae. 237 Centronotus Bl. Seh. Körper mit kleinen Schuppen, ohne Seitenlinie und mit sehr kleinen Zähnen. Rückenflossen nur mit Stacheln. C. gimeUus L., Butterfisch, Nord- küsten Europas. Zoarces Cuv Körper mit rudimentären Schuppen , konischen Kieferzilhnen, ohne Mahlzähne. Rücken- und Afterflosse fliessen mit der Schwanzflosse zusammen. Lebendio- gebärend. Z. vivipanis, Aalmutter. 17. Farn. Taenioideae. Silberglänzende Seefische mit comprimii-tem bandartig verlängerten Leib, nackt oder mit kleinen Schuppen bedeckt, mit sehr langer über den gaHzen Rücken ausgedehnter Rückenflosse, ohne oder mit rudimentärer Afterflosse- 4 Kiemen. Pseudobranchien wohl entwickelt. Die Bauchflossen stehen an der Brust und sind oft nur durch wenige isolirte Strahlen vertreten oder fehlen ganz. Der Mund ist entweder tief und weit gespalten und mit langen Fangzähnen bewafthet, oder eng und schwach bezahnt. Trachypterus Gouan. Körper nackt. Mundspalte eng. Bezahnung schwach. After- flosse fehlt. Strahlen der brustständigen Bauchflosse verlängert. Tr. falx Cuv. Val., Mittelmeer. Tr. taenia Cuv. Val., Mittelmeer, Adria. Bei Begaleciis Brunn. = Gym- netrus Bl. Seh. ist jede Bauchflosse auf einen langen Faden reducirt. B. gladiiis Cuv. Val., Nizza. Lophotes Giorn. Körper nackt. Mund mit schwacher Bezahnung. Afterflosse kurz. Kopf zu einem hohen Kamm erhoben. L. cepedianus Giorn., Mittelmeer und Japan. Cepola L. Körper sehr lang, mit kleinen cycloiden Schuppen. Mundspalte ziemlich weit. Zähne massig gross. Bauchflosse brustständig mit einem Stachel und 5 Strahlen. Rfticken- und Afterflosse sehr lang. C. rubescens L. , Bandfisch , Europ. Küsten. 18. Fam. Teuthidae, Stachelschwänze. Brustflosser luit langgestrecktem com- pressen kleiubeschuppten Leib, enger Mundspalte und langer Rückenflosse. Spitze Zähne besetzen die Kiefer in einfacher Reihe. Pseudobranchien wohl entwickelt. Meist findet sich an jeder Seite des Schwanzes ein schneidender Stachel, eine höchst charakteristische Waffe, die aber auch durch einen einfachen Stachel vor der Rückenflos.se ersetzt sein kann. Lebhaft gefärbte Fische der wärmern Meere, welche sich von Pflanzen nähren. Teuthis L. Bauchflossen mit einem äussern und einem Innern Stachel und drei weichen Strahlen dazwischen. Schwanz nicht bewaffnet. T. javus L., Ostindien u. z. a. A. Acantlmrus Bl. Sehn. Schuppen klein. Bauchflosse meist mit 5 weichen Strahlen. Ein einziger beweglicher Stachel an jeder Seite des Schwanzes. Äc. chirurgus Bl., Atl. Küste von Südamerika und Afrika. Bei Acronurus Cuv. Val. ist der Körper nackt. Prionurus Lac. Schwanz mit einer Reihe von gekielten Knochenplatten an jeder Seite. Pr. scalprum Langsd., .Japan. Naseus Comm. Am Schwänze meist 2 unbewegliche Knochenplatten. Bauchflossen mit 3 weichen Strahlen. N. unicornis Forsk. , vom rothen Meer bis nach Australien. 19. Fam. Mugilidae. Langgestreckte, den Weissfischen nicht unähnliche Fische mit abgeflachtem Kopfe, ziemlich grossen leicht abfallenden ganzrandigen oder ctenoiden Schuppen und 2 kleinen Rückenflossen. Mundspalte meist massig weit, mit schwacher Bezahnung. Afterflosse meist etwas länger als die hintere Rückenflosse. Die Brust- flossen stehen autfallend hoch an den Seiten des Körpers, die Bauchflosse abdominal mit einem Stachel und 5 Strahlen. Alle besitzen eine Schwimmblase und Pseudobranchien. Vorwiegend Fleischfresser, die das Brackwasser lieben und gern in die Flussmnndungen steigen. Atherina Art. Zähne sehr klein. Erste Rückenflosse ganz von der zweiten ge- trennt. Schnauze aufgedunsen. A. mochon Cuv. Val. A. hepsetus L. , Adria und Mittelmeer. Tetragonurus B.\sso. Zähne compress, ziemlich stark. Schuppen gekielt und gestreift. Rückenflosse zusammenhängend. Schwimmblase fehlt. T. Cuvieri Risso, Sicilien. Mvgil Art. Wahre Zähne fehlen in den Kiefern. Vorderrand des Unterkiefers scharf. Wanderfisch der gemässigten und tropischen Meere. M. axiratus Risso. M. 238 Labyrinthici. Notacanthidae. Fistularidae. Batracliidae. Pediculati. cephalus Cuv., Adria und Mittelmeer. M. capito Cuv., Adria und Mittelmeer. M. dohula Gnth., Australien. 20. Fam. Labyrinthici, Labyrinthfische, Der comprimirte gestreckte oder hohe Körper ist mit massig grossen Schuppen bedeckt , welche die Kopf- und die Kiemen- stücke sowie auch die lange Rücken- und Afterflosse mehr oder minder vollständig bedecken. Zähne klein. Pseudobranchien rudimentär oder fehlen. Bauchflossen brust- ständig. Der wichtigste Charakter liegt in der eigenthümlichen Gestaltung der obern SchUindknochen, welche durch Aushöhlungen das Ansehn maeandrinenartig gewundener Blätter gewinnen und in ihren Zwischenräumen das zur Befeuchtung der Kiemen nöthige Wasser zurückhalten. Die Fische vermögen daher sämmtlich längere Zeit ausserhalb des Wassers auf dem Lande umherzuki-iechen und selbst zu klettern. Süss- wasserbewohner Ostindiens und Südafrikas. Anabas Cuv. Körper langgestreckt. Kiemendeckel gezähnelt. Zähne am Vomer, aber nicht am Gaumenbein. 16 — 19 Rückenstacheln. 9 — 11 Stachelstrahlen der After- flosse. A. scandens Dald., Kletterfisch, Ostindien. Spirobranclms Cuv. Val. Ospliromenus Lac. Nur Kieferzähne. Gaumen zahnlos. Erster Strahl der Bauch- flosse fadenförmig verlängert. 0. olfax Cuv. Val., Gourami, Java etc. Trichogaster Bl. Sehn. u. a. G. Pohjacanthus Cuv. Val. Süsswasserfisch in Ostindien. P. Hasseln Cuv. Val.; nahe verwandt ist Macropodus Lac. M. viridi- auratus Lac, von Günther für eine domesticirte Varietät von Polyacanthus erklärt. 21. Fam. Notacanthidae, Rückenstachler. Körper langgestreckt, sehr klein be- schuppt, mit rüsselförmig verlängerter Schnauze und zahlreichen freien Stacheln dt^r Rückenflosse. Bezahnung schwach. Pseudobranchien fehlen. Afterflosse sehr lang, vorn mit einigen Stacheln. Brustflossen an der Wirbelsäule siispendirt. Notacanthus Bl. Keine weiche Rückenflosse. Bauchflossen abdominal. N. nasus Bl. , Grönland. N. Bonnpar tu Hisso, Mittelmeei-. KhyncliobdeUa Bl. Seh. Körper aalförmig. Bauchflossen fehlen. JRh. aculeata Bl., Süsswasserfisch Ostindiens. Mastacembelus Gronov. 22. Fam. Fistularidae (Anlostomi), Röhrenmäuler. Bauchflosser von langgestrekter Körperform, mit röhrenförmig verlängerter Schnauze und weit nach hinten gerückter Rückenflosse. Die Haut ist bald nackt, bald mit kleinen Schuppen bedeckt. Staehel- flossen wenig entwickelt. Vier Kiemen. Pseudobranchien vorhanden. Eigenthümlich erscheint die gelenkige Verbindung des Hinterhaupts mit der Wirbelsäule. Aulostoma Lac, Trompetenfisch. Körper sehr lang, cylindrisch , mit Rückenflos.se über der Afterflosse, klein beschuppt. A. chinense L. Fistularia L. Körper schuppenlos. Schwanzflosse gabiig. Keine freien Rücken- stacheln. F. tabacaria L., Pfeifenfisch. CentrisciisL. Körper oblong, comprimirt. Vordere Rückenflosse kurz mit einem starken Stachelstrahl. C. scolopax L., Schnepfenfisch, Adria und Mittelmeer. Amphisile Klein. 23. Fam. Batrachidae, Froschfische. Vom Habitus der Groppen mit nackter oder fein beschuppter Haut. Bauchflossen kehlständig mit nur 2 weichen Strahlen. Stacheltheil der langen Rückenflosse sehr kurz. Afterflosse lang. Nur 3 Kiemen. Pseudobranchien fehlen. Zähne conisch, massig gross. Fleischfresser, welche meist die tropischen Meere bewohnen. Batrachus Bl. Seh., Froschfisch. Mit 3 Rückenstacheln. B. tau L. , Atl. Küsten von Centralamerika. B. grunniens L., Ostindien. Poriehthys Gir. 24. Fam. Pediculati, Armflosser. Seefische von gedrungener plumper Körperform, mit breitem Vorderleib und nackter oder von rauhen Höckern bedeckter Haut, mit kleinen kehlständigen Bauchflossen. Der grosse breite Kopf trägt bald kurze Stacheln, bald lange bewegliche Strahlen oder setzt sich {Malthe) in einen hornähnlichen Höcker fort. Das wichtigste Merkmal liegt in der Gestaltung der Brustflossen, welche durch stilförmige Verlängerung ihrer sog. Carpalstücke zu armähnlichen freibeweglicben Stützen 6. Unterclasse. Dipnoi. 239 des Körpers werden und in der That auch ziim Fortschieben und Kriechen gebraucht werden. Kieiuenspalte eng, in der Nähe der Brustflosse. Kiemenrauni mit 3 oder 2'/« Kiemen. Pseudobranchien fehlen. Es sind Raubfische, zum Theil mit weiter Rachen- spalte und kräftiger Bezahnung, die oft im Grunde des Wassers im Uferschlanime auf Beute lauern und ihre eigentliüuilichen Hautanhänge und angelartig aufrichtbaren Strahlen und Fäden in der Nähe des Mundes zum Heranlocken kleiner Fische benutzen. Lopliius Art. Kopf flach. 6 Rückenstacheln , von denen 3 isolirt auf dem Kopfe stehen. L. hudegassa Spin., Adria. L. piscatoriits L. {Buroa/oi; der Griechen), Europ. Küsten. Chironectus Cuv. Kopf comprimirt , mit 3 isolirten Rückenstacheln. Sollen nach Agassiz Nester bauen. Ch. pictus Cnv., Tropische Meere. Ch. histrio L., Caraibisches Meer. Chaunax Lowe u. a. G. Malthe Cuv. Kopf flach. Nur ein Rückenstachel als Schnabelttntakel. Haut mit conischen Höckern. Gaumen bezahnt. M. vespertüio L. , Fledermausfisch, Atlant. Küste von Südamerika. Ceratius Kr. G. Unterclasse. Dipnoi ^), LurcJtflscJie. Beschupx)te Fische mit Kiemen- und Lungenathmwuj, Kopf- und Seiten- hanäleu und persistirender Chorda, mit muskulösem {zahlreiche Klappcureihen enthaltende})) Arterienconus und mit Spiralklappe des Barnies. Die Lurcbfische, welche vor mehreren Decennien in den beiden Gattungen Lepidosiren und Frotopterus bekannt wurden, bilden eine so au.sgezeichnete Uebergangsgruppe zwischen Fischen und Amphibien, dass sie von ihrem ersten Entdecker als fischähnliche Reptilien betrachtet wurden und auch .später noch als Schuppenlurche bezeichnet werden konnten. Neuerdings ist zu diesen beiden Formen noch eine dritte von Forster und Krefft in Australien ent- deckte Galtung hinzugekommen, deren Gebiss mit fcssilen (Tria.s), von Agassiz den Plagiostomen zugeschriebenen Zähnen der Gattung Ceratodus überein- stimmt. In ihrer äusseren Körpergestalt erscheinen sie entschieden als Fische. Ein gestreckter mehr oder minder aalförmiger Leib ist bis über den Kopf mit runden Schuppen bedeckt, zeigt deutlich die Kopf- und Seitenkanäle und endet mit einem compressen Ruderschwanz, dessen Flossensaum von weichen Strahlen 1) J. Natter er, Lepidosiren paradoxa, eine neue Gattung der fischähnlichen Reptilien. Annalen des Wiener Museums. 1837. IL Bd. Th. L. Bischoff, Lepidosiren paradoxa, anatomisch untersucht und beschrieben. Mit 7 Steindrucktafeln. Leipzig. 1840. J. Hyrtl, Lepidosiren paradoxa. Monographie. Mit 5 Kupfertafeln. Frag. 1845. R. Owen, Description of the Lepidosiren annectens. Transact. Linn. Soc. vol. XVIL 1840. W. Peters, üeber einen dem Lepidosiren verwandten Fisch von Quellimane. Müller's Archiv. 1845. G. Krefft, Beschreibung eines gigantischen Amphibiums aus dem Wide- Bay-District in Queensland. A. Günther, Ceratodus und seine Stelle im System. Archiv für Natm-geschichte. Tom. 37. 1871. Derselbe, Description of Ceratodus, a genus of Ganoid Fishes. Phil. Transact. 1871. Huxley, On Ceratodus Forsten. Proced. Zool. Soc. London. 1876. E. Ray Lankester, On the Hearts of Ceratodus, Protopterus and Chimaera etc. Transactions of the zoolog. Society of London. Tom. X. 1879. J. E. V. Boas, Ueber Herz und Arterienbogen bei Ceratodus und Protopterus. Morpholog. Jahrb. Tom. VI. 1880. 240 Dipnoer. Flossen. Kiemen. gestützt, oben bis zur Mitte des Rückens, unten bis zum After sich fortsetzt. Der breite flache Kopf besitzt kleine seitliciie Augen und eine ziemlich weit ge- spaltene Schnauze , an deren Spitze die beiden Nasenöffnungen liegen. Un- mittelbar hinter dem Kopfe finden sich zwei Brustflossen , die ebenso wie die gleichgestalteten weit nach hinten liegenden Bauchflossen an ihrem Unterrande einen häutigen durch Strahlen gestützten Saum erkennen lassen (Stammreihe und Radien an einer Seite), oder {Üeratodiis) wie die Flossen der Crossopterycjier aus einem centralen von schuppiger Haut überzogenen Schafte und zwei seit- lichen von Strahlen gestützten Säumen bestehen. Vor dem vordem Flossen- paare liegt jederseits eine Kiemenspalte, über welcher bei der Afrikanischen Gattung Frotopterus (Rhinocryptis) bis in das spätere Alter drei kleine äussere Kiemenanhänge erhalten bleiben. Bei der in Brasilien einheimischen Gattung Lepidosiren fehlen äussere Kiemen. Wie in der äussern Gestalt, so erweisen sich die Fischlurche auch durch den Besitz innerer Kiemen als Fische. Diese sind bei Cerutodus — von der Opercularkieme abgesehn — in 4facherZahl vorhanden. Die Gestaltung dieser Kiemen erinnert an die ÜImnaeren, indem die zwischen den beiden Blättchen- reihen jedes Kiemenbogens sich erhebende Scheidewand zu einer ansehnlichen Platte wird, welche sich bis zum Dach der Kiemenhöhle fortsetzt und die ange- wachsenen Kiemenblättchen trägt. Bei Lepidosiren und Frotopterus finden sich 5 Paare knorpliger vom Zungenbeinbogen getrennte Kiemenbogen, von denen jedoch die beiden vordem Paare keine Kiemen tragen. Auch auf den fünften Bogen sind einige Plättchen gerückt. Eine Nebenkieme ist auch hier vorhanden. Auch die Skeletbildung weist entschieden auf die Ganoiden hin, mit denen die Dipnoer überhaupt so nahe verAvandt sind , dass man sie denselben einordnen konnte. Stets persistirt eine zusammenhängende knorplige Rücken- saite, von deren Faserscheide verknöcherte obere und untere Bogenschenkel mit Flippen abgehen. Nach vorn setzt sich die Chorda bis in die Basis des Schädels fort, welcher auf der Stufe der primordialen Knochenkapscl zurück- bleibt, jedoch bereits von einigen Knochenstücken überdeckt wird. Derselbe weicht von dem Schädel der Knochenganoiden nicht unwesentlich ab und ver- einigt Eigenthümlichkeiten des Ghimaerenschädels mit denen der Amphibien. Wie dort bildet derselbe mit dem Oberkiefergaumenbogen und dessen Suspen- sorium eine zusammenhängende Masse. Nur zwei Verknöcherungen treten in der Seitenwand des Schädels auf, die Occipitalia lateralia. Als Auflagerungs- knochen sind an der Basis ein Parasphenoid, an der Decke ein sehr lang- gestrecktes Parieto-frontale vorhanden {Ijpidosiren). Das Gehörorgan ist in der knorpligen Schädelkapsel eingeschlossen. Weit stärker sind die Gesichts- knochen des Kopfes entwickelt , namentlich die Kiefer , deren Bezahnung wie bei den Chimaeren aus senkrecht gestellten schneidenden Platten besteht, oder aber (Ceratodus) an die der Cestracioniden erinnert. In der Bildung der Geschlechtsorgane und deren Leitungswege verhält sich Ceratodus ähnlich den Knochenganoiden , indem auch im männlichen Geschlechte die Müller'schen Gänge Leitungswege sind. Der Darmkanal birgt eine Spiralklappe, welche in einiger Entfernung von der bald mehr rechtsseitig , bald mehr linksseitig aus- mündenden Cloake endet. Diese nimmt die Geschlechtsöffnung und zu deren Lungen. Herz. 241 Seiten die Mündungen der Ureteren auf und besitzt an ihrer Hinterseite bei Lepidosiren eine selbständige Harnblase. Während die bisher besprochenen Verhältnisse den Fischtypus unserer Thiere bekunden , führt die Athmung durch Lungen und besonders die Herz- bildung zu den nackten Amphibien hin. Stets durchbrechen die knorpligen meist gefensterten Nasenkapseln wie bei allen Luftathmern durch hintere Oeff- nungen das Gaumengewölbe und zwar weit vorn unmittelbar hinter der Schnauzenspilze. Sodann nimmt ein einfacher (Cerutodus) oder doppelter, ausserhalb der Bauchhöhle gelegene Sack die Stelle der Schwimmblase ein und mündet mittelst eines kurzen medianen Ganges durch eine Spaltöffnung in die vordere Wand des Schlundes ein. Diese als Lungen zu bezeichnenden Säcke enthalten bereits zellige Räume, erhalten jedoch ihr zuführendes Blut, ähnlich wie die Schwimmblase mancher Knochcnganoiden {Poli/pteriis), noch von Gefässen der paarigen Aorten - Wurzel beziehungsweise der unteren Kiemenvenen. Dagegen wird das arterielle Blut durch Lungenvenen zum Vor- hof des Herzens zurückgeführt. Durch diese Einrichtung, mit welcher die Gomplication der Herzgestaltung zusammenhängt, führen sie zu den Amphibien hin, welche durch Kiemen und Lungen athmen. Nach Hyrtl geht jedoch bei Lepidosiren die Lungenarterie jederseits wie bei den Amphibien von dem untern Arterienbogen ab und ist die directe Verlängerung desselben. hnmerhin scheinen die Besonderheiten, welche den Herzbau der Dipnoer charakterisiren, diesen eine gesonderte Stellung anzuweisen. Das Atrium er- fährt zunächst durch einen wulstförmigen Vorsprung (Ceratodus), welcher bei Lepidosiren zu einer netzförmig durclibrochencn muskulösen Scheidewand wird, eine vollständige Sonderung, der übrigens auch im Sinus venosus das Auftreten einer Längsscheidewand parallel geht. Die viel kleinere Hälfte des letzteren nimmt das aus den Lungenvenen zurückströmende Blut auf und führt dasselbe an der linken Seite des Wulstes , jedoch zugleich mit venösem Blut, in das Atrium, hi dem etwas spiralig gedrehten und eingeknickten Conus arteriosus ist eine der vier longitudinalen Klappenreihen (Ceratodus) in ge- schlossener Continuität zu besonderer Mächtigkeit entwickelt und erzeugt das Ansehn einer Longitudinalfalte. Das im linken Theil des Atriums aufgenommene freilich schon gemischte Blut wird in die linke durch die Longitudinalfalte ab- gegrenzte Seite des Conus und von da in die beiden obern Kiemenarterien getrieben, welche das Blut in den Körperkreislauf führen, während das rein venöse Blut durch den rechten Theil des Atriunis in den Ventrikel und von da in die rechte Seite des Conus gelangt, um in die untern Kiemenarterien einzu- fliessen, aus derem Bereich indirekt als Ast der untersten Kiemenvene die Lungenarterie entspringt. Vollkommener ist das gleiche Princip bei Proiopterus durchgeführt. Jedoch ist durch Ausbildung einer zweiten , der Hauptfalte gegenüberstehenden , Falte im Conus arteriosus die Trennung des- selben in zwei Räume für die zwei Blutsorten vollständiger geworden. Hier wird das Lungenblut ziemlich unvermischt in die beiden obern Bogenpaare geführt , welche die Carotiden und die Aorta bilden , dagegen keine Kiemen versorgen. Claus, Zoologie. 4. Auflage. Tom. IL 16 242 1. Ordnung. Monopneumüna. Die Dipnoer, über deren Entwicklung bislang nähere Beobachtungen fehlen, leben in den tropischen Gegenden Amerikas und Afrikas, in Sümpfen und Lachen am Amazonenstrome, weissen Nil, Niger und Queilimane, die Gattung Ceratodus aber in den Flüssen Australiens, doch mehr in schlam- migem Wasser, das mit Gasen verwesender organischer Stoffe erfüllt ist. Wenn die Sümpfe während der heissen Jahreszeit austrocknen, graben sich die ersteren mehrere Fuss tief in den Boden ein, bekleiden die dicht anliegenden Wände iin-er Höhle mit einer blattartig dünnen Schleimschicht und überdauern unter eintretender Lungenathmung, bis die Regenzeit den Sümpfen wieder Wasser zuführt. Sie nähren sich vorzugsweise von thierischen Stoffen. 1. Ordnung. ]Vroiiopneuniona. Mit einfacher nicht in zwei Hälften gespaltener Lunge. Vomer mit zwei schiefen Schneidezahn -ähnlichen Zahnlamellen. Gaumen mit einem Paare grosser und langer Zahnplatten bewaffnet, deren flach wellige Oberfläche mit 5 bis 6 scharfen Zacken an der Aussenseite bewaffnet ist. Unterkiefer mit zwei ähnlichen Zahnplatten. Flossen wie die der Crossopterygier mit be- schupptem Schaft und strahligem Saum, in welchem zwei seitliche Reihen von Strahlen enthalten sind. Die Klappen im Conus arteriosus mehr nach Art der Ganoiden. Kiemenapparat jederseits aus 5 Knorpelbögen und 4 Kiemen gebildet. Hohlraum der einfachen Lunge aus 2 symmetrischen zelligen Hälften zu- sammengesetzt, jedoch ist eine Längsreihe derselben sehr mächtig und erzeugt den Anschein einer Längsfalte. Die beiden Ureteren münden durch eine ge- meinsame Oeffnung an der Rückenseite der Cloake. Hinter dem After ein Paar weiter Peritonealspalten. Leben von Blättern, die sie mit den Schneidezähnen abreissen und mit den Zahnplatten zerkauen, sie benutzen vorwiegend die Lunge zur Respiration , wenn das schlammige Wasser von Gasen organischer Stoffe erfüllt ist. Lebten schon zur Zeit des Trias. Fam. Ceratodidae mit der einzigen Gattung Ceratodus Ag. C. Forsten Krefft (und miolepis Günth.), Barraniunda der Eingebornen, Queensland, lebt in schlammigem Wasser, wird bis 6 Fuss lang und ist des schmackhaften Fleisches halber als Speise geschätzt. Fossile Zahnreste aus dem Jura und Muschelkalk waren schon lange vor der Entdeckung der lebenden Art bekannt. 2. Ordnung. Dipneumoiiaj. Mit doppelter Lunge und einfacher Seitenreihe von Strahlen in den Glied- massen. Flossen schmal, mit gegliedertem Knorpelstab (Slanmireihe) und Strahlen an einer Seite. Kiemen mehr rcducirt. Klappeneinrichtung des Conus arteriosus vollständiger, durch zwei Falten vermittelt. Lungen paarig. 1. Fam. Sirenoidae. Protoptcrus Owen {Ehinocryptis Peters). Mit Opercularkieme am Zungenbein- bogen und je 2 Reihen von Kiemenblättchen am dritten und vierten sowie einer Reihe am fünften Kiemenbogen. Zwischen den Kiemenbcgen 5 Spaltenpaare, von denen das vor- II. Classe. Amphibia. 243 dere Paar zwischen Zungenbein und erstem Kiemenbogen liegt. Auch 3 äussere kiemen- ähnliche Anhänge vorhanden. Pr. annectens Owen, Tropisches Afrika. Leindosiren Natterer. Ohne äussere Kiemen. 5 Kiemenbogen mit nur 4 Inter- branchialspalten jederseits, da das vordere Paar fehlt. L. paradoxa Natterer, Brasilien, II. Classe. Amphibia'), Amphibien, Lurche. Wechselwartne Vertehraten meist mit nackter Ilautoberfläche, mit Lungen- ■i athnvung und vorübergehender oder persistirender Kiemen athmung, soivie un- vollständig doppeltem Kreislauf, mit doppeltem Condylus des Hinterhauptes. Entivicldung mittelst Metamorphose^ ohne Amnion und Allantois der Embryonen. Die nackten Amphibien bilden mit den beschuppten Amphibien den In- halt der zweiten Linne'schen Wirbelthierclasse , der Reptilien. Wenn man neuerdings diesen Verband aufgelöst hat , so gab man gewiss einem durchaus natürliclien, erst mit dem Fortschritt der Wissenschaft erkannten Verhältniss Ausdruck. Die nackten Amphibien oder einfach Amphibien schliessen sich in Bau und Entwicklung den Fischen an, von denen die Gruppe der Dipnoer den Uebergang vermittelt. Die Reptilien dagegen erweisen sich, obwohl Kalt- blüter, doch hinsichtlich der gesammten Organisation und Entwicklung als höhere Wirbelthicre und bilden das Anfangsglied in der Reihe der höhern zu jeder Lebenszeit ausschliesslich Luft-athmenden Landthiere, Schon die äussere Körpergestalt weist auf den wechselnden Aufenthalt im Wasser und auf dem Lande hin, zeigt indessen mannichfaltige zu den kriechenden, kletternden und springenden Landthieren hinführende Gestaltungs- formen. \m Durchschnitt praevalirt ein langgestreckter, cylindrischer oder mehr comprimirter Körper, der häufig mit einem anselmlichen compressen Ruder- schwanz endet und seltener auf dem Rücken eine senkrechte Hautfalte trägt. Extremitäten können noch vollständig fehlen, wie bei den drehrunden, unter- irdisch in feuchter Erde lebenden Blind Wühlern, in andern Fällen finden sich bloss kurze Vordergliedmassen [Sire.n) oder vordere und hintere Stummel mit reducirter Zehenzahl, unfähig, den sich schlängelnden Körper in der Höhe zu tragen. Auch da wo die beiden Extremitätenpaare eine ansehnliche Grösse erhalten und mit vier oder fünf Zehen enden, wirken sie mehr als Nachschieber zur Fortbewegung des langgestreckten biegsamen Rumpfes. Nur die Batrachier, 1) Lacapede, Histoire naturelle des Quadrupedes ovipares et des serpens. Paris 1788 und 1789. J. G. Schneider, Historia amphibiorum naturalis et litteraria. .Jena. 1799-1801. B. Merrem, Beiträge zur Geschichte der Amphibien. 1790—1801, sowie Tentamen systematis amphibiorum. Marburg. 1820. Wagner, Natürliches System der Amphibien. München. 18:30. Dumeril et Bibron, Erpetologie generale etc. Paris. 1834—1854:. Rymer Jones, Reptilia in Todd's Cyclopaedia of Anatomie and Physio- logy. A. Götte, Die Entwicklung.'^geschichte der Unke. Leipzig. 1875. IG* 244 Amphibien. Haut. Skelet. deren kurzer gedrungener Rumpf im ausgebildeten Zustand des Schwanzes entbehrt, besitzen sehr kräftige, zum Laufen und zum Sprunge, selb.st zum Klettern taugliche Extremitätenpaare. Die Haut^), nicht nur für die Absonderung, sondern auch für die Respiration von grosser Bedeutung, erscheint in der Regel glatt und sclilüpfrig, die Blindwühler {Coedlicn) besitzen jedoch schienenartig verdickte Hautringe und in denselben Schüppchen, welche die concentrischen und strahligen Linien der Fischschuppen zeigen. Ueberall stellt die oberste Zellenschicht einen dünnen verhornten Ueberzug dar, der periodisch abgestreift und durch einen neuen ersetzt wird, hn Larvenleben besitzt diese einschichtige Lage einen äussern streifigen von Poren durchsetzten Saum. Auch die Sinnesorgane der Seitenlinien finden sich bei den im Wasser lebenden Formen, insbesondere imLarvenzustand, wenngleich freiliegend und nicht von Ganälen umschlossen, wieder. Sehr all- gemein liegen Drüsen und Pigmente in der Hautbedeckung. Die erstem sind entweder einfache flaschen form ige Zellen, deren Secret beim Häutungsprocess die Verbindung der obersten abzustossenden Zellenlagen loslöst oder sack- förmige Drüsen mit schleimigem Secret, welches die Oberfläche des Leibes während des Landaufenthaltes feucht und schlüpfrig erhält oder sie sondern ätzende und stark riechende Säfte ab , welche auf kleinere Organismen eine giftige Wirkung auszuüben vermögen. Diese letztern Drüsen erhalten an manchen Stellen eine bedeutende Grösse und häufen sich zu grössern Gom- plexen an, wie z. B. bei den Kröten und Salamandern in der Ohrgegend {Parotidei), ebenso oft bei den erstem an den Seiten und hintern Extremitäten. Die mannichfachen Färbungen der Haut beruhen theils auf der Anhäufung von Pigmentkörnchen in den Epidermiszellen, theils auf dem Besitze von oft grossen ramificirten Pigmentzellen der Gutis, welche bei den Fröschen durch selbständige Gestaltveränderungen das schon länger bekannte Phänomen des Farbenwechsels bedingen. Bei einigen Urodelen erfährt die Haut auffallende prriodische Wucherungen, insbesondere erhalten die männlichen Tritonen zur Begattungszeit häutige Flossenkämme des Rückens und öfters Fransen an den Zehen, welche bei dem Weibchen schwächer sind oder ganz fehlen. Wie bereits erwähnt, ist die Oberhaut in beständiger Erneuerung begrifTen und wird bei den Batrachiern in grossen zusammenhängenden Blättern abgestossen. Das Skelet vertritt im Anschluss an das der Ganoiden die zunächst höhere Stufe in der Entwicklungsreihe des Knochengerüstes, Obwohl eine Ghorda dor- salis von ansehnlichem Umfang persistiren kann, häufiger freilich in Resten vorhanden ist, kommt es stets zur Bildung knöcherner, anfangs noch biconcaver Wirbel, welche stets — im Gegensatze zu der Wirbelsäule der Fische — durch Intervertebralknorpel geschieden sind, hn einfachsten Falle (Blindwürmer und 1) Fr. E. Schulze, Epithel- und Drüsen-Zellen. 1. Die Oberhaut der Fische und Amphibien. Archiv für niikr. Anatomie. Tom. III. Fr. Leydig, Ueber die äussern Bedeckungen der Amphibien und Reptilien. Arch. für mikr. Anatomie. Tom. IX. 1873 und Tom. XII. 1874. Wirbelbildimg. 245 Proteus) besitzen die Wirbel die Form knöcherner Doppelkegel ^), deren Binnen- raum von der continuirlich zusammenhängenden mächtig entwickelten Chorda erfüllt wird. Bei den Tritonen und Salamandern verdrängt allmählig der wachsende hitervertebralknorpel die in ihren Resten verknorpelnde Chorda, und es kommt durch weitere Differenzirung des erstem zur Anlage eines Gelenkkopfs und einer Gelenkpfanne, die aber erst bei den mit procölen Wirbel- körpern versehenen Batrachiern zur völligen Sonderung gelangen. Hier er- hält sich nur das im primordialen Wirbeikörper gelegene Chordastück und zwar olme sich in Knorpel umzuwandeln entweder einige Zeit lang oder das ganze Leben hindurch. Die Zahl der Wirbel ist meist der langgestreckten Körperform entsprechend eine bedeutende, bei den Batrachiern dagegen be- steht die ganze Wirbelsäule nur aus zehn Wirbeln mit auffallend langen Quer- fortsälzen, welche die häufig fehlenden Rippen zugleich mit vertreten, während sich sonst mit Ausnahme des ersten zum Atlas sich umgestaltenden Wirbel an fast allen Rumpfwirbeln kleine knorplige Rippenrudimente finden. Obere Bogenstücke sind stets entwickelt und können auch wie bei den Fröschen Gelenkfortsätze bilden , von ihnen und theilweise von den Wirbelkörpern ent- springen die Querfortsätze, dahingegen treten untere Bogenstücke nur an dem Schwanztlieile der Wirbelsäule auf. Am Kopfskelet erhalt sich der knorplige Primordialschädel, verliert jedoch meist Decke und Boden und wird von knöchernen Stücken verdrängt, die theils Ossificationen der Knorpelkapsel (Occipitalia lateralia, Gehörkapsel, Gürtelbein, Quadratum) sind, theils als Belegknochen vom Perichondrium aus (Parietalia, Frontalia, Nasalia, Vomer, Parasphenoideum) ihren Ursprung nehmen. Wie bei Lepidosiren bleiben Occtpikile basale und siiperius kleine Knorpelstreifen, ebenso finden wir noch ein Farasphenoideum, das bei keinem Reptil und höherm Wirbelthier wieder auftritt , dagegen fehlen wahre Basisphenolds. Die Occipitalia lateralia (mit dem Opisthoticum verschmolzen) sind stets sehr entwickelt, tragen zur Begren- zung des Gehörlabyrinthes bei und articuliren wie bei den Säugethieren mittelst doppelter Gelenkhöcker auf dem vordersten Wirbel. Die vorspringende Ohr- gegend wird von einem grossen die vordere Parthie des Labyrinthes bergenden Knochen gebildet , welcher auch den dritten Ast des Trigeminus durchtreten lässt und olfenbar dem Frooticum entspricht. Hier aber wird die Ohrkapsel von einer Fenestra ovalis durchbrochen, an welches sich ein vom Zungen- beinbogen stammendes Knochenstäbchen {Columella) anlegt. Während die Seitenwandungen der Schädelhöhle knorplig bleiben, entsteht noch in der vordem an die Ethmoidalgegend angrenzenden Region eine Ossifikation , die sich durch mediane Vereinigung zu einem ringförmigen Knochen , Gürtelbein (Os en ceinture), gestalten kann. Dieser von D uges als Etlunoideuni gedeutete Abschnitt entspricht dem Orbitosphenoid der Knochenfische, zuweilen (Frosch) ist er aber auch nach vorn zur Begrenzung der Nasenwand ausgedehnt und würde demnach zugleich die Ethmoidalia lateralia repräsentiren. Diese Theile bleiben jedoch wie die Nasenscheidewand grossentheils knorplig, während von 1) Vgl. besonders Gegenbaur, Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie der Wirbelsäule bei Amphibien und Reptilien. Leipzig. 186"2. 246 Amphibien. Schädelbau. Kieferbogen. Extremitäten. oben die paarigen flachen Na.salia aufliegen und unten der ebenfalls paarige Vomer angrenzt. Die Verbindung des Schädels mit dem Kieferbogen ist im Gegensatz zu den Knochenfischen, wie bei CJnmaerd und Lepidosiren, eine feste. Kieferstil und Palato-Quadratum legen sich im Zusammenhang mit der knorpligen Schädelkapsel (Graniofacialknorpel) an und bilden jederseits einen weit ab- stehenden infraorbitalen Bogen , dessen Vorderende entweder frei bleibt oder mit dem Ethmoidalknorpel verschmilzt. Der Mangel einer Gliederung macht es wahrscheinlich, dass der Bogen ausschliesslich dem Palato-Quadratum ent- spricht und Theile des Hyomandibulare ausschlicsst (Gegenbaur), zumal da ein hinterer Fortsatz desselben direkt als Stil des Unterkiefers erscheint. Die am Ende des Stils auftretende O.s.sifikation bildet das Quadratum, während ein dem Knorpel aufliegender fast hammerförmiger Deckknochen als Sqiiamo- sum, richtiger vielleicht als Tympanicum bezeichnet wird {Fraeopercidiini Huxley). Ein zweiter von unten anliegender Knochen erstreckt sich im Bogen nach vorn und ist das einfache Fterycjoideum, an welches sich nach vorn das quer zum Vomer hinziehende Palatinum anschliesst. Der äussere Kiefer- bogen, gebildet durch die als Deckknochen (an den Rostral- und Adrostral- knorpel der Larven) entstehenden Intermaxillar- und Maxillarknochen, kann durch eine dritte hintere Knochenspange (Quadrato-juyale) bis zum Quadratum reichen, bleibt aber bei manchen Perennibranchiaten unvollständig, indem der Oberkieferknochen fehlt. Am Visceralskelet zeigt sich entschieden eine mehr oder minder tiefgreifende Reduction im Zusammenhang mit der Rückbildung der Kiemenathmung. Die mit bleibenden Kiemen versehenen Amphibien {PereninbrancJiiaten) besitzen die Visceralbogen in grösserer Zahl und in ähn- licher Gestalt, wie sie bei den übrigen Formen nur vorübergehend im Larven- leben auftreten. Hier treten noch 4 bis 5 Bogenpaare auf, von denen das vordere den Zungenbeinbogen darstellt und meist keine Gliederung zeigt. Auch die Gopula bleibt in der Regel einfach und wird von den beiden letzten Bogen überhaupt nicht mehr erreicht. Diese stellen einfache Knorpelstäbe dar und legen sich an das Grundglied des vorausgehenden Bogens an. Obere Schlundknochen fehlen überall. Bei den Salamandrinen persistiren ausser dem Zungenbeinbogen noch Reste von zwei Kiemenbogen, während sich bei den Batrachiern im ausgebildeten Zustand nur ein einziges Paar von Bogen- stücken am Zungenbeine erhält. Dasselbe fügt sich an den Hinterrand des Zungenbeinkörpers an und als Suspen.sorium des Kehlkopfs dient. Die Extremitäten besitzen stets ein SchuUer- und Beckengerüst und ge- statten eine sicherere Zurückführung ihrer Theile als die zu Flossen umgebil- deten Gliedmassen der Fische. Am Schultergerüsl unterscheidet man leicht die drei Stücke als Scapulare, Procoracoideum und Goracoideum , wozu noch ein oberes knorpliges Suprascapulare hinzukonmit. Während bei den ge- schwänzten Amphibien ein unterer Schluss des Gürtels fehlt, kommt derselbe bei den Batrachiern sowohl durch die mediane Verbindung beider Hälften als durch Anlagerung einer als Sternum zu deutenden Platte zu Stande. Am vordem Ende tritt noch eine Episternalplatte hinzu. Für das Becken ist die schmale Form der Darmbeine characteristisch, welche an den starken Quer- Nervensystem. Sinnesorgane. 247 fortsätzen eines Wirbels befestigt, an ihrem hintern Ende mit dem Sitz- und Schambein verschmelzen. Das Nervensystem der nackten Amphibien entspricht zwar noch einer tiefen Lebensslufe, erhebt sich aber bereits in mehrfacher Hinsicht über das der Fische. Das Gehirn ist in allen Fällen klein und zeigt im Wesentlichen die für diese Glasse hervorgehobenen Gestaltungsverhältnisse. Jedoch er- scheinen die Hemisphären grösser und die Differenzirung des Zwischen- und Mittelhirns weiter vorgeschritten. Die Lobi optici erlangen eine ansehnliche Grösse, und das verlängerte Mark umschliesst eine breite Rautengrube. Auch die Hirnnerven reduciren sich ähnlich wie bei den Fischen, indem nicht nur der N. facialis und die Augenmuskelnerven oft noch in das Bereich des Tri- (jemlnas fallen, sondern Glossopharyngeus und Äccessorius regelmässig durch Aeste des Vayus vertreten werden. Der Hypoglossus ist wie dort erster Spinalnerv. Von den Sinnesorganen fehlen die beiden Augen niemals, doch können sie zuweilen klein und rudimentär unter der Haut versteckt bleiben , wie dies namentlich für den unterirdische Gewässer bewohnenden 01m ( Proteus) und die Bündwühler oder Schleichenlurche gilt. Bei den Perennibranchiaten fehlen Lidbildungon noch vollständig, während die Salamandrinen ein oberes und unteres Augenlid und die Batrachier mit Ausnahme von Fipa ausser dem oberen Augenlid eine grosse sehr bewegliche Nickhaut besitzen, neben der nur bei Bafo ein unteres rudimentäres Augenlid auftritt. Eine besondere Aus. Zeichnung der Batrachier ist das Vorhandensein eines Retractors, durch welchen der grosse Augenbulbus weit zurückgezogen werden kann, hu Baue des Gehörorganes ') schliessen sich die Amphibien an die Fische an. Mit Aus- nahme der Batrachier beschränkt sich dasselbe auf das Labyrinth mit drei halbcirkelförmigen Ganälen, liegt jedoch bereits von einem Felsenbein um- schlossen. Bei jenen aber tritt meist noch eine Paukenhöhle hinzu, welche mit weiter Tuba Eustachii in den Rachen mündet und aussen von einem bald frei liegenden bald von der Haut bedeckten Trommelfell verschlossen v\?ird, dessen Verbindung mit dem ovalen Fenster ein kleines Knorpelstäbchen nebst Knorpel- plätlchen {Coluinella nebst Operculum) herstellt. Bei fehlender Paukenhöhle werden diese Deckgebilde des ovalen Fensters von Muskeln und Haut über- zogen. Die zuerst durch Deiters bei den Fröschen entdeckte rudimentäre Schnecke dürfte wohl allen Amphibien zukommen. Die Geruchsorgane sind stets paarige mit Hautfaltungen der Schleimhaut versehene Nasenhöhlen, welche anfangs nach vorn innerhalb der Lippen , bei den Batrachiern und Salamandrinen weiter nach hinten zwischen Oberkiefer und Gaumenbein mit der Rachenhöhle communiciren. Als Sitz der Gefühlswahrnehmungen und des Tastsinnes ist die äussere nervenreiche Haut zu betrachten. Dass auch der Geschniaksinn vorhanden ist, ergibt sich aus dem Vorhandensein von Geschmackspapillen auf der Zunge der Batrachier. Die meisten Amphibien besitzen eine grosse vorn angewachsene und als Fangapparat verwendbare Zunge. Die Speiseröhre ist wie bei den Fischen weit und kurz und führt in 1) Vergleiche insbesondere die Arbeiten von Deiters und Hasse. 248 Amphibien. Verdauuugscaual. Athmungs- u. Kreislaiifsorgaae. Kiemenathmnng, den meist deutlich abgesetzten häufig retortenförmig erweiterten Magen. Der Darm gliedert sich in einen engen ausnahmsweise fast geradgestreckten , meist mehrfach gewundenen Dünndarm und einen kurzen Dickdarm, der sich in die weite mit einer vordem dünnwandigen Harnblase verbundene Kloake fortsetzt. In diese münden auch die Harn-Geschlechtswege ein. Die Leber ist ebenso wie Pancreas und Milz stets vorhanden. Den Eingang in den Verdammgscanal bildet eine mit weit gespaltenem Rachen beginnende Mundhöhle , deren Kiefer- und Gaumenknochen ( Vonier, Falatinum) in der Regel mit spitzen nach hinten gekrümmten Zähnen bewaffnet sind, welche nicht zum Kauen, sondern zum Festhalten der Beute gebraucht werden. Nur selten fehlen Zähne vollständig, wie bei Fipa und einigen Kröten, während sie bei den Fröschen stets im Oberkiefer und am Gaumen vor- handen sind. Bei den Blindwühlern und Urodelen dagegen finden sich zwei obere Bogen. Die Athmungs- und Kreislaufsorgane der nackten Amphibien wiederholen im Wesentlichen die Gestaltungsverhältnisse der Dipnoer und characterisiren unsere Thiere als wahre Verbindungsglieder zwischen den ausschliesslich mittelst Kiemen athmenden Wasserbewohnern und den Luft-lebenden höhern Wirbelthieren mit Lungenrespiration. Ueberall treten zwei ansehnliche Lungen- säcke auf, neben denselben aber noch, sei es nur im .Jugendalter oder auch im ausgebildeten Zustande, drei oder vier Paare von Kiemen, welche bald in einem von der Haut des Halses bedeckten Raum mit äusserer Kiemenspalte eingeschlossen liegen, bald als ästige oder gefiederte Hautanhänge frei am Halse hervorragen. Stets sind mit dem Besitze von Kiemen Spaltöffnungen in der Schlundwandung zwischen den Kiemenbogen verbunden. Die Lungen sind zwei geräumige meist symmetrisch entwickelte Säcke mit vorspringenden Falten und netzförmig erhobenen Balken auf der Innen- fläche, durch welche secundäre zellenförmige Räume gebildet werden, an deren Wandung die Capillaren verlaufen. Diese weniger ausgedehnte Flächen- entwicklung entspricht dem geringen respiratorischen Bedürfnisse und gestattet eine nur unvollkommene Athmung , auch lassen die beschränkten Athmungs- bewegungen, welche bei dem Mangel eines erweiterungs- und verengerungs- fähigen Thorax einerseits durch die Muskulatur des Zungenbeins, andererseits durch die Bauchmuskeln bewirkt werden, den Austausch der Luft in wenig vollkommener Weise ausführen. Der unpaare durch Knorpelstäbe gestützte Eingangskanal in die beiden Lungen sieht bald mehr einer Trachea, bald mehr durch seine Kürze und Weite einem Kehlkopf ähnlich, ist aber nur bei den Anuren zu einem Stimmorgan ausgebildet, welches laute quakende Töne her- vorbringt und häufig im männlichen Geschlechte durch den Resonanzapparat eines oder zweier mit der Rachenhöhle communicirender Kchlsäcke unterstützt wird, hn innigsten Zusammenhang mit den Respirationsorganen steht die Entwicklung und Ausbildung des Gefässsystemes. hl der Zeit der ausschliesslichen Kiemonathmung verhält sich der Bau des Herzens und die Gestaltung der Hauplarterienstämme ganz ähnlich wie bei den Fischen. Später bei hinzutretender Lungcnathmung wird der Kreislauf ein doppelter, und es findet durch ein Septum die Scheidung eines rechten und Kiemenathmung. 249 linken Vorhofes statt, von denen der erstere die Körpervenen, der letztere die arteriellen Blut-führenden Lungenvenen aufnimmt. Dagegen bleibt die Ven- tricular- Abtheilung des Herzens stets noch einfach, erhält daher nothwendig gemischtes Blut und führt in den kurzen muskulösen, rhythmisch contractilen Aortenconus mit der Aorta ascendens , welche sich in die bereits mehr oder minder reducirten Gefässbögen spaltet. Beim Embryo und während der ersten Larvenperiode sind es vier Paare von Gefässbögen, welche ohne capillare Ver- tlieilung den Schlund umziehen und sich unterhalb der Wirbelsäule zu den beiden Wurzeln der Aorta ( descendens ) verbinden. Mit dem Auftreten von Kiemen geben die drei vordem Bogenpaare Gefässschlingen ab , welche das System der Kiemencapillaren bilden, während die zurückführenden Theile der Bögen untereinander eine sehr verschiedene Verbindung durch Bildung der Aortenwurzeln (Aorta descendens) erfahren. Der untere vierte Gefässbögen, der übrigens häufig (Frosch j einen Zweig des dritten darstellt oder (Salamander) mit jenem in gemeinsamem Ostium am Bulbus entspringt, steht zur Kiemen- athmung in keiner Beziehung und führt direct in die Aortenwurzel. Dieser untere Gefässbögen ist es, welcher einen Zweig zu den sich entwickelnden Lungen entsendet und so die Bildung der an Grösse und Bedeutung bald über- wiegenden Lungenarterie einleitet. Während sich diese Verhältnisse des Larven- lebens bei den Perennibranchiaten im Wesentlichen zeitlebens erhalten, treten bei den Salamandrinen und Batrachiern mit dem Schwunde der Kiemen weitere Reductionen ein , welche zur Gofässvertheilung der höhern Wirbelthiere hin- führen. Indem das Gapillarsystem der Kiemen hin wegfällt, wird die Verbin- dung des Aortenbulbus und der absteigenden Körperarterie wiederum durch einfache Bogen hergestellt , die aber an Umfang keineswegs gleichmässig ent- wickelt sind , sondern zum Theil zu engen und obliterirten Verbindungswegen verkümmern {Ductus JBotalli). Der vordere Bogen, aus dessen branchialem Theil schon während der Kiemenathmung die Kopfgefässe hervorgehen , ent- sendet Zweige zu der Zunge, sowie die Garotiden, bewahrt sich aber meist einen Ramiis conimunicans oder Ductus Botalli. Die beiden mittleren bilden am häufigsten die Aortenwurzeln, von denen sich auch noch Aeste nach dem Kopfe abzweigen können. Der unterste an seinem Ursprünge oft mit dem vor- hergehenden verschmolzene Bogen gestaltet sich zur Lungenarterie um, meist mit Erhaltung eines dünnen, zuweilen obliterirten Ductus Botalli. Auch aus den Aortenwurzeln treten oft noch Gefässe nach dem Kopf und Hinterhaupt aus. Bei den Batrachiern, welche in Folge des Zusammenfallens der beiden untern Kieinenbogen nur drei Gefässbögen besitzen, ist die Aortenwurzel Fort- setzung des mittleren Bogens jeder Seite und giebt die Gefässe der Schulter- gegend und der vordem Extremität, oft auch an einer Seite die Eingeweide- arterie ab. Der untere Bogen entsendet die Lungenarterie und einen starken Stamm für die Haut des Rückens, ohne einen auch nur obliterirten Verbindungs- gang mit der Aorten wurzel zu erhalten. Am meisten vereinfacht sich der Apparat der Gefässbögen bei den Goecilien , wo aus dem Aortenbulbus ausser der Lungenarterie zwei Gefässstämme hervortreten, welche hinter dem Schädel die Kopfaiterie abgeben und sodann die Aortenwurzel bilden. Wie bei den Fischen schiebt sich in das rückführende venöse Gefässsystem ein doppelter 250 AmiAibien. Ljmphgefässe. Haruorgane. Pfortaderkreislauf ein, das der Leber und der Niere; erst aus den venae revehentes derselben gelangt das Blut in die untere Hohlvene. Die Lymphgefässe der Amphibien sind wohl entwickelt und begleiten die Blutgefässe als Geflechte oder weite lymphatische Balmen. Der Ductus thora- tlcus bildet in seiner vordorn Partie doppelte Schenkel und entleert Chylus und Lymphe in die vorderen Venenstämme. Auch sind Gommunicationen der Lymphbahnen mit der Vena iliaca nachgewiesen worden. An einzelnen Stellen können Lymphbehälter rhythmisch pulsiron und die Bedeutung von Lymph- herzen erhalten, so liegen bei den Salamandern und Fröschen zwei Lymph- herzen unter der Rückenhaut in der Schultergegend und zwei dicht hinter dem Os ileum. Von Gefassdrüsen sind die stets paarige Thymus und die in keinem Falle fehlende Milz hervorzuheben. Die Harnoryanc sind stets paarige , aus den grossen unteren Abschnitten der Urniere hervorgegangene Drüsen , an deren Aussenrande zahlreiche Harn- kanälchen in die beiden Urnierengänge eintreten. Dieselben öffnen sich auf warzenförmigen Vorsprüngen in die hinlere Wand der Kloake, ohne direct mit der Harnblase in Verbindung zu stehen, welche vielmehr als geräumige, oft zweizipflige Aussackung an der vordem Kloakenwand hervortritt. Die Ent- wicklung des Nierensystems beginnt mit dem Auftreten einer paarigen weit vorn neben den Kiemen retroperitoneal gelegenen Vorniere, die sich jederseits in den mit seinem Hinterende in die Dorsal wand der Kloake mündenden Urnierengang fortsetzt. Die Vorniere legt sich keineswegs als solide Zellen- Avucherung des Mesoderms an , sondern entsteht als rinnenartige Ausstülpung des parietalen Peritoneums zur Zeit, in welcher sich die ersten Urwirbel sondern. Durch Abschnürung zu einem selbständigen Gang geworden, verlängert sich dieselbe ebenso wie die Anlage des Urnierengangs und dißerenzirt sich in einen Horizoiitalcanal, welcher meist durch drei oder vier Mündungen mit der Bauch- höhle eommunicirt. Der Vornierengang endet aiifangs blind. Eine im Bereiche der Vorniere entstandene Erhebung des visceralen Peritoneums liefert den niit der Urniere sich verbindenden Glomerulus. Erst bei viel wejter vorgeschrittenen Larven von circa Vji Gentim. Länge beginnt die Entwicklung der Urniere, während die Vorniere freilich nicht immer bis zum völligen Schwunde rückgebildet wird. Die erstere entsteht in einer verschieden grossen Zahl aufeinander folgender Anlagen, welche sich als ge- sonderte Ausstülpungen des Peritoneums in Form von Schläuchen abschnüren. Am obern Ende bilden dieselben eine ganze Anzahl von sich verknäulenden Röhrchen am untern Ende je ein später in den Urnierengang einmündendes Harncanälchen. Später entwickeln sich die dorsalen Abtheilungen der Urnierencanälchen, die in immer grösserer Anzahl auftreten, vornehmlich im hintern Abschnitt der Urniere, während der vordere einfach gebliebene Theil mit den Hoden in Verbindung tritt. Die aus diesem Abschnitt austretenden Canälchen leiten das Sperma in den inzwischen durch Abspaltung vom Müller'schen Gang gesonderten secundären Urnierengang, an dessen unterem Ende die aus dem untern als Niere fungirenden Abschnitt der Urniere aus- tretenden Harncanälchen zusammentreten. Beim Weibchen münden dieselben wie die Sammelröhrchen des obern Abschnitts in den secundären Urnieren- Fortpflanzung. 251 gang ein, dagegen erlangt der Müller 'sehe Gang eine bedeutende Grösse und übernimmt jederseits die Function des Oviductes. Während dieser Gang mit freiem, trichterförmig erweitertem Ostium, welches die aus dem trauben- förmigen Ovarium in die Bauchhöhle gefallenen Eier aufnimmt, beginnt, nimmt er einen mehrfach geschlängelten Verlauf und mündet oft unter Bildung einer Uterus -artigen Erweiterung nach Aufnahme des Harnleiters seitlich in die Cloake. Für diese ist bei den Salamandrinen nach v. Siebold 's Entdeckung der Besitz schlauchförmiger, als Samenbehälter fungirender Drüsen bemerkens- werth. Ein vollkommener Hermaphroditismus scheint niemals vorzukommen obwohl bei den männlichen Kröten, insbesondere bei Bufo vanabüis, neben den Hoden Rudimente des Ovariums gefunden werden. Männchen und Weibchen unterscheiden sich oft durch Grösse und Färbung, sowie diu'ch andere namentlich zur Brunstzeit im Frühjahr und Sommer her- vortretende Eigenthümlichkeiten. Zahlreiche männliche Batrachier besitzen z. B. eine Daumenwarze und Kehlsäcke, andere wie die männlichen Wasser- salamander zeichnen sich zur Zeit der Begattung durch den Besitz von Haut- kämmen aus. Aeussere Begattungsorgane fehlen am männlichen Geschlechts- apparate der meisten Amphibien, gleichwohl aber kommt es bei vielen zu einer Begattung, die freilich meist eine äussere Vereinigung bleibt und eine Befruch- tung der Eier ausserhalb des mütterlichen Körpers zur Folge liat. Die männ- lichen Land- und Wassersalamander hingegen besitzen BegatLungseinrichlungen und aufgewulstete Kloakenlippen, welche bei der Begattung die weibliche Kloakenspalte umfassen und eine innere Befruchtung ermöglichen. Im letzteren Falle können die Eier im Innern des weiblichen Körpers ihre Entwicklung durchlaufen , und lebendige Junge auf einer frühern oder spätem Stufe der Ausbildung geboren werden. Der erstere Fall gilt insbesondere für die Batrachier. Die Männchen derselben umfassen ihre Weibchen vom Rücken aus in der Regel hinter den Vorderschenkeln , seltener in der Weichengegend und ergiessen die Samenflüssigkeit über die aus dem weiblichen Körper aus- tretenden Eier. Nur ausnahmsweise sorgen die Eltern durch Instinkthandlungen für das weitere Schicksal der Brut, wie z. B. der Fessler und die südamerikanische AVabenkrötc. Während das Männchen der erstem [Älijtcs ohstreticans) die Eiersclmur um die Hinterschenkel windet, dann sich in feuchter Erde vergräbt und sich seiner Last erst nach vollendeter Embryonalentwicklung entledigt, streicht die männliche Fipa die abgelegten Eier auf den Rücken des Weibchens, welcher alsbald um die einzelnen Eier zellartige Räume biklet, in denen nicht nur die Embryonalenlwicklung durchlaufen wird, sondern auch die aus- geschlüpften Jungen bis nach vollständigem Ablauf der Metamorphose Schutz und Nahrung finden. Andere Gattungen wie Notodclphis besitzen einen geräumigen Brutsack unter der Rückenhaut. Vun diesen Fällen abgesehen werden die Eier entweder einzeln vornehmlich an Wasserpflanzen angeklebt (Wassersalamander) oder in Schnüren oder un regeln lässigen Klumpen abgesetzt. Im letztern Falle secerniren die Wandungen des Eileiters eine eiweissähnliche Substanz, welche die Eier sowohl einzeln umhüllt als unter einander verbindet und im Wasser mächtig aufquellend eine gallertige Beschaffenheit annimmt. 252 Amphibien. Entwicklung. Metamorphose. Die kleinen von einer Dotterhaut umschlossenen Eier besitzen in ihren grossen Keimbläschen zahlreiche Keimflecken, welche sich am reifen Ei zur Zeit der Fortpflanzung nach dem Centrum zusammenziehn. Das Keimbläschen selbst rückt zu dieser Zeit nach dem obern Pol gegen die Dotteroberfläche, um unter bestimmten von 0. H e r t w i g und B a m b e c ke näher verfolgten Veränderungen zum Eikern zu werden und nach seiner Vereinigung mit dem aus dem ein- gedrungenen Samenkörper entstandenen Spermakern den Furchungskern zu bilden. Nun beginnt die inaequale Furchung, welche besonders am Ei des Frosches und der Unke genau studirt worden ist. Nach Ablauf des Furchungs- processes bezeichnet eine breite schildförmige Keimscheibe, auf welcher sich die Primitivrinne und zu deren Seiten die Rückenwülste bilden, die Anlage des Embryos, hi der weitern Entwicklung kommt es niemals — und hierin stimmen die Amphibien mit den Fischen überein — zur Bildung von Änniioii und Alltuitois, jener für die höhern Wirbelthiere so wichtigen Embryonalhäute, wenngleich allerdings in der vordem Harnblase eine morphologisch der Allantois gleichwerthige Bildung vorliegt. Auch erhalten die Embryonen keinen äusseren vom Körper abge.schnürten Dottersack, da der Dotter frühzeitig von den Bauch- platten umschlossen wird und die mehr oder minder kuglig hervortretende Anschwellung des Bauches bedingt. Als Ersatz für die als Ernährungs- und Athmungsorgan fehlende Allantois entwickeln aber die Kiemenbogen einen respiratorischen Apparat, der freilich meist erst im freien Leben zur vollen Entfaltung kommt. Da nämlich die Embryonalentwicklung nur eine beschränkte Dauer hat , so verlassen die Jungen sehr frühzeitig die EihüUen , und es folgt eine mehr oder minder ausgeprägte Metamorphose mit anfangs ausschliess- licher Kiemenathmung. Der Verlauf dieser Metamorphose bewirkt die Ueber- führung der in Form und Bewegungsart an den Fisclitypus anschliessenden Larve in die Gestalt des auf der höchsten Stufe kriechenden oder springenden Luftthieres und zwar durch eine Reihe von Zwischenstadien, die theilweise als persistente Formen Geltung behalten. Die ausgeschlüpfte Larve erinnert durch den seitlich comprimirten Rudersciiwanz und durch den Besitz äusserer Kiemen an die Fischform und entbehrt noch beider Extremitätenpaare, die erst mit fortschreitendem Wachsthum des Leibes hervorsprossen. Während dieser Vor- gänge beginnt auch die Function der aus dem Schlünde hervorgesprossten Lungensäcke, nachdem eventuell (Batrachier) die äusseren Kiemenanhänge durch innere von der Haut verdeckte Kiemenblättchen ersetzt worden sind, und sich seitlich am Halse zum Abfluss des Wassers eine Kiemenspalte aus- gebildet hat. Endlich geht die Kiemenathmung durch Rückbildung der Kiemen und deren Gefässe vollständig verloren, der Ruderschwanz verkürzt sich mehr und mehr und wird zuletzt wenigstens bei den Batrachiern vollständig ab- geworfen '). hl den übrigen Gruppen erhalten sich die späteren oder auch 1) Vergl. besonders Prevost et Dumas, Ann. des Sc. nat. II. 1824. C. E. v. Baer, Ueber Entwicklungsgeschichte der Thiere. II. Königsberg. 1837. Reichert, Das Entwicklungsleben im Thierreich. Berlin. 1840. C. Vogt, Untersuchungen über die Lebensweise. 253 früheren Phasen der Entwicklungsreihe durch das ganze Leben, indem bei den Salaniandrincn der Ruderschwanz, bei den Pereimibranchiafen zugleich die Kiemen oder wenigstens die äusseren Kiemenspalten {Derotremen) persistiren und die Extremitäten stummeiförmig bleiben oder selbst nur in dem vordem Paare zur Ausbildung kommen. Das System bietet demnach zur Entwicklungs- geschichte der Einzelform eine annähernd zutreffende Parallele. Entweder sind die nackten Amphibien durchaus oder nur während der Larvenperiode an das Wasser gebunden, aber auch im letztern Falle wählen sie feuchte schattige Plätze in der Nähe des Wassers zum Aufenthaltsorte , da eine feuchte Atmosphäre bei der hervortretenden Hautrespiration Allen Be- dürfniss scheint. Viele leben einsam und den Tag über in ihren Verstecken verborgen, andere dagegen besonders zur Paarungszeit in grosser Zahl neben einander, gehen aber auch vorzugsweise in der Dämmerung auf Nahrungs- Erwerb aus. Bei vielen Amphibien tritt abgesehen von den mit Aller, Geschlecht und Jahreszeit, sowie dem periodischen Abwerfen der Epidermis verbundenen Variationen der Färbung noch ein vom Nervensystem abhängiger Farben- wechsel ein, welcher duich die Bewegungen der Chromatophoren herbeigeführt wird. Fast alle vermögen Töne zu produciren, auch die Tritonen geben schwache quakende Töne von sich. Die Nahrung besteht fast durcliweg aus hisekten und Würmern, im Larvenleben jedoch vorwiegend aus pflanzlichen Stoffen, hidessen ist das Nahrungsbedürfniss bei der geringen Energie der Lebensvorgänge, bei der Trägheit in den Bewegungen und psychischen Leistungen ein verhältnissmässig geringes. Viele können Monate lang ohne Nahrung ausdauern und so auch, wie z. B. die Batrachier, im Schlamme vergraben überwintern. Ueberhaupt ist die Lebenszähigkeit der Amphibien so bedeutend, dass sie Verstümmelungen wichtiger Organe lange Zeit aushalten und verloren gegangene Körpertheile auf dem Woge der Reproduction durch Neugebilde zu ersetzen vermögen. Hinsichtlich der geographischen Verbreitung reichen manche Gruppen bis in den hohen Norden, andere dagegen (Coecilicn) beschränken sich auf die heissen Gegenden, in denen überhaupt die bei weitem grösste Zahl der nackten Amphibien ihre Heimath hat. hi Europa ist die Zahl der Gattungen und Arten sehr beschränkt. Fossile Reste dieser Gruppe treten, abgeselien von der ausgestorbenen der Trias angehörigen Familie der Lahyrmthodonten {Mastoäonsaiirus) erst im Tertiär auf. Entwicklungsgeschichte der Geburtshelferkröte. Solothurn. 1842. Remak, Untersuchungen über die Entwicklung der Wirbelthiere. Berlin. 1853. Rusconi, Histoire naturelle, developpement et metamorphose de la Salamandre terrestre. Paris. 1854. A. Goette, Entwicklungsgeschichte der Unke. Leipzig. 1874. 254 1. Ordnung. Apoda. 1. Ordnung^. Apoda ^) (GrymnophioTia) , Blindwühler. KleinhescJm2>pte Lurche von unirmfürmkjer Gesialt, ohne Gliedmassen, mit bicovcaven Wirbeln. Der langgestreckte fuss- und schwanzlose Körper unserer Thiere stimmt so auffallend mit manchen Schlangen überein , dass man die Einordnung der Blindwühler unter die Schlangen, wie sie bei den älteren Zoologen herrschend war, begreiflich findet. Auch die Beschaffenheit der äussern Haut erinnert durch die Beschuppung an die Reptilien, wenngleich die Schüppchen klein bleiben und durch ihre Anordnung quere Ringel bilden, auch sonst die weiche Beschaffenheit des Integumentes mit den Batrachiern übereinstimmt. Entschieden aber verweist die innere Organisation und die frühzeitige Kiemen- athmung die Blindwühler zu den Amphibien , unter denen sie sogar in mehr- facher Hinsicht am tiefsten stehen. So insbesondere rücksichtlich des Skeletes, welches durch die biconcave Form der Wirbelkörper und wohl erhaltene Chorda ausgezeichnet ist. Der knöcherne Schädel mit seinem doppelten Gelenkhöcker zeigt eine feste Verbindung mit den Gesichtsknochen, von denen Kiefer und Gaumenbein kleine nach liinten gekrümmte Zähne tragen. Das Zungenbein deutet durch seine Grösse und die fast vollständige Zahl (4) der erhaltenen Bogenpaare auf die Kiemenathmung des Larvenalters hin. Kleine rudimentäre Ri[)pen finden sich in der ganzen Länge der Wirbelsäule mit Ausnahme des ersten und letzten Wirbels. Schulter- und Beckengerüst nebst Extremitäten fehlen vollständig. An der untern Seite des kegelförmigen Kopfes liegt die kleine Mundspalte, vorn an der Schnauze die beiden Nasenlöcher, in deren Nähe sich bei mehreren Gattungen jederseits eine blinde Grube bemerkbar macht. Diese sogenannten falschen Nasenlöcher führen in Kanäle ähnlich den Kopfgruben der Schlangen, welche von Leydig^) als Sinnesorgane betrachtet werden. Die Augen bleiben bei der unterirdischen Lebensweise der Blind- wühler stets klein und schimmern nur als kleine Fleckchen durch die Haut hindurch, hnmerhin besitzen sie wieLeydig gezeigt alle wesentlichen Theile des Vertebratenauges. Auch eine grosse Hardersche Drüse ist vorhanden. Trommelfell und Paukenhöhle fehlen. Von der Innern Organisation mag die asymmetrische Gestaltung der Lungen hervorgehoben werden. Wie bei den Schlangen erreicht die Lunge der rechten Seite eine weit bedeutendere Grösse als die mehr oder minder verkümmerte linke Lunge. Die Coecilien gehören durchaus den Tropen Süd- amerikas und Ostindiens an , halten sich nach Art der Regenwürmer in Erd- löchern auf und nähren sich besonders von hisektenlarven. Ihre Entwicklungs- geschichte ist noch wenig bekannt, doch weiss man durch J oh. Müller, dass 1) Vergleiche ausser den Schriften von Schneider, Dumeril, Tiedemann, Rathke, Blainville, Gervais, Peters etc.: J. Müller, Beiträge zur Anatomie und Naturgeschichte der Amphibien, Treviranus Zeitschrift für Physiologie. Tom. IV. 1832. R. Wiedersheim, Anatomie der Gymnophionen. Jena. 1879. 2) Oppel, Ueber die Classifikation der Amphibien. München. 1811. F. Leydig, Ueher die Schleichenlurche (Coecilia). Ein Beitrag zur anatomischen Kenntniss der Amphibien. Zeitschr. für wiss. Zoologie. Tom. XVIII. 2. Ordnung, Caiulata. 255 Epicrium glutinosum in der Jugend jederseits eine Kiemenspalte besitzt, welche zu den Innern Kiemen führt. Nach Gervais soll übrigens Coecilia compressi- cauda Junge ohne Spur von Kiemenlöchern gebären, was Peters neuerdings bestätigt. Doch wurden von letzterm am Nacken der neugeborenen im Wasser abgesetzten Jungen umfangreiche Blasen beobachtet und als Kiemen in An- spruch genommen, welche die glockenförmigen äussern Kiemen der Larven von Notodelphis ovigera wiederholen. 1. Farn. Coeciliidae. Mit den Charakteren der Ordnung. Coecilia L. Eine Grube unterhalb jeder Nasenöffnung. Schnauze vorragend. Kiefer- und Gauiuenzähne kurz und konisch. C. lumbricoidea Duud. [gracdis Shaw.). C. rostrata Cuv., Südamerika u. a. A. Siphonops Wagl. Grube an der Lippe zwischen Nasenlöcher und Auge. Schnauze kurz. Körper geringelt. Augen deutlich durch die Haut schimmernd. ciidacrisF\U., LitoriaTsch. 270 III. Classe. Reptilia. Notodelphis Weinl. Weibchen mit Bruttasche am hintern Theil des Rückens. Vomerzähne vorhanden. N. ovifera Weinl., Mexico. Larven mit glockenförmigen äusseren Kiemenblasen. Nototrema Gnlh. Trachycephalus Dum. Bibr. 2. Subt'. Polypedatinae. Zehen mit Schwimmhäuten, Sacralfortsätze cylindrisch. Acris Dnm. Bibr. Haftscheiben klein. Paukenfell undeutlich. Zunge breit herz- förmig. Männchen mit innerer Schallblase. Ac. gryllus Lee, Nordamerika. Ixalus Dum. Bibr., Polypedates Dum. Bibr. u. a. A. 3. Subf. Hylodinae. Zehen frei. Sacralfortsätze cylindrisch. Hylodes Fitz. Mit Vomerzähnen. H. lineatus Sehn. , St. Domingo. Fhyllobates Bibr. Vomerzähne fehlen. Zunge hinten frei. Ph. bicolor Bibr., Cuba. Crossodactylus Dum. Bibr. 2. Fam. Phylloniedusidae. Mit Maxillarzähnen , Parotiden und verbreiterten Sacralfortsätzen. Phyllomedusa Wagl. Zehen frei. Vomerzähne vorhanden. Paukenfell ziemlich undeutlich. Männchen mit einer Schallblase an der Kehle. Ph. bicolor Bodd. , Süd- amerika. Pelodryas Gnth. Zehen mit Schwimmhäuten. Vomerzähne vorhanden. Pauken- fell deutlich. P. caerulea White, Australien. 3. Fam. Dendrobatidae. Ohne Maxillarzähne und Parotiden. Dendrobates Wagl. (Hylaplesia). Habitus froschförmig. Zahnlos. Zehen frei, am Ende verbreitert. Sacralfortsätze cylindrisch. Männchen mit innerer Schallblase. X>. tinctorius Sehn. , Cayenne. Bei Brachymerus Smith sind die Sacralfortsätze verbreitert. Hylodactylus Tsch. (Plectropus Dum. Bibr.). Zähne am Vomer. Zehen mit Schwimmhaut. Sacralfortsätze verbreitert. H. pictiis Eud. Soul., Philippinen. III. Classe. Reptilia'), Reptilien. Beschuppte oder hepanzerte Kaltblüter mit ausschliesslicher Lungen- athmmg und doppelten oder unvollkommen gesonderten Herzhummern, mit unpaarem Hinterhauptsgelenk , mit Amnion und Allantois der Embryonen. Die Körperform dieser ausserordenüich vielgestalteten, vornehmlich zur Zeit der Secundärformation verbreiteten Wasserthierclasse wechselt weit mannichfaltiger als die der Amphibien , wiederholt jedoch im Allgemeinen die für die Gruppen der Blindwühler , Schwanzlurche und Frösche beschriebenen Typen. Auch bei den Reptilien hat die Wirbelsäule meist noch vorwiegende Bedeutung für die Locomotion und eine mehr gleichmässige zu Schlängelungen des Rumpfes befähigende Gliederung. Der Leib erscheint daher mit Ausnahme der Schildkröten langgestreckt und mehr oder weniger cylindrisch, ist ent- weder ganz fusslos wie bei den Schlangen, oder mit zwei oder vier Extremitäten 1) Vergleiche ausser den für die Amphibien citirten Werke insbesondere J. G. Schneider, Historiae Amphibiorum naturalis et litterariae. Jenae. 1799 bis 1801- H. Schlegel, Abbildungen neuer und unvollständig bekannter Amphibien. Düsseldorf. 1837—1844. A.Günther, The Reptiles of British India. London. 1864. E. Schreiber, Ilerpetologia europaea. Braunschweig. 1875. Die paläontologischen Schriften von Goldfuss, Owen, H. v. Meyer, Huxley u. a. Haut. Skelet. 271 versehen, welche zwar eine sehr verschiedene Grösse und Ausbildung erreichen können , aber in der Regel nur als Stützen und Nachschiebor des mit der Bauchfläche auf dem Boden dahingleitenden Körpers wirken. Bei einer solchen Art der Fortbewegung erscheint ein Halsabschnitt kaum ausgeprägt und wenn in grösserer Ausdehnung entwickelt, doch stets verhältnissmässig starr, da- gegen der Schwanz um so umfangreicher und beweglicher. Indessen werden nicht selten sowohl Rumpf als Extremitäten zu besondern Bewegungsformen modificirt. Es gibt zahlreiche kletternde und grabende Reptilien, unter den Schlangen sowohl als unter den Echsen, auch petreficirte Reste von Flugechsen, welche wohl die ältesten fliegenden Wirbelthiere gewesen sein mögen. Daneben aber vermögen die Reptilien sich auch im Wasser aufzuhalten und nach den besondern Einrichtungen geschickt zu schwimmen und zu tauchen {Uydro- saiirier). Nur in einer Reptiliengruppe , bei den Schildkröten , erscheint der Körper breit und gedrungen und die Wirbelsäule mit Ausnahme des sehr ent- wickelten beweglichen Halses und kürzeren Schwanzes vollkommen starr. In diesem Falle treten die Extremitäten als Locomolionsorgane in den Vorder- grund. Die Körperhaut besitzt im Gegensatze zu der vorherrschend nackten und weichen Haut der Ampliibien eine derbe, feste Beschaffenheit, sowohl in Folge discreter Erhärtungen und Ossificationen der Cutis, als einer Verhornung der Epidermis. Zahlreiche Reptilien besitzen eine Hautbedeckung von Schuppen und Schildern, es sind Erhebungen der Cutis, welche die verhornte Epidermis bekleidet. Auch können die Erhebungen der Unterhaut ossificiren und dach- ziegelförmig übereinandergreifende Knochenschilder bilden {Scincoidee»), oder es lagern sich in der Cutis grössere Platten und Tafeln von Knochensubstanz ab, die zur Entstehung eines harten mehr oder minder zusammenhängenden Hautpanzers Veranlassung geben können {Crocoäile, Schildkröten). Sehr all- gemein finden sich in der Lederhaut sowie in den tiefern Schichten der Epi- dermis Ablagerungen von Pigmenten, welche die eigenthümliche oft mannich- faltige und intensive Färbung der Haut bedingen, seltener einen wahren Farbenwechsel (grüne Baumschlangen, Chamaehon) veranlassen. Auch kommen Hautilrüsen , wenn auch in geringerer Verbreitung als bei den Am- phibien vor. Insbesondere besitzen zahlreiche Eidechsen Drüsenreihen an der Innenseite des Oberschenkels und in der Nähe des Afters , die sich mit deut- lichen Poren zuweilen auf warzigen Erhebungen öffnen (Schenkel poren, Anal- poren). Während man die physiologische Bedeutung dieser Drüsen nicht ausreichend kennt, benutzt man ihre Anwesenheit und Anordnung zur Characterisirung der Gattungen und Arten. Auch bei' den Crocodilen liegen grössere Drüsengruppen unter dem Hautpanzer sowohl zu den Seiten des Afters als an den Seiten der Unterkieferäste. Das Skelet der Reptilien zeigt niemals die embryonalen Formen einer knorpligen Schädelbasis und der persistirenden Chorda , wie wir sie noch bei manchen Amphibien antreffen, weicht aber in seiner besondern Gestaltung nach den einzelnen Gruppen ausserordentlich ab. An der Wirbelsäule treten bereits die 5 Regionen schärfer hervor , wenn auch Brust- und Lendengegend noch keine scharfe Abgrenzung gestatten. Am Halse wird der erste Wirbel 272 Reptilien. Wirbelsäule. Schädel. zum Beuger, der zweite zum Dreher des Kopfes. Bei Flcsiooaurus sind jedoch beide Wirbel verwachsen. Während fossile Hydrosaurier amphicoele fisch- ähnliclie Wirbel besitzen, zeigen die Wirbelkörper in der Regel eine vordere Gelenkpfanne und einen hintern Gelenkkopf. Doch kommen am Schwänze mancher Eidechsen auch amphicoele und am Halse der Schildkröten neben den letztern auch procoele Wirbelkörper vor. Die obern Bogen sind bei allen Schlangen und Echsen mit dem Wirbelkörper fest verwachsen, bei den Ichthyosauren , Crocodilen und Schildkröten dagegen weniger fest , meist unter Zurücklassung einer Naht angelegt, überall stehen sie unter einander in Gelenkverbindung, indem in der Regel Gelenkfortsätze der vordem Bogen auf die hintern übergreifen. Untere Bogen sind bei den Schlangen, Eidechsen und Crocodilen eine Auszeichnung der Schwanzregion , an welcher sie wie bei den Urodelen je zwei benachbarten Wirbelkörpern angehören. Auch können an den Rumpfwirbeln einfache Dornfortsätze (Schlangen) vorkommen. Wo Quer- fortsätze auftreten, nehmen dieselben stets ihren Ursprung an dem obern Bogen- systeme. Rippenbildungen sind allgemein und oft über die ganze Länge des Rumpfes verbreitet. Bei den Schlangen und schlangenähnlichen Echsen, welchen ein Brustbein fehlt, sind falsche Rippen an allen Wirbeln des Rumpfes mit Ausnahme des Halswirbels (Atlas) eingelenkt und zum Ersatz der fehlenden Extremitäten zu überaus freien Bewegungen befähigt. Auch bei den Eidechsen und Crocodilen konmien kurze Halsrippen vor, während sich die Rippen der Brust an ein langgestrecktes Sternum anlegen, auf welches bei den Crocodilen einsog. Sternum abduininale folgt, das über den Bauch bis in die Becken- gegend sich erstreckt und aus einer Anzahl von Bauchrippen (ohne Dorsaltheil) zusammengesetzt ist. Die beiden Kreuzbeinwirbel besitzen sehr umfangreiche Querfortsälze, an welchen die Rippen durch untere Aeste vertreten sind, die übrigens in geringerer Grösse auch am Schwanz entwickelt sind. Bei den Schildkröten fehlen die Rippen an dem langen sehr beweglichen Halsabschnitt durchaus, dagegen finden sich an der vereinigten Brust- und Lendengegend acht Paare von Platten, die mit den Seitenplatten des Rückenschildes mehr oder weniger verwachsen und als Rippen zu deuten sind, welche freihch im Körper des Embryo's wie Querfortsätze mit den Bogenschenkeln der Wirbel continuirlich zusammenhängen. Die beiden Sacralwirbel, welche ebenso wie die nachfolgenden zahlreichen und sehr beweglichen Schwanzwirbel von der Verwachsung mit dem Rückenschilde ausgeschlossen sind, besitzen ebenfalls Querfortsätze, die den rippenartigen Platten der vorausgegangenen Leibes- region entsprechen. Der Schädel articülirt stets mittelst eines unpaaren oft aber dreihöckrigen Condylus des Hinterhauptsbeins auf dem Atlas und zeigt eine vollständige Ver- knöcherung fast aller seiner Theile, indem das Primordialcranium beinahe voll- ständig verdrängt wird. Am Hinterhaupte treten sämmtliche vier Elemente als Knochen auf, obwohl sowohl das Basilare (Schildkröten) als das Superius (Crocodile, Schlangen) von der Begrenzung des Foramen magnum ausgeschlossen sein kann. An der Ohrkapsel tritt zur fenestra ovalis mit der Columella noch die fenestra rotunda hinzu. An der Begrenzung der erstem betheiligt sich das meist mit dem Occipitale laterale verschmelzende Opisthoticum (bei den Schild- Schädel. Oberkiefergaiimenapparat. Visceralskelet. 273 kröten gesondert). Dagegen liegt bei allen Reptilien ein gesondertes Prooticum vorn am Rande mit der Oeffnung für den dritten Ast des Trigeminus vor den Seitentheilen des Hinterhaupts. Das Epioticum ist mit dem Occipitale superius verschmolzen. Sehr verschieden verhält sich die vordere Ausdehnung der Schädelkapsel und damit im Zusammenhang die Ausbildung des sphenoidalen Abschnitts. Niemals aber tritt ein Parasphenoideum auf, während überall eine Sphenoidale basale vorhanden ist. Dagegen fehlen in der Regel Ali- sphenoids und Orbitosphenoids und sind durch Fortsätze des Stirn-Scheitel- beins (Schlangen) oder des Scheitelbeins (Schildkröten) ersetzt. Im letztern Falle und bei den Eidechsen ist das Interorbitalseptum sehr umfangreich, kann aber auch Ossifikationen enthalten. Die Schädelknochen sind immer recht umfangreich, bald paarig, bald unpaar. Häufig nimmt das Stirnbein nicht mehr an der Ueberdeckung der Schädelhöhle Theil und liegt nur dem Septum interorbitale auf. Der hintern Seitenwand des Frontale schliessen sich in der Schläfengegend Postfron falia an. In der Ethmoidalregion bleibt die mittlere Partie theilweise knorplig und wird dorsalwärts von paarigen Nasalia, an der Basis von dem bei Schlangen und Eidechsen paarigen Vonier bedeckt. Stets sind von dem Mittelabschnitt die Ethmoidalia laferalia (Praefrontalia) getrennt. An der Aussenseite der letztern treten den Vorderrand der Orbita begrenzend bei Eidechsen und Grocodilen Thränenbeine {Lacrymalia) auf. Die Bildung des Kieferstils lässt sich aus den bei den Amphibien bestehenden Verhältnissen ableiten, doch ist das am obern Abschnitt auf- tretende Squamosum mehr direkt dem Schädel aufgelagert und das Quadratum stets als starker Knochen ausgebildet. Die Verbindung desselben und des weit vorgestreckten Kiefergaumenapparates mit dem Schädel ist bei den Schild- kröten und Giocodilen eine feste , bei den Schlangen und Echsen mehr oder minder frei beweglich. Im erstem Falle sind nicht nur die grossen Flügel- und Gaumenbeine mit dem Keilbein verwachsen , sondern es ist auch der Zu- sammenhang des Quadratbeins mit dem Oberkieferbogen ein sehr fester. Bei den Grocodilen entwickelt sich eine Querbrücke {Os transversum) zwischen Flügelbein und Oberkiefer, sowie ein oberer Schläfenbogen, durch welchen jederseits die Schläfenschuppe mit dem hintern Stirnbein verbunden wird. Bei den Eidechsen, deren Oberkiefergaumenapparat und Quadratbein am Schädel mittelst Gelenkeinrichtungen verschiebbar sind, rcducirt sich der Joclibogen bis zum völligen Schwunde, dagegen tritt nicht nur das bereits für die Grocodile erwähnte Os transversum , sondern meist auch ein stilförmiger Pfeiler zwischen dem Flügelbein und Scheitelbein als ColumcUa hinzu. Am vollständigsten aber wird die Verschiebbarkeit der Gesichtsknochen bei den Schlangen, welche des Jochbogens vollständig entbehren, dagegen ein ansehn- liches Os transversum besitzen. Auch gestatten hier die beiden Aeste des Unterkiefers, der sich wie bei allen Reptilien und niedern Wirbelthieren aus mehrfachen Stücken zusammensetzt, durch ein dehnbares Band am Kinnwirbel verbunden, eine bedeutende Ausdehnung nach den Seiten. Das Visceralskelet, das niemals mehr als Tragapparat von Kiemen in Verwendung kommt, dient nur in seinem vordem Abschnitt zur Stütze der Claus, Zoologie. 4. Auflage. Tom. II. 18 274 Reptilien. Extremitäten. Nervensystem. Zunge und erstreckt sich weit unter Kehlkopf und Lufröhre hin. Es gestaltet sich zum Zungenbein , dessen Körper von der Gopula gebildet wird , und an welchem sich die ventralen Bogenstücke als Hörner erhalten. Am vordem Bogen sondert sich stets ein Stück (Hyomandibulare) und tritt als Golumella zum Gehörapparat, der übrig bleibende Abschnitt desselben kann knorplig bleiben, gegliedert sein und sich an den Schädel anlegen, aber auch sehr verkümmern, ja ganz verschwinden (Crocodilen). Am meisten reducirt sich das Zungenbein der Schlangen, an welchem nur ein Bogen zurückbleibt, dessen lange gräten- artige Schenkel vor der Trachea zusammentreten. Die Saurier besitzen ein sehr schmales Zungenbein mit 2 Paaren von Hörnern, von denen die hintern ossificiren. Sehr breit dagegen wird der Zungenbeinkörper der Grocodile und Schildkröten. Jene besitzen nur hintere Hörner, während sich am Zungenbein- körper der Schildkröten 3 Paare und zwar theil weise gegliederter Hörner finden. Extremitäten und deren Gürtel fehlen den meisten Schlangen vollständig, doch finden sich bei den Peropoden und Tortriciden in der Aftergegend Spuren von Hinterbeinen, welche freilich bis auf das Nagel-tragende Endglied ganz unter der Haut versteckt bleiben. Bei den Eidechsen zeigen die Extremitäten sehr verschiedene Stufen der Ausbildung ; während Schulter und Beckengürtel ausnahmslos, wenn auch zuweilen in sehr rudimentärer Form {Amphishaeniden, Scincoideen etc.) vorhanden sind, können sowohl Vorder- als Hinterbeine voll- kommen fehlen, oder nur die einen mit Ausschluss der andern als kleine Stummel auftreten. In den meisten Fällen sind jedoch beide Extremitäten- paare vollständig ausgebildet und mit fünf Zehen versehen. Selten sind die Zehen durch Schwimmhäute verbunden (Grocodile), oder die Extremitäten zu platten Ruderflossen umgebildet (fossile Hydrosaurier und Seeschildkröten). Bei den fossilen Pterodactyliern besassen die vordem Gliedmassen einen sehr stark verlängerten Finger und die Bedeutung von Flugorganen. Das Nervensystem der Reptilien erhebt sich in der Ausbildung seiner Theile entschieden über das der Amphibien. Am Gehirn treten die Hemi- sphären durch ihre ansehnliche Grösse bedeutend hervor und beginnen bereits das Mittelhirn zu bedecken. Das kleine Gehirn zeigt eine verschiedene von den Schlangen an bis zu den Crocodilen fortschreitende Entwicklung und erinnert bei den letztern durch den Gegensatz eines grössern mittleren Abschnittes und kleiner seitlicher Anhänge an das kleine Gehirn der Vögel. Auch bildet das verlängerte Mark eine beträchtliche abwärts gerichtete Krümmung. Gehirn- nerven sind in grösserer Zahl als bei den nackten Amphibien gesondert. Nie- mals fällt der N. facialis in das Bereich des Trigeminus, ebenso besitzen die Nerven der Augenmuskeln einen discreten Ursprung. Auch der Glossopharyn- geus wird nicht mehr durch einen Ast des Vagus repräsentirt , sondern er- scheint als selbständiger Nerv, der freilich mit dem Vagus mehrfache Ver- bindungen eingeht; ebenso entspringt der Äccessorius Willisii mit Ausnahme der Schlangen selbständig. Endlich tritt der Hypoglossus, welcher durch eine einfache oder doppelte Oeffnung des Schädels hindurchgeht, als selb- ständiger Hirnnerv auf. Sinnesorgane. -^'^ Auch die Sinnesorgane zeigen im Allgemeinen eine höhere Entwicklung als die der nackten Amphibien. Die Augen entbehren noch bei den Schlangen, Geckonen und Amphisbaenen gesonderter Lieder, werden hier aber an ihrer Vorderfläche von einer durchsichtigen uhrglasartigen Kapsel geschützt, welche von der Cornea durch einen mit Thränenflüssigkeit gefüllten Raum getrennt ist. In allen anderen Fällen findet sich ein oberes und unteres Augenlid , von denen jenes eine kleine Falte darstellt, dieses aber eine bedeutendere Grösse erreicht und überaus beweglich über den Bulbus emporgezogen werden kann. In der Regel kommt zu diesen Lidern am innern Augenwinkel eine selb- ständige Nickhaut hinzu, welche stets von einer besondern Drüse (Härder' sehe Drüse) begleitet ist. Gestalt und Grösse des Bulbus weichen mannichfach ab, bei den Schildkröten und Echsen wird derselbe ähnlich wie bei den Vögeln von einem in der Sclerotica entwickelten Knochenring gestützt. Die Cornea ist im Ganzen flach, bei den Schlangen und Crocodilen jedoch stark gewölbt. Die Pupille ist in der Regel rund, bei den Crocodilen stets eine verticale Längs- spalte. Eigen thümliche Falten der Chorioidea, welche dem Sichelfortsatz des Fischauges entsprechen und auch im Vogelauge den sog. Kamm (Pecten) bilden , treten im Auge der Echsen auf. Das Gehörorgan besitzt überall soweit bekannt eine schlauchförmige noch nicht gewundene Schnecke und ein entsprechendes Fenster (Fenestra rotunda). Eine Paukenhöhle mit Eustachischer Tube und Trommelfell fehlt nur den Schlangen und fusslosen Echsen, hier liegt das Operculum, welches das ovale Fenster bedeckt und die sich anschliessende Columella wie bei zahl- reichen Amphibien zwischen den Muskeln versteckt. Da wo eine Pauken- höhle auftritt, legt sich die Columella mit ihrem knorpligen Ende an das bei vielen Echsen freilich noch unter der Haut verborgene Trommelfell an, während eine weite Eustachische Röhre in den Rachen führt. Als erste Anlage eines äussern Ohres kann man eine Hautklappe über dem Trommelfell der Crocodile betrachten. Das Geruchsorgan der Reptilien zeigt vorzugsweise bei den Schildkröten und Crocodilen eine beträchtliche Vergrösserung der Schleimhautfläche, deren Falten durch knorplige Muskeln gestützt werden. Die äussern Nasenöffnungen sind nur bei den Wasserschlangen und Crocodilen durch Klappen Vorrichtungen verschli essbar. Die Choanen durchbohren das Gaumengowölbe meist in senk- rechter Richtung vom Grunde der Nasenhöhle aus , erstrecken sich jedoch bei den Crocodilen weit in den hintern Theil des Rachens. Bei den Schlangen und Sauriern kommt noch ein zweites (Nasendrüse, Rathke) zwischen Conchen und Vomer eingebettetes Geruchsorgan vor {Jacol)son°>QhQ.Q Organ, Leydig), dessen Nerv am Ende des Lobus alfactorius entspringt und sich becherförmig um eine Knorpelpapille ausbreitet. In welchem Grade der Geschmackssinn ausgebildet ist , lässt sich schwer entscheiden , doch ist derselbe keineswegs stets an die Zunge geknüpft , da diese bei den Schlangen und zahlreichen Echsen zum Tasten dient und in andern Fällen z. B. beim Chamaeleon als Fangorgan verwendet wird. Neuer- 18» 276 Reptilien. Kieferbewaffnuiig. dings wurden von Leydig ') bei Schlangen und Sauriern Sinnesbecher in der Mundhöhle entdeckt, bei den erstem längs der Kieferzahnreihen in einer hohen Längsfalte auf papillenartigen Hervorragungen, bei den letztern in Grübchen des Bindegewebes gelegen. Am besten scheint der Geschmack bei den Land- schildkröten und Leguanen entwickelt zu sein. Auch Tastkörperchen kommen wie bei den Batrachiern in den Hautpapillen der Nattern vor. Die Bewaffnung des Rachens bietet nach den einzelnen Ordnungen grosse Verschiedenheiten. Mit Ausnahme der Schildkröten, deren Kieferränder durch den Besitz einer schneidenden Hornbekleidung eine Art Schnabel bilden, finden sich in den Kiefern conische oder hakenförmige Fangzähne , welche die Beute festhalten, aber nicht zerkleinern können. Nur ausnahmsweise besitzen die Zähne gezähnelte Kronen sowie Faltungen des Schmelzes oder der Zahn- substanz, durch welche eine Streifung der Oberfläche veranlasst wird. In der Regel beschränken sich dieselben auf die Kiefer und erheben sich stets in ein- facher Reihe, bald an dem obern Rande {Äcrodonten) , bald an einer äussern stark vortretenden Leiste der flachen Zahnrinne angewachsen (Pleurodonten), selten wie bei den Crocodilen in besonderen Alveolen eingekeilt. Aber auch an dem Gaumen- und Flügelbein können Hakenzähne auftreten, welche dann häufig wie z. B. bei den giftlosen Schlangen eine innere Bogenreihe am Gaumengewölbe bilden. Bei den giftigen Schlangen treten bestimmte Zähne des Oberkiefers in nähere Beziehung zu dem Ausführungsgange von Giftdrüsen, welche von dem Schläfenmuskel bedeckt hinter und unter dem Auge liegen. Diese Zähne sind entweder an ihrer vordem convexen Fläche mit einer tiefen Längsfurche versehen oder von einem wirklichen Kanal durchbrochen und werden an ihrer Wurzel von der häutigen Scheide , in welche sich der Aus- führungsgang der Drüse fortsetzt , der Art umfasst , dass das Drüsensecret in der Rinne des Furchenzahns oder in dem Kanal des durchbohrten Giftzahns weiter fliesst und beim Biss in die Wunde eintritt. Speicheldrüsen finden sich bei den Schlangen und Echsen sowohl in den Lippen als am Unterkiefer, auch kann eine Subungualis auftreten , deren Besitz besonders für die Schildkröten characteristisch ist. Die Speiseröhre erscheint bei einer bedeutenden Länge, der Ernährungsart entsprechend , in ausserordentlichem Grade erweiterungs- fähig, die Wandung derselben legt sich meist in Längsfalten zusammen, kann aber auch wie bei den Seeschildkröten mit grossen Papillen und Zotten besetzt sein. Der Magen setzt sich oft nur durch seine ansehnlichere Weite von Schlund und Darm ab , von dem er freilich stets durch eine Pylorusklappe geschieden ist, und hält mit Ausnahme der Schildkröten, die ebenso wie die Frösche einen quergestellten Magen besitzen , vorzüglich die Längsrichtung des Körpers ein. Dagegen gleicht der Magen der Grocodile sowohl durch die rundliche Form als durch die Stärke der Muskelwandung dem Vogelmagen. Der Dünndarm zeigt im Allgemeinen nur spärliche Windungen und eine verhältnissmässige Kürze im Zusammenhang mit der animalen Ernährungsart, nur bei den von Pflanzenstoffen lebenden Landschildkröten übertrifft der Darm die Körperlänge um das 6- bis Sfache. Der breite Enddarm beginnt in der Regel mit einer 1) Fr. Leydig, Zur Kenntniss der Sinnesorgane der Schlangen. Arch. für niikr. Anatomie. Bonn. 1872. Lungen und Stimmorgane. Kreislaufsorgane. 277 ringförmigen Klappe, oft auch mit einem Blinddarm und führt in die Kloake, welche mit runder Oetfnung oder wie bei den Schlangen und Echsen als Quer- spalte {Plagiotremen) unter der Schwanz\vxirzel mündet. Leber und Bauch- speicheldrüse werden niemals vermisst. Die Reptilien entbehren stets auch im jugendlichen Alter der Kiemen- respiration und athmen ausschliesslich durch Lungen, welche als langgestreckte geräumige Säcke mit maschigen Vorsprüngen der Wandung, oder (Schild- ' kröten und Crocodile) mit weiten schwämmigen Hohlräumen meist bis in den hintern Theil der Leibeshöhle hineinragen. Bei den Schlangen und schlangen- artigen Echsen zeigen beide Lungensäcke eine ungleichartige Ausbildung , in- dem die Lunge der einen Seite mehr oder minder verkümmert und bei einigen Giftschlangen fast vollkommen verschwindet, während die zweite eine um so bedeutendere Grösse erlangt. Auch verliert das hintere Ende derselben sowohl die zelligen Maschenräume als die respiratorischen Gefässe und stellt sich als Luftreservoir dar, welches vornehmlich während des langsamen, die Athmung behindernden Schlingactes von Bedeutung zu sein scheint. Die zuführenden Luftwege sondern sich stets in einen mit spaltenförmiger Stimmritze begin- nenden Kehlkopf und in eine lange von knorpligen oder knöchernen Ringen gestützte Luftröhre , welche sich ziemlich allgemein in zwei Bronchien spaltet. Eine häutige oder knorplige Epiglottis findet sich bei zahlreichen Schildkröten, Schlangen und Echsen vor, Stimmeinrichtungen besitzen nur die Geckonen und Ghamaeleoniden. Allen Reptilien mit Ausnahme dieser Saurier fehlt eine Stinmie. Die für die Respiration erforderliche Lufterneuerung wird mit Aus- nahme der Schildkröten wohl überall mit Hülfe der Rippen bewerkstelligt. Die Kreislaufsorgane knüpfen zwar unmittelbar an die für die Amphibien beschriebenen Gestaltungsverhältnisse an, führen jedoch in allmählig vor- schreitenden Uebergängen zu wesentlich höhern Entwicklungsstufen bis zur vollkommen ausgeprägten Duplicität des Herzens und ziemlich ausgeführten Scheidung des arteriellen und venösen Blutes. Zunächst wird die Theilung des Herzens dadurch vollständiger, dass sich neben den beiden auch äusserlich abgesetzten Vorhöfen die Kammer in eine rechte und linke Abtheilung sondert. Freilich bleibt die Scheidewand der Kammer bei den Schlangen, Echsen und Schildkröten durch eine weitere oder engere Oeffnung durchbrochen , dagegen gelangt dieselbe bei den Crocodilen zum vollständigen Schluss und bewirkt die Scheidung in eine rechte und linke Kammer in ganz ähnlicher Weise, wie wir sie bei den Luft-athmenden Warmblütern beobachten, hi jenen Fällen ist es die weite und dünnwandige rechte Abtheilung der Kammer, welche sowohl die Lungenarterien als die Aortenstämme entsendet. Bei den Crocodilen dagegen erhalten Lungenarterien und Aortenstämme einen gesonderten Ursprung, indem die letztern zum Theil aus der linken Herzkammer hervorgehen. Die grossen Gefässe bilden nur während des Embryonallebens die vollständige Zahl von Aortenbogen, die sich im Laufe der Entwicklung weit mehr als bei den Amphibien reducirt. Während ursprünglich wie auch bei den Vögeln und Säugethieren fünf Paare von Gefässbogen aus dem Herzen hervorgehen, welche den Schlund umfassend zur Bildung der beiden Aortenwurzeln zusammen- treten, erleiden die meisten dieser Bogen unter dem Verluste ihrer Verbindungs- 278 Reptilien. Herz, Nieren. wege eine Rückbildung, so dass schliesslich jede Aortenwurzel (Saurier) aus zwei Gefässbogen entspringt , in der Regel aber als die Fortsetzung eines ein- zigen Aortenbogens erscheint. Der am Herzen hervortretende Arterienstamm beginnt niemals mehr wie bei den Amphibien mit einem muskulösen Aorten- conus, und zerfällt in einen linken und rechten Slamm mit gesonderten Ostien und in die Lungenarterien , die ebenfalls mit selbständigem Ostium beginnen. Die Wandungen dieser Stämme sind freilich meist an der Basis mit einander verwachsen. Bei den Schlangen und Echsen setzt sich der linke Arterien- stamm ohne Abgabe von Gefässen in die linke Aorten wurzel fort, während der reclite grössere vor seiner Fortsetzung in die rechte Aortenwurzel einen gemeinsamen Stamm für die beiden Garotiden abgibt , an welchen (zahh^eiche Echsen) sich ein Verbindungsgang mit der entsprechenden Aortonwurzel als zweiter persistirender Aortenbogen erhalten kann. Bei den Schildkröten ist es ebenfalls der rechte Arterienstamm , welcher die Garotiden und Subclaviae entsendet, während der linke die Eingeweidearterien abgibt. Da die Aorten- wurzel des letztern sehr eng ist, so erscheint die Aorta vorzugsweise als Fort- setzung des rechten Arterienbogens. Aehnlich verhalten sich die Grocodile, bei denen freilich der rechte Arterienstamm gesondert aus der linken Kammer entspringt und von dieser arterielles Blut erhält. Aber auch hier wird trotz der vollständigen Trennung des Herzens die Vermischung des venösen und arteriellen Blutes nicht ganz vermieden, da eine Gommunicalion (vom Foramen Fanissae am Grunde der beiden dicht anliegenden Arterienstämme abgesehen) zwischen dem linken Aortenbogen und der Aorta besteht, hn Falle einer un- vollständigen Trennung beider Kammern scheint die Vermischung beider Bkit- sorten schon im Herzen stattzufinden, obwohl durch besondere Klappen- einrichtungen der Eingang in die Lungengefässe von den Ostien der Arterien- stämme der Art abgesperrt werden kann, dass das arterielle Blut vornehmlich in diese letztern , das venöse in jenen einströmt (Brücke). In den venösen Kreislauf schiebt sich wie bei den Amphibien neben dem Pfortadersystem der Leber ein zweites für die Niere ein, zu welchem das aus dem Schwanz und den hintern Extremitäten zurückfliessende Blut theilweise verwendet wird. Indessen tritt der Pfortaderkreislauf der Niere bei den Schildkröten und Gro- codilen mehr und mehr zurück, da der grössere Theil des Blutes der V. iliacae zur Leber gelangt. Das System der Lymphgefässe zeigt ausserordentlich zahl- reiche und weite Lymphräume und verhält sich ganz ähnlich wie bei den Amphibien , doch wurden bisher contractile Lymphherzen nur in der hintern Körpergegend an der Grenze von Rumpf und Schwanz auf Querfortsätzen oder Rippen in paariger Anordnung nachgewiesen. Die Nieren der Reptilien entsprechen nicht mehr ausschliesslich den Primordialnieren der Amphibien , sondern sind wie die der Vögel und Säuge- thiere secundäre vom Urnierengange aus erst später entstandene Organe. Dieselben schliessen sich zwar meist durch ihre langgestreckte häufig gelappte Form an jene an, liegen jedoch mehr im hintern Tlieile der Rumpfhöhle zu den Seiten der Wirbelsäule der Kloake genähert. Die Harn- leiter verlaufen am Innenrande der Nieren, zum Theil mehr oder weniger in das Parenchym derselben eingesenkt und münden gesondert in die Kloake ein. Geschlechtsorgane. Entwicklung, 279 an deren Vorderwand bei den Echsen und Schildkröten eine Harnblase her- vorragt. Der Harn erscheint keineswegs überall in flüssiger Form, sondern bei den Schlangen als eine weissliche Harnsäure-haltige Masse von fester Gonsistenz. Die Geschlechtsorgane stimmen mit denen der Vögel am nächsten über- ein. Indem sich die Primordialniere nebst dem Wolff'schen Gang zum Aus- führungsapparat des Hodens (Nebenhoden und Samenleiter) umgestaltet und im weiblichen Geschlechte verschwindet, oder selten als Rudiment Rosenmüller'' - sches Organ, Gärtner' sc\\qv Canal) persistirt, hier dagegen der Jfw/^er'sche Gang zum Eileiter wird , sind die morphologischen Gestaltungsverhältnisse für die Geschlechtsorgane der höhern Wirbelthiere im Wesentlichen erreicht. Ei- leiter sowohl als Samenleiter münden gesondert in die Kloake ein. Erstere beginnen mit weitem Ostium, verlaufen vielfach geschlängelt und besorgen überall die Abscheidung von kalkhaltigen mehr weichhäutigen Eischalen. Nicht selten verweilen die Eier in dem als Fruchtbehälter zu bezeichnenden Endabschnitt der Oviducte längere Zeit, zuweilen bis zum vollständigen Ablauf der Embryonalentwicklung. Im männlichen Geschlechte treffen wir überall äussere ßegattungsorgane an, denen im weiblichen Geschlechte ganz ähnlich angelegte Rudimente (Glitoris) entsprechen. Bei den Schlangen und Eidechsen sind es zwei glatte oder bestachelte Hohlschläuche, welche in einen taschen- artigen Hohlraum hinter der Kloake eingezogen liegen und hervorgestülpt werden können. In dem letztern Zustand erscheint ihre Oberfläche von einer Rinne durchsetzt , welche das Sperma von den Genitalöffnungen der Kloake aus fortleitet. Bei den Schildkröten und Crocodilen dagegen erhebt sich eine von zwei fibrösen Körpern gestützte schwellbare Ruthe an der Vorderwand der Kloake. Auch diese besitzt eine Rinne zur Aufnahme und Fortführung des Samens, kann aber nicht wie die beiden Ruthen der Schlangen und Echsen eingestülpt werden. Die Vereinigung beider Geschlechter ist daher stets eine wahre Begattung und führt zu einer Befruchtung der Eier im Innern des mütterlichen Körpers. Bei weitem die meisten Reptilien sind Eierlegend, einige jedoch wie z. B. unter den Schlangen die Kreuzotter und unter den Echsen die Blindschleiche gebären lebendige Junge. In der Regel graben die mütter- lichen Thiere ihre in verhältnissmässig spärlicher Zahl abgelegten Eier in feuchter Erde an gesicherten warmen Plätzen ein , ohne sich weiter um das Schicksal der Brut zu kümmern. Man hat jedoch eine Art Brutpflege bei den Riesenschlangen beobachtet , welche ihren Leib über den zusammengesetzten Eiern zusammenrollen und der sich entwickelnden Brut Wärme und Schutz gewähren. Die Entwicklungsgeschichte der Reptilien , deren Kenntniss wir vorzugs- weise den trefflichen Untersuchungen ^ Rathkes verdanken, schliesst sich eng an die der Vögel an, während sie von der Entwicklung der nackten 1) G. E. V. Baer, Ueber Entwicklungsgeschichte der Thiere. II. Königsberg. H. Rathke, Entwicklungsgeschichte der Natter. Königsberg. 1839. Derselbe, Ueber die Entwickelung der Schildkröten. Braunschweig. 1848. Derselbe, Untersuchungen über die Entwicklung und den Körperbau der Crocodile. Braunschweig 1866. L. Agassiz, Embryologie of the Turtle. Contributions to the nat. hist. etc. II. Boston 1857. 280 Reptilien. Eutwicklung. Lebensweise. Verbreitung. Amphibien wesentlich abweicht. Der verhältnissmässig grosse Dotter, zuweilen noch innerhalb der Schale von einer Eiweissscliicht umgeben, erleidet nach der Befruchtung wie der des Vogeleies eine nur partielle Furchung, welche an einer begrenzten dem Bildungsdotter entsprechenden Stelle zur Anlage eines scheibenförmigen Keimes mit den Rückenwülsten und der Primitiv- rinne führt. Bevor indessen die Rückenwülste geschlossen sind, macht sich an dem erweiterten die Kopfanlage bezeichnenden Abschnitt der Rückenfurche eine Knickung bemerkbar, welche die Entstehung der Kopfbeuge, einer aus- schliesslich den höhern Wirbelthieren zukommenden Bildung, veranlasst. Ebenso characteristisch ist das Auftreten einer den Embryo umschliessenden Haut, der SchufhaiU oder Amnion. Es erhebt sich nämlich die äussere Zellen- schicht des Keimes, welche allmählig den ganzen Dotter umwächst, zuerst am vordem und hintern Ende des Embryo's und bildet hier zwei das Kopf- und Schwanzende überdeckende Falten {Kopf- und Schivanzkappe). Dieselben dehnen sich alsbald auch über die Seitentheile aus und verwachsen über dem Embryo zu einem geschlossenen mit Flüssigkeit erfüllten Sack zusammen. Der anfangs dem Dotter flach aufliegende Enjbryo setzt sich allmählig schärfer von dem Dotter ab, indem die Bauch Wandungen des kalmförmigen Leibes bis auf eine Oeffnung (Nabel) zusammenwachsen und der centrale als flache Rinne angelegte Darm zu einem Rohre wird , dessen Zusammenhang mit dem ab- geschnürten Dotter an der Stelle jener Oeffnung durch einen engen Gang erhalten bleibt. Als einer neuen ebenfalls für die höhern Wirbelthiere characteristischen Bildung ist sodann das Auftreten des Harnsacks, 6.ev Allantois, hervorzuheben. Dieselbe erhebt sich an dem hintern Körperende als bläschen- förmige Ausstülpung der vordem Darm wand und wächst zu einem ansehn- lichen Sacke aus, welcher aus der Oeffnung der Bauch wand hervortritt und sich über das Amnion hin ausbreitet. Die Wandungen dieses mit einer Flüssig- keit gefüllten Sackes sind im Gegensatz zu der vollkommen gefässlosen Schaf- haut ausserordentlich reich an Gefässen und repräsentiren ein embryonales Athmungsorgan , welches bei der langen Dauer und den complicirten Ent- wicklungsvorgängen des Embryonallebens von hoher Bedeutung ist. Mit dem Ausfall des Allantois steht nicht nur der AusfaU der Kiemenathmung, sondern die vollkommene Organisation des ausschlüpfenden Jungen , der Ausfall einer Metamorphose im innigsten Zusammenhang. Fast alle Reptilien mit Ausnahme einiger Schildkröten und Eidechsen sind Fleischfresser, die kleinern Formen leben grossentheils von Insecten , die grossem dagegen von Wirbelthieren und zum Theil Warmblütern. Viele leben ausschliesslich oder vorzugsweise im Wasser, wie z. B. die Wasserschlangen und Seeschildkröten, welche letztere nur zum Ablegen der Eier das Land aufsuchen. Auch die Crocodile finden ihren Lebensunterhalt besonders im Wasser, da sie sich auf dem Lande zwar rasch aber ungeschickt und schwerfällig fortbewegen, und bevölkern die Lagunen und Mündungen grösserer Ströme. Bei weilem die meisten Reptilien sind vorherrschend Landbewohner und lieben bald mehr feuchte Plätze in der Nähe des Wassers , bald das trockene Land. Was die geographische Verbreitung anbetrifft, so steigt die Mannich faltig- keit und Grösse der Formen mit der Annäherung an den Aequator. Einige Reptilien. Psychisches Leben. Fossile Reste. 1. Unterclasse. Plagiotremata. 281 Schlangen und Echsen reichen weit bis in den Norden hinauf, während die Crocodile auf die heisse Zone bescliränkt sind , und Schildkröten nur in ver- einzelten Beispielen der heissen Zone angehören. Die Reptilien der kalten und gemässigten Gegenden verfallen in eine Art Winterschlaf, wie andererseits auch in den heissen Klimaten ein Sommerschlaf vorkommt , der mit dem Ein- tritt der Regenzeit sein Ende erreicht. Das psychische Leben der Reptilien steht noch durchweg auf einer tiefen Stufe und erhebt sich nur wenig über das der Amphibien. Ilir Wachsthum schreitet nur langsam vor, dagegen ist die Lebensdauer um so länger. Die meisten haben ein überaus zähes Leben , können geraume Zeit ohne Nahrung auch bei beschränkter Respiration existiren und sind obgleich in geringerem Grade als die Amphibien zur Reproduction verstümmelter oder verloren ge- gangener Körpertheile befähigt. Die ältesten fossilen Reste von Reptilien gehören der Primärzeit an, doch erscheinen dieselben in diesem Zeitalter nur äusserst spärlich und auf die Kupferschieferformation [Proterosaiirus Speneri) beschränkt. Eine weit grössere Mannichfaltigkeit der Formen hat die Secundärzeit (namentlich das Zeitalter der Trias und des Jura) aufzuweisen, welche vorherrschend von Sauriern und meist Hydrosauriern belebt war. Die Schuppenechsen treten erst in den obersten Schichten des Jura auf und finden sich am zahlreichsten in der Tertiär- zeit, welche auch spärliche Ueberreste von Schlangen aufzuweisen hat. Schild- kröten kommen zuerst — von den zweifelhaften Fussspuren des Trias ab- gesehen — im Jura vor, Landschildkröten freilich erst in der Tertiärformation. Die Classification der Reptilien bietet mit Rücksicht auf die zahlreichen und keineswegs vollständig gekannten vorweltlichen Reste mannichfache Schwierigkeiten. LUnterclasse. Plagiotrettuita (Lepidosaiiria), Schu2>pensaurier. Reptilien mit Schuppen und Schildern der Haut, fusslos oder mit ver- schieden ausgebildeten Extremitäten versehen, mit querer Afterspalte und doppeltem Penis im männlichen Geschlechte. Schlangen und beschuppte Eidechsen stehen einander dem innern Baue nach theilweise so nahe, da.ss eine Vereinigung dieser beiden Reptiliengruppen in einer gemeinsamen Hauptgruppe nothwendig erscheint, umsomehr, als zahlreiche Uebergangsglieder die strenge Abgrenzung derselben unmöglich machen. Es characterisiren sich die hierhergehörigen Reptilien durch den Besitz von Schuppen und Schildern der Haut, vornehmlich aber durch die quere mit einer Deckplatte versehene Afterspalte und durch die Bildung der männlichen Begattungswege,rkzeu welche als zwei vorstülpbare Hohlschläuche hinter dem After in einer Grube verborgen liegen und während der Begattung das aus der Genitalöffnung entleerte Sperma je auf einer äussern Rinne in die weiblichen Genitalöffnungen leiten. Nur Hatteria, die überhaupt in mehr- facher Hinsicht eine gesonderte Stellung beansprucht, macht hiervon eine Ausnahme. 282 1. Ordnung. Ophidia. I.Ordnung. Ophidia') (Serpentes), Schlangen. Fusslose Plagiotremen von walzenförmiger Gestalt, ohne Schulter gürtel, ohne Augenlider und Paukenhöhle, mit zweispaltiger vorstrecTcharer Zunge, meist mit frei beweglichen überaus verschiebbaren Kiefer- und GaumenJcnochen, ohne Harnblase, Die Gharactere der Schlangen beruhen hauptsächlich auf der lang- gestreckten Leibesform, auf dem Mangel der Extremitäten und der oft erstaun- lichen Erweiterungsfähigkeit des Mundes und Rachens, indessen ist eine scharfe Abgrenzung von den Eidechsen nicht möglich, da die genannten Merkmale theilweise hinwegfallen, theilweise auch bei verschiedenen Eidechsen sich linden können. Früher nahm man bei Begrenzung dieser Ordnung ausschliesslich auf den Mangel der Extremitäten Rücksicht und fasste daher nicht nur aus der Amphibiengruppe die Blindwühler, sondern auch die Blindschleichen und andere Extremitäten-lose Echsengattungen, wie z. B. Äcontias und Ophisaurus als Schlangen auf, ebenso rechnete man die Ämphisbaenen hierher, welche durch die kurze dicke Zunge , den engen nicht erweiterungsfähigen Rachen und die Verwachsung der Unterkieferäste den Eidechsen näher stehen, auch sogar Vorderfüsse (Chirotes) besitzen können. Alle diese Formen werden gegen- wärtig ausgeschlossen und zu den Echsen gestellt, gleichwohl aber ist man gezwungen , eine nicht unbeträchtliche Anzahl kleiner engmäuliger Schlangen anzuerkennen, die sich zwar sonst in jeder anderen Hinsicht als echte Schlangen erweisen, aber kaum zu einer Erweiterung des Rachens befähigt sind. Auch besitzen zahlreiche Schlangen Rudimente von hintern Extremitäten , so dass eine Gruppe derselben als Peropoden bezeichnet werden konnte. Bei diesen Thieren liegen an der Schwanzwurzel zu den Seiten der Wirbelsäule je ein lang- gestreckter Knochen, mit dessen unterm Gelenkhöcker zwei kleine Knöchelchen divergirend verbunden sind. Beide schliessen zwischen sich einen Sförmigen Knochen ein, welcher wie ein Nagelglied eine kegelförmige in der Nähe des Afters hervorstehende Kralle trägt. Bei den Engmäulern (Typhlops) finden sich nur die unter der Haut verborgenen Hauptknochen , welche als Becken- rudimente gedeutet werden. Schultergürtel und Theile eines vordem Extre- mitätenpaares kommen bei keiner Schlange vor. Am Schädel der Schlangen fehlt sowohl eine Ueberbrückung der Schläfen- gegend als die stabförmige Verbindung von Scheitelbein und Flügelbein, wie 1) Vergl. ausser Bibron und den zahlreichen Abhandlungen von Günther und Peters u. a. : Lacepede, Histoire naturelle generale et particulifere des Quadrupedes ovipares et des Serpentes. 2 vol. Paris 1788 und 1789. Schlegel, Essai sur la Physio- nomie des Serpentes. La Haye. 1887. Joh. Müller, Ueber eine eigenthüai liehe Bevraff- nung des Zwischenkiefers der reifen Embryonen der Schlangen und Eidechsen. MüUer's Archiv. 1841. A. Dumeril, Prodrome de la Classification des Reptiles. Ophidiens. Mem. Acad. Science. Paris Tom. XXIII. 1853 bis 1855. Dumeril et Bibron, Erpetologie generale ou histoire naturelle complete des Reptiles. Paris. 1854. Gray, Catalogue of Reptiles in the Collection of the Brit. Museum. London. 1849. Günther, Catalogue of Colubrine Snakes in the Collection of the Brit. Museum. London. 1858. Jan, Icono- graphie generale des Ophidiens. Paris. Livr. 1 — 27. 1860 — 1868. Lenz, Schlangenkunde. 2. Auflage. Gotha. 1870. Strauch, Die Schlangen des russischen Reiches. 1873. Kiefer- und Gaumenknochen. Zähne. Giftdrüse. 283 wir sie bei den meisten Eideclisen finden. Die Schädeliiöhle ist selir lang gestreckt, ilire Seitentiieile werden durch vertical absteigende Flügelfort- sätze des Scheitelbeins und der Stirnbeine gebildet. In der Ethmoidalregion betheiligen sich abwärts gerichtete lamellöse Fortsätze der beiden Nasenbeine an der Herstellung des medianen Septums, und selbständige Gonchen legen sich in der Nasenhöhle an die Aussenseite des paarigen Vonier an. Conchen und Vomer umfassen einen Hohlraum, der ein zweites dem Jacobsoti'schen Organ der Säugethiere entsprechendes Geruchsorgan umschliesst. Von besonderer Bedeutung erscheint die Bildung der Kiefer- und Gaumenknochen, welche eine so vollkommene Verschiebbarkeit ihrer Theile zeigen, dass der Rachen die Fähigkeit einer beträchtlichen Erweiterung und seitlichen Ausdehnung erhält. Während der Zwischenkiefer in festem Zusammenhange mit den Nasen- und Pflugschaarbeinen steht, sind die von ihm gesonderten Oberkiefer, Gaumen- und Flügelbeine sowohl untereinander als mit dem Schädel beweglich ver- bunden. Gaumen- und Flügel beine vereinigen sich zur Herstellung eines Innern Knochenbogens, welcher dem äussern Bogen des Oberkiefers parallel verläuft, auch eine Querbrücke (Os transversum) zu demselben sendet und etwas ober- halb des Unterkiefergelenks mit dem frei vorstehenden Quadratbein articulirt. Dieses letztere ist daher ein Suspensorium für beide Kinnladen und lenkt sich äusserst beweglich an der Schläfenbeinschuppe ein, welche wiederum eine relative Selbständigkeit zeigt und meist ebenfalls beweglich am Hinterhaupte angeheftet ist. Ebenso beweglich als die Theile des Oberkiefergaumenapparates erweisen sich die beiden Aeste des Unterkiefers, welche am Kinnwinkel in einer auch äusserlich erkennbaren Furche {Sidcus mentalis) durch ein dehnbares Ligament verbunden, eine sehr bedeutende seitliche Ausdehnung zulassen. Die Kiefer bewaffnung wird von zahlreichen nach hinten gekrümmten Fangzähnen gebildet, welche den Unterkiefer in einfacher, den Oberkiefer- gaumenapparat meist in doppelter mehr oder minder vollständiger Bogen- reihe besetzen und vornehmlich beim Verschlingen der Beute als Wider- haken wirken. Auch dem Zwischenkiefer können Hakenzähne zugehören {Fyi/ion). Nur bei den kleinen wurmförmigen Engmäulern beschränken sich die Zähne auf Oberkiefer oder Unterkiefer (üpoteroclonten). Ausser diesen soliden Hakenzähnen kommen im Oberkiefer zahlreicher Schlangen Furchen- zähne oder hohle wie von einem Canale durchbohrte Giftzähne vor, deren Basis mit dem Ausführungsgange einer Giftdrüse ^) in Verbindung steht und das ausfliessende Secret derselben aufninnnt und nach der Spitze fortleitet. Häufig enthält der sehr verkümmerte Oberkiefer jederseits nur einen einzigen grossen durchbohrten Giftzahn, dem aber stets noch grössere und kleinere Ersatzzähne anliegen {Soloioglijphen). Die Furchenzähne treten selten in grösserer Zahl auf und sitzen entweder ganz vorn im Oberkiefer {Frotero/lyphcn) oder hinter einer Reihe von Hakenzähnen am hintersten Ende des Oberkiefers {Opistho- 1) Vergl. Schlegel, Untersuchungen der Speicheldrüsen bei den Schlangen mit gefurchten Zähnen etc. Nov. Act. Ac. Caes. L. C. etc. Tom. XIV. 1828. Joh. Müller, De gland. secern. structura penitiori. 1830. Leydig, Die Zähne einheimischer Schlangen nach Bau irnd Entwicklung. Archiv für mikr. Anat. Tom. IX. 1872. 284 Schlangen. Körperbedeckung. Organisation. glyphen). In beiden Fällen ist der Oberkiefer beträchtlich grösser als bei den Solenoglyphen, dagegen erreicht derselbe bei den Schlangen, welche auch der Furchenzähne entbehren (Agh/phodonten), den grössten Umfang und die reichste Bezahnung. Während die Furchenzähne in der Regel stark und unbeweglich befestigt sind, richten sich die durchbohrten Giftzähne mit sammt dem Kiefer, dem sie ansitzen , beim Oeffnen des Rachens auf und werden im Momente des Bisses in das Fleisch der Beute eingeschlagen. Gleichzeitig fliesst das Secret der zuweilen weit nach hinten •) und selbst {Callophis) in die Bauchhöhle sich erstreckenden Giftdrüse, durch den Druck den Schläfen muskeln ausgepresst, in die Wunde ein und veranlasst mit dem Blute in Berührung gebracht , den oft augenblicklichen Eintritt des Todes. Die Gefährlichkeit des Schlangenbisses richtet sich natürlich nach der Grösse der Schlangenart, nach der besondern Beschaffenheit und Stärke des verwundeten Thieres, sowie auch nach der Jahres- zeit und dem Klima. Auf Warmblüter wirkt das Gift weit rascher und heftiger als auf Amphibien und Fische ein, in heisseren Gegenden intensiver als in gemässigten Klimaten und an kühlern Tagen. Die äussere Körperbedeckung der Schlangen enthält überaus regelmässige Verdickungen der Cutis , welche von der verhornten Epidermis überzogen das Ansehen von Schuppen , Schildern und Schienen darbieten , deren Form , Zahl und Anordnung systematisch verwerthet wird. Während die Rückenfläche des Rumpfes durchweg mit glatten oder gekielten Schuppen bekleidet ist, kann der Kopf sowohl von Schuppen als von Schildern und Tafeln bedeckt sein, welche ähnlich wie bei den Echsen nach der besondern Gegend als Stirn-, Scheitel-, Hinterhauptscliilder, ferner als Schnauzen-, Nasen-, Augen-, Schläfen- und Lippenschilder unterschieden werden. Als den meisten Schlangen eigen- thümlich mögen die Schilder der Kinnfurche, die Rinnenschilder, hervorgehoben werden, vor denen noch zwei accessorische Lippenschilder jederseits neben dem mittleren Lippenschilde des Unterkiefers die vordere Begrenzung der Kinnfurche bilden. Am Bauche finden sich meist sehr breite Schilder, die wie Querschienen die ganze Länge des Rumpfes bekleiden, doch können auch hier Schuppen und kleine mediane Schilder vorkommen, die Unterseite des Schwanzes wird da- gegen in der Regel von einer paarigen , selten von einer einfachen Reihe von Schildern bedeckt. Die Schlangen häuten sich mehrmals im Jahre, indem sie ihre Oberhaut , an welcher sich die Sculptur der Cutis wiederholt , in toto ab- streifen. Die innere Organisation schliesst sich eng den Anforderungen des lang- gestreckten Baues , sowie der Bewegungs- und Ernährungsweise an. Ein sehr langer und dehnbarer dünnhäutiger Schlund führt in den sackförmig erweiterten Magen, auf welchen ein verhältnissraässig kurzer, nur wenig gewundener Dünn- darm folgt. Der Kehlkopf erscheint ausserordentlich weit nach vorn gerückt und kann während des langsamen gewaltsamen Schlingactes bis in den Rachen vortreten. Die ausserordentlich lange Trachea enthält oft schon in ihrem Ver- 1) A. B. Meyer, Ueber den Giftapparat der Schlangen und insbesondere über den der Gattung Callophis. Gray. Monatsschr. der Berliner Akademie der Wissenschaften. 1869. Vergl. auch Peters eben das. 1871, über die Gattung Adeniophis. Locomotion. Lebensweise. 285 laufe respiratorische Luftzellen. Die linke Lunge ist meist ganz rudimentär, während die um so mächtiger entwickelte rechte an ihrem Ende ein schlauch- förmiges Luftreservoir bildet. Dem Gehörorgane fehlen schallleitende Apparate, dem Auge bewegliche Lider. Der Augapfel mit seiner meist senkrecht gespal- tenen Pupille wird von der durchsichtigen uhrglasförmigen Haut bedeckt und hinter dieser von der Thränenflüssigkeit reichlich bespühlt. Die Nasenöffnungen liegen meist ganz an der Spitze oder am Seitenrande der Schnauze. Die gabiig gespaltene hornige Zunge dient nicht als Geschmacks-, sondern als Tastorgan und ist von einer Scheide umschlossen , aus der sie selbst bei geschlossenem Rachen an einem Einschnitt der Schnauzenspitze weit vorgestreckt werden kann. Die Schlangen bewegen sich vornehmlich durch seitliche Krümmungen der Wirbelsäule, da besondere Locomotionsorgane bis auf den bereits erwähnten Extremitätenstummel der Peropoden und einiger Engmäuler, abgesehen von den als Fortschieber wirksamen Rippen, fehlen. Die vordere Extremität kommt niemals auch nur rudimentär zur Anlage, ebensowenig ein Schultergerüst und Brustbein. Dagegen ist die Wirbelsäule zu seitlichen Verschiebungen in hohem Grade befähigt, die sehr zahlreichen Wirbel tragen am Rumpfe fast durchweg Rippen und sind durch freie Kugelgelenke ihrer procoelen Körper und durch horizontale Gelenkflächen der Querfortsätze in der Art verbunden, dass Schlängelungen nach den Seiten äusserst leicht stattfinden , Krümmungen da- gegen nach auf- und abwärts unmöglich erscheinen. Auch stehen die Rippen in überaus freier Gelenkverbindung mit den Wirbelkörpern und können in der Längsrichtung vor- und zurückgezogen werden. Die letztere Art der Bewegung scheint sogar für die Locomotion von wesentlicher Bedeutung zu sein und die Schlängelungen der Wirbelsäule zu unterstützen. Durch abwechselndes Vor- schieben der Rippenpaare und Nachziehen der durch Muskeln sowohl mit ein- ander als mit den Rippen befestigten Bauchschilder laufen die Schlangen in einem ge^vissen Sinne auf den äussersten Spitzen ihrer an Hautschildern befestigten Rippen. Die Schlangen ernähren sich ausschliesslich von lebenden Thieren, sowohl Kaltblütern als Warmblütern , die sie im Schusse überfallen und ohne Zer- stückelung in toto verschlingen. Zuvor tödten sie meist ihre Beute, indem sie dieselbe umschlingen und ersticken oder mittelst des Giftzahnes beissen und vergiften. Bei der Dehnbarkeit des Rachens und des Schlundes wird es ihnen möglich, grössere Thiere, welche den Durchmesser ihres eigenen Körpers um das mehrfache übertreffen, freilich unter gewaltigen Anstrengungen ihrer Muskulatur zu verschlingen. Während die Speicheldrüsen ein reichliches Secret ergiessen, welches die Oberfläche der zu bewältigenden Speise schlüpfrig macht, und der Kehlkopf zwischen den Kieferästen zur Unterhaltung der Athmung hervortritt, haken sich die Kieferzähne abwechselnd fortschreitend immer weiter in die Beute ein , und es zieht sich gewissermassen Rachen und Schlund all- mählig über die Beute hin. Nach Vollendung des anstrengenden Schling- geschäftes tritt eine bedeutende Abspannung aller Kräfte ein, es folgt eine Zeit träger Ruhe, während welcher die sehr langsame aber vollständige Verdauung von Statten geht. 286 1. Unterordnung. Opoderodonta. Die Fortpflanzung geschieht nach vorausgegangener Begattung in der Regel durch Ablage wenig zahlreicher grosser Eier, in denen die Embryonal- entwicklung schon mehr oder minder weit vorgeschritten ist. Durch künstliche Absperrung trächtiger Weibchen gelingt es sogar, die Embryonen im Innern des mütterlichen Körpers zur vollständigen Ausbildung zu bringen. Indessen gibt es auch lebendig gebärende Schlangen, wie z. B. die Seeschlangen und die Kreuzotter. Bei weitem die meisten und durch Grösse und Schönheit der Farben aus- gezeichneten Arten gehören der wärmern Zone an, nur wenige und kleine Formen reichen bis in die nördlichen gemässigten Klimaten. Sie leben auf der Erde besonders in waldigen Gebirgsgegenden und halten sich in Verstecken unter Steinen, Moos und Laub auf, viele besuchen indessen auch gern das Wasser und sind wahrhaft amphibiotisch. Andere dagegen bewegen sich grossen- theils auf Bäumen und Gesträuchen oder in flachen sandigen Gegenden, andere ausschliesslich im Meere. In den gemässigten Ländern verfallen sie in eine Art Winterschlaf, in den heissen halten sie zur Zeit der Trockniss einen Sommer- schlaf. Fast sämmtlich sondern sie aus Drüsen der Aftergegend ein unangenehm riechendes Secret ab. Fossile Reste finden sich nur spärlich von der altern Tertiärzeit an. Bibron und Dumeril haben nach der Bildung des Gebisses an die Stelle der alten Eintheilung der Schlangen in Giftlose, Trugschlangen und Giftschlangen eine Eintheilung in 5 Hauptgruppen begründet, die vielfach acceptirt worden ist, obwohl sie nicht vollkommen durchführbar erscheint. Die Aglyphodonten und Opisthoglyphen wenigstens dürften zweckmässig als Colubri- formia zusammengezogen werden. 1. Unterordnung. Opoderodonta , Wurmschlangen. Wurmförmige Schlangen von geringer Grösse mit enger nicht erweiterungsfähiger Mundspalte und unbeweglich verbundenen Gesichtsknochen, ohne oder mit nur sehr kurzem Schwanz. Die Kinnfurche fehlt. Kopf und Augen klein. Beschuppung mit Ausnahme der Kopfschilder ziemlich gleichmässig, zuweilen sind die Bauch- schuppen der Mittelreihe grössere Schilder. Sie besitzen entweder nur im Oberkiefer oder im Unterkiefer Zähne, entbehren durchaus der Giftzähne und leben wie die Blindwühler in selbstgegrabenen Gängen oder unter Steinen von Würmern und Insecten. Sie besitzen kleine stilförmige Knochen als Rudimente der hintern Extremitäten. 1. Fam. Catodontia. Zähne nur im Unterkiefer, welcher kürzer als der Oberkiefer ist. Gaumen und Flügelbein verschmolzen. Stenostoma Dum. Bibr. St. fligricans Dum. Bibr., Südafrika u. a. südamerikanische Arten. 2. Fam. Epanodontia. Zähne nur in dem kurzen Oberkiefer. Praefrontale fehlt. Typhlops Sehn. Nasenlöcher seitlich am Vorderrande. Schnauzenende stumpf von grossen Schildern bedeckt. T. lumbricalis Merr. , Antillen. T. vermiadaris L., Griechenland. Ehinoti/pJilops Pet., HelmintJwphis Pet. Bei Onychocephalus Dum. Bibr. liegen die Nasenlöcher auf der untern Fläche. Cephalolepis Dum. Bibr. 2. Unterordnung. Colubriformi'a. 287 2. Unterordnung. Colubriformia. Körper mit breiten in Reihen gestellten Schuppenplatten bedeckt , die am Kopfe meist durch Schilder ersetzt werden. Beide Kiefer mit soliden Hakenzähnen bewaffnet, im Oberkiefer kann der letzte Zahn ein Furchenzahn sein und dann entweder ohne Giftdrüse bleiben oder mit dem Ausführungsgang einer kleinen Giftdrüse in Verbindung stehn. »Es ist wohl gewiss, sagt Joh. Müller, dass einige der Goluber-artigen Schlangen mit gefurchten Hinterzähnen giftig sind«, zweifellos aber ist es, dass diejenigen, welche keine besondere Drüse für die gefurchten Hinterzähne besitzen, un- schädlich sind. Diese opisthoglyphen Schlangen stehen den giftlosen Agly- phodonten so nahe, dass sie oft nur generisch getrennt werden können, aber in derselben Familie aufgenommen werden müssen, z. B. Homalocranion und Calamaria. Die Kiefer sind mit Ausnahme der Uropeltiden und Tortriciden dehnbar und erweiterungsfähig (Eurystomata Joh. Müll.), mit Ausnahme dieser Familien ist auch das Mastoideum (Squamosum) frei von der Schädelwand erhoben. 1. Fam. Uropeltidae '), Schildschwänze. Körper cylindrisch, mit kurzem und spitzem Kopf, dessen Rachen nicht erweiterungsfähig ist, aber im Gegensatz zu den Typhlopiden in beiden Kiefern Zähne trägt und eine Kinnfurche besitzen kann. Am Gaumen fehlen die Zähne. Schwanz kurz und stumpf, mit nacktem Terminalschilde oder mit gekielten Schvippen. Augen sehr klein. Leben auf den Philippinen und in Ostindien. Rhinophis Hmpr. Kopf conisch. Schwanz mit schuppenlosem convexen Terminal- schild. Bh. oxyrhynchus Hmpr. Uropeltis Ciiv. Schwanz mit flachem schuppenlosen Terminalschild. U. philip- pinus Cuv. Plectrurus Dum. Bibr. Melanophidium Gnth. u. a. G. 2. Farn. Tortrioidae, Wickelschlangen. Von geringer Grösse mit kleinem kaum abgesetztem Kopf imd kurzem conischen Schwanz. Zähne klein, auch an den Gaumen- beinen. Schuppen glatt. Besitzen ähnlich wie die Riesenschlangen ein Beckenrudiment nebst kleinen Afterklauen und leben am Boden dicht bewachsener Gegenden. Tortrix Opp. [Ilysia Hmpr.). Zähne im Zwischenkiefer. Auge zwischen Schildchen. T. scytale Hmpr., Südamerika. Cylindrophis Wagl. Zwischenkiefer zahnlos. Auge frei. C rufa Gray, Java. Bei der wohl als Familie zu sondernden Gattung Xenopeltis Roinw. nimmt das Mastoi- deum keinen Theil an der Begrenzung der Schädelwand, sondern liegt frei derselben an. Auch fehlt das Beckenrudiment. 15 Schuppenreihen. X. unicolor Reinw. , Ostindien. 3. Fam. Pythonidae, Riesenschlangen {Pcropodes). Schlangen von bedeutender Grösse und Kraft, mit länglich ovalem, beschildertem oder beschupptem Kopf. Der Schwanz ist kur^ oder von mittlerer Länge. In beiden Lippen finden sich oft tiefe dreieckige Gruben und in dem Zwischenkiefer nur zuweilen Zähne. Alle besitzen Rudimente der hintern Extremitäten, welche mit einer Afterklaue zu den Seiten der Kloake enden. Sie sind Bewohner heisser Gegenden in der alten und neuen Welt. 1. Subf. Erycinae. Schwanz sehr kurz, nicht zum Greifen eingerichtet. Zwischen- kiefer zahnlos. Eryx Baud., Rollschlange. Der Kopf kaum abgesetzt, mit engem Munde. Nur der Schnauzenrand beschildert. Schwanz sehr kurz, mit einfachen untern Schildern. Leben in trocken sandigen Gegenden der alten Welt und sind ungemein schnell. E. jaculus Wagl., Südeuropa. 2. Subf. Boinae. Mit einfachem Greif- und Rollschwanz. Zwischenkiefer zahn- los. Kopf häufig beschuppt statt der Beschilderung. J) Peters, De serpentum fauiilia üropeltaceorum. Berolini. 1861, 288 Calamaridae. Colubridae. Boa Wagl., Riesenschlange. Kopf beschuppt ohne Schilder. Greifschwanz mit einfacher Reihe von Subcaudalschildern. Besteigen Bäume und schiessen von da mit ihrem Vorderkörper auf die Beute herab, die sie umschlingend erdrücken. B. con- strictor L. , feig und trag, 10 — 12 Fuss lang, in Brasilien. Eunectes Wagl. Mit unregelmässigen Schildern auf dem Kopf. Hält sich im Wasser auf. E. murinus Wagl., Anaconda, Brasilien. Xiphosoma Wagl. Mit glatten Schuppen und Lippengruben. X. caninum Wagl., Südamerika. Epicrates Wagl. Enygrus Wagl. Mit gekielten Schuppen ohne Lippengruben. Nasenlöcher in der Mitte eines Schildes. E. carinatus Wagl., Java. 3. Subf. Pythoninae. Mit Greifschwanz und Zähnen im Zwischenkiefer. Einige Lippenschilder mit Gruben. Python Daud. Kopf bis zur Stirn beschildert. 2 Reihen von Subcaudalschildern. Auge umgeben von einem Schilderring. P. retieulatus Sehn., Sumatra. P. molurus L., Ostindien. Morelia Dum. Bibr. Liasis Gray. Nasenlöcher jederseits in einem Schilde. L. amethystinus Gray, Amboina. 4. Fam. Calamaridae '). Der cylindrische massig lange rigide Körper endet mit kurzem Schwanz. Kopf nicht deutlich abgesetzt. Einige Schilder desselben vereinigt. Nasenlöcher klein, seitlich. Schuppen glatt oder gekielt, in 13 bis 19, selten 21 Reihen. Zähne ziemlich gleich und klein, der hintere Oberkieferzahn zuweilen länger und gefurcht. Calamaria Boie. Nur ein Paar Frontal schilder mit 13 Schuppenreihen. Sub- caudalschilder in doppelter Reihe. C. Linnaei Boie, Java. C. versicolor Boie. Conopsis Gnth. Bhabdosoma Dum. Bibr. Zwei Paare von Stirnschildern mit 15 — 17 Schuppen- reihen. Schwanzschilder in doppelter Reihe. R. crassicaudatum Dum. Bibr., Neu- Granada u. z. a. A. Bhinosivms Dum. Bibr. Bhinostoma Fitz. Homalocranion Dum. Bibr. Zwei Paar Stirnschilder von nahezu gleicher Grösse. Hinterer Kieferzahn gefurcht. Schuppen klein. Schwanzschilder 2reihig. H. melano- cephalum L., Südameriks. Homdlosoma Wagl. Carpophis Dum. Bibr. u. z. a. G. Oligodon Boie. Zwei Paar Stirnschilder. Schuppen glatt. Keine Zähne am Gaumenbein, 0. subgriseus Dum. Bibr. 5. Fam. Colubridae, Nattern. Der nicht sehr breite abgesetzte Kopf ist beschil- dert. Die Bezahnung vollständig. Die Zähne des Oberkiefers nehmen häufig nach vorn zu an Grösse ab. Der Schwanz mit doppelten Schilderreihen an der Unterseite. Eine sehr artenreiche und verbreitete Familie, die man in eine Reihe von Unterfamilien auf- gelöst hat. 1. Subf. Coronellinae. Körper von massiger Grösse, mit kurzem, nicht abgesetztem Schwanz. Kopf etwas abgeflacht, mit kurzer gerundeter Schnauze, von regelmässigen Schildern bedeckt. Ein Zügelschild und 2 Nasalschilder, niemals mehr als 2 vordere und 3 hintere Augenschilder. Bauchschilder ohne Kiel. Vordere Zähne immer am kürzesten, kein längerer Mittelzahn. Coronella Laur. Ein vorderes Augenschild. Schuppen glatt. Hinterer Oberkiefer- zahn länger, zuweilen gefurcht. C. austriaca Laur. = C laevis Lac, glatte Natter. In Europa sehr verbreitet. C. cucidlata Dum. Bibr., Algier. C. Sayi Dek. , Central- amerika u. z. a. A. Tacliymenis Wiegm. Zwei vordere Augenschilder und ein Zügelschild. Schuppen in 19 Reihen. Hinterer Oberkieferzahn gross, gefurcht. T vivax Fitz., Dalmatien. T. chilensis Schi. Psammophylax Fitz. Ablaies Dum. Bibr. 1) G. Jan, Prodrome della Iconographia generale degli Ofidi. II Parte. Calamaridae. Genova. 1862. Natricinae. Colubrinae. Dryadinae. 289 Siniotes Dum. Bibr. Schnabel schild rückwärts bis zwischen die vordem Stirn- schilder ausgedehnt. S. octolineatus Sehn., Ostindien. Liophis Wagl. Hinterer Oberkieferzahn am längsten, ohne Furche, von den vor- dem durch einen Zwischenraum getrennt. Schuppen in 17 bis 21 Reihen. Ein Zügel- schild. Ein vorderes, zwei hintere Augenschilder. L. cobella L. , Brasilien. Erythro- lamprus Boie u. a. G. 2. Subf. Natricinae. Körper meist etwas abgeflacht, mit massig grossem ziemlich abgesetzten Schwanz. Kopf abgesetzt mit tiefer Mundspalte. Schuppen meist stark gekielt und in 19 Reihen. Hinterer Oberkieferzahn am längsten, zuweilen gefurcht. Tropidonotus Kühl. Schuppen gekielt. Nasenlöcher klein, zwischen 2 Schildern. Zwei kleine vordere Frontalschilder, die nach voi'n spitzwinklig zulaufen. Tr. natrix Gesn., Ringelnatter, weit über Europa verbreitet. Tr. viperinus Schi., Algier. Tr. quin- cunciatus Schi., Ostindien. Tr. tesselatus Meyr., Würfelnatter in der Umgegend Wien's. Xenodon Boie. Kopf sehr breit und kurz. Schuppen glatt. Vordere Frontal- schilder breit abgerundet. Hinterer Oberkieferzahn am längsten, durch einen Zwischen- raum abgesetzt. X. rhahdoceplialiis Wied., Brasilien. Tomodon Dum. Bibr. Grayia Gnth. Heterodon P. Bvs. Körper kurz , dick , eben so wie der Nacken sehr ausdehnbar. Hinterer Oberkieferzahn länger und durch einen Zwischenraum abgesetzt. H. platy- rhinus Latr., Nordamerika. Ischnognathus Dum. Bibr. 3. Subf. Colubrinae. Körper massig lang , mit abgesetztem quadrangulären Kopf nnd mittelgrossem nicht abgesetzten Schwanz. Kopfschilder ausnahmslos unregelmässig. Mundspalte tief. Zügelschild stets vorhanden. Schuppen glatt oder massig gekielt. Hintere Kieferzähne gleich gross oder continuirlich an Länge zunehmend , oder mit stärkerm hintern Zahn, der aber nie gefurcht ist. Coluber L. (Callopeltis). Schnabelschild massig gross. Ein vorderes und 2 hintere Augenschilder. Zähne gleich gross. C. Aesculapii Gesn. = C. flavescens Gm., die Schlange des Aesculap, Südeuropa, Schlangenbad, Oestreich. Ehinechis Mich. Elaphis Aldr. Körper etwas coraprimirt. Schuppen gekielt. Zwei vordere und zwei hintere Augenschilder. Zähne gleich gross. E. quaterradiatus Gm., Südeuropa. E. virgatus Schi., Japan. Cynophis Gray. Spilotes Wagl. u. a. G. Zarnenis Wagl. Hinterer Oberkieferzahn am längsten, durch einen Zwischenraum ' abgesetzt. Z. atrovirens Shaw., Südeuropa. Z. hippocrepis L., Südeuropa und Nordafrika. Coryphodon Dum. Bibr. Oberkieferzähne nach hinten continuirlich an Grösse zu- nehmend. C. pantheriniis Daud., Brasilien. 4. Subf. Dryadinae. Körper meist verlängert, mehr oder minder comprimirt, mit verhältnissmässig langem nicht scharf abgesetzten Schwanz. Kopf zuweilen mit lang- gestreckter Schnauze, vom Nacken abgesetzt und mit regelmässigen Schildern. Meist nur ein vorderes und 2 hintere Augenschilder. Schuppen verlängert, lanzetförmig. Auge gross. Herpetodryas Boie. Körper nicht stark comprimirt. Ein Zügelschild. Zwei Nasenschilder. Zähne gleich gross. Kein Furchenzahn. H. fuscus L., Südamerika. H. carinatus L. , Brasilien. Bei Cyclophis Gnth. ist der Körper nicht comprimirt und nur ein Nasenschild vorhanden. C. aestivtis L. , Nordamerika. Gonyosoma Wagl. und Dryoealamus Gnth. haben einen stark comprimirten Körper. Philodryas Wagl. Kopf conisch. Körper mehr oder minder coraprimirt. Ein vorderes, 2 oder 3 hintere Augenschilder. Hinterer Oberkieferzahn am längsten und gefurcht. Ph. viridissimus L. , Brasilien. Dromicus Bibr. Körper rundlich, 1 vorderes, 2 hintere Augenschilder. Hinterer Oberkieferzahn am längsten, nicht gefurcht, durch einen Zwischenraum abgesetzt. D. margaritiferus Schi. , Mexico. Hier schliesst sich die Familie der HomaJopsiden an mit Homalopsis Kühl., Eypsirhina Wagl., Tetranorhinus Dum. Bibr. u. a. G. Claus, Zoologie, i. Auflage. Tom. II. 19 290 Dendrophidae. Dryophidae. Psammophidae. Dipsadidae. Scytalidae. 6. Fam. Dendrophidae. Körper sehr dünn und schlank, mit meist langem flachen vom Nacken abgesetzten Kopf und vorspringender abgerundeter Schnauze. Oberkinnlade länger als die untere. Mund tief ges))alten. Ein vorderes und 2 bis 3 hintere Augen- schilder. Schuppen schmal, in 15 oder 21 Reihen. Bauchschilder meist mit 2 Kielen. Untere Sthwanzschikler in 2 Reihen. Bucephalus Smith. Kopf dick mit sehr grossen Augen, sehr stark abgesetzt. Ventralschilder nicht gekielt. B. capends Smith. Denclrophis Boie. Ventralschilder leicht gekielt. Schuppen klein, die der Dorsal- reihe viel grösser und triangulär oder polygonal. Kieferzähne gleich gross. D. ficta Gm., Ostindien. Ahaetulla Gray. Die Schuppen der Dorsalreihe nicht grösser als die andern. Hinterer Oberkieferzahn am längsten. Ä. smaragdina Boie, Westafrika. A. liocereus {Coluber ahaetulla L.), Brasilien. Chrysopelea Boie u. a. G. 7. Fam. Dryophidae. Körper sehr lang und schlank, ebenso der Kopf, mit dünner, zuweilen in einen biegsamen Anhang auslaufender Schnauze. Obere Kinnlade viel länger als die untere. Augen mit ovaler oder linearer horizontaler Pupille. Cryophis Boie [Oxyhelis Wagl. e. p.). Kopf sehr verlängert, die Schnauzenspitze nicht beweglich, mit solidem vorspringenden Schnabelschild. Dr. argentea Daud., Cayenne. Passerita Gray {Tragops Wagl.). Schnauze mit beweglichem Terminalanhang, der nicht länger ist als ';3 des Kopfes. P. myctericans L., Ceylon. Langaha Brug. {Dryinus Merr.). Schnauze mit beweglichem und von Schuppen bedecktem Terminalanhang, der länger als '/s des Kopfes ist. L. nasuta Brug., Madagascar. 8. Fam. Psamraophidae. Kopf mit tiefer Grube vor den Augen. Schuppen stets ungekielt, in 15 oder 19 Reihen. Ein vorderes, zwei hintere Augenschilder. Meist sind 4 oder 5 Oberkieferzähne länger als die übrigen , der hintere Zahn gefurcht. Psammophis Boie. Körper langgestreckt, mit zugespitzter Schnauze. Schuppen schmal und glatt. Ps. lineatus Dum. Bibr., Mexico. P. crucifer Merr., Südafrika. Coelopeltis Wagl. Kopf quadrangulär, hoch, mit verhältnissmässig kurzer Schnauze und tiefer Grube auf der Oberseite. Schuppen mit Längsfurchen. Vorderer Zahn der Unterkinnlade länger. C. lacertina Wagl., Egypten. Psammodynastes Gnth. u. a. G. Zu einer besonderen Familie der Eachiodontiden wird die durch mehrfache Eigen- thümlichkeiten, insbesondere durch die von den vorstehenden untern Dornfortsätzen der hintern Cervicalwirbel gebildeten Scblundzähne ausgezeichnete Gattung Uasypeltis Wagl. gestellt. D. scabra Wagl., Südafrika. 9. Fam. Dipsadidae. Körper ziemlich schlank, stark comprimirt, mit kurzem hinten verbreiterten stark abgesetzten Schwanz. Auge gross mit meist elliptischer Pupille. Schuppen langgestreckt, die der Vertebralreihen grösser. Meist hintere Furchenzähne. Amblycephalns Kühl. Kopf hoch abgerundet, mit kurzer Schnauze. Körper sehr lang. Vorderer Gaumen- und Kieferzahn lang. Kein Furchenzahn. Subcaudalschilder einreihig. A. boa Kühl., Philippinen. Pareas Wagl. Körper massig lang, comprimirt. Vorderer Gaumen- und Man- dibularzahn am längsten. Subcaudalschilder 2reihig. Furchenzahn voi-har.den. P. carinata Reinw., Java. Dipsas Boie. Kopf triangulär, stark abgeplattet, scharf abgesetzt. Subcaudal- schilder 2reihig. Kein grösserer Vorderzahn. Hinterer Oberkiefcr2ahn gefurcht. D. dendrophila Reinw., Ostindien und Philippinen. i>. fasciaia Fisch., Westafrika. Lepto- deira Fitz., Thamnodynastes Wagl. Eudipsas Fitz. Vorderer Gaumen- imd Maxillarzahn länger. E. eynodon Cuv., Asien. Leptognathus Dum. Bibr. Kopf quadrangulär, nicht abgeflacht. Zähne gleich gross. Subcaudale Schilder 2reihig. L. nebulatus L., Südamerika. EhinobothryvmWagl., 'fropidodipsas Gnth. 10. Fam. Scytalidae. Körper ziemlich gestreckt, zuweilen leicht comprimirt, mit massig langem nicht abgesetzten Schwanz. Kopf hinten verbreitert, etwas flach und S. Unterordnung. Proteroglypha. 291 scharf abgesetzt, mit regelmässigen Schildern. NasenöfFnungen meist zwischen 2 Nasen- schildern. Ein Zügelschild. Ein oder 2 vordere und 2 hintere Augenschilder. Hinterer Oberkieferzahn am längsten und gefurcht. Scytale Boie. Untere Schwanzschilder in einfacher Reihe Ein vorderes Augen- schild. Sc. coronatum Dum. Bibr., Brasilien. Oxyrhopus Wagl. Subcaudalschilder in 2 Reihen. 0. plumbeus Wied., Südamerika. 11. Farn. Lycodontidae. Körper massig lang, rundlich oder leicht comprimirt, mit oblongem Kopf und abgerundeter Schnauze. Auge eher klein, mit elliptischer ver- ticaler Pupille. Hintere Frontalschilder meist sehr gross. Ein oder zwei Nasenschilder. Niemals mehr als 2 vordere und 2 hintere Augenschilder. Vorderer Zahn beider Kinn- laden am längsten. Kein Furchenzahn. Lycodon Boie. Kopf platt mit regelmässigen Schildern. Zügelschild vorhanden. Schuppen in 17 Reihen. Analschild einfach. Subcaudalschilder 2reihig. L. aulicus Dum. Bibr., Ostindien. Odontomus Dum. Bibr. u. a. G. Boodon Dum. Bibr. Schuppen klein, in 21 bis 31 Reihen. B. geometricus Boie, Südafrika. Holiiropholis Dum. , Lycophldion Fitz. Siniocephalus Gray. Ein vorderes und ein hinteres Augenschild. Schuppen läng- lich lanzetförmig , scharf gekielt, die Wirbelreihen 6seitig, mit 2 scharfen Kielen. S. poensis Smith., Westafrika. Lamprophis Fitz. u. a. G. 12. Fam. Acrochordidae. Kopf und Körper mit kleinen warzigen Höckern an- statt der Schuppen. Nasenlöcher dicht neben einander auf der Schnauze. Ohne Furchenzähne. Chersydrus Cuv. Körper comprimirt , mit deutlicher und am Schwänze kielartig vortretender Bauchkante. Wasserbewohner. Ch. granulatus Sehn., Flüsse von Sumatra und Celebes. Acrochordus Hornstdt. Ohne Kiel an der Unterseite des Schwanzes. Ac. javani- ciis Hornstdt., Java, Borneo. Xenoderma Reinh. 3. Unterordnung. Proteroglypha. Giftschlangen mit grossen Furchen- zähnen , welche vorn im Oberkiefer stehen und hinter denen meist noch solide Hakenzähne folgen. Giftdrüse stets vorhanden. Gaumen und Flügelbeine sind ebenso wie der Unterkiefer mit Hakenzähnen bewaffnet. Der Kopf ist beschil- dert, stets aber ohne Zügelschild. Sie leben in wärmern Klimaten aller Welt- theile mit Ausnahme Europas und sind oft durch Schönheit und Pracht ihrer Färbung ausgezeichnet. 1. Fam. Elapidae, Frunknattem. Von Natter-ähnlichem Habitus, mit beschil- dertem Kopf, meist mit 2 Reihen von Subcaudalschildern. Kopf meist quadrangulär, oben flach mit massig grosser oder kurzer Schnauze. Meist ein vorderes (zuweilen zwei) und zwei oder drei hintere Augensohilder. Giftzähne unbeweglich mit vorderer Furche. Die meisten sind lebhaft gefärbt und mit hellen und rothen Binden geziert. Einige wie die Brillenschlangen {Naja) vermögen die vordem Rippen nach vorn aufzurichten und hierdurch den vordem Abschnitt des Rumpfes so stark auszuspreitzen, dass er den Kopf an Breite bedeutend übertritit. Solche Schlangen werden von egyptischen und ostindischen Gauklern nach Entfernung der Giftzähne bei ihrer Fähigkeit, den Körper auf dem Schwänze emporzurichten und unter Bewegungen in aufrechter Stellung zu erhalten, zum »Tanze« abgerichtet. Naja Laur. Halsgegend nach den Seiten ausdehnbar. Kopf hoch quadrangulär. Ein oder zwei kleine Zähne hinter den Giftzähnen. Nasenöfi'nung zwischen zwei Nasal- schildern. Analschild einfach. Subcaudalschilder zweireihig. N. tripudians Merr., Brillenschlange, mit zwei durch einen gebogenen Querstreifeu Brillen-ähnlich verbundenen Nackenflecken, in Bengalen. N.hajeL., Schlange der Cleopatra, Egypten. Fseudonaja Gnih 19* 292 1. Unterordnung. Solenoglyplia. Cyrtophis Sundv. Vordere Frontalschilder viel grösser als die hintern. Eins der beiden Nasenschilder von der Nasenöti'nung durchbohrt. Keine Hakenzähne hinter den Furchenzähnen. C. scutatus Smith. Elaps Sehn. '). Körper verlängert, sehr schlank mit abgeflachtem Kopf. Ein vorderes, zwei hintere Augenschilder. Schuppen in 13 bis 15 Reihen. Nur Furchen- zähne. E. bivirgatus Boie, Sunda-Inseln. E. corallinus L. , Südamerika. Callophis Gray, Brachysoma Fitz., Vermicella Gray. Bungarus Daud. Körper langgestreckt und comprimirt, mit breitem und abge- flachtem vom Nacken abgesetzten Kopf. Ein vorderes, drei hintere Augenschilder. Schuppen in 13 bis 15 Reihen, die der Vertebrallinie gross und hexagonal. Subcaudal- schilder in einfacher Reihe. Einige kleine Hakenzähne hinter den Furchenzähnen. B. lineatus Shaw., Ostindien. B. fasciatus Shaw., China. Hoplocephalus Cuv., Pseiidechis Wagl. , Glyphodon Gnth. u. a. G. Acanthophis Daud. {Ophryas Merr.) Schilder am hintern Theile des Kopfes mehr Schuppen-ähnlich. Subcaudalschilder einreihig. Schwanz mit gekrümmter Spitze en- digend. A. antarctica Wagl. = cerastinus Lac, Australien. Hier schliesst sich auch die Gattung Dendraspis Schleg. an (Dinophis). 2. Farn. Hydrophidae , Seeschlangen '). Mit kaum abgesetztem beschilderten Kopf und comprimirtem Rumpf, welcher in einen stark compressen Ruderschwanz aus- läuft. Die Nasenschilder stossen in der Mittellinie oben zusammen. Meist nur ein Paar Frontalschilder vorhanden. Nasenlöcher nach oben gerichtet, durch Klappen ver- schliessbar. Bauchschilder klein oder durch Schuppen vertreten. Furchenzähne klein. Leben im Meere, besonders im Sunda- Archipel, kommen aber bis in die Flussmündungen. Sie sind lebendig gebärend. Flatunis Latr. Nasenschilder durch die vordem Stirnschilder getrennt. 2 Paar Stirnschilder. Schuppen glatt. Subcaudalschilder 2reihig. PI. fasciatus Daud. , In- disches Meer. Bei Acalyptus Dum. Bibr. ist die Frontal- und Parietalgegend beschuppt. A. supei-ciliosus Dura. Bibr., Neuholland. Aepysicrus Lac. Nasenschilder median zusammenstossend. Körper nur wenig comprimirt. Schuppen schwach tuberculirt. Bauchschilder mit mittlerer Leiste. Sub- caudalschilder einreihig. Ae. laevis Lac, Ae. fulginosus Dum. Bibr., Ind. Meere. Hydrophis Daud. Körper hinten stark comprimirt. Nasalschilder gross, einander berührend. Schuppen tuberculirt. Bauchschilder sehr klein. H. gracüis Schi. u. z. a. A. H. {Pelamis Daud) bicolor Daud., Ind. Meer. Astrotia Fisch., Disteira Lac. u. a. G. 4. Unterordnung. Soleuoglypha ^). Schlangen mit triangulärem , nach hinten verbreitertem Kopf und verhältnissmässig kurzem Schwanz. Der sehr kleine Oberkiefer trägt jederseits einen hohlen Giftzahn, sowie einen oder mehrere Ersatzzähne. Au.sserdem aber finden sich kleine solide Hakenzähne sowohl am Gaumen als im Unterkiefer. Viele sind lebendig gebärend. Weniger durch Grösse und Muskelkraft als durch den Besitz ihrer gefährlichen Gift- waffe ausgezeichnet, lassen sie die Beute nach dem ßiss wieder los und er- 1) Vergl. Günther, On the genus Elaps. Proc. zool. Soc 1859, ferner Peters über Elaps. Monatsberichte etc. Berlin. 1862. 2) J. G. Fischer, Die Familie der Seeschlangen, mit 3 Taf. Abhandl. des naturw. Vereins in Hamburg. 3 Bd. 1856. 3) E. D. Cope, Catalogue of the Venomous Snakes in the Museum of Philadel- phia etc. Proc Acad. Nat. Sc. Philad. 1859. W. Peters, üeber die craniologischen Verschiedenheiten der Grubenottern. Monatsber. der Berl. Acad. 1862. Strauch, Synopsis der Viperiden. Petersburg. 1869. 2. Ordnung. Saurii. 293 warten die tödtliche Wirkung des Giftes, bis sie sich zum Verschlingen der- selben anschicken. 1. Farn. Viperidae, Ottern. Mit stark abgesetztem breiten Kopf, ohne Gruben zwischen Nasen und Augen. Pupille länglich und vertical. Die Oberseite des Kopfes mit Schildchen und Schuppen bedeckt. Meist finden sich zwei Schiklerreihen an der Unterseite des kurzen Schwanzes. Atractaspis Smith. Kopf kurz, breit, nicht abgesetzt, beschildert. Schwanz mit einer kurzen conischen Spitze endigend. Auge klein. Schuppen gerundet, in 19 oder 20 Reihen. Subcaudalschilder in einer Reihe. A. irregularis Reinh. , Südafrika. A. corpulentus Hallow. , Westafrika. Vipera Laur. Kopf nur in der Stirngegend beschildert, dahinter mit kleinen glatten Schuppen bedeckt. Nasenloch in der Mitte eines Schildes. Subcaudalschilder in 2 Reihen. V. aspis Merr., in bewaldeten Gebirgsgegenden Südwesteuropas. V. am- modytes Dum. Bibr. , Sandviper, mit einer weichen hornartigen Erhebung an der Schnauzenspitze, Italien und Dalmatien. Pelias Merr. Auch Occipitalschilder vorhanden. Subcaudalschilder 2reihig. P. berus, Kreuzotter, Kupfernatter, ausgezeichnet durch die schwarzbraune Zickzack binde des Rückens, in Gebirgswaldungen Europas. Cerastes Wagl. Scheitel mit warzigen Schuppen bekleidet. Ueber jedem Auge eine hornartige von Schuppen gebildete Erhebung. Subcaudalschilder 2reihig. C. aegyp- tiacus Dum. Bibr. , Hornviper. Clotho Gray. Kopf länglich, mit kleinen gekielten Schuppen. Subcaudalschilder 2reihig. Cl. arietans Gray, Cap. Echis Merr. Subcaudalschilder einreihig. Scheitel mit Schuppen bedeckt. E. carinata Merr., Cairo. Daboia Gray. 2. Farn. Crotalidae , Grubenottern. Mit einer Grube zwischen Auge und Nasen- öfFnung und meist unvollständig beschildetem Kopfe, von bedeutender Grösse. Pupille elliptisch vertical. Crotalus L., Klapperschlange. Kopf von vordem Schildern abgesehn klein be- schuppt. Subcaudalschilder einreihig. Schwanzende mit einer aus Hornringen gebil- deten Klapper. C. durissus L., Südöstliches Nordamerika. G. horridus L., Südamerika. 0. adamanteus Pal., Mexiko. Crotalophorus Gray. Bei Lachesis Daud. wird die Klapper durch Reihen spitzer Schuppen und einem Enddorn ersetzt. L. mutus L. , Surinam. Trigonocephalus Opp. Kopf mit grossem Scheitelschilde. Schwanz spitz, ohne Klapper. Schuppen gekielt. Tr. BlomhoffüBoie, Japan. 7V. /jiscirorMsHolbr., Nordamerika. Bothrops Wagl. Kopf von kleinen Schuppen bedeckt. Nur 2 Supraciliarschilder. Schuppen gekielt. Subcaudalschilder 2reihig. B. lanceolatus L., Antillen. B. atrox L., Brasilien. B. (Atropos) Darwini Dum. Bibr., Mexico. Tropidolaernus Wagl. u. a. G. S.Ordnung. Saurii '), Eidechsen. Plagiotremen mit Schultergürtel und Brustbein , in der Regel mit vier Extremitäten, meist mit Paukenhöhle , Trommelfell und heiveglichen Augen- lidern^ mit festverbundenen Unterlcief er ästen , ohne EriveiterungsfühigJceit des Rachens, mit Harnblase. Die Eidechsen besitzen durchweg einen gestreckten, zuweilen selbst schlangenartigen Körper, an welchem sich indessen mit wenigen Ausnahmen 1) Vergl. ausser den Werken von Lacepede, Daudin, Bibron, Dumeril, Schlegel, Wagler, Günther etc. Tiedemann, Anatomie und Naturgeschichte der 294 Saurier. Elxtremitäten. Schädel. drei deuHich gesonderte Abtheilungen unterscheiden lassen, ein überaus verschieden geformter Kopf, ein zuweilen beträchtlich dicker und durch den Hals vom Kopf abgesetzter Paimpf und ein meist sehr langer sich allmählig verjüngender Schwanz. In der R.egel finden sich am Rumpf vier Extremitäten, die indess den Rumpf kaum emporgehoben tragen und bei der Bewegung meist nur als Nachschieber wirken, übrigens auch zum Anklammern (Ghamaeleon), Klettern (Geckonen) und Graben verwendet werden können und gewöhnlich mit fünf bekrallten Zehen enden. Zuweilen bleiben dieselben so kurz und rudimentär, dass sie dem schlangenähnlichen Leib wie Stummel anliegen, an denen die Zehen nicht zur Sonderung gelangen [Chamaesaura). In andern Fällen sind nur kleine hintere Fussstummel {Fseudopus , Ophiodes) oder aus- schliesslich Vordergliedmassen ( Chirotes ) vorhanden oder es fehlen endlich äusserlich hervorstehende Theile von Gliedmassen vollständig {Anguls, Acontlas, Opinsaurus). Schultergürtel und Becken werden niemals vermisst, auch findet sich bei allen Sauriern mit Ausnahme der Amphisbaenen wenigstens ein Rudiment des Brustbeins , welches mit der Ausbildung der Vordergliedmassen an Umfang zunimmt und dann einer entsprechend grösseren Zahl von Rippen zum Ansatz dient. Diese erstrecken sich fast über die ganze Länge des Rumpfes uud fehlen nur den vordersten Halswirbeln, zuweilen auch einigen Lenden- wirbeln, dagegen werden überall die Hüftbeine an den beiden Wirbeln der Kreuzgegend mittelst verstärkter Rippen befestigt. Eine eigenthümliche Modi- fikation zeigen die vordem Rippenpaare bei der Gattung Braco, indem sie sich ausserordentlich verlangen und seitlichen als Flughaut dienenden Hautdupli- caturen zur Stütze dienen. Die Schädelkapsel reicht nicht weit nach vorn und ist hier unvollständig durch häutige Theile geschlossen, welchen sich oft ein häutiges Interorbital- septum anschliesst. Auch bleibt das Sphenoidale anterius unterhalb dieses Septums oft knorplig, doch können in demselben Ossifikationen als Rudimente von Orbitosphenoids auftreten. Einem stark vorspringenden Fortsatz der hintern Schläfengegend liegt das Squamosum auf. Das hintere Ende des Oberkiefers ist mit Ausnahme der Amphisbaenen und Ascaloboten durch eine die Orbita umschüessende Knochenbrücke {Jugale) mit dem hintern Stirnbein verbunden, während von diesem ein Knochenstab, die Schläfengegend überbrückend (Qua- drato jugale) , zu dem obern Ende des Quadratbeins verläuft (Kionocrania). Ein wichtiger Gharacter der Eidechsen im Gegensatz zu den Schlangen beruht auf dem Mangel der seitlichen Verschiebbarkeit der Kieferknochen. Zwar ist das Quadratbein mit dem Schädel beweglich (Hatteria = Spheiiodou ausgenonmien) verbunden, und ebenso articuliren die Flügelbeine, welche sich Drachen. Nürnberg. 1811. Wiegmann, Herpetologia mexicana. Pars I. Saurorura species amplectens. Berlin. 1834 J. E. Gray, Catalogue of the specimens of Lizards in the coli, of the Brit. Museum. London. 1845. Gravenhorst, Die Wirtelschleichen und Krüppelfüssler. Mit 19 Tafeln. Breslau und Bonn. 1851. Fr. Leydig, Die in Deutschland lebenden Arten der Saurier. Tübingen. 1872. E. Schreiber, Herpetologia europaea. Braunschweig. 1875. Knauer, Naturgeschichte der Lurche. Wien. 1878, sowie die Abhandlungen von Brücke, Rathke, Peters u. zahlr A. Bezahnung. Augenlid. Trommelfell. Paukenhöhle. 295 den Gelenkfortsätzen des hintern Keilbeines anlegen, meist am Quadratbein, indessen zeigen die einzelnen Knochen des Kiefergaumenapparates unterein- ander und mit der vordem Partie des Schädels einen festen Zusammenhang. Während die Flügelbeine mit dem Oberkiefer durch ein Os transversum fest verbunden sind und zugleich dem Scheitelbeine durch eine stabförmige Golu- mella zur Stütze dienen, verschmelzen die Gaumenbeine sowohl mit den Pflug- scharbeinen als durch Querfortsätze ihres Aussenrandes mit den Oberkiefer- knochen, zwischen denen sich vorn der Zwischenkiefer ziemlich fest einkeilt. Da- gegen bleibt die Verbindung zwischen Scheitelbein und Schädel durch Bandmasse weich und verschiebbar, und es lenkt sich das Quadratbein am Schläfenbogen beweglich ein und bildet am unteren Ende ein freies Gelenk für den Unter- kiefer, dessen Schenkel am Kinnwinkel in fester Verbindung stehen. Die Bezahnung der Eidechsen bietet nach Form, Bau und Befestigung der Zähne eine weit grössere Mannichfaltigkeit als bei den Schlangen , stellt sich indessen nicht so vollständig dar, indem der Gaumen niemals eine bogenförmig geschlossene innere Zahnreihe, sondern nur kleine seitliche Gruppen von Zähnen am Flügelbeine zur Entwicklung bringt. Häufig stellen die Zähne kleine nach hinten gebogene Haken dar, in andern Fällen zeigen sie sciiarfschneidende und gezähnelte, kegelförmige oder zuweilen faltig gestreifte Kronen. Fast niemals sind dieselben wie bei den Grocodilen in besonderen Alveolen eingekeilt, sondern sitzen dem Knochen unmittelbar auf, entweder aut dem freien obern Kieferrande {Acrodonten) oder im Grunde einer tiefen Kieferrinne befestigt und an die vorstehende äussere Knochenplatte des Kieferrandes von der Innern Seite angewachsen {Fleiirodonten). Diese Verschiedenheit der Zahnbefestigung erscheint systematisch mehrfach verwendbar und besonders desshalb interessant, weil sie die Gruppe der Leguane parallel der geographischen Verbreitung in zwei Abtheilungen sondert. Die Leguane der östlichen Halbkugel sind Acrodonten, die der westlichen Halbkugel Pleurodonten. Wichtiger noch als die Form und Befestigung der Zälme erscheint die Gestalt der Zunge, nach welcher die Hauptgruppen unserer Ordnung unterschieden und bezeichnet worden sind. Entweder ist die Zunge kurz, an dem verdünnten vordem Ende ausgebuchtet, aber wenig vorstreckbar {Brevilvviues) oder ungewöhnlich dick und fleischig, an der Spitze kaum ausgebuchtet und nicht zum Vorstrecken befähigt (Grass Hing ues) oder lang und dünn, gabiig gespalten und nach Art der Schlangenzunge aus einer besondern Scheide vorstreckbar [Fissilingues), oder endlich wurmförmig gestreckt, mit kolbig verdickter klebriger Spitze und dadurch weit vorstreckbar {Vermüingues), dass beim Vorziehen des Zungen- beins der Scheidenmuskel die eingezogene Zunge hervortreibt. Die meisten Eidechsen besitzen sowohl Augenlider als ein freiliegendes Trommelfell und eine Paukenhöhle. Wohl nur die Amphishaenen und Geckonen entbehren der Lidbildungen und verhalten sich rücksichtlich der Augen- bedeckungen wie die Schlangen. Von den Augenlidern ist das untere meist beweglicher, und bei den Scincoiden kann dasselbe wie ein transparenter Vor- hang emporgezogen werden, ohne das Sehen zu verhindern. Auch eine Nick- haut ist in der Regel vorhanden. Einfach erscheint dagegen das Augenlid bei den Chamaeleoniden , indem dasselbe einen überaus muskulösen breiten 296 Saurier. Körperbedeckiing. Urogeiiitalapparat. Hautring mit kreisförmiger Oeffnung darstellt. Paukenhöhle und Trommelfell fehlen den Aniphishaenen, hcäufiger wird das Trommelfell von Haut und Muskeln bedeckt (Anguis, Acontias , Chaniaeleon). Die äussere Körperbedeckung der Eidechsen zeigt ganz ähnliche Verhält- nisse wie die der Schlangen , jedoch in weit grösserer Mannichfaitigkeit. Für die Epidermis, welche verhältnissmässig wenig Pigment, aber an manchen Stellen bewegliche Farbzellen (Ghromatophoren) enthält, wird von Leydig ein äusseres homogenes Grenzhäutchen als Guticula hervorgehoben. Ueberall entwickelt die obere Gutisschicht einen mächtigen und Pigment-reichen Papillar- körper, auf den die mannichfachen als Warzen, Körner, Schuppen und Schilder bezeichneten Erhärtungen des hiteguments zu beziehen sind. Bald finden sich glatte oder gekielte Schuppen, die nach ihrer Form und gegenseitigen Lage als Tafelschuppen, Schindelschuppen, Wirtelschuppen unterschieden werden, bald Schilder und grössere Tafeln , für deren Vertheilung am Kopfe sich die bereits für die Schlangen hervorgehobene Terminologie wiederholt. Doch kommen auch mehr unregelmässige Erhärtungen warziger und stachliger Höcker vor, die der Haut ein abweichendes an die Kröten erinnerndes Aussehen verleihen (GccJconen) , wie sich andererseits grössere und seltsam gestaltete Hautlappen an der Kehle, Kämme am Rücken und Scheitel, ferner Faltungen der Haut an den Seiten des Piumpfes, am Halse etc. als höchst eigenthümliche Anhänge entwickeln. Obwohl im Allgemeinen die Haut der Eidechsen arm an Drüsen ist, so finden sich doch constant bei zahlreichen Eidechsen Hautdrüsen und entsprechende Porenreihen längs der Innenseite der Oberschenkel und vor dem After. Das Secret dieser Drüsen stellt eine röthliche fettige Masse dar, welche erhärtet und als papillenförmige Erhebung aus der Oeffnung hervor- steht. Man betrachtete die Drüsen als Einrichtungen, welche zu der Begattung in Beziehung stünden und benutzte dieselben als wichtige systematische Merk- male zur Gharacterisirung einzelner Gattungen und Arten. Nach Leydig haben sie jedoch zunächst nur die Bedeutung eigenthümlicher Talgdrüsen. Der Urogenitalapparat ^) schliesst sich nach Bau und Entwicklung am nächsten dem der Vögel an. Die Anlagen der Urnieren sind solide Wucherungen des Peritonealepitels und zeigen eine streng segmentale Anordnung. Trichter- anlage und Segmentalcanal bilden sich bald zurück, während das Segmental- bläschen (Anlage des Malpighischen Körpers) einen Fortsatz zum Wolff'schen Gang entsendet, der zum Urnierencanälchen wird. Beim Männchen wird die Urniere zum Nebenhoden , der Wolff'sche Gang zum Samenleiter , beim Weibchen erfahren dieselben eine Rückbildung. Der Müller'sche Gang soll in beiden Geschlechtern (M. Braun) als Einstülpung des Peritoneums entstehen und bis zur Kloake vordringend diese beim Weibchen durchbohren, beim Männchen bis auf kleine Reste rückgebildet werden. Auch die bleibende Niere entwickelt sich an die Urniere anschliessend aus unregelmässigen Sprossen des Peritonealepitels und setzt sich mit dem vom Hinterende des Wolff'schen Ganges als Blindsack hervorwachsenden Harnleiter in Verbindung. 1) Vgl. besonders M. Braun, Das Urogenitalsystem der einheimischen Reptilien Arbeiten aus dem zoolog. Institut der Universität Würzburg. Tom. IV. 1877. Fortpflanzung. P^mbryonale Entwicklung. 297 Ovarien und Hoden entstehen in gleicher Weise als langgestreckte Er- hebungen an der Medialfläche der Urnieren. Zellenwucherungen der Urniere treten als Segmentalstränge in die Anlagen der Geschlechtsdrüse ein und werden beim Männchen zu den Hodencanälchen , während sie beim Weibchen degeneriren. Die Fortpflanzung der Eidechsen verhält sich in den einzelnen Gruppen und Familien überaus verschieden. In der Regel legen die Weibchen nach vorausgegangener Begattung — in den gemässigten Gegenden im Sommer — verhältnissmässig wenige Eier in feuchte Erde ; einige, wie gewisse Scincoideen {Änguis, Seps) bringen lebendige Junge zur Welt. Die embryonale Entwick- lung ') schliesst sich unmittelbar an die des Vogeleies an. Das grosse von einer weichen Schalenhaut bekleidete Ei enthält eine verschieden reiche Menge Ei- weiss , vor dessen Abscheidung im Oviduct die Befruchtung erfolgt. Die als- bald beginnende Furchung betrifft als partielle zunächst nur den Bildungsdotter und führt zur Anlage eines zweischichtigen Blastoderms , welches sich rasch über den Dotter ausbreitet. Der centrale Theil des Blastoderms verdickt sich durch cylindrische Verlängerung seiner Zellen in Form eines schmalen Em- bryonalschildes, an dessen Hinterende sich die äussere das Ectoderm repräsen- tirende Zellenschicht blindsackartig einstülpt. Die Oeffnung dieser Einstülpung, welche die hintere Grenze an der Medullarplatte bezeichnet, wird mit Rücksicht auf die Lagenbeziehung zu der alsbald auftretenden Rückenfurche als Gastrula- mund gedeutet. Ueber demselben beginnen die Rückenwülste sich bogen- förmig zu schliessen und am Ende der Medullarrinne zu verwachsen. Diese führt somit in den Einstülpungscanal , welcher nach Balfour als ductus neurentericus das Entoderm durchbricht und bald obliterirt. Nach Kupffer soll sich jedoch die Einstülpung sackartig bis zur ventralen Wand des Hinter- darms erstrecken und die Anlage des Epithelialsacks der Allantois werden. Die Chorda entsteht unterhalb der Medullarplatte als Differenzirung des Entoderms, mit dem sie unmittelbar vor dem neurenterischen Ganal länger in Gontinuität bleibt. Die Amnionfalte entwickelt sich zuerst am Vorderende der Embryonal- anlage als Ectodermfalte, welche jenes haubenartig bedeckt, noch bevorder Medullarcanal geschlossen ist. Die erste Anlage der Allantois erscheint als Divertikel des Entoderms am spätem Hinterdarm. Die weitere Ausbildung derselben stimmt ebenso wie die der ganzen Embryon dentwicklung mit der des Vogels überein. Die meisten Eidechsen sind harmlose und durch Vertilgen von Insecten und Würmern nützliche Thiere, grössere Arten wie die Leguane werden des Fleisches halber erjagt. Bei weitem die Mehrzahl und zwar sämmtliche grösseren und prachtvoll gefärbten Arten bewohnen die wärmern und heissen Klimate. Fossile Ueberreste von Eidechsen haben sich sehr zahlreich gefunden, die ältesten aus den obersten Schichten des Jura. Eine riesige Grösse besassen die den Monitoren am nächsten verwandten Echsen der Kreide {Mosasaurus etc.). 1) Ausser LerebouUet vergl. C. Kupffer und Beneke, Die erste Entwicklung am Ei der Reptilien. F. M. Balfour, On the early Development of the Lacertilia etc. Journ. of niicr. Science. 1879. U. Kupffer, Die Entstehung der Allantois und die Gastrula der Wirbelthiere. Zoologischer Anzeiger. Vol. IL 1879. 298 1. Unterordnung. Annulata. 2. Unterordnung. Vermilinguia. 1. Unterordnung. Annulata ^), Rinyelechsen. Der sehr gestreckte, schlangenähnliche Körper besitzt eine derbe, schuppenlose Haut, welche durch Querfurchen in Ringe abgetheilt ist. Diese werden wieder von Längsfurchen in der Art gekreuzt , dass die Oberfläche ein zierlich getäfeltes mosaikartiges Aussehen erhält. Nur am Kopfe und an der Kehle finden sich grössere Schilder. Ein Brustbein fehlt , während der Schultergürtel, mit Ausnahme von Chirotes, sehr rudimentär bleibt. Beckenrudimente treten überall auf. Gewöhnlich fehlen die Extremi'äten, indessen können kleine Vorderfüsse (Chirotes) vor- handen sein. Augenlider und Paukenfell fehlen, die kleinen Augen werden von der Haut überzogen. Auch wird eine Golumella vermisst. Ueberall aber sind die Gesichtsknochen des engen Rachens und ebenso die Unterkieferäste fest mit einander verwachsen , letztere besitzen mehrere Foramina mentalia. Am Schädel entwickelt sich kein Interorbitalseptum. Die Zunge ist dick und kurz, ohne Scheide und auch die Bezahnung wie bei den Schuppenechsen, meist jedoch nach Art der Pleurodonten. Gaumenzähne fehlen. Es sind harm- lose Tliiere, die grossentheils in Amerika ähnlich wie die Blindwühler unter- irdisch in Ameisenhaufen leben und sich von Insecten und Würmern nähren. 1. Fam. Trogonophidae , Acrodonten. Trogonophis Kp. Zähne am Rande der Kiefer aufgewachsen. Kopf kurz coni.sch. Tr. Wiegmanni Kp., Algier. 2. Fam. Amphisbaenidae. Pleurodonten ohne Gliedmassen und ohne Sternalscheibe. Amphisbaena L. Zähne an der Innenseite der Kiefer angewachsen. 2 grosse getrennte Nasalschilder und 2 Paar Frontalschilder hinter denselben. Kopf flach mit gerundeter Schnauze. Praeanalporen deutlich. A. alba L., Brasilien. A. fuliginosa L., Südamerika. Sarea caeca Cuv. , Cynisca leiicura Dum. Bibr. , Guiana. Blanus Wagl. Zwischen die 2 kleinen Nasa'platten ragt ein grosses vorderes Frontalschild. BL cinereus Vand., Spanien. Anops Kingii Beil., Brasilien. 3. Fam. Lepidosternidae. Pleurodonten ohne Gliedmassen, mit Sternalscheibe. Lepidosternon Wagl. Ohne Präanalporen. Zähne an der Innenseite der Kiefer angewachsen. Körper mit eingefurchter Seitenlinie. lU oder 12 Kopfschilder. L. micro- cephalum Wagl., Brasilien. Bei Cephalopeltis Joh. Müll, finden sich nur 2 Kopfschilder. C. scutigera Hmpr. , Brasilien. 4. Fam. Chirotidae. Pleurodonten mit vordem Gliedmassen. Chirotes Dum. Zähne am Innenrande der Kiefer angewachsen. Zwei Vorderglied- massen vorhanden. Ch. lumhricoides P"'lem., Mexiko. 2. Unterordnung. Yermilinguia, Wurmzüngler. Echsen der alten Welt mit wurmförmiger, weit vorschnellbarer Zunge und hohem seitlich compri- mii'ten Körper, welcher von einer chagrinartigen Haut bedeckt ist. Der Schädelbau weicht von dem der übrigen Eidechsen bedeutend ab , indem die Scheitelbeine nicht beweglich am Occipitale verschoben werden, sondern mit diesem und dem über die Scheitelbeine sich fortsetzenden Occipitalkamme fest verbunden sind. Orbita hinten durch aufsteigende Fortsätze der Jochbogen geschlossen. Quadratbein fest am Schädel angeheftet. Nach der Befestigung der Zähne Acrodonten. Gaumenzähne fehlen. Höchst merkwürdig ist der 1) J. E. Gray, Catalogue of shield Reptiles in the Collection of the Brit. Museum. London. 1872. Boulenger, Bull. Soc. Zool. France. 1878. 3. Unteronlnung. Crassilinguia. 299 weniger vom Lichtreize der Umgebung als von Gemüthsaffectionen des Thieres abhängige Farben Wechsel der Haut, zu dessen Erklärung in neuerer Zeit be- sonders die Untersuchungen Brücke's '), Bert's und Krukenberg's bei- getragen haben. Es sind nämlich zwei verschiedene Pigmentschichten unter der dünnen Oberhaut angehäuft, eine oberflächliche helle gelbliche und eine tiefere dunkelbraune bis schwarze, deren gegenseitige Ausbreitung und Lagerung sich verändert. In der That ist der Einfluss des Lichtes unabweisbar, indem die Thiere im Dunkeln hellfarbig werden, während sie sich im Lichte dunkel färben. Indessen auch im vollen Sonnenlichte können sie ziemlich hellfarbig erscheinen , andererseits im Dunkeln ein tief schwarzes Golorit er- halten. In erster Linie ist für das Dunkelwerden der Farbe die Einwirkung gewisser Gemüthsaffecte massgebend , deren Erlöschen (auch im Schlaf) das Erblassen veranlasst. Zwischen beiden Extremen bewegen sich die mannich- fachen Farbennuancen. Gleichwohl entspricht die Entfärbung keineswegs dem Zustand der Ruhe und die Schwarzfärbung dem Reizzustand. Vielmehr ist die Wirkung des Reizes verschieden, je nachdem derselbe vom Willenscentrum aus (vielleicht Hemmungsnerv) die motorischen Ganglien trifft oder diese direct vom Reize beeinflusst werden. 1. Fam. Chamaeleonidae, Chamaeleons. Der pyramidale Kopf erhält seine eigen- thümliche Form durch die stark erhobenen Ueberbrückungen der Schläfengrube. Die Füsse sind Greiffüsse und enden mit 5 Zehen, von denen je zwei und drei Zehen bis auf die Krallen mit einander verbunden, wie die Arme einer Zange wirken. Der lange dünne Schwanz dient als Rollschwanz zum Festhalten des Körj>ers an Zweigen und Aesten. Alle sind Acrodonten. Das Paukenfell liegt verborgen, von der Körper- haut überzogen. Das Auge wird von einem grossen und dehnbaren Lide bedeckt, in dessen Mitte eine nur kleine Oeffnung für die einfsiUenden Lichtstrahlen der Pupille gegenüber frei bleibt. Die wurmförmige sehr lange Zunge dient als Fangapparat und ist an ihrer Spitze knopfartig verdickt und becherförmig ausgehölt. In der Ruhe liegt dieselbe eingezogen am Boden der Mundhöhle, von dem rinnenförmigen Gaumen bedeckt, hervorgestreckt erreicht oder übertrifft sie die Länge des Kopfes. Die Haut entbehrt der Beschuppung und besitzt eine mehr chagrinartige Beschaffenheit. Die Thiere sind trag und langsam beweglich, sie klettern vortrefflich und leben auf Bäumen, an deren Zweigen sie mit dem Wickelsehwanze befestigt, stundenlang unbeweglich auf Beute lauern. Diese besteht vorzugsweise aus Insecten, auf welche sie die Zunge pfeilscnell voi'schleudern. Chamaeleon Laur. Ch. vulgaris Cuv. , im südlichen Spanien und Afrika , von Fuss-Grösse. Ch. Senegalensis Daud. Ch. bifidus Brongn. , Madagascar. 3. Unterordnung. Crassilinguia, Dickzüngler. Mit dicker und kurzer fleischiger Zunge, welche an der Spitze kaum ausgebuchtet, in der Regel viel- mehr zugerundet ist und nicht vorgestreckt werden kann. Augenlider sind meist vorhanden. Das Paukenfell liegt meist frei. Ueberall finden sich vier Gliedmassen mit nach vorn gerichteten Zehen. Ihr Wohnort beschränkt sich auf die wärmern Gegenden der alten und neuen Welt, die östliche und Avest- 1) E. Brücke, Untersuchungen über den Farbenwechsel des afrikanischen Chamaeleons. Wiener Denkschriften. 1851. Krukenberg, Ueber die Mechanik des Farbenwechsels bei Chamaeleon vulgaris Cuv. Vergleichend ph3'siologische Studien. 3. Abth. Heidelberg. 1880. 300 Ascalabotae. Iguanidae. liehe Hemisphäre bergen überraschend ähnliche Typen, die aber (von den Geckonen abgesehen ) nach dem Zahnbau eine scharfe Scheidung gestatten. Die Bewohner Amerikas sind Pleurodonten, die der alten Welt Acrodonten. 1. Farn. Ascalabotae, Haftzeher, Geckonen. Eidechsen von molchähnlicher plumper Form und nur geringer Körpergrösse, mit klebrigen Haftlappen an den Zehen und mit biconcaven Wirbeln. Postfrontale mit dem Squamosum, ebenso die Maxillen durch Ligament mit dem Quadratbein verbunden. Die Haut ist klein-beschuppt, warzig und höckrig, meist düster gefärbt, der Schwanz kurz und dick. Alle sind Pleurodonten ohne Gaumenzähne und nächtliche scheue Thiere mit grossen der Lider entbehrenden Augen. Sie klettern und laufen mittelst ihrer meist zurückziehbaren Krallen und Haft- lappen sehr geschickt an glatten und steilen Wänden und leben meist in den heissen Ländern, nur wenige im Süden Europas. Obwohl harmlose Thiere gelten sie doch fälschlich wegen des scharfen Saftes der Haftzehen für giftig und lassen zur Nachtzeit eine laute wie Gecko klingende Stimme hören. Platyductylus Cuv. Zehen verbreitert, mit einer Reihe von Schuppen auf der Unterseite. Daumen ohne Kralle. PI. {Gecko L.) verus Merr. , China. PI. bivittatus Dum. Bibr. PI. {Tarentola Gray) fascicularis Daud. = PI. Mauritanica L. PL murqlis Dum. Bibr., Küsten des Mittelmeers. PI. aegyptiacus Cuv. u. a. A. Gymnodactylus Dum. Bibr. Sämmtliche Zehen dick und mit Klauen. Schwanz flach mit Ringen von Tuberkeln. G.